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Gärtnern geht auch torffrei

Torffrei gärtnern
Wir stellen euch praktische Tipps vor, wie ihr beim Gärtnern ganz einfach auf Torf verzichtet – und damit aktiv zum Klimaschutz beitragt. Denn torffreies Gärtnern ist einfacher als gedacht.
Kleine Pflanze im Topf, Bild von congerdesign auf Pixabay.com/de

Torf wird durch die Ablagerung nicht vollständig zersetzter Pflanzenbiomasse in Mooren gebildet. Diese Moorböden bedecken knapp drei Prozent der Landfläche der Erde und sind sehr kohlenstoffreich. Sie binden doppelt so viel Kohlenstoff wie sämtliche Wälder auf Welt zusammen. Somit sind Moorböden die mächtigsten Kohlenstoffspeicher, die wir haben. 

Ursprünglich waren 5 Prozent Deutschlands von natürlichen Mooren bedeckt, das sind etwa 1,8 Millionen Hektar. Heute gelten davon 95 Prozent als zerstört. Das sorgt dafür, dass wichtige Lebensräume seltener Tier- und Pflanzenarten verloren gehen. Menschliche Einflüsse wie Land- und Forstwirtschaft, Infrastruktur und Torfabbau sorgen dafür, dass der Flächenanteil immer weiter zurückgeht. Zudem wird beim Abbau des Rohstoffs in kurzer Zeit besonders viele CO2-Emissionen freigesetzt, was die Erderwärmung vorantreibt.

Mit dem bewussten Verzicht auf torfhaltige Erde könnt ihr somit einen wertvoller Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten. 

So gelingt torffreies Gärtnern

Damit Ihr genauso viel Freude beim Gärtnern habt, geben wir euch im Folgenden ein paar Tipps an die Hand, wie eure Gewächse wunderbar gedeihen können – auch ganz ohne Torf.

Augen auf beim Erdekauf

Nur Produkte, die eindeutige Kennzeichnungen wie "torffrei" oder "ohne Torf" tragen, werden ihrem Namen auch gerecht. Von torfreduzierter oder torfarmer Erde solltest du lieber die Finger weglassen, da sie immer noch bis zu 70% Torf enthalten können. Wenn du dir nicht ganz sicher bist, lohnt sich ein Blick auf die Inhaltsstoffe. Torffreie Erden beinhalten alternative Rohstoffe wie Grüngutkompost, Holzfasern, Rindenhumus oder Kokosprodukte.

Richtig gießen

Torffreie Erde kann Wasser weniger gut speichern, wodurch sie oberflächlich schneller austrocknet. Dadurch versickert das Wasser und sammelt sich am Boden des Pflanzgefäßes an, wodurch die Wurzeln nicht ausreichend Flüssigkeit aufnehmen können

Deshalb: 

  • Vor dem Gießen mit dem Finger oder einem Holzstab fühlen, ob Wasser benötigt wird
  • Öfter und in kleineren Mengen gießen
  • Staunässe vermeiden
  • Pflanzen von unten wässern, indem der Topf in eine Schale mit Wasser gestellt wird. So kann die Erde die Menge an Wasser aufnehmen, die sie benötigt
  • Um die optimale Feuchtigkeit der Erde zu erreichen, ist die Verwendung eines Gefäßes mit Wasserspeicher empfehlenswert

Jede Erde hat andere Vorlieben 

Die Zusammensetzung der Erde und der genutzte Dünger, haben einen direkten Einfluss aufeinander, wodurch die Düngewirkung beeinträchtigt werden kann. Daher sollten beide Komponenten aufeinander abgestimmt werden

Deshalb: 

  • Vergleiche die Zusammensetzung von Dünger und Substrat. Beispielsweise brauchen Blumenerden mit viel Holzbestand eine stickstoffbetonte Düngung während jene mit Kompost aufgrund des hohen Phosphoranteils keinen Zuschuss von diesem Nährstoff brauchen
  • Regelmäßiges düngen ist ebenfalls empfehlenswert, um lange Freude an dem Gewächs zu haben. Werfe hierzu einen Blick auf die Empfehlungen auf den Verpackungen der Erde und des Düngers

Auch die Erde möchte ein schönes Zuhause haben

Wird die torffreie Erde länger nicht genutzt, können sich Volumen, Nährstoffgehalt und pH-Wert verändern.

Deshalb: 

  • Lagere die Erde an einem trockenen, vor Sonneneinstrahlung geschützten und möglichst kühlem Ort
  • Versuche, die Erde möglichst direkt nach dem Kauf zu nutzen. So kannst du dir sicher sein, dass sie ganz frisch ist
  • Verschließe angebrochene Säcke fest, um den restlichen Inhalt zu schützen 

Regionaler Kompost lohnt sich

Statte deiner regionalen Kompostierungsanlage einen Besuch ab. Diese bietet nicht nur günstigen, sondern gleichzeitig auch gütegesicherten Grüngutkompost an. Dieser ist zwar mikrobiell aktiver als Torf und weißt übers Jahr keine konstanten Qualitäten auf, ist aber für den Einsatz im Hobbygarten völlig ausreichend. 

Nun wünschen wir dir viel Spaß beim Buddeln, Umtopfen und Gießen. Schließlich weißt du ja jetzt, wie der Umgang mit torffreier Erde reibungslos funktioniert. So schwer ist es ja gar nicht.

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Vortragsreihe UmweltStudium - Energie und Ökologie

Vortragsreihe UmweltStudium - Energie und Ökologie
Die Energiewende von fossilen Energieträgern hin zu erneuerbaren Energien ist für den Klimaschutzes unvermeidlich. Wie Bayern diesen Wandel umsetzt, beleuchtet die für alle offene Vortragsreihe UmweltStudium.
Bild von einem Haus mit einer Photovoltaikanlage. Umgeben von Wolken, Sonne und Bäumen

Über vier Semester teilen Fachleute ihre Erkenntnisse, wie man den Ausbau der Energieversorgung in der Praxis mit Klimaneutralität und dem Erhalt unserer Lebensgrundlage vereint. Jedes Semester hat einen anderen Schwerpunkt. Bis zum 26. Januar 2026 steht das Thema Energie und Ökologie im Fokus. So geht es am 17. November etwa um die Nutzung von Wasserkraft und ihre ökologischen Auswirkungen.
Das Bayerische Landesamt für Umweltschutz (LfU), das Wissenschaftszentrum Umwelt (WZU) der Universität Augsburg und die Technischen Hochschule Augsburg organisieren diese Vortragsserie, die allen offensteht.
Ihr bekommt in den Vorträgen einen Überblick über den aktuellen praktischen Umweltschutz, sowie über erneuerbare Energiequellen und ihre Auswirkungen. 


INFO

  • Dauer: vier Semester; dieses Wintersemester 2025/26 vom 13.10.25 - 26.01.26
  • Uhrzeit: 14:00 Uhr – 15:30 Uhr
  • Ort:  Im Vortragssaal des LfU, Bgm.-Ulrich-Straße 160
  • Eintritt: kostenlos
  • Die Themenvorträge findet ihr unter: Umwelt Studium

Die Themen im laufenden Semester:

  • 13.10.25 Grußwort - Präsidentin Dr. Monika Kratzer, LfU, 
    Energiesystemanalyse Bayern klimaneutral, Dr.-Ing. Andrej Guminski, Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.
  • 20.10.25 Net Zero – Auf dem Weg zur Klimaneutralität - Klimaschutzprogramm, Dr. Frank Bäse, LfU, Thomas Leineweber, LENK
  • 27.10.25 Transformation der Wärmeversorgung - Kommune und Haushalt, Annika Müller, ÖIB
  • 10.11.25 H2 / Speicher, Dr.-Ing. Ulrich Buchhauser, LENK
  • 17.11.25 Wasserkraftnutzung, Stefanie Röger, ÖIB
    Ökologische Auswirkungen der Wasserkraft, Dr. Alisa Kutzer, LfU
  • 24.11.25 Biomasse, Dr.-Ing. Ulrich Buchhauser, LENK
  • 01.12.25 Wie die Tiefe Wärme liefert - Geothermie in Bayern und die Rolle, petrophysikalischer Parameter, Joana Polednia & Max Schuh, LfU
  • 08.12.25 Offshore-Windenergieerzeugung. Einblicke, Relevanz und technische Herausforderungen, Dr. Cuéllar, Pablo, LfU
  • 15.12.25 Windenergie, Clemens Borkenhagen, ÖIB
    Evaluierung des Antikollisionssystems Identiflight in einem Waldgebiet, Stefan Kluth, LfU
    ACHTUNG: Änderung Vortragsort am 15.12.25!
    Universität Augsburg - Wissenschaftszentrum Umwelt (WZU), Universitätsstraße 1a, Gebäude U - Raum 101
  • 12.01.26 Thermische Gewässernutzung als Baustein der Wärmewende – Rahmenbedingungen und Potenziale, Hanakam Veronika, ÖIB
  • 19.01.26 Die Rolle der Photovoltaik in der umweltverträglichen Energiewende, Markus Krottenmüller, ÖIB
  • 26.01.26 Feldlerche und Freiflächenphotovoltaikanlagen, Kreikenbohm Rebekka, LfU
    Freiflächenanlagen und Wiedervernässung, Dr. Theresa Lehmair, BayAZ

     
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Gärtnern
Klimaschutz

Wilder Stadtgarten - Verkauf heimischer Wildstauden

Seit 2024 verkauft Karin Haslbeck durch "Wilder Stadtgarten" nachhaltig produzierte, heimische Wildstauden, die euch dabei helfen euren Garten naturnah und insektenfreundlich umzugestalten!

WilderStadtgarten
Beim Bahnhof Biburg 1
86356 Neusäß
Deutschland

Karin Haslbeck WilderStadtgarten

Karin Haslbecks Mission: Nachhaltig produzierte und heimische Wildstauden in eure Gärten bringen, um die pflanzliche Vielfalt der Umgebung zu stärken und Insekten, wie Wildbienen und Schmetterlingen mehr Lebensraum zu bieten. Mit ihrem Projekt "Wilder Stadtgarten" unterstützt sie die naturnahe Umgestaltung eurer Gärten und versorgt euch ganz einfach mit heimischen Stauden. Kein Garten? Kein Problem! Die heimischen Wildstauden eignen sich auch gut für Balkonbepflanzung!
Auf die Idee, insektenfreundliche Stauden anzubieten kam Karin Haslbeck, weil sie selbst ihren Garten über die vergangenen Jahre sehr naturnah umgestaltet hat. Dabei lernte sie, worauf es ankommt und wie wichtig es ist, diese Form des Gärtnerns zu fördern. Strukturen wie Totholzhaufen und Blumenwiesen eignen sich besonders gut die pflanzliche, aber auch die tierische Artenvielfalt zu erhöhen – besonders mit einheimischen Wildpflanzen und Wildstauden.

Futter für heimische Insekten

Mit "Wilder Stadtgarten" verkauft Karin Haslbeck nachhaltig produzierte Wildstauden aus torffreiem Substrat, ohne Pestizide und aus ausgewähltem zertifiziertem, gebietsheimischem Saatgut. Die Pflanzen bieten reichlich Nektar und Pollen für Wildbienen und Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen.
Durch das Pflanzen heimischer Wildstauden könnt ihr als Garten- oder Balkonbesitzer*innen viel für den Artenschutz und gegen das Insektensterben tun. Auch bedrohte Vögel und Igel fühlen sich in naturnahen Gärten einfach wohler.
Die Pflanzen sind in Kategorien eingeteilt und verraten bereits im Namen, wo sie gerne wachsen. Sonnenanbeter gedeihen auf mageren, trockenen und sonnigen Plätzen. Pflanzen der Kategorie Feuchtwiese fühlen sich am Teichrand wohl. Daneben gibt es Hitzehelden, Wilde Wiese und Schattenliebhaber. Jede Pflanze kostet 4 Euro und kann in der Gärtnerei in Biburg abgeholt werden.

"Viele einfach angelegte Lebensräume im Garten können die Artenvielfalt enorm steigern. Unvergessliche Naturbeobachtungen sind euch als Belohnung garantiert!"

 Karin Haslbeck, Inhaberin Wilder Stadtgarten

Info

  • Verkaufsstand: Beim Bahnhof Biburg 1, 86356 Neusäß
  • geöffnet samstags von 9:30 – 14:00 Uhr

  • Nur Selbstabholung, kein Versand möglich
  • In München (Stadt): Kostenfreie Auslieferung ab einer Bestellmenge von mindestens 25 Pflanzen möglich nach Vorbestellung/vorheriger Kontaktaufnahme
  • Weitere Informationen und einen Überblick über das Sortiment unter www.WilderStadtgarten.de
  • Für mehr Infos zum naturnahen Gärtnern, lest auch das Interview mit Insektenranterin Tine Klink: Du kannst die Welt nicht komplett retten, aber... einen Garten anlegen
Öffnungszeiten
Wochentag Uhrzeit
Sa 10:00 – 14:00 Uhr


Stadt Augsburg gibt sich einen Hitzeaktionsplan

Stadt Augsburg bekommt Hitzeaktionsplan
Wir alles spüren es: Die Klimakrise macht auch vor Augsburg nicht halt. Mit einem "Hitzeaktionsplan" bereitet sich die Stadt nun auf die zunehmenden Extremtemperaturen vor.
Der Augsburger Rathausplatz im Sommer

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 1881 ist die Durchschnittstemperatur in Augsburg um 2,2 Grad Celsius gestiegen. Allein seit 1951 gibt es durchschnittlich neun zusätzliche Hitzetage pro Jahr mit Temperaturen über 30 Grad. Noch drastischer zeigt sich der Wandel bei den Sommertagen – meteorologisch definiert als Tage mit Höchsttemperaturen von mindestens 25 Grad: Im Zeitraum 1991 bis 2020 wurden im Durchschnitt 44 Sommertage gezählt – früher waren es nur 32.

Die fünf wärmsten Jahre in der Augsburger Wettergeschichte lagen alle in den letzten 30 Jahren, vier davon sogar in den vergangenen acht Jahren. 2023 verzeichnete die Stadt mehr als 20 Tage mit Temperaturen über 30 Grad. Gleichzeitig hat der Sommerniederschlag um 13 Prozent abgenommen, während intensive Starkregenereignisse im Frühjahr um 29 Prozent zugenommen haben.  

Gesundheitsgefahren durch hohe Temperaturen

Diese Entwicklung birgt ernste Gesundheitsrisiken: Extreme Hitze stört die Temperaturregulation des Körpers. Er muss stärker schwitzen, das Herz-Kreislauf-System läuft auf Hochtouren, um die Temperatur zu halten. Das kann zu Dehydrierung, Hitzekrämpfen, Hitzeschlag und lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen führen.

Besonders gefährdet sind verletzliche Gruppen: Ältere Menschen regulieren Wärme schlechter und spüren Durst weniger. Säuglinge und Kleinkinder können ihre Temperatur nicht selbst steuern und brauchen Schutz. Schwangere stehen unter zusätzlichem Stress, während Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Atemwegsproblemen besonders leiden. Obdachlose haben oft keinen Zugang zu kühlen Räumen und ausreichend Flüssigkeit. Laut Robert Koch-Institut starben im Sommer 2022 bundesweit rund 4.500 Menschen an den Folgen extremer Hitze. 

Bayernweite Initiative für kommunalen Hitzeschutz

Der Augsburger Hitzeaktionsplan ist Teil einer bayernweiten Strategie. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unterstützt die Kommunen über das Bayerische Kompetenzzentrum für Gesundheitsschutz im Klimawandel bei der Umsetzung von Hitzeanpassungsmaßnahmen. 
Handlungsempfehlungen der ehemaligen Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels" bilden die Grundlage. Diese orientieren sich an WHO-Leitlinien und umfassen acht Kernelemente: zentrale Koordination, Hitzewarnsystem, Information und Kommunikation, Reduzierung der Innenraumhitze, Berücksichtigung von Risikogruppen, Vorbereitung der Gesundheitssysteme, langfristige Stadtplanung und kontinuierliches Monitoring. 
Bayern bietet den Kommunen praktische Unterstützung: einen Leitfaden zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen, eine Toolbox mit konkreten Maßnahmen und persönliche Beratung. Über das zentrale Hitzemanagement organisiert man regelmäßig Informationsveranstaltungen und Vernetzungstreffen, um den Austausch zwischen den Kommunen zu fördern. 

Konkrete Maßnahmen in Augsburg

Unter der Leitung von Umwelt- und Gesundheitsreferent Reiner Erben hat Augsburg einen detaillierten Hitzeaktionsplan entwickelt. Dieser dient als Leitprojekt des städtischen Klimawandelanpassungskonzepts KASA. Der Plan enthält 18 konkrete Maßnahmen, die sich auf vier zentrale Handlungsfelder verteilen. 

  • Planung und Koordinierung bilden das Fundament: Eine eigene städtische Koordinierungsstelle wird eingerichtet, ein jährlicher Steuerungskreis aus städtischen Ämtern und externen Akteuren sorgt für kontinuierliche Weiterentwicklung. Die Umsetzung der Maßnahmen wird jährlich überprüft, Fortschritte bewertet und neue Herausforderungen definiert.
  • Im Bereich Information und Aufklärung setzt Augsburg auf digitale Hitzewarnungen und eine zentrale Info-Plattform. Unter augsburg.de/hitze finden isch aktuelle Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes. Die Plattform bietet zudem Verhaltenstipps für verschiedene Lebenssituationen – von der richtigen Kleidung über optimale Trinkmenge bis hin zu Empfehlungen für Sport und Arbeit im Freien. Eine interaktive Karte zeigt mehr als 20 öffentliche Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet.
  • Das Handlungsfeld Gesundheit und Soziales schützt direkt vulnerabler Personen. Kindertageseinrichtungen, Schulen und Pflegeeinrichtungen erhalten spezielle Hitzeschutzkonzepte mit regelmäßigen Trinkpausen, angepassten Tagesabläufen und schattigen Aufenthaltsbereichen. Streetworker verteilen kostenlose Trinkflaschen an Obdachlose. Veranstalter erhalten Checklisten, um bei Events für Schatten, Trinkwasser und medizinische Versorgung zu sorgen.
  • Der öffentliche Raum wird systematisch hitzetauglicher gestaltet. Begrünte "Klimainseln" wie die neue Anlage am Martin-Luther-Platz mit mobiler Begrünung und schattigen Sitzmöglichkeiten schaffen kühle Rückzugsorte. Besonders ambitioniert sind zwei größere Umbauprojekte im Rahmen des Bundesprojekts "Smartes Stadtgrün für ein klimaresilientes Augsburg" (SMSA). Hier verwandelt die Stadt zwei stark versiegelte Hitze-Hotspots in Klimaoasen: den vollflächig gepflasterten Süd-Platz an der Bürgermeister-Miehle-Straße in Göggingen und einen Platz an den Ladehöfen nahe dem Hauptbahnhof. Beide Standorte erhalten Baumpflanzungen mit verbessertem Substrat, Wiesenflächen, Hochbeete, Trinkwasserbrunnen und werden teilweise entsiegelt. Das 9,5 Millionen Euro schwere SMSA-Projekt wird zu 85 Prozent vom Bund gefördert und läuft bis 2027.
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Nestrückbau - Suffizient und klimafreundlich wohnen

Nestrückbau - Suffizient und klimafreundlich wohnen
Wie wollen wir leben, wie wollen wir wohnen? Interview mit der Architektin Sabine Pfister zu suffizientem Wohnen und dem Projekt ‚Nestrückbau‘.
Die Architektin Sabine Pfister. Foto: Cynthia Matuszewski

"Je weniger Wohnraum pro Person genutzt wird, desto weniger CO2 Ausstoß entsteht pro Person. Außerdem wird dringend benötigter Wohnraum geschaffen."

Sabine Pfister, Architektin

Die Architektin Sabine Pfister, unter anderem Sprecherin der Lokalen Agenda 21 in Augsburg, Mitbegründerin des Wohnzimmers im Schwabencenter und Gründungsmitglied der gemeinnützigen Augsburger Wohnungsbaugenossenschaft WOGENAU eG interessiert sich seit Jahren für die Fragen: Wie wollen wir wohnen? Wie könnten wir (optimalerweise) wohnen? Und wie können wir bestehende Wohnsituationen verbessern – beispielsweise durch Fassadenbegrünung. In ihrem neuesten Projekt Nestrückbau geht es um suffizientes Wohnen.

 

Was bedeutet suffizientes Wohnen? Was hat Wohnen mit Klimaschutz zu tun?
 

Sabine Pfister: Suffizienz bedeutet: Angesichts der begrenzten natürlichen Ressourcen das „richtige Maß“ für Konsum, also auch den Gebrauch von Wohnraum, zu finden. Dabei wird davon ausgegangen, dass verminderter Ressourcenverbrauch auch zu einem zufriedeneren Leben führen kann, nach dem Motto: Gut leben statt viel haben. Je weniger Wohnraum pro Person genutzt wird, desto weniger CO2 Ausstoß entsteht pro Person. Außerdem wird dringend benötigter Wohnraum geschaffen.

 

Welche architektonischen Möglichkeiten gibt es um möglichst energie- und ressourcensparend neuen und mehr Wohnraum zu schaffen?

"Auf dem Weg zum suffizienten Wohnen sind die „dritten Orte“ in einer Nachbarschaft wichtig: Angenehme, konsumfreie Aufenthaltsorte außerhalb der eigenen Wohnung, die als zusätzliche „externe Wohnzimmer“ dienen."

Sabine Pfister, Architekitin

Sabine Pfister: Dadurch wird weniger individueller Wohnraum gebraucht und die nachbarschaftliche Gemeinschaft gestärkt. Die Bebauung kann dann dichter sein, als dies in derzeitigen Siedlungen der Fall ist. Dies wird über die Stadtplanung (Bebauungspläne) für neue Baugebiete gesteuert. Aber auch die Nachverdichtung im Bestand lässt viele Möglichkeiten zu.

Auch Gemeinschaftsräume innerhalb von Mehrfamilienhäusern, wie zum Beispiel gemeinsame Räume für Feste und Veranstaltungen, gemeinschaftliche Werkstätten oder Gästezimmer führen zu einer geringeren individuellen Wohnfläche.

 

Zudem gibt es viel Platz auf den Dächern von Supermärkten: Nach einer Studie der TU Darmstadt und dem Pestel Institut Hannover könnten zum Beispiel 400.000 Wohnungen über den Flächen von eingeschossigem Einzelhandel entstehen.

 

Am problematischsten sind im Zusammenhang mit suffizientem Wohnen Einfamilienhäuser?

Sabine Pfister: Ja, zu den problematischsten Gebäuden in Hinblick auf den Flächenverbrauch zählen Einfamilienhäuser. Ende 2020 gab es in Deutschland rund 19 Millionen Wohngebäude, darunter 12,9 Millionen Einfamilienhäuser, 3,2 Millionen Zweifamilienhäuser und 3,3 Millionen Mehrfamilienhäuser (DENA-Gebäudereport 2022). Das heißt also: Es lohnt sich, diesen Gebäudebestand näher zu untersuchen und sich die Frage zu stellen: Wie kann man auf einfache Weise hier eine bessere Ausnutzung erzielen?

Hier kommt das Projekt Nestrückbau ins Spiel.

"Viele Menschen möchten gerne in ihrer Nachbarschaft bleiben, weil sie sich gut anfühlt und hier viele soziale Kontakte bestehen. Wenn aber zum Beispiel die Kinder ausgezogen sind und das Einfamilienhaus oder die Wohnung zu groß geworden sind, braucht es kreative Lösungen."

Sabine Pfister, Architektin

Das Gleiche gilt für ein geringeres Einkommen im Ruhestand oder durch andere Umstände. Die einfachste Lösung ist in diesem Zusammenhang ein Haus - und die Kosten - durch zwei zu teilen.

 

Was ist der Vorteil, wenn man seine Wohnung oder sein Haus mit anderen teilt?

Sabine Pfister: Gerade in Zeiten wachsender Energiekosten liegen die Vorteile auf der Hand, denn es fallen weniger Kosten für Miete, Strom, Heizung und Instandhaltung an. Außerdem schafft der geringere Aufwand beim Putzen und die Beschränkung aufs Wesentliche Unabhängigkeit und Freiheit für andere Aktivitäten, zum Beispiel für Hobbys, Reisen, Sport oder Engagement.

 

Den meisten Menschen ist ihre Privatsphäre sehr wichtig. Oder vielleicht ein Hobby, wie Gärtnern oder Schreinern, das Platz und ein gewisses Maß an Freiheit erfordert. Wie können diese individuellen Bedürfnisse mit einem „Teilen“ oder „Verkleinern“ der eigenen Wohnung oder des eigenen Hauses vereinbart werden? Was schlagt ihr da vor?

"My home is my castle, das gilt immer noch. Ein geschütztes und angenehmes Zuhause ist sehr, sehr wichtig für die Seele. Aber gerade Hobbys machen gemeinsam mit anderen oft mehr Spaß."

Sabine Pfister, Architektin

Statt allein in der Werkstatt im Keller zu basteln, kann man sich z.B. einer gut ausgestatteten „offenen Werkstatt“ anschließen. Statt den eigenen Rasen zu mähen, gibt es viele Möglichkeiten für gemeinsames Gärtnern mit leckeren Ernteerträgen. Und das eigene, sperrige Fitnessgerät kann gegen eine Mitgliedschaft im Sportverein oder Fitnesscenter getauscht werden.

 

Welche Art der Unterstützung plant Ihr für Menschen, denen die Idee des Nestrückbaus gefällt und die ihr Eigenheim verkleinern oder teilen wollen?

Sabine Pfister: In Anlehnung an das Projekt „Kleiner besser Wohnen“ der Energieagentur Regio Freiburg, bieten Architekt*innen erste Überlegungen zum Umbau- bzw. zur Umnutzung an. Hierbei kann es um einfache Lösungen der Umnutzung gehen, aber auch um Aufstockungen, Dachgeschossausbauten, den Einbau von Einliegerwohnungen oder Anbauten. Die Expert*innen klären dabei erste gestalterische, technische, wirtschaftliche oder rechtliche Aspekte als Grundlage für weitere Überlegungen.

 

Ihr möchtet euer Projekt Nestrückbau mit Hilfe der Stadt Augsburg realisieren. Welche Struktur soll das Projekt haben?

Sabine Pfister: Diese Beratung soll über eine Agentur angeboten werden, die auch die Organisation des Angebots und die Kommunikation zwischen Architekt*innen und den potenziellen Bauherr*innen übernimmt. Wichtig ist eine kostenfreie, individuelle Beratung, um die Hürde des „ersten Schrittes“ zu überwinden.

 

Diese Agentur suchen wir gerade. Am liebsten würden wir hier mit der Stadt Augsburg zusammen arbeiten. Für Interessenten ist es wichtig, eine bekannte, neutrale und vertrauenswürdige Anlaufstelle zu haben. Die Stadt ist da genau der richtige Ansprechpartner.

 

Alternativ suchen wir weiter nach anderen Agenturen. Falls es nicht anders möglich ist, suchen wir auch selber nach Fördermitteln für das Gesamtprojekt.

 

Wenn Du die Wahl hättest – wie würdest Du am liebsten wohnen?

 

Sabine Pfister: Ich möchte am liebsten in einem lebendigen Viertel mit vielen externen Wohnzimmern leben. Meine eigene Wohnung muss dann nicht (mehr) groß sein, aber wunderschön! Wichtig ist auch die Erreichbarkeit der Nachversorgung, aber auch der kulturellen Einrichtungen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Punktum: Ich möchte gerne weiterhin eine aktive Bürgerin von Augsburg sein!

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