Stadt Augsburg gibt sich einen Hitzeaktionsplan
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Seit 1881 ist die Durchschnittstemperatur in Augsburg um 2,2 Grad Celsius gestiegen. Allein seit 1951 gibt es durchschnittlich neun zusätzliche Hitzetage pro Jahr mit Temperaturen über 30 Grad. Noch drastischer zeigt sich der Wandel bei den Sommertagen – meteorologisch definiert als Tage mit Höchsttemperaturen von mindestens 25 Grad: Im Zeitraum 1991 bis 2020 wurden im Durchschnitt 44 Sommertage gezählt – früher waren es nur 32.
Die fünf wärmsten Jahre in der Augsburger Wettergeschichte lagen alle in den letzten 30 Jahren, vier davon sogar in den vergangenen acht Jahren. 2023 verzeichnete die Stadt mehr als 20 Tage mit Temperaturen über 30 Grad. Gleichzeitig hat der Sommerniederschlag um 13 Prozent abgenommen, während intensive Starkregenereignisse im Frühjahr um 29 Prozent zugenommen haben.
Gesundheitsgefahren durch hohe Temperaturen
Diese Entwicklung birgt ernste Gesundheitsrisiken: Extreme Hitze stört die Temperaturregulation des Körpers. Er muss stärker schwitzen, das Herz-Kreislauf-System läuft auf Hochtouren, um die Temperatur zu halten. Das kann zu Dehydrierung, Hitzekrämpfen, Hitzeschlag und lebensbedrohlichen Kreislaufproblemen führen.
Besonders gefährdet sind verletzliche Gruppen: Ältere Menschen regulieren Wärme schlechter und spüren Durst weniger. Säuglinge und Kleinkinder können ihre Temperatur nicht selbst steuern und brauchen Schutz. Schwangere stehen unter zusätzlichem Stress, während Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Atemwegsproblemen besonders leiden. Obdachlose haben oft keinen Zugang zu kühlen Räumen und ausreichend Flüssigkeit. Laut Robert Koch-Institut starben im Sommer 2022 bundesweit rund 4.500 Menschen an den Folgen extremer Hitze.
Bayernweite Initiative für kommunalen Hitzeschutz
Der Augsburger Hitzeaktionsplan ist Teil einer bayernweiten Strategie. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit unterstützt die Kommunen über das Bayerische Kompetenzzentrum für Gesundheitsschutz im Klimawandel bei der Umsetzung von Hitzeanpassungsmaßnahmen.
Handlungsempfehlungen der ehemaligen Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Gesundheitliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels" bilden die Grundlage. Diese orientieren sich an WHO-Leitlinien und umfassen acht Kernelemente: zentrale Koordination, Hitzewarnsystem, Information und Kommunikation, Reduzierung der Innenraumhitze, Berücksichtigung von Risikogruppen, Vorbereitung der Gesundheitssysteme, langfristige Stadtplanung und kontinuierliches Monitoring.
Bayern bietet den Kommunen praktische Unterstützung: einen Leitfaden zur Erstellung von Hitzeaktionsplänen, eine Toolbox mit konkreten Maßnahmen und persönliche Beratung. Über das zentrale Hitzemanagement organisiert man regelmäßig Informationsveranstaltungen und Vernetzungstreffen, um den Austausch zwischen den Kommunen zu fördern.
Konkrete Maßnahmen in Augsburg
Unter der Leitung von Umwelt- und Gesundheitsreferent Reiner Erben hat Augsburg einen detaillierten Hitzeaktionsplan entwickelt. Dieser dient als Leitprojekt des städtischen Klimawandelanpassungskonzepts KASA. Der Plan enthält 18 konkrete Maßnahmen, die sich auf vier zentrale Handlungsfelder verteilen.
- Planung und Koordinierung bilden das Fundament: Eine eigene städtische Koordinierungsstelle wird eingerichtet, ein jährlicher Steuerungskreis aus städtischen Ämtern und externen Akteuren sorgt für kontinuierliche Weiterentwicklung. Die Umsetzung der Maßnahmen wird jährlich überprüft, Fortschritte bewertet und neue Herausforderungen definiert.
- Im Bereich Information und Aufklärung setzt Augsburg auf digitale Hitzewarnungen und eine zentrale Info-Plattform. Unter augsburg.de/hitze finden isch aktuelle Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes. Die Plattform bietet zudem Verhaltenstipps für verschiedene Lebenssituationen – von der richtigen Kleidung über optimale Trinkmenge bis hin zu Empfehlungen für Sport und Arbeit im Freien. Eine interaktive Karte zeigt mehr als 20 öffentliche Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet.
- Das Handlungsfeld Gesundheit und Soziales schützt direkt vulnerabler Personen. Kindertageseinrichtungen, Schulen und Pflegeeinrichtungen erhalten spezielle Hitzeschutzkonzepte mit regelmäßigen Trinkpausen, angepassten Tagesabläufen und schattigen Aufenthaltsbereichen. Streetworker verteilen kostenlose Trinkflaschen an Obdachlose. Veranstalter erhalten Checklisten, um bei Events für Schatten, Trinkwasser und medizinische Versorgung zu sorgen.
- Der öffentliche Raum wird systematisch hitzetauglicher gestaltet. Begrünte "Klimainseln" wie die neue Anlage am Martin-Luther-Platz mit mobiler Begrünung und schattigen Sitzmöglichkeiten schaffen kühle Rückzugsorte. Besonders ambitioniert sind zwei größere Umbauprojekte im Rahmen des Bundesprojekts "Smartes Stadtgrün für ein klimaresilientes Augsburg" (SMSA). Hier verwandelt die Stadt zwei stark versiegelte Hitze-Hotspots in Klimaoasen: den vollflächig gepflasterten Süd-Platz an der Bürgermeister-Miehle-Straße in Göggingen und einen Platz an den Ladehöfen nahe dem Hauptbahnhof. Beide Standorte erhalten Baumpflanzungen mit verbessertem Substrat, Wiesenflächen, Hochbeete, Trinkwasserbrunnen und werden teilweise entsiegelt. Das 9,5 Millionen Euro schwere SMSA-Projekt wird zu 85 Prozent vom Bund gefördert und läuft bis 2027.