Walkable City: Die Mozarts in Augsburg
Augsburg lebt Kunst! Modern und Klassisch. Das Mozartfest, das zu den hochkarätigsten Musikfestivals gehört findet hier in der Heimatstadt von Leopold Mozart statt. Selbst in Augsburg zum Musiker ausgebildet, ebnete er seinem Sohn Wolfgang Amadé Mozart dessen weltberühmte Karriere.
Und die Augsburger*innen fühlen sich nicht nur ihrer Geschichte verpflichtet. Sie geben Kunst und Kultur Raum für heutige und kommende Generationen. Damit auch sie die Möglichkeiten haben, ihre Talente zu entdecken und zu fördern. Wie wichtig das den Menschen in Augsburg ist, zeigt, dass sie Kunst und Kultur zu einer tragenden Säule der Zukunftsleitlinien der Stadt gemacht haben.
Ein unterhaltsamer Spaziergang zu den Mozarts
Die Mozarts waren eine schwäbische Familie. Die ersten Mozarts verdienten ihren Lebensunterhalt als Bauern und Maurer. Ab 1643, als die Mozarts Augsburger Bürger wurden, stiegen sie zu Baumeistern, Buchbindern und Bildhauern auf. Der Weg in die Kunst war geebnet und so gewann die Musik an Bedeutung und in der Familie wuchs der bekannteste Spross Wolfgang Amadeus Mozart heran. Den Grundstein für dessen Karriere legte die Stadt Augsburg mit ihren Bildungsmöglichkeiten, die sie seinem Vater Leopold Mozart bot, der hier eine umfassende musikalische Ausbildung erhielt. Wolfgang Amadé selbst war fünfmal in der „vatterstatt meines papa" – und erlebte hier 1777 mit seiner Cousine Maria Anna Thekla Mozart, dem „Bäsle", sein erstes erotisches Abenteuer.
Auf der Mozart-Tour, die die Regio Tourismus Augsburg entwickelt hat, begleitet euch klassisch ein Flyer oder digital die passende kostenlose App (im Apple Store und bei Google Play), die mit Videos und Augmented-Reality-Szenen einen spannenden Mehrwert liefert.
Tour-Stationen
Station 1 – Leopold-Mozart-Haus in der Frauentorstraße 30
Euer Rundgang beginnt dort, wo alles anfing: im Leopold-Mozart-Haus in der Frauentorstraße. In diesem ehemaligen Handwerkerhaus wurde am 14. November 1719 Leopold Mozart geboren. Auf drei Etagen und in elf Themenräumen taucht ihr in sein Leben und Wirken ein – als Musiker, Komponist und Vize-Kapellmeister am Hof des Erzbischofs von Salzburg, aber natürlich auch als Entdecker und „Manager" seines berühmten Sohnes. Das heutige Museum beherrbergt die begehbare Reisekutsche, das Hammerklavier seines Augsburger Freundes Johann Andreas Stein und das barocke Zimmertheater der Familie.
Station 2 – St. Georg und die Stiftsgebäude in der Georgenstraße/Thommstraße
Nur wenige Schritte weiter stoßt ihr auf St. Georg – eine Kirche, die für die Mozarts über Generationen eine besondere Rolle spielte. Pater David Mozart, ein Sohn des ersten Augsburger Mozart-Vorfahren, war hier ab 1686 als Prediger tätig. Sein Bruder Hans Georg barokisierte als Werkmeister des Domkapitels von 1702 bis 1705 die Stiftsgebäude neben der spätgotischen Kirche. Und in eben dieser Kirche, in der Hochzeitskirche seiner Eltern, wurde Leopold Mozart im November 1719 getauft.
Station 3 – Wohnhaus Hans Georg Mozarts beim Äußeres Pfaffengässchen 24
Gleich um die Ecke, im Äußeren Pfaffengässchen, liegt das Wohnhaus des wohl erfolgreichsten Augsburger Mozart-Vorfahren: Hans Georg Mozart, Werkmeister des Domkapitels, baute an Kirchen, an Jesuitenschlössern und am Fuggerschloss in Wellenburg mit. Das Haus im Domviertel hatte er 1681 erworben. Eine Gedenktafel an der Fassade erinnert an Leopold Mozarts Großonkel – schaut genau hin, die meisten laufen einfach daran vorbei.
Station 4 – Denkmal für Maria Anna Thekla Mozart in der Jesuitengasse 24
Weiter geht's in die Jesuitengasse, wo eine Bronzetafel an das „Bäsle" erinnert – Maria Anna Thekla Mozart, Cousine von Wolfgang Amadé und Tochter des Buchbindermeisters Franz Alois Mozart. Hier, in einem heute längst zerstörten Anwesen, wurde sie am 25. September 1758 geboren. Mozart entdeckte mit ihr die Liebe – und schrieb ihr anschließend jene berühmten „Bäsle-Briefe".
Station 5 – Mariendom bei Hoher Weg
Der Augsburger Dom wurde zur Pfarrkirche der Familie Mozart, nachdem Leopold Mozart 1721 mit seinen Eltern aus der Frauentorstraße in die nahegelegene Jesuitengasse gezogen war. Alle acht jüngeren Geschwister Leopolds wurden hier getauft. Als Sängerknabe in der Ulrichsbasilika und der Heilig-Kreuz-Kirche half er wohl auch im Dom als „Discantist" aus. Heute singen hier die Augsburger Domsingknaben.
Station 6 – Mozartdenkmal im Fronhof
Im Fronhof zwischen Dom und bischöflicher Residenz steht das 1991 von der Mozartgemeinde Augsburg gestiftete Doppeldenkmal für Leopold und Wolfgang Amadé Mozart. Und wenn ihr den Sommer in Augsburg verbringt, könnt ihr hier bei den „Konzerten im Fronhof" Mozarts Musik unter freiem Himmel genießen.
Station 8 – Mozartrelief am „Weißen Lamm" in der Ludwigstraße/Beim Hafnerberg
Auf dem Weg in die Innenstadt passiert ihr den Ort des ehemaligen Gasthofs „Zum Weißen Lamm" – einst eine der nobelsten Adressen der Stadt. 1777 logierte Mozart hier 15 Tage lang, auf Empfehlung seines Vaters. Hier verabschiedete er sich unter Tränen vom geliebten „Bäsle" und kehrte erst 1790, auf der Rückreise von Frankfurt, noch einmal hier ein – im selben Jahr übernachtete übrigens auch Goethe in diesem Haus. Eine Gedenktafel mit zwei Bronzereliefs erinnert an die beiden berühmtesten Gäste.
Station 9 – Katholische Heilig-Kreuz-Kirche in der Heilig-Kreuz-Straße
Vater Leopold Mozart war hier einst Sängerknabe. 1777 spielte Wolfgang Amadé die Orgel in der Kirche. Im März 1781 kehrte er gemeinsam mit Vater Leopold und Schwester „Nannerl" zurück – die ehemaligen „Wunderkinder" unterhielten mit einer „beynahe mehr als himmlischen Musik". Gleich daneben steht die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche – die Doppelkirchen gelten als Symbol der „Augsburger Parität".
Station 10 – Perlachturm am Rathausplatz 6
Am Rathausplatz mit dem Perlachturm, gab Mozart 1777 eine private „Akademie" vor den Patriziern der Reichsstadt – und war hinterher stocksauer über die kärgliche Gage. Seinen Unmut ließ er in einem Brief an den Vater aus, in dem er die anwesende Nobless mit höchst unfeinen Kosenamen bedachte. Heute lässt das Glockenspiel des Perlachturms täglich Melodien der beiden Mozarts erklingen. (Aktuell wird der Perlachturm saniert)
Station 11 – Rathaus und Goldener Saal beim Rathausplatz 2
Direkt neben dem Perlachturm steht das Rathaus – eines der bedeutendsten Renaissancebauwerke nördlich der Alpen. Den Goldenen Saal besuchte die Familie Mozart im Sommer 1763 gemeinsam, als Teil des touristischen Programms. Auch heute gehört er noch dazu und sollte von euch auf jeden Fall besucht werden.
Station 12 – Fuggerhäuser bei der Maximilianstraße 36/38 sowie Zeugplatz 7
Weiter die Maximilianstraße hinunter erreicht ihr die Fuggerhäuser. Hier gab Mozart 1777 sein einziges öffentliches Konzert während seines 15-tägigen Augsburg-Aufenthalts – Graf Fugger hatte den Konzertsaal kostenlos zur Verfügung gestellt. Viel Applaus, wenig Honorar: Mozart war nicht restlos begeistert. Der Russische Saal, in dem das Konzert stattfand, fiel im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer. Ein Besuch der erhaltenen Badstuben lässt den einstigen Glanz des Stadtpalastes aber noch erahnen.
Station 13 – Hotel „Maximilian's" in der Maximilianstraße 40
Gleich nebenan liegt das Hotel „Maximilian's". Zweimal logierte die Familie Mozart hier: 1763 ganze zwei Wochen lang und 1766 für eine Nacht, jeweils auf der Hin- beziehungsweise Rückfahrt ihrer großen Westeuropareise nach Paris und London.
Station 14 – Stein'sches Wohnhaus am Ulrichsplatz 10
Am Ulrichsplatz steht das Haus des Orgel- und Klavierbauers Johann Andreas Stein, eines langjährigen Freundes von Vater Leopold. Mozart besuchte ihn 1777 gemeinsam mit dem „Bäsle", testete Orgeln und probte im Salon für sein Konzert in den Fuggerhäusern. Stein und der Domorganist Demmler traten damals an seiner Seite auf. Eine Gedenkinschrift an der Barockfassade nennt den Augsburger einen „Freund der Mozarts" – einen Hammerflügel aus seiner Werkstatt konntet ihr an der ersten Station der Tour, dem Leopold Mozart Haus, bewundern.
Station 16 – St. Ulrich und Afra am Ulrichsplatz 21
Direkt am Ulrichsplatz ragt die mächtige Ulrichsbasilika auf. Leopold Mozart war hier einst Sängerknabe; 1763 besuchte er die Kirche mit der ganzen Familie. Am 18. Oktober 1777 spielte Wolfgang Amadé auf der von den Fuggern gestifteten Orgel. Den Treppenaufgang zur Orgel – die sogenannte „Mozartstiege" – fand er scheußlich eng.
Station 17 – Barfüßerkirche bei Mittlerer Lech 1
Ein paar Schritte weiter stoßt ihr auf die Barfüßerkirche in der Mozart am 13. Oktober 1777 auf einer Orgel von Johann Andreas Stein spielte. Der Orgelbauer war erst skeptisch, dann begeistert. Mozart seinerseits nannte die Orgel die „Königin der Instrumente". Die Kirche verbindet zwei große Namen: Hier wurde nicht nur Mozart zum Orgelspielen vorgelassen – hier wurde auch Bertolt Brecht getauft. Sein Geburtshaus liegt gleich nebenan.
Station 18 – Fuggerei in der Jakoberstraße 26
Beenden könnt ihr den Rundgang in der weltberühmten Fuggerei, der ältesten noch bewohnten Sozialsiedlung der Welt. Eine Gedenktafel erinnert hier an Franz Mozart, den Urgroßvater von Wolfgang Amadé. Der Maurermeister lebte ab 1681 in der Siedlung, im Häuschen „Mittlere Gasse 13", wo er 1694 verstarb.
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