Shirt Quest - Alles hat seinen Preis!
Ein T-Shirt für 4,99 Euro. Klingt nach Schnäppchen. Aber wer zahlt den wahren Preis? Die Umwelt? Die Näherinnen in Bangladesch? Oder am Ende doch wir alle? Das neue interaktive Exponat "Shirt Quest: Alles hat seinen Preis!" im staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) lädt dazu ein, genau diesen Fragen auf den Grund zu gehen – spielerisch, aber mit ernstem Hintergrund.
Drei Rollen, drei Perspektiven, ein Ziel?
Am digitalen Spieltisch schlüpft ihr in eine von drei Rollen: Der Billigproduzent will maximale Profite und nimmt keine Rücksicht auf Nachhaltigkeit. Der Umweltaktivist setzt auf ökologische Verantwortung und Klimaschutz. Die Sozialaktivistin fordert faire Arbeitsbedingungen, angemessene Löhne und sichere Arbeitsplätze.
Über vier Pads steuert ihr verschiedene Produktionsstellen – von der Baumwollernte bis zur Endfertigung. Doch jede Entscheidung hat Konsequenzen. Spart ihr an Löhnen, verschlechtert ihr die Arbeitsbedingungen. Investiert ihr in Umweltschutz, steigen die Kosten. Nach jeder Runde – die etwa drei bis fünf Minuten dauert – erhaltet ihr ein differenziertes Fazit: Produktionskosten, Umweltauswirkungen, Arbeitsbedingungen. Drei Kategorien, die selten gleichzeitig im grünen Bereich sind.
„Das interaktive Exponat macht erfahrbar, wie soziale, ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit in der Textilproduktion verknüpft sind und lässt Besucherinnen und Besucher diese Zusammenhänge durch eigenes Handeln unmittelbar begreifen.“
Prof. Andreas Muxel, Leiter des Hybrid Things Lab der THA
Mehr als nur Daddeln am Bildschirm
Wir waren vor Ort und können beruhigen: Hier wird nicht einfach nur auf einen Bildschirm gestarrt. Der Spieltisch ist so konzipiert, dass ihr euch austauschen müsst. Die vier Pads verlangen Absprache, die unterschiedlichen Rollen sorgen für Diskussionen. Und während ihr eure Perspektive verfolgt, bekommt ihr über Kommentare mit, wie die anderen Rollen ticken. Das Ergebnis: ein dynamisches Spielerlebnis, das die Komplexität der globalen Textilindustrie greifbar macht.
„Oft sehen wir nur das fertige T-Shirt, nicht aber die versteckten Kosten, die entlang des Weges entstehen. ´Shirt Quest´ öffnet diesen Blick und macht die Vielschichtigkeit der Zusammenhänge spielerisch erfahrbar. So entsteht ein Verständnis dafür, wie wichtig nachhaltiger Konsum und Kreislaufwirtschaft für die Zukunft der Textilindustrie sind.“
Prof. Dr. Simone Kubowitsch, Mitinitiatorin des ELLSI-Lernlabors im Recycling Atelier Augsburg
Feedback erwünscht – QR-Code nicht übersehen!
Ein kleiner Hinweis: Am Spieltisch findet ihr einen QR-Code. Der könnte auffälliger sein, lohnt sich aber. Dahinter verbirgt sich ein Fragebogen, mit dem ihr euer Gelerntes testen und dem Entwicklungsteam Feedback geben könnt. Die Installation ist eine Erweiterung der Dauerausstellung und wurde in Kooperation mit der THA und ihren Forschungslaboren ELLSI-Lernlabor sowie Hybrid Things Lab entwickelt. Gefördert wurde das Projekt von der VolkswagenStiftung.
Unser Fazit: Unbedingt ausprobieren!
Schaut vorbei im tim und macht euch ein eigenes Bild von der Ausstellung und dem Spiel. Es lohnt sich – für Familien, Schulklassen und alle, die verstehen wollen, was hinter ihrem T-Shirt steckt. Und vielleicht überlegt ihr beim nächsten Einkauf zweimal, ob das 4,99-Euro-Shirt wirklich ein Schnäppchen ist.
Info:
- Ort: Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim), Provinostraße 46, 86153 Augsburg
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9–18 Uhr
- Eintritt: Regulär 7 €, ermäßigt 3,50 €
- Mehr Infos: timbayern.de
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