bewusst konsumieren
Wohnen

Faire Blumen - nicht nur zum Valentinstag

Rosen zum Valentinstag sind schön – aber oft problematisch. Wir zeigen, warum viele Schnittblumen Umwelt und Menschen belasten und welche nachhaltigen Alternativen es gibt, von fairen Blumen bis zu Baum-Patenschaften.
Blumen, Fair Trade, Foto: Solveig Matuszewski

Der Valentinstag war nicht immer ein Tag der Blumen. Erst im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde aus einem religiösen Gedenktag ein globales Ritual der Aufmerksamkeit – und ein bedeutender Umsatztreiber für die Blumenbranche. Heute werden allein in Deutschland rund um den 14. Februar Schnittblumen im Wert von weit über 100 Millionen Euro verkauft, weltweit ist es ein Milliardenmarkt. Ein Großteil dieser Blumen kommt aus den Niederlanden. In den Wintermonaten jedoch stammen viele Rosen, Nelken oder Tulpen aus Ostafrika oder Südamerika. 

Blumen mit Schattenseiten

Schnittblumen sind ein sensibles Produkt. Sie müssen schnell wachsen, makellos aussehen und frisch bleiben. Das hat Konsequenzen: ökologisch wie sozial. In vielen Anbauregionen werden Pestizide eingesetzt, die Böden und Gewässer belasten und für die Beschäftigten gesundheitliche Risiken bergen. Hinzu kommt ein hoher Wasserverbrauch, oft in Regionen, in denen Wasser ohnehin knapp ist.

Der Transport verschlechtert die Bilanz zusätzlich. Blumen werden häufig per Flugzeug nach Europa gebracht, um rechtzeitig und in perfektem Zustand in den Verkauf zu gelangen. Gleichzeitig zeigt sich: Auch regional angebaute Blumen sind nicht automatisch nachhaltig. Werden sie außerhalb der Saison in beheizten Gewächshäusern gezogen, kann der Energieaufwand ihre Klimabilanz deutlich verschlechtern. Entscheidend sind also nicht nur Herkunft und Entfernung, sondern auch Saison, Anbauweise und eingesetzte Energie.

Arbeit, Einkommen – und strukturelle Probleme

In Ländern wie Kolumbien oder Kenia leben Hunderttausende, teils Millionen Menschen von der Blumenproduktion. Die Branche schafft Einkommen und Arbeitsplätze, steht aber seit Jahren in der Kritik. Niedrige Löhne, unsichere Arbeitsverhältnisse, hoher Chemikalieneinsatz und mangelhafte Unterkünfte prägten lange Zeit den Alltag auf vielen Farmen.

In den vergangenen Jahren haben sich die Bedingungen in Teilen verbessert. Dennoch bleiben grundlegende Probleme bestehen – insbesondere dort, wo Produktionsdruck und internationale Preiskonkurrenz hoch sind. Hinzu kommt der Konflikt um Wasser: Der intensive Bewässerungsbedarf der Plantagen führt in ohnehin trockenen Regionen immer wieder zu Engpässen, mit direkten Folgen für die lokale Bevölkerung.

Fair gehandelte Blumen: nicht perfekt, aber besser

Ganz ohne Einfluss sind wir als Verbraucherinnen und Verbraucher dabei nicht. Wer sich für fair gehandelte Blumen entscheidet, unterstützt verbindliche soziale Mindeststandards, auch wenn damit weder der klimaschädliche Transport noch der hohe Wasserverbrauch vollständig gelöst werden.

Zertifizierte Betriebe verpflichten sich zu geregelten Arbeitszeiten, Mindeststandards beim Gesundheitsschutz und sozialen Absicherungen. Ausbeuterische Kinderarbeit ist ausgeschlossen, besonders gefährliche Pestizide sind verboten. Zusätzlich fließt eine Prämie in Gemeinschaftsprojekte vor Ort, etwa in Trinkwasserversorgung, Gesundheitsangebote oder Bildungseinrichtungen. Fair gehandelte Blumen sind damit keine perfekte Lösung, aber eine bewusstere Entscheidung innerhalb eines problematischen Marktes.

Regional ist besser – aber nicht immer möglich

Am überzeugendsten ist die Umweltbilanz dort, wo Blumen saisonal und regional wachsen können. Von Frühling bis Herbst bieten Wochenmärkte und lokale Gärtnereien in unserer Region eine große Auswahl an Sträußen aus heimischer Zucht; ohne Flugtransport und mit überschaubarem Energieeinsatz.

In den Wintermonaten wird es schwieriger. Wer dennoch ein lebendiges Geschenk machen möchte, kann auf Pflanzen im Topf ausweichen. Einheimische Frühblüher wie Krokusse oder Narzissen verwelken nicht nach wenigen Tagen, sondern können nach dem Verblühen in den Garten oder in größere Gefäße gesetzt werden. Sie kommen jedes Jahr wieder und sind damit eine dauerhaftere Form der Aufmerksamkeit.

Auch Naturschutzgeschenke sind eine Alternative zu klassischen Blumen: Eine Blühwiesen- oder Baum-Patenschaft ersetzt den Strauß durch ein Stück Natur, das gepflegt wird und Lebensraum für Insekten und Vögel schafft. Ähnlich wirkt das Verschenken von Wildblumenwiesen, die später im Garten oder auf dem Balkon ausgesät werden. Statt eines fertigen Produkts wird etwas überreicht, das Zeit braucht.

Darf’s auch mal etwas anderes sein?

Vielleicht ist der Valentinstag auch ein guter Anlass, die Gewohnheit selbst zu hinterfragen. Denn Zuneigung muss nicht zwangsläufig in Form eines Straußes überreicht werden.

Eine naheliegende Alternative sind Patenschaften für Obstbäume oder Streuobstwiesen. Statt kurzlebiger Schnittblumen wird damit ein echter Baum unterstützt, der über Jahre wächst, Lebensraum für Tiere bietet und regionale Kulturlandschaften erhält. In Augsburg etwa können Bürgerinnen und Bürger über die Obstbaumpatenschaften des Landschaftspflegeverbands Augsburg einen konkreten Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen leisten – inklusive Pflege der Bäume und langfristigem Nutzen für Artenvielfalt und Stadtklima. 

Auch Baumpatenschaften im städtischen Raum sind möglich. Im Bürgerpark Nord können Bäume gezielt unterstützt werden – als Zeichen für langfristige Verantwortung und für mehr Grün in der Stadt. Wer über die Region hinausdenken möchte, findet zudem Angebote, bei denen konkret Obstbäume auf landwirtschaftlichen Betrieben unterstützt werden. Plattformen wie CrowdFarming ermöglichen Patenschaften für Oliven-, Orangen- oder Apfelbäume, inklusive Einblick in Anbau und Ernte – eine direkte Verbindung zwischen Erzeugung und Konsum. 

Und schließlich gibt es Geschenke, die ganz ohne Dinge auskommen: gemeinsame Zeit, ein bewusst geplanter Ausflug, ein Tag draußen, eine Verabredung ohne Ablenkung. Nichts davon lässt sich verpacken. Aber vieles davon bleibt.

 

Info

Valentinstag: Wer hat’s erfunden?

Die Ursprünge des Valentinstages gehen übrigens wahrscheinlich auf Bischof Valentin von Terni zurück, der im dritten Jahrhundert nach Christus Verliebte mit Blumen beschenkt und trotz Verbot nach christlichem Ritus getraut haben soll. Auf Befehl des römischen Kaisers Claudius II. soll Bischof Valentin an einem 14. Februar hingerichtet worden sein.

 

Das könnte euch auch noch interessieren:

Blumenmanufaktur Augsburg - Blumen mit gutem Gewissen: Für die Augsburger Floristinnen steht die Blume im Mittelpunkt. Sie wählen sie verantwortungsvoll aus, arrangieren sie mit Leidenschaft und setzen sie natürlich in Szene.

Nachhaltig heiraten: Tipps für eine grüne Hochzeit: Ihr wollt eure Hochzeit gern nachhaltig feiern? Gemeinsam mit der Traurednerin und Umweltaktivistin Eva Kampfmann haben wir ein paar Ideen zusammengestellt, wie das gelingen kann.

Die Grünschmiede: Nachhaltiger Schmuck aus Deuringen. In Ramona Storchs Grünschmiede in Stadtbergen gibt es möglichst ungiftigen Schmuck aus recyceltem Metall.

 

 

 

KONTAKT
Kein Spam, jederzeit kündbar. Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.