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Umweltschutz & Ökologie

Recycling Atelier Augsburg - von Altkleidern zu neuen Stoffen

Wie werden aus Alttextilien hochwertige Produkte? Das Recycling Atelier Augsburg erforscht als weltweit erste Modellfabrik einen nachhaltigen Stoffkreislauf – von der Sortierung bis zur Weiterverarbeitung.

SIGMA Technopark - Halle 15
Werner-von-Siemens-Straße 6
86159 Augsburg
Deutschland

Produkt aus dem THA Recyclingatelier Augsburg. Bild Matthias Leo

Unsere Kleiderschränke platzen aus allen Nähten: Neue Modetrends, spontane Fehlkäufe oder einfach die Lust auf Veränderung sorgen dafür, dass sich getragene Hemden, Hosen und Pullis zu beachtlichen Bergen stapeln. So entstehen Millionen Tonnen Alttextilien jedes Jahr, weil Mode immer schneller und günstiger produziert wird, während immer weniger Kleidung wirklich lange getragen wird.

Kaum Recycling von Textilien

Von den rund 1,6 Millionen Tonnen Altkleider und insgesamt bis zu fünf Millionen Tonnen Alttextilien in Deutschland werden nur etwa ein Prozent wirklich recycelt – also zu neuen Textilien verarbeitet. 73 Prozent landen in der thermischen Verwertung also der Müllverbrennung – oder auf Deponien. Der Rest wird zu Putzlappen und Malervliesen „downgecycelt“. Das ist ein riesiger Rohstoffverlust, ganz abgesehen von den entstehenden Treibhausgasen durch Verbrennung. 
Wie lässt sich Textilrecycling verbessern, um hochwertige Ringgarne für neue Stoffe und Produkte herzustellen? Antworten darauf sucht das Recycling Atelier Augsburg, eine Modellfabrik für mechanisches Textilrecycling. Gegründet im Juni 2022 von Forschenden der Technischen Hochschule Augsburg und ihres An-Instituts ITA Augsburg, wird das Projekt im Rahmen der Hightech Agenda Plus des Freistaates Bayern gefördert.

Die Idee in Augsburg

Das Recycling Atelier Augsburg betrachtet die gesamte textile Wertschöpfungskette –von der Sortierung von Alttextilien bis zur Herstellung neuer textiler Endprodukte. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit Industriepartnern innovative Lösungen für ein hochwertiges Textilrecycling zu entwickeln und einen geschlossenen Stoffkreislaufes zu schaffen. Alttextilien werden als wertvolle Rohstoffquelle verstanden und durch gezielte Aufbereitungs- und Verarbeitungsprozesse zu hochwertigen Ringgarnen verarbeitet. Daraus entstehen dann neue textile Produkte. 
Entscheidend jedoch ist die Qualität der Ausgangsstoffe.  Um neue Garne zu produzieren, müssen möglichst lange Fasern aus den alten Textilien gewonnen werden. Zerschlissene oder kaputte Kleidung, aber auch Fast-Fashion-Textilien, bieten oftmals nicht die benötigte Qualität.

 

„Haben die Ausgangstextilien eine schlechte Qualität, sind sie für die Herstellung neuer Garne oft nur eingeschränkt nutzbar.“

Loraine Labus, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektingenieurin am ITA Augsburg

Modellwerkstatt und Lernfabrik 

Im Recycling Atelier Augsburg wird Schritt für Schritt getestet, wie sich mechanisches Textilrecycling umsetzen lässt. Es ist ein langer Prozess, bis aus alten Kleidungsstücken neues Garn entsteht. Bei einer Führung durch die Hallen der Modellfabrik im SIGMA Technopark in Augsburg-Hochfeld zeigt Loraine Labus die verschiedenen Prozessschritte des mechanischen Textilrecyclings: 

  • Sortieren: Zunächst müssen die angelieferten Alttextilien sortiert werden. Ein KI-gestütztes Erkennungssystem, entwickelt im THA-Forschungsprojekt „detex“ (Link: https://www.tha.de/Informatik/THA-ias/detex.html) erkannt Farben und  identifiziert Störstoffe wie Knöpfe oder Reißverschlüsse. Diese müssen danach anschließend per Hand entfernt werden, um eine Beschädigung von Maschinen in der weiteren Verarbeitung zu verhindern.
  • Zerkleinern: Danach schneidet eine Maschine die Stoffe in kleine Rechtecke. Die optimale Schnittgröße ist entscheidend, um lange Fasern zu gewinnen. Anschließend zerfasert eine Reißmaschine die Stoffstücke. Die gewonnenen Reißfasern lassen sich zu Garnen verarbeiten oder in Vliesstoffen nutzen, etwa für Gipsfaserplatten im Forschungsprojekt „GiFaTex“ des ITA Augsburgs und des Technologietransferzentrums (TTZ) der THA in Aichach.
  • Mischen und Spinnen: Im nächsten Schritt werden die recycelten Fasern mit neuen Rohfasern, sogenannten „Virgin Fasern“, gemischt, parallelisiert und verstreckt. Eine Mischung aus 50 Prozent Recyclingfasern und 50 Prozent Virgin Baumwollfasern sorgt für die nötige Garnqualität. Vom Kardenband bis zum fertigen Ringgarn wird das Material immer feiner und durch Drehung zu einem stabilen Garn versponnen.

Das Ergebnis

Die im Recycling Atelier Augsburg gewonnenen Recyclinggarne wurden im kleinen Maßstab bereits erfolgreich zu verschiedenen textilen Materialien weiterverarbeitet. Im staatlichen Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) entstanden auf einer Jaquardwebmaschine unterschiedliche Stoffe für Hemden oder Geschirrhandtücher. Die Garne eigenen sich ebenso zum Stricken. 
Loraine Labus zeigt einen gestrickten Kinderpulli aus Recyclinggarn. Er fühlt sich weich an, seine Farbe ist ein pastelliges Blau. Wie kam diese Farbe zustande? Ganz einfach: Beim Sortieren wurden vor allem blaue Alttextilien ausgewählt. So entfallen das Entfärben und Neufärben, was Chemikalien spart – gut für die Umwelt und die Haut. 
Noch sind Recyclingfasern nicht durchgängig wettbewerbsfähig. Doch das Recycling Atelier Augsburg arbeitet daran, den Prozess technisch, wirtschaftlich und ökologisch zu optimieren. Auf seiner Homepage zeigt das Atelier in kurzen Videos, wie Partnerfirmen die Techniken bereits nutzen und welche Produkte daraus entstehen: Walk 4 Recycling – sustainable textiles
Wie du deine alten Textilien richtig entsorgst, bis das Textilrecycling wirklich funktioniert, erfährst du hier: link zum anderen Text

 

„Unser Anspruch ist es, den Recyclinganteil so hoch wie möglich zu setzen. Das entstehende Garn ist nicht so homogen wie herkömmliche Neuware – hier muss ein Umdenken der Endverbraucher stattfinden.“

Loraine Labus, Projektingenieurin am Institut für Textiltechnik Augsburg

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