Der Stadtberger Wärmeplan
Städte und Kommunen tragen eine große Verantwortung bei der Dekarbonisierung des Wärmesektors. Der kommunalen Wärmeplan (KWP) als strategisches Planungsinstrument gibt dabei einen belastbaren Rahmen der lokalen Wärmewende hin zu einer sicheren, kostengünstigen und treibhausgasneutralen Energieversorgung. Er liefert erste Handlungsempfehlungen und Entscheidungsgrundlagen für die beteiligten Akteure und unterstützt damit langfristig bei der Planung. Eine rechtliche Außenwirkung ist durch den KWP nicht gegeben und er begründet auch keine einklagbaren Rechte und Pflichten.
Öffentlichkeit einbinden
Bei der Entwicklung des mehrstufigen Projekts ist es unerlässlich, die Öffentlichkeit von Anfang an aktiv einzubinden und zu informieren. Und es ist für den Erfolg auch wesentlich, dass der Wärmeplan nicht Ergebnis standardisierter Simulationen ist, sondern im engen Austausch mit den Verantwortlichen in der Kommune auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt wird.
Die Stadt Stadtbergen war sich ihrer Versorgungsverantwortung schon früh bewusst. Um die Planungssicherheit der Bürgerschaft und Gewerbetreibenden zu erhöhen, hat der Stadtrat bereits im Mai 2023 einstimmig beschlossen, einen KWP erstellen zu lassen. Aufgrund der vorgezogenen Umsetzung – gesetzlich wäre Stadtbergen erst 2028 verpflichtet, einen KWP vorzulegen – konnte die Stadt 90 % der Kosten aus dem Fördertopf der Nationalen Klimaschutzinitiative in Anspruch nehmen, die Maßnahme wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags gefördert.
„Wir sind stolz auf die Arbeiten der letzten Jahre und darauf, dass wir den kommunalen Wärmeplan in dieser kurzen Zeit in Stadtbergen auf den Weg gebracht haben. Je früher wir uns dem Thema widmen, umso eher können wir uns der sehr komplexen Aufgabenstellung der zukünftigen Wärmeversorgung in unserer Stadt stellen.“
Paulus Metz, Bürgermeister Stadtbergen
Wärmewende in Stadtbergen
Ein Blick auf die Bestandsanalyse der Wärmeversorgung zeigt deutlichen Handlungsbedarf in Stadtbergen: Rund 90 % der Wärme basieren auf fossilen Quellen wie Erdgas und Heizöl, die bis zum Jahr 2040 vollständig dekarbonisiert werden müssen. Der Wohnsektor, verantwortlich für etwa 85 % der Emissionen, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sanierungen, Energieberatungen und der Bau von Wärmenetzen sind entscheidend für die Wärmewende.
Im Rahmen des Projekts wurden insgesamt sieben Gebiete identifiziert, die sich für Wärmenetze eignen und von diesen wiederum vier als Fokusgebiete priorisiert. Für die Versorgung und mögliche Erschließung dieser Gebiete wurden erneuerbare Wärmequellen analysiert und konkrete Maßnahmen festgelegt.
Während in den identifizierten Eignungsgebieten Wärmenetze ausgebaut oder neu installiert werden könnten, wird in den übrigen, sogenannten Einzelversorgungsgebieten mit vermehrt Einfamilien- und Doppelhäusern, der Fokus überwiegend auf eine effiziente Versorgung durch Wärmepumpen, PV und Biomasseheizungen oder alternative Heizenergiesysteme gelegt werden. Gerade in den Gebieten mit Einzelversorgung benötigen Bürgerschaft und Gewerbetreibende Unterstützung - beispielsweise durch eine Gebäudeenergieberatung. Hier gibt es bereits zahlreiche Formate, Kampagnen und Akteure in der Stadt und auch der Region, die noch weiter gestärkt werden sollten. Insgesamt konnten während des Projekts 16 konkrete Maßnahmen für die Transformation der Stadtberger Wärmeversorgung erarbeitet werden.
Rest-Emissionen bleiben
Auf Basis eines für das Zieljahr 2040 modellierten Wärmebedarfs muss leider davon ausgegangen werden, dass auch 2040 noch ein kleiner Sockel an Rest-Emissionen bleiben wird, der größtenteils auf den Einsatz von Biogas zurückgeführt werden kann. Auch an dieser Stelle wird die Dringlichkeit großflächiger Sanierungen deutlich.
Detaillierte Informationen zu Finanzierung und Fördermöglichkeiten, ein Verstetigungs- und Controllingkonzept mit möglichen Indikatoren sowie eine Kommunikationsstrategie runden den Stadtberger Wärmeplan ab. Mit der Berichtserstellung ist der KWP jedoch nicht abgeschlossen, es handelt sich vielmehr um einen kontinuierlichen Prozess, der regelmäßig und unter Berücksichtigung weiterer Entwicklungen überarbeitet und angepasst werden muss.
Eine erfolgreiche Wärmewende trägt erheblich zu einer nachhaltigeren Zukunft bei und stärkt auch die lokale Wertschöpfung und den Standort Stadtbergen. Es ist aber auch klar, dass die kommunale Wärmewende erheblicher Anstrengungen bedarf. Sie kann nur durch die Zusammenarbeit aller Akteure gelingen. Stadtbergen ist dabei gut aufgestellt, denn sowohl die politischen Akteure als auch Stadtverwaltung und Versorger befassen sich intensiv mit der Umsetzung.
Ein Beitrag von Claudia Günther, Stabsstelle Klimaschutz Stadtbergen. Der Text erschien zuerst in "Stadt mit A", der Augsburger Agendazeitung.
Info
Mehr zum Klimaschutz in Stadtbergen findet ihr auf der Webseite der Stadt.
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