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Mensch sein, nicht Maschine

Fünf Jahre lang beschäftigte sich der Dialograum Geld mit humanen Alternativen zum bestehenden Geldsystem. Das Ergebnis: Es braucht mehr Menschlichkeit in unseren Dialogen. Peter Frommherz erklärt, warum.
Menschen mit Sprechblasen symbolisieren einen Dialograum Mensch.

Stellt euch vor: Ein Raum, in dem niemand auf den Tisch haut. In dem nicht jeder seinen Standpunkt verteidigt, als ginge es ums Überleben. In dem einfach geredet wird – miteinander, nicht übereinander. Klingt utopisch? Ist es aber nicht. Der DialogRaumMensch macht genau das möglich. Und man muss kein Gesellschaftskritiker sein, um zu spüren, dass so ein Ort gerade bitter nötig ist.

Denn das Gefühl, das viele Menschen umtreibt, ist Ohnmacht. Das Gefühl, reguliert, verwaltet und bürokratisiert zu werden, als wäre man eine Stellschraube im großen Getriebe und kein Mensch mit eigenem Willen und eigener Stimme. Wer eine lebendige Gesellschaft wie eine Maschine behandelt, hat das Wesentliche nicht verstanden. Maschinen kann man von außen reparieren. Menschen brauchen etwas anderes: Gehör, Begegnung, Selbstbestimmung.

Wie wahrhaftig sind wir eigentlich noch?

Und die Frage, die dahinter steckt, ist unbequem: Wie wahrhaftig sind wir eigentlich noch? In einer Wirtschaft, in der Großkonzerne mehr als die Hälfte ihrer Produktkosten für Werbung und Marketing ausgeben? In einer Politik, in der Geld zunehmend entscheidet, wer gehört wird und wer nicht? In Medien, Wissenschaft, Gesundheit, Bildung – überall dort, wo Abhängigkeiten vom Geld längst die Spielregeln bestimmen? 

das alte Sprichwort „wes Brot ich ess, des Lied ich sing"  klingt harmlos. Gemeint ist aber etwas Ernstes. Wer von jemandem abhängig ist, denkt und spricht selten frei. Das ist ein Fehler in unserem System. 

Raum für echte Begegnung

Der DialogRaumMensch setzt dem etwas entgegen: einen Raum für echte Begegnung, für Wahrhaftigkeit und für die Frage, welche Gesellschaft wir eigentlich wollen. In Zusammenarbeit mit dem Soziokratie-Zentrum Augsburg entstanden, versteht er sich als Einladung an alle, die nicht länger nur zuschauen wollen. 

Was es dafür braucht, ist keine Revolution. Sondern ein Umdenken. Weg von der Vorstellung, dass sich Menschen wie Maschinen optimieren und steuern lassen. Hin zu einem Bewusstsein, das auch das Lebendige, das Beseelte, das Menschliche erfasst. Wer das für weltfremd hält, irrt. Denn das Gegenteil davon, nämlich der Mensch als digital programmierte Funktionseinheit, ist die eigentlich beunruhigende Vision.

Der Vorläufer: DialogRaumGeld 

Dass es so einen Raum braucht, hat eine Vorgeschichte. Fünf Jahre, zwölf Ehrenamtliche, drei große Konvente im Kongress am Park – zuletzt mit 150 Teilnehmenden aus Banken, Initiativen und der Zivilgesellschaft. Der DialogRaumGeld hat bewiesen, dass echter Dialog funktioniert. Dass Menschen, die sonst gegeneinander arbeiten, gemeinsam nach Lösungen suchen können. Eine knapp 100-seitige Dokumentation hält fest, was dabei entstanden ist: https://dialograumgeld.org

Jetzt soll der Mensch in den Mittelpunkt rücken. Es wird Zeit.

 

Gastartikel von Peter Frommherz, Forum Fließendes Geld

 

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