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Faire Preise für Kakao und Co.

Schokolade schmeckt süß, ihre Produktion ist es oft nicht: Warum faire Preise für Kakao und andere Agrarprodukte entscheidend sind – und was eine Reform auf EU-Ebene verändern könnte.
Titelbild INKOTA Appell "Landwirtschaft braucht Fairness"

Schokolade ist für viele ein täglicher Genuss. Doch für Millionen Kakaobäuer*innen ist der Anbau alles andere als süß. Trotz harter Arbeit können viele Familien in den Anbauregionen nicht von ihrem Einkommen leben. Die Folgen sind gravierend: Investitionen in einen nachhaltigen Anbau bleiben aus, Beschäftigten können keine existenzsichernden Löhne gezahlt werden und Kinderarbeit bleibt vielerorts bittere Realität.

30 Jahre Fairtrade-Kakao in Deutschland

Anders will es der Faire Handel machen. 2026 feiert Fairtrade Deutschland 30 Jahre Fairtrade-Kakao. Inzwischen bauen weltweit rund 508.000 Bäuerinnen und Bauern Fairtrade-Kakao an. Auch in Deutschland hat er deutlich an Bedeutung gewonnen: 2024 lag der Marktanteil von Fairtrade-Kakao bei rund 21 Prozent. Die zahlreichen Weltläden bieten beispielsweiese eine große Auswahl fair gehandelter Schokoladen und Kakaoprodukte.

Doch trotz dieser Entwicklung leben viele Kakaobäuer*innen weiterhin in Armut. Unter dem Motto „Landwirtschaft braucht Fairness“ macht die entwicklungspolitische Organisation INKOTA-Netzwerk deshalb auf die Missstände im herkömmlichen Kakaohandel aufmerksam und fordert, faire Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse gesetzlich zu verankern. Anlass ist die für dieses Jahr anstehende Reform der europäischen Richtlinie gegen unlautere Handelspraktiken (UTP-Richtlinie). Sie bietet die Chance, Landwirt*innen weltweit besser vor unfairen Handelsbedingungen zu schützen.

"Während Verbraucher*innen in Europa über steigende Schokoladenpreise diskutieren, kämpfen Kakaobäuer*innen ums Überleben. Ohne politische Regeln bleiben sie den Schwankungen des Weltmarkts schutzlos ausgeliefert. Das darf nicht so bleiben." 

INKOTA-Appell

Mit fairen Preisen zu nachhaltiger Landwirtschaft

Nach Ansicht von INKOTA liegt das Problem nicht allein in niedrigen oder stark schwankenden Weltmarktpreisen für Kakao. Vielmehr ermöglichen es die bestehenden Handelsstrukturen, dass Preise gezahlt werden, die die tatsächlichen Kosten einer nachhaltigen Produktion nicht decken. Wer von seiner Arbeit nicht leben kann, hat kaum Spielraum, um in klimaresistente Anbaumethoden, den Schutz der Biodiversität oder bessere Arbeitsbedingungen zu investieren.

Deshalb fordert das Netzwerk gemeinsam mit weiteren Organisationen, die Zahlung unfairer Preise künftig selbst als unlautere Handelspraktik einzustufen. Faire Preise sollen so bemessen sein, dass sie die Kosten einer nachhaltigen Produktion decken und existenzsichernde Einkommen sowie notwendige Investitionen ermöglichen.

Landwirtschaft weltweit betroffen

Der Appell richtet den Blick zwar besonders auf den Kakaoanbau, macht aber deutlich, dass das Problem die Landwirtschaft insgesamt betrifft. Auch Milch- und Getreidebetriebe in Deutschland stehen unter erheblichem Preisdruck. Gleichzeitig setzt sich der Strukturwandel fort: Gab es Mitte der 1990er-Jahre in Deutschland noch mehr als eine halbe Million landwirtschaftliche Betriebe, waren es 2023 nur noch rund 255.000.

Faire Erzeugerpreise sind deshalb nicht nur eine Frage globaler Gerechtigkeit. Sie sind auch eine Voraussetzung für eine vielfältige und widerstandsfähige Landwirtschaft und für stabile Lieferketten.

Info:

Weitere Informationen und die Möglichkeit, den Appell zu unterzeichnen, gibt es auf der Website von INKOTA.

 

Ein Gastbeitrag der Werkstatt Solidarische Welt e.V.

 

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