Walkable City: Auf den Spuren der Römer
Wer durch Augsburg geht , läuft durch eine der ältesten Städte Deutschlands — und das wortwörtlich. Unter dem Pflaster, hinter Hausfassaden und in Innenhöfen, die kaum jemand kennt, steckt eine Vergangenheit, die 2.000 Jahre zurückreicht. Im Jahr 15 v. Chr. gründeten die Römer hier zwischen Lech und Wertach ihre Hauptstadt der Provinz Raetien und gaben ihr zu Ehren des römischen Kaisers und Eroberers Augustus die weibliche lateinische Version seines Namens und den Namen des besiegten keltischen Stammes - den Vindeliker: Augusta Vindelicum“.
Augusta Vindelicum — Eine Stadt auf Spurensuche
Schon damals war der Ort eine florierende Stadt mit einem blühenden Gemeinwesen mit Forum, Tempeln, Thermen und Markthalle – ein Zentrum der römischen Welt nördlich der Alpen, das Menschen aus dem gesamten Mittelmeerraum anzog. Soldaten, Händler, Handwerker und Gelehrte aus allen Ecken des Imperiums machten Augusta Vindelicum von Beginn an zu einer Stadt der Vielfalt. Das ist kein historisches Detail am Rande. Es ist der Kern dessen, was Augsburg bis heute ausmacht.
Mit der „Augusta Vindelicum"-App könnt ihr euch mit eurem Handy oder Tablet und Augmented Reality, 3D-Simulationen, Rätseln und in Dialogen mit virtuellen Figuren tief in die Geschichte der Stadt begeben. Erhältlich ist die kostenlosen App bei Google Play oder im Apple Store. Weitere Infos gibt es unter www.augsburg-tourismus.de/roemer sowie bei der Tourist-Info am Rathausplatz.
Augsburg ist reich an Geschichte und Geschichten
Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft: Alles greift in einander. Und so verwundert es nicht, dass Kunst, Kultur und Geschichte auch in die Zukunftsleitlinien Augsburgs einfließen. Kulturstätten werden kontinuierlich weiterentwickelt und zugänglich gemacht. Unter der Überschrift „Augsburgs Stärken zeigen" hält die Stadt ausdrücklich fest, dass Heimat und Identität ermöglicht werden sollen – durch das Wissen darum, woher man kommt. Kaum ein Kapitel der Stadtgeschichte ist dafür eindrucksvoller als die Römerzeit.
Und wie eng die Geschichte Augsburgs mit den Römern verbunden ist, zeigt sich auch an der Bedeutung der Zirbelnuss. Wer von euch aufmerksam beobachtend durch die Straßen läuft, dem wird hier und da der charakteristische römische Pinienzapfen auffallen, der das Feldzeichen des ersten Römerlagers war, aus dem die Stadt Augusta Vindelicum und das heutige Augsburg wurde. Die Zirbelnuss ist im Stadtwappen verewigt und wenn ihr auf eurer Tour mal nach unten auf das alte Kopfsteinpflaster schaut, dann entdeckt ihr sie auch in den Kanaldeckeln der Stadt.
Tour-Stationen
Station 1 – Römersteine am Peutingerhaus (Peutingerstraße 11)
Euer Rundgang beginnt direkt am Dom, an einem Ort, den selbst die Augsburger*innen kaum kennen: dem Peutingerhaus. Wenn ihr genau hinschaut, dann entdeckt ihr an der Tordurchfahrt und im Innenhof eingemauerte römische Steindenkmäler – darunter das Grabmonument eines Iulianus Iulius aus dem frühen 3. Jahrhundert. Gesammelt hat sie der Jurist und Stadtschreiber Konrad Peutinger, geboren 1465, der damit de facto die Römerforschung in Augsburg begründete. Ein unscheinbarer Ort mit großer Geschichte.
Station 2 – Diözesanmuseum St. Afra (Kornhausgasse 3–5)
Nur wenige Schritte weiter, gleich neben dem Dom, lohnt sich ein Abstecher ins Diözesanmuseum St. Afra. Durch ein sogenanntes Archäologisches Fenster blickt ihr direkt auf die Fundamente des karolingischen Doms – und darunter auf Reste römischer Bauten aus dem 2. bis 5. Jahrhundert. In einer Vitrine daneben seht ihr Fragmente eines Wandfreskos aus römischer Zeit, bemalt in leuchtenden mediterranen Farben. Ein kleines, aber beeindruckendes Zeitfenster in die Vergangenheit.
Station 3 – Römermauer (Domvorplatz/Fronhof/Peutingerstraße)
Weiter geht's zum Domvorplatz, wo euch Abgüsse römischer Steindenkmäler empfangen. In der App könnt ihr das fast sieben Meter hohe Grabmal des Marcus Aurelius Carus aus der Zeit um 180/200 n. Chr. in seiner ursprünglichen Farbenpracht bestaunen – und es per Puzzlespiel sogar selbst zusammensetzen. Etwa 100 Meter weiter südlich endete einst die von einer Wehrmauer geschützte Römerstadt. Eine Pflasterung im Boden deutet heute noch die Fundamente eines antiken Peristylhauses an.
Station 4 – Siegesaltar (Gänsbühl 11–13)
Hier wird's dramatisch: 1992 entdeckten Archäologen beim Gänsbühl einen Altar der Siegesgöttin Victoria, der einen der spektakulärsten Momente der Provinzgeschichte dokumentiert. Im Jahr 260 n. Chr. waren germanische Stämme bis nach Norditalien eingefallen und hatten tausende Gefangene mitgeschleppt. Der raetische Statthalter Simplicinius Genialis griff sie ab und befreite die Verschleppten – und ließ zum Dank diesen Altar errichten. In der App schildern Statthalter, Soldaten und Gefangene ihre ganz unterschiedlichen Sichtweisen auf das Ereignis. Und per Augmented Reality erscheint die einst verlorene Victoria-Statue wieder auf dem Altar – so wie sie ursprünglich ausgesehen haben dürfte.
Station 5 – Thermen (Äußeres Pfaffengässchen 9)
Im Archäologischen Garten am Äußeren Pfaffengässchen taucht ihr in den Alltag der römischen Badkultur ein. Hier, im Zentrum der antiken Stadt, wurde im 2. Jahrhundert eine Kaserne kurzerhand mit einer Thermenanlage überbaut. Die App erklärt per 3D-Animation, wie die Fußbodenheizungen funktionierten, woher die Baumaterialien stammten und welche Tücken der Thermenbetrieb mit sich brachte. Ein Modell vor Ort macht auch die unterirdischen Strukturen aus Antike und Mittelalter sichtbar.
Station 6 – Gräberfeld (Hirblinger Straße/August-Wessels-Straße und Hofer Straße, Oberhausen)
Wer hätte gedacht, dass der heutige Stadtteil Oberhausen die Wiege Augsburgs ist? Schon vor Christi Geburt stand hier ein römisches Militärlager – bis ein Hochwasser es zerstörte. Die Funde, die seitdem ans Licht kamen, sind spektakulär: 2021 hoben Stadtarchäologen den größten je in Bayern entdeckten römischen Silberschatz – rund 5.600 Denare, 15 Kilogramm schwer. Im Zentrum Oberhausens steht heute das Replikat des Pfeilergrabs des Legionärs Titus Flavius Martialis; ein zweites Replikat findet ihr am Hettenbach. In der App plaudert Grabstifter Marcus Aurelius Carus persönlich über seine letzte Ruhestätte – und ihr könnt das Grabmal, das einst bunt bemalt war, interaktiv selbst einfärben.
Bonustipp für Geschichtsbegeisterte
Wer nach dem Rundgang noch nicht genug hat, dem empfehlen wir drei weitere Anlaufstellen. In der Basilika St. Ulrich und Afra (Ulrichsplatz 23) liegt in der Unterkirche ein echter römischer Sarkophag, in dem die Gebeine der Bistumspatronin Afra ruhen sollen.
In der Jakobervorstadt, im Haus „Bei den Sieben Kindeln 3", steckt ein römisches Relief aus dem 3. Jahrhundert in der Hausfassade – ein Grabmalelement, das sechs spielende Kinder zeigt und dem gesamten Viertel seinen Namen gab. Und im Zeughaus (Zeugplatz 4) zeigt die Dauerausstellung „Römerlager – Das römische Augsburg in Kisten" auf 777 Quadratmetern das Beste aus der Römerzeit: von einem vergoldeten bronzenen Pferdekopf aus der Wertach bis zur „Adam-und-Eva-Schale", dem ältesten Nachweis für das Christentum im heutigen Bayern.
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