Walkable City – Handwerk in Augsburg
Das Stadtbild Augsburgs war und ist heute noch geprägt von Orten, an denen die unterschiedlichsten Arten von Handwerk betrieben werden. Von Gold- und Silberschmieden, Buchbindereien, dem Friseurhandwerk bis hin zur Textil- und Töpferkunst, findet ihr in der Stadt die interessantesten Beispiele dafür, wie vielfältig das Handwerk ist.
Um euch das Erbe dieser Traditionen nahe zu bringen hat die Regio Tourismus Augsburg den "Handwerkerweg" entwickelt, den ihr per kostenloser App „Future History“ oder mit der entsprechenden Broschüre allein oder mit einer Führung erkunden könnt.
Augsburgs Handwerk – stark durch Wasserkraft
Bereits vor Jahrhunderten hat man in Augsburg das Wasser des Lechs, der Wertach, der Singold und der Quellbäche im heutigen Stadtwald genutzt. Doch nicht nur in der „Wasserkunst“ der Brunnenmeister habe sich die Bürger*innen der Stadt des Wassers und seiner Kraft bedient. Auch Zimmerer, Schmiede, Maurer, Seiler und Lederer, Steinmetze, Bronzegießer, Maler oder Kunstschreiner haben das sogenannte „Erdöl des Mittelalters“ für ihre Arbeit verwendet. Ganz zu schweigen vom textilverarbeitenden Gewerbe, das die Wasserkraft der Lechkanäle gewinnbringend verwertet hat. Heute gehören sie zum "Welterbe Wasser" der Stadt Augsburg.
Stationen des Augsburger Handwerkerwegs
Auch wenn heute das Wasser nicht mehr die herausragende Bedeutung besitzt, wie vor vielen Jahrzehnten, ist das Stadtbild noch immer von unterschiedlichen Handwerksbetrieben geprägt. Einige davon stellen wir euch hier in unserem Walkable City zum "Handwerkerweg" vor.
Los geht's am Moritzplatz: Hier steht das Weberhaus, wo sich das ehemalige Zunfthaus der Augsburger Weber befand. Das historische Gebäude wurde 1913 durch einen Neubau ersetzt, die heutige Wandbemalung von Otto Michael Schmitt entstand 1959/60.
Gleich daneben befindet sich der Merkurbrunnen. Die Figuren des 1599 aufgestellten Brunnens, der heute Teil des UNESCO-Welterbes „Augsburger Wassermanagement- System“ ist, wurden vom Niederländer Adriaen de Vries modelliert.
Weiter gehts zum Rathaus, einem Meisterwerk der Baukunst jener Zeit. Von dort könnt ihr entweder die Treppe hinab zum Elias Holl Platz laufen, von dem ihr einen Blick auf die imposante Rückseite des Rathauses habt, oder den Perlachberg hinablaufen. Egal für welche Route ihr euch entscheidet, ihr lauft direkt auf die Stadtmetzg zu. Das ehemalige Zunftgebäude der Metzger am Fuß des Perlachbergs, 1609 vollendet, galt damals als modernste Fleischhalle: Der Vordere Lech, ein Lechkanal, diente als Kühl- und Abwasserkanal unter der Stadtmetzg. Deshalb gehört der Bau heute zu den 22 Objekten des UNESCO-Welterbes „Augsburger Wassermanagement-System“. Die Fassade ist öffentlich zugänglich.
Folgt dem Mittleren Lech zwischen der Barfüßerkirche und dem Kolonial-Laden. Der Kanal leitet euch direkt zum Brechthaus, wo er sich mit dem Hinteren Lech vereint. Ihr befindet euch nun im Handwerkerviertel der Altstadt.
Gegenüber dem Brechthaus führt Buchbindemeisterin Elisabeth Zelck ihre "Altstadtbuchbinderei". Die Augsburger Buchbinderei blickt auf eine Tradition bis 1530 zurück. 1885 gründete Leonhard Kraus in den heutigen Räumen die „Buchbinderei Leonhard Kraus“. Wer ein besonderes Geschenk oder ein Unikat sucht, wird hier fündig.
Über Jahrhunderte galt Augsburg als ein Zentrum der Gold- und Silberschmiedekunst in Mitteleuropa. Und wieder spielten die Kanäle der Altstadt ein wichtige Rolle für die Ansiedlung dieses Handwerks, da Silberhämmer, Grätzmühlen und sogar Diamantschleifereien die Wasserkraft der Lechkanäle nutzten. Wenn ihr durch das Tor des denkmalgeschützten Handwerkerhauses an der Pfladergasse in den Hof der Alten Silberschmiede tretet, haltet inne und lasst die Geschichten dieses Ortes auf euch wirken. Bereits 1670 ließ sich hier der erste Goldschläger nieder, und die Familie Bartel betreibt das „Schmuckhaus für Gold, Silber und Platin“ bereits seit 1977.
Ein kleiner Tipp: Solltet ihr in der Adventszeit Augsburg besuchen, dann erwartete euch im Hof der Silberschmiede ein kleiner gemütlicher Weihnachtsmarkt.
Am Vorderen Lech entlang in Richtung Milchberg geht es weiter auf dem "Handwerkerweg" und durch die Geschichte der Stadt. Das Altstadthaus, auf das ihr an der Hausnummer 32 stoßt, beherbergt den letzten Gerberboden in Augsburg. Die Familie Aigner nutzt die mehrstöckigen Dachböden noch wie im Mittelalter zum Trocknen. Hier entsteht Hirschleder nach wie vor durch die alte Veredelungsmethode Sämischgerbung. In der Lederschneiderei werden daraus langlebige Kleidungsstücke wie zum Beispiel die „Hirschlederne“ nach Maß gefertigt.
Gleich um die Ecke, am Hunoldsgraben dreht sich ebenfalls alles ums Schneider-Handwerk. Hier hat Schneidermeisterin und Kostümbildnerin Sonja Reininghaus ihr Atelier. Sie kreiert maßgeschneiderter Kleidung und eigene Designs, etwa Westen aus Stoffresten, kombiniert mit Flohmarktstücken.
Wer auf der Suche nach dem geeigneten Stoff für das neue Kleid oder den Anzug ist, kann nach Lust und Laune im Augsburger Reste Maier gleich gegenüber stöbern und wird sicher fündig.
Am Milchberg, wenige Gehminuten vom Vorderen Lech entfernt, befindet sich die ehemalige Wirkungsstätte eines der ältesten Handwerke der Stadt - Die Alte Schmiede. Ursprünglich beherbergte sie die Hufschmiede des Klosters St. Ulrich und Afra, woran die alte Fassadenmalerei erinnert. Bereits im 12. Jahrhundert schlug hier der erste Schmied auf seinen Amboss, und noch bis 1967 arbeiteten die Vorfahren des heutigen Besitzers als Schmiede in diesem Haus. Zugänglich ist das traditionsreiche Gebäude, wenn die Fenster und Türen geöffnet ist. Erlebbar werden die Relikte des alten Handwerks durch eine Kooperation mit der Technischen Hochschule Augsburg und dem Engagement vieler Augsburger*innen.
Am Ende unserer kleinen Walkable City Tour zum "Handwerkerweg" erwartet euch eine kleine Stärkung in der Spitalgasse. Genießt bei Kaffee oder Tee und einer kleinen Mahlzeit auch ein Stück Geschichte. Schon vor 400 Jahren arbeiteten hier Bäcker. Heute backt die Familie Laxgang in Augsburgs letztem Holzbackofen täglich frisch.
Wie wichtig Die Wasserkraft auch für dieses Handwerk war, zeigt eine Abbildung auf einem der größten Brunnen in der Innenstadt am Rathaus, dem Augustusbrunnen. Dort symbolisiert die Figur des Mühlenflüsschens Singold mit Mühlrad und Ährenkranz diese Bedeutung.
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