Politik & Verwaltung

Augsburger Stadtrat: Nachhaltigkeit im Fokus

Die Nachhaltigkeitseinschätzung des Augsburger Stadtrats hilft, Beschlüsse nachhaltiger zu machen. Für die Jahre 2022/23 zeigt sie Fortschritte in Gesundheit, Klimaschutz und Teilhabe.
Im Augsburger Rathaus tagt auch der Stadtrat der Stadt Augsburg.

Die Nachhaltigkeitseinschätzung für Beschlüsse des Augsburger Stadtrats und seiner Ausschüsse hat sich als wertvolles Instrument etabliert und wird zunehmend professioneller genutzt. Im Dezember 2024 stellte das Büro für Nachhaltigkeit seine neue Analyse vor. Diese untersuchte die Nachhaltigkeitsbewertungen der Beschlussvorlagen aus den Jahren 2022 und 2023 – sowohl inhaltlich als auch qualitativ. Der 18-seitige Bericht, ergänzt durch anschauliche Grafiken, liefert tiefgehende Einblicke in die städtische Nachhaltigkeitsarbeit. Gleichzeitig läuft die abschließende Auswertung der Bewertungen für 2024.

Auswirkungen der Stadtratsbeschlüsse auf die Zukunftsleitlinien

Im Zentrum der Analyse stand eine zentrale Fragestellung: Für welche Dimensionen, Leitlinien und Leitlinienziele wurden die meisten oder wenigsten fördernden Effekte dokumentiert? Welche Themenschwerpunkte prägten die Arbeit des Stadtrats? Das Büro für Nachhaltigkeit identifizierte sieben bedeutsame Erkenntnisse:

1. Gesundheit im Fokus: Die Anzahl positiver Effekte auf die Leitlinie S1 „Gesundes Leben ermöglichen" stieg kontinuierlich weiter an – ein Trend, der seit der Corona-Pandemie 2020 anhält.

2. Klimaschutz auf dem Vormarsch: Die Bedeutung des Klimaschutzes wuchs erheblich. Während die Leitlinie Ö1 „Klima schützen" 2020 noch auf Platz 10 aller 20 Leitlinien rangierte, verbesserte sie sich 2021 auf Platz 6, behauptete 2022 Position 7 und erreichte 2023 bereits Platz 4.

3. Kulturelle Stärken weiterhin bedeutsam: Die Leitlinie „Augsburgs Stärken zeigen" behielt auch 2022 und 2023 ihre hohe Relevanz, verlor jedoch leicht an Gewichtung.

4. Gesellschaftliche Teilhabe prioritär: Die soziale Leitlinie „Teilhabe an der Gesellschaft ermöglichen" gewann in den vergangenen beiden Jahren erheblich an Bedeutung und war 2023 das Ziel mit den meisten fördernden Maßnahmen.

5. Ökologische Defizite bestehen fort: Auch 2022 und 2023 erhielten die ökologischen Leitlinien insgesamt die geringste Förderung. Ö4 „Biologische Vielfalt schützen und fördern" blieb das am wenigsten unterstützte Ziel.

6. Gemeinwohl-Wirtschaft unterrepräsentiert: Im Wirtschaftsbereich fällt auf, dass die Leitlinie W3 „Gemeinwohlorientiert wirtschaften" am seltensten gefördert wurde. Allerdings könnte dies daran liegen, dass entsprechende Maßnahmen zwar umgesetzt, aber nicht explizit ausgewiesen wurden – beispielsweise beim verantwortungsbewussten Einkauf im Rahmen nachhaltiger Beschaffung.

7. Kunst und Kultur zahlenmäßig unterrepräsentiert: Die verhältnismäßig geringe Anzahl an Maßnahmen mit fördernden Effekten für die Leitlinie K1 „Kunst und Kultur als wesentlich begreifen" verdeutlicht, dass Kunstschaffende und Kulturinstitutionen quantitativ nicht im Mittelpunkt städtischer Beschlussvorlagen standen.

Die Gesamtauswertung belegt, dass sich Stadtverwaltung und Stadtrat mit sämtlichen Leitlinien auseinandersetzen. Allerdings gibt die Anzahl erfasster Effekte noch keinen Aufschluss über die qualitativen Auswirkungen der getroffenen Beschlüsse. Zudem werden nicht alle Wirkungen der Maßnahmen in den Nachhaltigkeitseinschätzungen dokumentiert.

Funktionalität des Instruments

Steigende Prozess- und Informationsqualität: Der Anteil der Beschlussvorlagen mit Nachhaltigkeitseinschätzung wächst kontinuierlich und erreichte 2023 bereits 63 Prozent. Eine vollständige Abdeckung ist aufgrund von Ausnahmeregelungen nicht möglich – für Folgebeschlüsse müssen beispielsweise keine Einschätzungen erstellt werden. Um die Quote weiter zu steigern, wurden ab 2024 gezielte Verbesserungsmaßnahmen implementiert. Erste Auswertungen der 2024er Einschätzungen zeigen bereits positive Effekte dieser Maßnahmen.

Die Gesamtanalyse bestätigt die Funktionalität des Prozesses und seinen wertvollen Beitrag für Stadtverwaltung und Stadtrat, die Nachhaltigkeitsziele kontinuierlich im Blick zu behalten. Auch die Informationsqualität der Nachhaltigkeitseinschätzungen hat sich merklich verbessert.

Die Wirksamkeit des Instruments würde sich jedoch erheblich steigern, wenn die Nachhaltigkeitseinschätzungen in den Ausschuss- und Stadtratssitzungen von den Stadträtinnen und Stadträten sowie den Ausschussvorsitzenden aktiver diskutiert würden – was bisher noch zu selten geschieht.

Auswertung für 2024

Die ab 2024 eingeführten Neuerungen zeigen bereits vielversprechende Verbesserungen. Besonders die Bereiche Klimaschutz und Jugendbeteiligung profitieren von der neu implementierten Klimaschutzeinschätzung und dem integrierten Jugendbeteiligungscheck. Die Auswertungen für 2024 werden derzeit erarbeitet und voraussichtlich im Mai dem Umweltausschuss präsentiert.

 

Infos

Hintergrundinformationen zum Instrument der Nachhaltigkeitseinschätzung findet ihr hier.

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