1 - 6 von 6 wird angezeigt
German
Für langfristig bezahlbare Mieten und ein hierarchiefreies Zusammenleben
Öffnungszeiten aktivieren
HIDE
Ort

Augsburg
Deutschland

E-Mail
info [at] paradieschen-augsburg.de

Das Pa*radieschen Hausprojekt ist eine Wohnprojekt Gruppe in Augsburg, die sich für langfristig bezahlbare Mieten und ein hierarchiefreies Zusammenleben einsetzt.

Wir möchten dem Immobilienmarkt ein Haus abringen, in dem Menschen unabhängig vom eigenen Vermögen selbstbestimmt leben können“, Corinna Pusch, Pa*radieschen e.V.

Die feste Projektgruppe ist auf der Suche nach einem passenden Objekt in Augsburg und versucht durch regelmäßige Veranstaltungen auf die allgemeine Wohnproblematik in Augsburg aufmerksam zu machen.

Rechtlich und finanziell hat sich der Pa*radieschen e.V. dem Mietshäuser Syndikat angeschlossen und steht in engen Kontakt mit dem bereits nach diesem Modell umgesetzten Projekt Unser Haus e.V.

Jede* und jeder* ist willkommen, unser Konzept ist Solidarität und Toleranz. Nur Rassismus, Homophobie und Sexismus müssen draußen bleiben“, Corinna Pusch, Pa*radieschen e.V..

Facebook: https://www.facebook.com/paradieschen.augsburgInstagram: https://www.instagram.com/paradieschen.augsburg/Newsletter: https://riseup.us20.list-manage.com/subscribe/post?u=bc7884aeb028b1b026…Flyer: https://paradieschen-augsburg.de/files/paradieschen.pdf

 

Folgende Lifeguide-Artikel könnten euch auch interessieren:

Kategorie(n)
Tipp
Öffnungszeiten
Wochentag
Montag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Dienstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Mittwoch 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Donnerstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Freitag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Samstag geschlossen
Sonntag geschlossen
Karte Kategorie
German
Gelungenes Integrationsprojekt, günstige Mieten, buntgemischte Mieterschaft, generationsübergreifendes Wohnen, ökologischer Wohnungsbau
Öffnungszeiten aktivieren
HIDE
Ort

Nebelhornstraße 45
86163 Augsburg
Deutschland

E-Mail
europadorf [at] tuerantuer.de

Die Idee für Europadörfer stammt aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Heimatlose Menschen aus unterschiedlichen Ländern sollten in den sechs Häusern in Hochzoll friedlich miteinander leben. Der Initiator Pater Dominique Pire erhielt für diese Idee der Völkerverständigung 1958 den Friedensnobelpreis.

1999 übernahm der Verein „Tür an Tür – miteinander wohnen und leben e. V.“ das Projekt. Heute gilt das Europadorf als gelungenes Integrationsprojekt und steht für günstige Mieten, eine buntgemischte Mieterschaft und generationsübergreifendes Wohnen. Das Dorf ist zudem Vorbild für ökologischen Wohnungsbau. Die Altbauten wurden energetisch saniert und ein Neubau in Niedrigenergiebauweise errichtet. Sonnenkollektoren und eine Pelletanlage sorgen für Warmwasser und Heizung. Und der Innenhof mit seinen alten Bäumen ist seit über 50 Jahren ein Ort der friedlichen Begegnung.  

Kategorie(n)
Tipp
Öffnungszeiten
Wochentag
Montag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Dienstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Mittwoch 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Donnerstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Freitag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
Samstag geschlossen
Sonntag geschlossen
Karte Kategorie

Alternatives Wohnen im Tiny House

Alternatives Wohnen im Tiny House
Wie viel Platz ist wirklich nötig?
Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Foto: Johann Steinhart

Der Keller ist vollgestellt mit Dingen, die eigentlich niemand mehr braucht. Die Kinder sind erwachsen und aus dem Haus, die Kinderzimmer leer oder ungenutzt. In der mittleren Lebensphase haben Menschen oft zu viel Platz. Junge Leute hingegen können sich  kaum noch den Traum vom Eigenheim leisten. Das Tiny House kann die Lösung für all diese Probleme sein.

Was ist ein Tiny House?

Auf Deutsch bedeutet Tiny House nicht mehr als „winziges Haus“, und wird als Bezeichnung für transportfähige kleine Häuschen verwendet. Eine genaue Definition anhand der Wohnfläche gibt es in Deutschland aber nicht. In den USA gelten Häuser mit weniger als 38 Quadratmetern Wohnfläche laut Gesetz als Tiny Houses.

 

Tiny House Movement

Die Idee für die winzigen Häuser stammt ursprünglich aus den USA. Große Häuser gelten in den USA, wie auch in Deutschland und anderen westlichen Ländern, als Statussymbol für den steigenden Wohlstand. Die Wohnfläche von neu gebauten Einfamilienhäusern hat seit den 1990er Jahren stark zugenommen. Gleichzeitig hat aber die Anzahl der Personen, die in einem Haushalt zusammenleben, im selben Zeitraum stark abgenommen. Das bedeutet, dass weniger Menschen auf einer größeren Wohnfläche leben. Das Tiny House Movement, so heißt die gesellschaftliche Bewegung für winzige Häuser in den USA,  will diesem Trend entgegenwirken. Sie fordern eine bewusste Abkehr von dem Denken: "je größer, desto besser". Der bewusste Verzicht auf Wohnfläche bringt nämlich auch viele Vorteile mit sich.

 

Die Vorteile von Tiny Houses

Wer sich heutzutage ein Einfamilienhaus bauen will, sollte dafür Baukosten von mindestens 140.000 - 280.000 Euro einplanen. Dazu kommt das Grundstück – bei steigenden Grundstückpreisen. Ein einzugsfertiges Tiny House hingegen kostet durchschnittlich zwischen 40.000 und 80.000 Euro, je nach Hersteller und Ausstattung. Mit einem Mini-Haus kann sich der Traum von den eigenen vier Wänden also auch ohne Schuldenberg erfüllen.

Durch die geringere Wohnfläche sinken nicht nur die Anschaffungskosten, sondern vor allem auch die Nebenkosten. Heizen, Strom, Kühlung – hier hat das Tiny House einen erheblich niedrigeren Energieverbrauch. Das kommt nicht nur dem Geldbeutel, sondern vor allem auch der Umwelt zugute. Wohnen ist in Deutschland aktuell für 36 Prozent der CO2 Emissionen von Privatpersonen verantwortlich. Besonders schlägt dabei das Heizen zu Buche. Da die Emissionen mit der beheizten Wohnfläche ansteigen, ist das Tiny House zweifellos das umweltfreundlichste Eigenheim. Einige Hersteller bieten mittlerweile auch autarke Tiny Houses an, die sich über eine Solaranlage auf dem Dach selbst mit Energie versorgen. Wasser kann über eine Regenrinne in einem Auffangbehälter gesammelt werden.

Mit dem Tiny House sind theoretisch auch Umzüge möglich. Die meisten Modelle sind auf einem Fahrgestell mit Rädern verbaut, und können wie ein Anhänger von einem PKW transportiert werden. Der eingeschränkte Platz im Tiny House führt automatisch dazu, dass nicht unendlich viele Dinge dort untergebracht und angesammelt werden können. Ein weiterer positiver Aspekt für die Umwelt. Wer sich für Downsizing und Minimalismus begeistern kann, ist mit diesem Wohnkonzept also sicher gut beraten.

 

Das nachhaltige Tiny House made in Friedberg

Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg hat ein ökologisches Tiny-Haus auf Rädern entwickelt. Der Unternehmer ist auf ökologische Baustoffe, wie Lehm, Kalk, Holz, Hanf und Climacell-Cellulose spezialisiert.

Es gibt für jede Aufgabe, die sich uns stellt eine ökologisch sinnvolle Lösung.“ Johann Steinhart, Ökologische Baustoffe.

Sein ökologisches Mini-Haus hat auf zwei Ebenen insgesamt 27.5 Quadratmeter Wohnfläche. Es wird mit portugiesischem Kork, recycleter Jute oder Maisfasern gedämmt und hat zweifach verglaste skandinavische Holzfenster. Ein spezieller Sandwichaufbau schützt sowohl vor Kälte als auch vor sommerlicher Hitze. Holzofen, Komposttoilette und ein geräumiges Bad sorgen für Komfort. Weitere Technische Details hier.

Die rechtliche Situation in Deutschland

Der Trend zum Tiny House ist schon lange auch in Deutschland angekommen. Beim deutschen Baurecht aber leider noch nicht. Bei der Grundstückssuche und der Genehmigung für die Minihäuser gibt es aktuell noch rechtliche Hürden. Wer seinen Erstwohnsitz in ein Tiny House verlegen möchte, braucht dafür zunächst ein Grundstück, wo das Mini-Haus dauerhaft abgestellt werden kann. In vielen Gemeinden entsprechen die winzigen Häuser aber nicht den engen Vorgaben im Bebauungsplan. Deshalb ist es aktuell noch schwierig, eine Genehmigung zu bekommen und einen passenden Platz für das Tiny House zu finden. Eine vorübergehende Lösung ist, das Tiny House auf einem Campingplatz abzustellen. Laut Gesetz darf ein Campingplatz zwar nicht als Erstwohnsitz angemeldet werden, aber manche Gemeinden machen hier eine Ausnahme. Da das Tiny House mittlerweile in Deutschland sehr beliebt ist, gibt es eine aktive Gemeinschaft, die Tiny House Community, die nach Lösungen sucht.

 

Tiny House Community

Durch diese aktive Gemeinschaft sind in Deutschland bereits erste Siedlungen aus Mini-Häusern entstanden. Eine davon ist das sogenannte Tiny House Village im Fichtelgebirge. Auf einem ehemaligen Campingplatz mit  über 17.000 qm Grünfläche entstanden 35 Grundstücke für kleine Häuser. Derzeit wohnen 31 Menschen in dem Dorf. Ihr Ziel ist ein gemeinschaftliches Leben mit all seinen Vor- und Nachteilen. Einzelne Gruppen engagieren sich z.B. für Hühnerhaltung oder im Permakulturgarten.

Die Mitglieder des Tiny-House-Dorfes betreiben hier auch ein kleines Hotel. Interessenten können das Dorf also hautnah erleben, und eines von drei Häuschen zum Wohnen auf Probe anmieten. Ein virtueller Rundgang durch die zwei Tiny-Haus-Modelle Nordic Fjöll und Lill Stuga vermitteln einen ersten Eindruck.

Wohnen auf Probe

Vor dem Kauf eines eigenen Tiny Houses ist es sicher eine gute Idee, das vorher selbst auszuprobieren. Wie fühlt es sich an, auf begrenztem Raum zu leben? Ist genug Platz für eine ganze Familie? Wie kann man mit Freunden oder Familien feiern? Die Menschen im Fichtelgebirge haben diese Bedürfnisse  mit Hilfe eines Gemeinschaftshauses gelöst, das Sanitäranlagen mit Duschen, Toiletten, Waschmaschine und Trockner bietet. Geplant ist außerdem ein großer Gemeinschaftsraum mit Küche, geräumigem Tisch, Bibliothek, Yogaraum und Kreativwerkstatt.

Wem das Fichtelgebirge zu weit weg ist, findet auch in der näheren Umgebung Alternativen. Am Sternberg auf der Schwäbischen Alp gibt es beispielsweise die Möglichkeit, ein Tiny House zum Wohnen auf Probe anzumieten.

Unabhängig von Ort und Hersteller bietet das Wohnen auf Probe eine gute Gelegenheit zu erfahren, wie es sich anfühlt, auf begrenztem Raum zu leben. Auch für alle, die sich nicht vorstellen können dauerhaft in einem Mini-Haus zu leben, ist das Tiny House auf Probe der perfekte Zufluchtsort für einen entspannten Kurzurlaub. Und vielleicht regt der Aufenthalt zum Nachdenken darüber an, wie viel (Platz) und wie viel Besitz man wirklich braucht.

 

Die Autorin:

 
   

Annika Müller studiert an der Universität Augsburg Geographie. Mit viel Engagement hat sie sich am Lifeguide-Uniseminar 'Journalistisches Schreiben' beteiligt und ihren Abschlussartikel der Frage gewidmet: Wie viel Platz und wie viel Besitz brauchen wir wirklich?

                    

Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren?

Dieser Artikel entstand im Rahmen des Lifeguide-Seminares an der Universität Augsburg, das unsere Chefredakteurin Cynthia Matuszewski im Wintersemester 2019/2020 im Fachbereich Geographie anbot. Die Kernfrage lautete: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren? Einmal, indem sie so oft wie möglich miteinander sprechen und sich austauschen. Aber auch indem junge Wissenschaftler*innen in allgemein verständlicher Sprache von ihren Forschungsprojekten, ihren Forschungsfragen oder ihren Zukunftsmodellen berichten. Und lernen, sich einem Thema auf journalistischem Weg zu nähern. Im Laufe des Seminars wurde über Verständlichkeit gesprochen, über Recherche, Gegenrecherche, Überschriften, Teaser, Fotos und vieles mehr. „Das war eine inspirierende Zeit für mich mit sehr engagierten Studentinnen und Studenten. Es hat Spaß gemacht, mit ihnen in einer Uni-Redaktion zusammenzuarbeiten!“, berichtet Cynthia Matuszewski. Am Ende dieser vielversprechenden Zusammenarbeit lagen dem Lifeguide mehrere spannende Artikel vor, wie zum Beispiel über E-Scooternachhaltiges Kinderspielzeug oder das Unternehmen Ökobon. Im Laufe des Jahres 2020 werden sie alle veröffentlicht. Wir danken unseren engagierten Gastautor*innen und freuen uns auf ihre Beiträge!

 

Folgende Lifeguide-Artikel könnten dich auch interessieren:

Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Foto Annika Müller
Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg hat ein ökologisches Tiny House entwickelt und gebaut. Foto Annika Müller
Jute, Dämmmaterial, Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Foto Annika Müller
Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg hat ein ökologisches Tiny House entwickelt und gebaut. Er verwendet als Dämm-Material Jute aus recycelten Kakaosäcken. Foto Annika Müller
Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Foto: Johann Steinhart
Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg hat ein ökologisches Tiny House entwickelt und gebaut. Foto Johann Steinhart
Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Foto Annika Müller
Auffenthaltsbereich oben im Tiny House von Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg. Er hat das ökologische Tiny House entwickelt und gebaut. Foto Annika Müller
Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Bad, Foto Annika Müller
Bad im Tiny House von Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg. Er hat das ökologische Tiny House entwickelt und gebaut. Foto Annika Müller
Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Foto Annika Müller
Haustechnik im Tiny House von Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg. Er hat das ökologische Tiny House entwickelt und gebaut. Foto Annika Müller
oekoausbau johann steinhart, Friedberg bei Augsburg, Lehmbau, ökologische Baustoffe, foto_johann_steinhart, Minihaus, Tiny House, Haus aud Rädern, Ökologisches Tiny House
Ökoausbau Johann Steinhart in Friedberg bei Augsburg ist spezialisiert auf ökologischen Innenausbau. Außerdem bietet er ökologische Tiny Houses auf Rädern an. Foto: Johann Steinhart
Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Foto Annika Müller
Holzofen im Tiny House von Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg. Er hat das ökologische Tiny House entwickelt und gebaut. Foto Annika Müller
Johann Steinhart, ökologisch Bauen, Augsburg, Tiny House, Bad, Foto Annika Müller
Maßgefertigter Waschtisch im Tiny House von Johann Steinhart aus Friedberg bei Augsburg. Er hat das ökologische Tiny House entwickelt und gebaut. Foto Annika Müller
×

Häuschen zu verschenken!

Häuschen zu verschenken!
Augsburgs erstes Little Home für Obdachlose sucht Besitzer*in und Stellplatz
Little Home, Augsburg, Foto: AK Wohnen Augsburg

Ein kleines Holzhäuschen auf Rädern: Außen: Ein freundlicher blau-gelber Anstrich, Innen: Ein Bett, ein Klapptisch, zwei Fenster und sogar eine kleine Campingtoilette. Das ist Augsburgs erstes „Little Home“. Seine Berufung: Eine minimalistische Unterkunft für Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind. Sein Problem: Das gemütliche Mini-Haus hat immer noch keinen festen Stellplatz.

„Wir suchen seit Juli 2019 nach einem Standort für das Häuschen, haben bisher aber leider noch nichts Passendes gefunden,“ berichtet Laura Will vom Arbeitskreis Wohnen Augsburg. Gebaut hat der AK Wohnen das erste Augsburger Little Home für nur 1.250 Euro im Rahmen eines Workshops der Solidarischen Stadt Augsburg. Die Finanzierung sicherte das Büro für bürgerschaftliches Engagement der Stadt Augsburg, sowie die Arno-Buchegger-Stiftung Augsburg.

Das blaugelbe Mini-Haus soll verschenkt werden

Nachdem das Little Home 2019 einen Monat lang in der Augsburger Innenstadt die Aufmerksamkeit der Menschen auf das Thema sozialverträgliches Wohnen gelenkt hatte, sucht der AK Wohnen Augsburg eine Bewohnerin oder einen Bewohner für das blau-gelbe Mini-Haus. Dazu will der AK Wohnen das Häuschen per Schenkungsvertrag eine*m Obdachlose*n zur Verfügung stellen. Zuerst aber muss ein Stellplatz gefunden werden. „Trotz unserer Bemühungen waren wir bisher nicht erfolgreich“, berichtet Laura Will.

„Dabei können Little Homes einen Mehrwert für den Standortbesitzer liefern, weil dadurch beispielsweise einen Einkaufsparkplatz weniger anfällig für Vandalismus oder Diebstahl ist“, weiß Sven Lüdecke. Der Kölner ist Gründer der Initiative "Little Home". Inzwischen gibt es in Deutschland über 100 Little Homes, sie sind fest in die Stadtbilder etabliert und so beliebt, dass in Köln gerade 17.000 Menschen auf der Warteliste für ein Häuschen stehen.

Ein Little Home soll kein Hotelzimmer sein. Es soll einen vorübergehenden Schutz vor Nässe und Kälte geben. Man soll Gelegenheit haben, seine Gedanken neu zu sortieren. Zu schauen, welche Schritte muss ich gehen, um hier wieder rauszukommen, wieder ins Leben zu kommen."  Sven Lüdecke, Gründer von Little Home.

Das Leben im Little Home wird also nicht als langfristige Lösung angesehen, sondern als temporärer Schutzraum, der ein Mindestmaß an Privatsphäre gewährt und als Ausgangspunkt für weitere Schritte und Hilfen dienen kann.

„Für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der sozialen Arbeit sind die Bewohner*innen verlässlicher erreichbar und für die Menschen in Not selbst kann das ihnen entgegengebrachte Vertrauen ein Zeichen sein, dass die Gesellschaft sie nicht aufgegeben hat. Dieses Zeichen kann ein großer Motor für Veränderungen zurück in ein selbstbestimmtes Leben sein“, erläutert Laura Will. Wer einziehen kann, entscheidet der Arbeitskreis nach den Kriterien von Little Home e.V..

Doch zuerst muss Augsburgs „Little Home“ eine Heimat finden. "Wir brauchen jetzt Unterstützung von offizieller Seite. Hier muss die Stadt Augsburg aktiv werden und den langfristigen Verbleib des Little Homes ermöglichen," so Laura Will.

INFO: Unter ak-wohnen@posteo.de können Ideen und Vorschläge für ein neues Zuhause des little homes gemacht werden.

Zum AK Wohnen Augsburg:

Der AK Wohnen Augsburg hat sich Anfang 2019 als offene Plattform zur Vernetzung von lokalen Vereinen und Initiativen, die selbstverwaltete und gemeinschaftliche Wohnprojekte im Raum Augsburg verwirklichen wollen, gegründet. Neben Vernetzung, Austausch und Unterstützung zwischen den Projektgruppen, dient der AK als Interessensverband für das Thema sozialverträgliches Wohnen, in dem Möglichkeiten ausgelotet werden, wie im Bereich Wohnen die Lebendigkeit und Vielseitigkeit der Stadt gefördert und ausgrenzenden und diskriminierenden Tendenzen entgegengewirkt werden können.

HOME: www.akwohnenaugsburg.home.blog

KONTAKT: ak-augsburg@posteo.de

cm/pm

Little Home, Augsburg, Foto: AK Wohnen Augsburg
Dieses Little Home für Wohnungslose sucht einen Stellplatz in Augsburg. Foto AK Wohnen Augsburg
Little Home, Augsburg, Foto: AK Wohnen Augsburg
Dieses Little Home für Wohnungslose sucht einen Stellplatz in Augsburg. Foto AK Wohnen Augsburg
Little Home, Augsburg, Foto: AK Wohnen Augsburg
Dieses Little Home für Wohnungslose sucht einen Stellplatz in Augsburg. Foto AK Wohnen Augsburg
×

"Es geht um viel mehr, als um ein eigenes Haus!"

"Es geht um viel mehr, als um ein eigenes Haus!"
Gemeinsam wohnen – zusammen leben
Unser Haus e.V., Augsburg, Syndikat, Direktkredit, Wohnen, Stadteil, Foto: Cynthia Matuszewski

Die Augsburger Vereine Unser Haus und Pa*radieschen zeigen, dass auf dem knallharten Immobilienmarkt Träume vom gemeinsamen Wohnen und solidarischen Zusammenleben wahr werden können.

Dieser Lifeguide-Artikel erscheint am 15.Oktober 2018 auch in der Purpur, dem Magazin zu verantwortungsvollem Leben in Augsburg und Umgebung aus dem Hause liesLotte.

 

Steigende Mieten, knapper werdender Wohnraum und Wohnhäuser, die reine Spekulationsobjekte sind. Für die meisten Menschen ist das harte Realität und sie sind froh, eine halbwegs akzeptable Wohnung zu erschwinglichen Preisen zu bekommen. In Augsburg gibt es zwei Vereine, die zeigen, dass Wohnen und miteinander leben auch anders geht.

Wir möchten dem Immobilienmarkt ein Haus abringen, in dem Menschen unabhängig vom eigenen Vermögen selbstbestimmt leben können“, Corinna Pusch, Pa*radieschen e.V.

Während das Pa*radieschen mit Gründungsdatum 2018 noch ganz am Anfang steht, zeigt Unser Haus e.V. bereits, dass das Konzept funktioniert. Im Oktober 2018 ziehen die ersten acht Mieterinnen und Mieter in das vereinseigene Mehrfamilienhaus am Katzenstadel 22 ein. „Es geht aber um viel mehr, als um ein eigenes Haus“, stellt Simon* von Unser Haus klar. Zum einen versteht sich der 2015 gegründete Verein als Vorreiter in Augsburg, der anderen zeigen will, dass es auf unserem Immobilienmarkt möglich ist, auch ohne Eigenkapital ein Haus zu kaufen. „Wir wollen anderen Mut machen und vorleben, dass eine Stadtgesellschaft von unten möglich ist und wir etwas verändern können“, sagt Simon.

 

Einstimmige Entscheidungen, keine Hierarchien

Es geht um viel mehr, als um ein eigenes Haus“, Simon, Unser Haus e.V.

Ein weiteres, wichtiges Ziel beider Vereine ist eine neue Form des Zusammenlebens: „Bisher wohnen wir nur“, sagt Simon. „Aber wir wollen miteinander leben.“ Das bedeutet ein lebendiges Gemeinschaftsleben, das gleichzeitig den Rückzug in die eigenen WG-Zimmer oder Wohnungen ermöglicht. Bei regelmäßigen Treffen werden alle Entscheidungen für das gemeinsame Leben einstimmig, also im Konsens, getroffen. Es gibt keine Hierarchien. Die Hausgemeinschaft soll eine möglichst bunte Vielfalt repräsentieren. Corinna vom Pa*radieschen sieht in diesem Zusammenleben auch eine attraktive Alternative zum klassischen Familienkonzept. „Es heißt nicht umsonst, um Kinder zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Kinder profitieren von vielfältigen Anregungen, unterschiedlichen Bezugspersonen“, so ihre Meinung. Im Pa*radieschen gibt es derzeit sogar noch freie Plätze. „Jede* und jeder* ist willkommen, unser Konzept ist Solidarität und Toleranz. Nur Rassismus, Homophobie und Sexismus müssen draußen bleiben“, betont Corinna.

 

Lebendige Stadtviertel

Zu den Zielen beider Vereine gehört auch eine Belebung ihres Stadtviertels. „Wir wollen Angebote machen, die in die Umgebung hinauswirken“, erzählt Corinna. Angedacht sind Foodsharing-Stationen, Kiez-Veranstaltungen in den Gemeinschaftsräumen, Kleidertauschräume oder Urban-Gardening-Projekte.

Jede* und jeder* ist willkommen, unser Konzept ist Solidarität und Toleranz. Nur Rassismus, Homophobie und Sexismus müssen draußen bleiben“, Corinna Pusch, Pa*radieschen e.V..

Während das Pa*radieschen noch auf der Suche nach einem naturnahen Mehrfamilienhaus in Augsburg mit großem Garten ist, schleifen die Unser-Haus-Leute in ihrem Haus Böden ab und verputzen Wände. Diese Arbeiten sind vergleichsweise leicht, bedenkt man den weiten Weg, der hinter den fünf Frauen und sieben Männern von Unser Haus e.V. liegt. „Am Anfang war da nur ein vage Idee…“ erinnert sich Simon.

Ein Treffen mit dem bundesweit agierenden Miethäuser Syndikat ermutigte die Gruppe. Ziel der seit 1990 bestehenden Syndikats ist es, preiswerten Wohnraum zu schaffen und Immobilien langfristig dem Markt zu entziehen. Bei rund 130 Häusern in Deutschland ist dieses Konzept bereits aufgegangen. Vom Neubau bis zur Altbausanierung ist alles dabei. Das Prinzip beruht auf einer soliden, kenntnisreichen Planung, Wissenstransfer, Direktkrediten und Solidaritätsbeiträgen. Im Fall der Augsburger*innen hieß das, dass ihnen ein fester Ansprechpartner aus einem erfolgreichen Projekt an die Seite gestellt wurde, der sie mit Knowhow und Erfahrungen unterstützte.

Reden wir über Geld…

Neben der Suche nach einem geeigneten Haus oder Grundstück geht es in der Anfangsphase vor allem darum, genügend Menschen für die Idee zu begeistern. Denn in der Finanzierung ersetzen sogenannte Direktkredite von Privatpersonen das Eigenkapital. Wer beispielsweise 500 oder 1.000 Euro hat, die auf dem Sparbuch liegen und nicht genutzt werden, kann sein Geld den Hausvereinen leihen – zu frei verhandelbaren Bedingungen. Dabei legen die Geldgeber*innen die Zeitspanne fest, in der sie ihr Geld entbehren können, also beispielsweise ein, zwei oder zehn Jahre. „Die ersten Direktkredite kamen bei uns aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und es ging um Summen zwischen 500 und 20.000 Euro“, erzählt Simon. In der Regel wird ein symbolischer Zinssatz von 0 bis 0,01 Prozent vereinbart, man kann aber auch über 1,5 % verhandeln. Und da Transparenz auch in Sachen Finanzierung wichtig ist, betont Simon, dass Direktkredite „nachrangig“ sind. Sollte das Projekt also scheitern, werden zunächst alle anderen Kreditgeber ausgezahlt.

Wir halten die Mieten so niedrig wie möglich“, Simon von Unser Haus e.V.

Und da kommt wieder das Syndikat ins Spiel. Wer hier aufgenommen werden möchte, muss einen Architekten haben und eine äußerst solide Bauplanung und Finanzierung nachweisen. Das sorgt für Sicherheit bei den Direktkreditgeber*innen. Das Augsburger Haus am Katzenstadl stammt noch aus dem 19. Jahrhundert und wechselte für 200.000 Euro den Besitzer. Für Sanierungen planten die Unser-Haus-Mitglieder rund 830.000 Euro ein. Der größte Teil der Bauarbeiten und Sanierungsmaßnahmen wurde an Profis abgegeben. Mit 300.000 Euro an Direktkrediten konnte der Rest bei der KfW und bei der Umweltbank entliehen werden. Und zurückgezahlt werden die Kredite mit Hilfe der Mieteinnahmen aus stabilen, nicht steigenden Mieten. „Wir halten die Mieten so niedrig wie möglich“, berichtet Simon. Sie sind anfangs mit denen des Mietspiegels vergleichbar, liegen also im Durchschnitt. „Aber unsere Mieten steigen nicht und sind dadurch langfristig sehr günstig“, erklärt Simon.

Damit das Syndikat kontinuierlich neue Projekte unterstützen kann, erhält es einen Solidarbeitrag von den fertigen Projekten. Und um zu garantieren, dass das Haus nicht nach wenigen Jahren wieder an private Investoren verkauft werden kann, gibt es eine spezielle GmbH-Regelung zwischen Syndikat und Hausverein.

Nach der langen Phase von Verhandlungen und Bürokratie, von schweißtreibender Arbeit, Baulärm und Dreck freuen sich die Unser Haus Bewohner*innen jetzt auf das gute Leben miteinander und in ihrem neuen Kiez. Und Corinna ist optimistisch, dass auch sie und ihre Mitstreiter*innen ihr Pa*radieschen finden werden. Dass es geht, zeigt ja der Katzenstadel.

Informationen:https://paradieschen.github.io/www.unserhausevwww.syndikat.org

*Der vollständige Name ist der Redaktion bekannt

Unser Haus e.V., Augsburg, Syndikat, Direktkredit, Wohnen, Stadteil, Foto: Cynthia Matuszewski
Die Mitglieder von Unser Haus e.V. vor ihrem Haus in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Unser Haus e.V., Augsburg, Syndikat, Direktkredit, Wohnen, Stadteil, Foto: Cynthia Matuszewski
Die Mitglieder von Unser Haus e.V. renovieren ihr Hauses in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Unser Haus e.V., Augsburg, Syndikat, Direktkredit, Wohnen, Stadteil,bezahlbares Wohnen, Foto: Cynthia Matuszewski
Die Mitglieder von Unser Haus e.V. vor ihrem Haus in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
×

Ökonomie als Donut

Ökonomie als Donut
Ein neues Bild für zukunftsfähiges Wirtschaften: Kate Raworth stellte die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße" und entwickelte die Donut-Ökonomie. Buchtipp von Norbert Stamm.
Kate Raworth, „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Grafik: Kate Raworth

Kate Raworth ist eine britische Wirtschaftswissenschaftlerin, der nicht gefiel, was sie an der Universität von Oxford lernte. Denn das, was gelehrt wurde, berücksichtigte in ihren Augen nicht das Wichtigste: die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb entschloss sie sich, die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße zu stellen“.

 

Einfach zeichnen

Raworth griff zum Bleistift und zeichnete einen „sicheren und gerechten Raum für die Menschheit“ - den Bereich, in dem ein gutes Leben für alle Menschen auf der Welt auch langfristig möglich scheint. Heraus kam etwas, das aussieht wie ein Donut (Bild Donut vom Buchcover). Das war um 2011. Sie legte ihre Zeichnung verschiedenen Menschen und Gruppen vor – und stieß auf viel Zustimmung. 2017 veröffentlichte sie ihre gesammelten Überlegungen im Buch „Doughnut Economics. Seven ways to think“, es ist im März 2018 unter dem Titel „Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“ auf Deutsch erschienen.  

 

Wirtschaftsraum zwischen planetaren Grenzen und Weltentwicklungszielen

Raworths Donut ist der Freiraum, in dem zukunftsfähiges Wirtschaften heute möglich ist. Der innere Rand steht für zwölf  Grundbedürfnisse aller Menschen - wie sauberes Wasser, ausreichend Nahrung, Zugang zu Bildung, Wohnen und rechtliche Sicherheit. Den äußeren Donut-Rand bilden natürliche Faktoren wie Klima, Luft, Süßwasserqualität, Stickstoffkonzentration und Artenvielfalt. Sie sind begrenzt durch das, was das Erdsystem an menschlicher Aktivität verträgt. Dazwischen können wir leben.   Angeregt wurde Raworth durch das Modell der planetaren Grenzen, das der schwedische Agrar- und Erdsystemwissenschaftler Johan Rockström 2009 zusammen mit anderen einführte. Und durch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die zuletzt 2015 als 17 Weltnachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) beschlossen wurden. Raworth vereint beides – und leitet daraus den Spielraum für unser Wirtschaften ab.

 

Die Macht der Grafiken

Uns Menschen beeindrucken vor allem Bilder. So auch die Bilder, die uns die Wirtschaftswissenschaften bisher von erfolgreichem Wirtschaften vermitteln: das vom geschlossenen Kreislauf, von der mathematisch exakten Kurve von Angebot und Nachfrage... All diese schönen Diagramme haben jedoch weder den Finanzcrash von 2008 vorher angezeigt noch beziehen sie Artensterben, Klimawandel und die Zahl der Hungernden mit ein. Raworth erkannte: wir brauchen nicht nur neue Erzählungen, sondern vor allem auch neue Bilder. Nicht mehr die exponentielle Wachstumskurve, sondern einen Donut. Nicht mehr Bilder von eigenständigen Kreisläufen, sondern von der Einbettung der Ökonomie. Nicht mehr das Konstrukt vom Menschen als einem homo oeconomicus, sondern ein Bild vom Menschen, das unsere soziale Verbundenheit zeigt. Solch neue Bilder findet sie und versucht, sie zu vermitteln.

 

Sieben wichtige Gedankenschritte für ein neues Bild von Wirtschaft

Am Anfang steht für Raworth der Abschied vom Bruttoinlandsprodukt als der Maßzahl für Wohlstand. Stattdessen geht es darum, allen Menschen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen.

Zweiter Schritt ist die Realisierung der Tatsache, dass Ökonomie eingebettet ist in Gesellschaft und Natur und eben kein eigenständiger Kreislauf.

Drittes Thema ist ein zutreffenderes Bild vom Menschen – nicht mehr als homo oeconomicus, sondern sozial eingebunden - das Raworthsche Modell zeigt die Bedeutung  menschlicher Beziehungen.

Vierter Bereich: wir müssen systemisch denken, aber nicht mehr mechanistisch – es gibt keine einfachen Hebel, um ein solch komplexes System wie Wirtschaft zu steuern. 

Fünftes: der Abschied vom Bild, das vorübergehend Ungleichheit nötig sei, um später Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen, sondern stattdessen von vorneherein auf die Herstellung von Gleichheit zu setzen, z.B. durch öffentliche Investitionen in Gesundheit und Bildung.

Sechstens eine soweit wie möglich kreislaufförmige, regenerative Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft, ähnlich wie sich Cradle to Cradle das vorstellt.

Und siebtens sollten wir uns von der Abhängigkeit von Wirtschaftswachstum befreien: Wirtschaft muss nützen, auch ohne Wachstum.

 

Der Donut scheint zu schmecken - um im neuen Bild zu bleiben

Heute lehrt Kate Raworth Ökonomie in Oxford und Cambridge. Und ihr „Donut-Modell“ macht ebenfalls Karriere: es findet sich in immer mehr Powerpoint-Präsentationen. Und der Umweltökonom Daniel o'Neill der Universität Leeds hat ein Indikatorensystem entwickelt, das Donuts für über 150 Staaten anzeigt. Damit ist auf einen Blick sichtbar, wie nachhaltig diese Staaten derzeit wirtschaften: die Donuts zeigen an, wie vollständig das jeweilige soziale Fundament ist (der innere Kreis) und wie sehr die ökologischen Grenzen eingehalten oder überschritten werden (der äußere Kreis). Diese Datenbank mit dem Titel „A Good Life For All Within Planetary Boundaries“ zeigt unter anderem auch den Donut für Deutschland: während die sozialen Grundbedürfnisse fast vollständig abgedeckt seien, würden die ökologischen Grenzen oft weit überschritten.

Im März 2018 erschien Kate Raworths 413 Seiten starkes, gut lesbares Buch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“. Auf den Seiten des Hanser-Verlags ist das umfangreiche Einführungskapitel auf Deutsch als PDF zu finden. Hier fnden Sie außerdem einige anschauliche Videos von Kate Raworth zu dem Thema (auf der Seite ein wenig nach unten scrollen).

 

Zur Person: Kate Raworth studierte um 1990 Ökonomie in Oxford. Doch mit dem, was sie dort über Wirtschaft lernte, war sie unzufrieden. Denn das, was gelehrt wurde, berücksichtigte in ihren Augen nicht das Wichtigste: die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb verbrachte sie anschließend drei Jahre bei sogenannten Barfuß-Unternehmerinnen auf Sansibar. Und wechselte dann zu den Vereinten Nationen in New York, um am Human Development Index mitzuarbeiten. Zum Schluss arbeitete sie über zehn Jahre für die Entwicklungsorganisation Oxfam, wo sie gegen die unfairen Spielregeln und die Doppelmoral der internationalen Handelsbeziehungen kämpfte und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschenrechte erforschte. Nach einem Jahr Erziehungszeit, entschloss sie sich, die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße zu stellen“. Und unterrichtet heute Ökonomie – u.a. in Oxford.

Kate Raworth: "Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört" Übersetzung: Hans Freundl und Sigrid Schmid, Hanser Verlag, 413 Seiten, 24 Euro

 

Folgende Lifeguide-Artikel könnten euch auch interessieren:

Interview mit Christian Felber: "Die Gemeinwohl-Ökonomie gehört in die Bilanzen von Kommunen, Unternehmen und Banken": https://www.lifeguide-augsburg.de/magazin/interview-mit-christian-felber

Buchtipp: "Eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung" von Uwe Burka:   https://www.lifeguide-augsburg.de/magazin/wenn-geld-altern-wuerde

Artikel in Newslichter:  https://www.newslichter.de/2018/05/donut-oekonomie-ein-revolutionaeres-…

 

Kate Raworth, „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Foto: Richard Raworth
Kate Raworth, die Autorin von „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Foto: Richard Raworth
×
KONTAKT