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Müll zu reduzieren mit Windelzuschuss

Müll zu reduzieren mit Windelzuschuss
Für die Neuanschaffung von Stoffwindeln gibt es einen einmaligen Zuschuss von pauschal 50 Euro.
Stoffwindeln

Wusstet ihr, dass ein Kind 5.000-6.000 Einmalwindeln braucht, bis es trocken ist? 2019 sind in Deutschland 787.500 Babys auf die Welt gekommen. Wenn man nun von 5.000 Windeln pro Baby ausgeht, sind das sagenhafte 393.750.000 neue Windeln. Und 393.750.000 Windeln bedeutet 393.750.000 mal neuen Müll. Das ist wahrlich zu viel. Allein im Jahr 2018 machten in Augsburg rund 42.000 Tonnen an gebrauchten Einwegwindeln etwa vier bis zehn Prozent des Restmüllaufkommens aus. Doch die Lösung ist zum Glück simpel und altbewährt: Stoffwindeln. 

 

Stoffwindeln gibt es mittlerweile in allen Farben und Variationen und können von Kind zu Kind weitergenutzt werden. Außerdem müssen sie nicht mehr in Omas Kochtopf ausgekocht werden. Sie können in der Waschmaschine mit der sonstigen Wäsche gewaschen werden. Adé stinkende volle Windeleimer. Bye bye gehetzte Einkäufe zum Drogeriemarkt. Arrivederci Chemikalien an Babys Windelbereich.

 

Stoffwindel-Systeme sind teuer

 

Doch Stoffwindeln haben einen Nachteil: Die hohen Erstanschaffungskosten. Für eine Komplettausstattung liegt man leicht bei 600 Euro. Dies ist gerade beim ersten Kind eine hohe Investition neben all den weiteren Anschaffungen, die bei einem Baby anfallen. Umso besser, dass nun auch die Stadt Augsburg, auf die Initiative des Forums Plastikfreies Augsburg hin, es vielen Städten und Gemeinden deutschlandweit nachgemacht und einen Stoffwindelzuschuss eingeführt hat. Eltern aus Augsburg Stadt, den Landkreis Augsburg sowie im Landkreis Aichach-Friedberg können Windeleinkäufe ab einem Warenwert von mindestens 100 Euro einreichen und erhalten 50 Euro bezuschusst.

Hoffentlich ist das ein guter Anreiz um den Stoffwindelkauf zu erleichtern. Kostentechnisch rechnet sich die Verwendung von Stoffwindeln langfristig übrigens sowieso. Infos dazu finden Sie beispielsweiese hier.

 

Mehr zum plastikfreien Wickeln.

 

Der Artikel wurde ursprünglich im April 2021 veröffentlicht. 

 

Infos und Antrag für den Windezuschuss:

 

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Mehr über plastikfreies Leben erfahrt ihr auf

www.forum-plastikfrei.de

www.gruenezwerge.wordpress.com

www.gruenerwirdsnimmer.de

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Nachhaltiges Wickeln ohne Stress

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Mit Stoffwindeln die Umwelt und den Geldbeutel schonen. Andrea Maiwald vom Augsburger Stammtisch Plastikfreies Leben berichtet über ihre Erfahrungen mit Stoffwindeln und erklärt, wie man auf Einwegwindeln und Feuchttücher verzichten kann.
Stoffwindeln

Im Laufe einer durchschnittlichen Windelzeit von zweieinhalb bis drei Jahren kommt einiges an Müll zusammen. Fünf bis acht Mal am Tag wird ein Baby gewickelt, insgesamt macht das also ungefähr einen Pack Windeln die Woche und mehr als 5.000 Windeln, bis das Kind trocken ist. Dazu kommen die Feuchttücher um den Po sauber zu bekommen, von denen man durchschnittlich etwa ein bis zwei Packungen im Monat braucht. Die Vorstellung eines solchen Müllberges war mein Beweggrund, alle drei Kinder von Beginn an mit Stoffwindeln zu wickeln.

 

Stoffwindeln gibt es in verschiedenen Größen und den unterschiedlichsten Systemen, und nicht jedes ist für jeden Wickler oder jeden Anlass tauglich. Da Stoffwindeln aber einen recht hohen Wiederverkaufswert haben, habe ich mir am Anfang von jedem System, das mir zusagte, einige Windeln gebraucht gekauft und wir haben uns erst nach und nach entschieden. Die weniger beliebten habe ich wieder verkauft und davon die bevorzugten Windeln aufgestockt.

 

Unterschiedlichste Stoffwindel-Systeme

In der Krippe entschieden wir uns für sogenannte All-in-one, eine Stoffwindel, die sich in der Handhabung nicht wirklich von ihrem Wegwerfpendant unterscheidet. Sie besteht aus einem saugenden Baumwollkern und einer wasserundurchlässigen Schicht aus laminiertem Stoff (Polyurethanlaminat, kurz PUL).

Zuhause hatten wir Baumwollwindeln mit verschiedenen Stoffeinlagen und passende Überhosen aus PUL, und ein zweites System, eine Hybridwindel, die sowohl mit Stoffeinlagen als auch mit Wegwerfeinlagen befüllt werden kann. Diese Windel von der Windelmanufaktur wird in Dresden von einem kleinen Familienunternehmen hergestellt. Sie besteht aus einem Stoffhöschen und einer einknöpfbaren Innenwindel aus PUL oder Wolle, welche mit Einlagen ausgestopft wird. Meist muss bei dieser Variante nur die Einlage gewaschen werden, sodass diese Windel sehr wenig Schmutzwäsche verursacht.

Unterwegs ohne Waschmöglichkeit haben wir hin und wieder auf Vorlegewindeln zurückgegriffen, die dann in die Innenwindel gesteckt werden. So entsteht wesentlich weniger Müll als mit einer kompletten Wegwerfwindel.

 

Alternativen zu Feuchttüchern

Auch zu Feuchttüchern gibt es Alternativen. Herkömmliche Feuchttücher bestehen meist aus Kunststoffvlies, das mit allerlei Chemikalien behandelt ist. Stattdessen haben wir kleine Baumwolllappen benutzt, die es fertig zu kaufen gibt, oder wir haben uns selbst aus alten Handtüchern welche zurechtgeschnitten. Die wurden dann einfach vor Ort nass gemacht oder feucht mitgenommen. Die feuchten Lappen lassen sich prima in sogenannten Wetbags transportieren: kleine Beutel, die ebenfalls eine wasserabweisend Seite besitzen. In so einen zweiten etwas größeren Beutel wandern unterwegs auch die gebrauchten Tücher und Windeln, sodass weder Geruch noch Feuchtigkeit nach außen kommen.

Ein weiteres Argument gegen Wegwerfprodukte ist der Preis. Während Stoffwindeln zwar in der Anschaffung momentan teuer erscheinen, muss man dann aber im Laufe der Wickelzeit kaum noch etwas nachkaufen, sodass insgesamt sogar weniger Geld ausgegeben wird. Zusätzlich lassen sich die Windeln beim nächsten Kind direkt wieder verwenden. Gebrauchte Stoffwindeln können auf Babyflohmärkten problemlos weiterverkauft werden, so wandert am Ende der Wickelzeit oft sogar wieder etwas Geld zurück aufs Konto.

Auf den ersten Blick mag der Umgang mit waschbaren Windeln vielleicht abschrecken, aber mit dem zu Eltern und Kind passenden System wird er schnell zur Routine. Chemiefreie Babyhaut und leere Mülltonnen sind es wert.

 

Dieser Artikel ist erschienen in der Kolumne "Einfach machen" der AZ Augsburger Land.  

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