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Selber machen!

Selber machen!
Einsatz für ein zukunftstaugliches Leben
Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Pica Pau, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering

Wie erfolgreich bürgerschaftliches Engagement sein kann, zeigt sich in Mering bei Augsburg. Die Gemeinde zählt rund 15.000 Einwohner. 2015 beschlossen acht von ihnen, sich für mehr Nachhaltigkeit vor Ort einzusetzen. Sie gründeten das „Bündnis für Nachhaltigkeit in Mering“. Inzwischen sind es 16 Aktive, die das Zukunftskino, die Zukunftstour, den Zukunftsbecher und weitere nachhaltige Projekte realisiert haben. Am 7. Juli 2019 findet zum dritten Mal der Zukunftsmarkt in Mering statt - ein Fest der Nachhaltigkeit, das mittlerweile über die Grenzen Merings hinaus bekannt ist.

Zu den Engagierten gehören unter anderem Lehrer*innen, Sozialpädagog*innen, Banker*innen, Biolog*innen, Ruheständler*innen und Aktive aus Kirche und Politik. Sie treffen sich einmal im Monat, um ihr ehrenamtliches Engagement zu koordinieren. Neben gut recherchierten Basis-Informationen auf ihrer Website wollen sie vor allem zeigen, wo in der Gemeinde bereits nachhaltige Ideen realisiert wurden und welche praktikablen Lösungen es für ein umweltverträgliches, zukunftstaugliches Leben gibt.

Wir wollen nicht nur gegen etwas sein, sondern Ideen entwickeln, zeigen, dass wir etwas ändern können." Michael Dudella, Sozialpädagoge, Gründungsmitglied des Zukunftsbündnisses.

Eine dieser Ideen ist der Zukunftsbecher, ein Meringer Statement gegen die weltweit 6,4 Milliarden Coffee-to-go Pappbecher, die jährlich in den Müll wandern. Ein kompostierbarer, spülmaschinenfester, unter fairen Bedingungen produzierter Bambusbecher ohne Weichmacher, den es seit 2017 gibt.Auch für das Vermeiden von Verpackungsmüll hat sich das Bündnis für Nachhaltigkeit stark gemacht. Unter dem Motto „Einweg ist kein Weg“ warben sie in den Läden dafür, dass Kundinnen und Kunden zum Einkauf von Wurst, Käse oder Fleisch ihre eigene Box über die Theke reichen dürfen. Seit Juli 2018 prangt an der Tür von über 25 Verkaufsstellen in Mering der Aufkleber „Ja –Mehrweg, Müll vermeiden im Wittelsbacher Land - Nachhaltiges Mering“.

Reduktion auf das Wesentliche ist eine Lebensqualität und der Schlüssel für eine nachhaltige Welt." Constanze von Tucher, Bündnis für Nachhaltigkeit.

In Sachen Mehrweg statt Einweg ist übrigens das gesamte Wittelsbacher Land vorbildlich. Das Landratsamt Aichach-Friedberg hat für das Mitbringen eigener Behälter sogar eigens Hygienerichtlinien zusammengestellt.

Eine weitere Idee des Meringer Zukunftsbündnisses ist das Zukunftskino. Das sehr erfolgreiche Konzept sieht eine Mischung aus Film und Podiumsdiskussion vor. Zu Themen wie Flächenfraß, Landwirtschaft oder Plastik sparen wird 45 Minuten lang Wissen vermittelt. Im Anschluss beantworten geladene Gäste Fragen. "Uns ist vor allem wichtig, in dieser Diskussion ein sachliches Thema herunter zu brechen und zu klären: was kann ich hier vor Ort, in meinem Alltag tun?", berichtet Michael Dudella.

Wir wollen die Menschen nicht ratlos nach Hause schicken." Michael Dudella.

Für 2019 hat das Bündnis außerdem einen nachhaltigen Stadtrundgang und eine Zukunfts-Rad-Tour zu nachhaltigen Orten geplant.

 

Im Zukunftsforum neue Ideen entwickeln

Und was ist, wenn dem Bündnis einmal die Ideen ausgehen? Hier setzen die Aktiven auf die Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern, Vereinsvorsitzenden, Gemeinderäten und anderen Ideengeber*innen, die einmal im Jahr zu einem Zukunftsforum eingeladen werden. Bei diesem konstruktiven Treffen geht es ungefiltert um kleine Wünsche, spontane Ideen und langfristige Visionen für eine nachhaltige Zukunft. Vom neuen Fahrrad-Highway bis zur autofreien Innenstadt, vom Pflanzenflohmarkt bis zur Kleiderbörse werden erst einmal alle Ideen gesammelt.

 

25 Initiativen kommen zum Zukunftsmarkt 2019

Höhepunkt des Jahres 2019 wird ganz sicher der Zukunftsmarkt in Mering. Im Juli stellen sich rund 25 nachhaltige Initiativen, Projekte und Unternehmen aus der Region vor. „Unser Zukunftsmarkt ist kein Verkaufsmarkt“, betont Dudella. Vielmehr können hier die Menschen mit dem nachhaltigen Schreiner, der Recycling-Modemacherin, dem regionalen Bio-Eis-Hersteller und vielen anderen Nachhaltigkeits-Akteuren ins Gespräch kommen. Auch der Bienenstock „in Betrieb“ oder die Schafe vom Erlebnisbauernhof freuen sich über einen Besuch. Auf der Bühne werden in Kurz-Vorträgen nachhaltige Ideen vorgestellt und regionale Künstlerinnen gestalten ihre Interpretation von Nachhaltigkeit. „2019 sind wir erstmals auch auf Schulen und Kindergärten zugegangen und freuen uns auf deren Input“, berichtet Michal Dudella.

Um ein solches Fest und seit vier Jahren ein solches Engagement stemmen zu können, bedarf es guter Zusammenarbeit.

Jeder bringt seine Talente ein. Die Praktiker organisieren und bauen auf, die Kontaktfreudigen sprechen Helfer an und die Grafiker arbeiten an der Website." Michael Dudella.

„Das Engagement funktioniert aber auch deshalb so gut, weil wir eine starke Gemeinschaft sind. Wir haben Spaß an dem, was wir tun“, ergänzt Dudella. Außerdem gibt ihnen das positive Feedback aus der Bevölkerung immer wieder Rückenwind und neuen Elan.

Rudi Kaiserswerth, Mitinitiator des Meringer Bündnisses fasst seine Motivation so zusammen:

„Viele Einzelne zusammen können große Veränderungen bewirken.“

Der Zukunfts-Markt-Mering 2019Sonntag, den 7. Juli 2019, von 12:00 bis 18:00 UhrBei gutem Wetter im Lippgarten Mering, bei schlechtem Wetter in der Meringer Mehrzweckhalle. Der endgültige Veranstaltungsort wird am Samstag, den 6. Juli 2019 bekanntgeben.

 

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Ahochdrei. Leben. Wohnen. Arbeiten. Das Fachkräfte-Magazin für den Wirtschaftsraum Augsburg, Heft 2/ 2019.

 

Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Cynthia Matuszewski
Zukunftsfest in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Cynthia Matuszewski
Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftsfest in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
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Zukunftstour in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit, Mering.
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Zukunftsfest in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
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Zukunftskino in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftsfest in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftsbecher, Bambusbecher
Der Zukunftsbecher aus Mering - seit Dezember 2017 im Handel
Zukunftsfest Mering. Foto:Cynthia Matuszewski
Zukunftsfest Mering. Foto:Cynthia Matuszewski
Zukunftsfest Mering. Lernort Bauernhof. Foto: Cynthia Matuszewski
Zukunftsfest Mering. Lernort Bauernhof. Foto: Cynthia Matuszewski
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Achtsam leben - heilsame Reduktion

Achtsam leben - heilsame Reduktion
Innere und äußere Balance: Ein Gastbeitrag von Christine Pehl
Christine Pehl ist Business Coach und CSR-Expertin. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH

Christine Pehl lebt die Philosophie der heilsamen Reduktion. Im Lifeguide-Interview hat sie bereits von ihrem persönlichen Weg zu innerer und äußerer Balance erzählt. Die Expertin für Corporate Social Responsibility (CSR), zu deutsch "Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung", stellt uns in ihrem Gastbeitrag drei Schritte vor, die in unserer komplexen Welt zur Klärung, Entlastung und Vereinfachung beitragen.

Stille, Reduktion und Freude

Drei Schritte zur inneren und äußeren Balance

Wir haben nicht gelernt, uns innerlich zu sortieren und gut für uns zu sorgen. Schule, Ausbildung und Beruf dressieren uns darauf, in Kategorien von Leistung zu denken und zu funktionieren. Statt im inneren Kontakt zu sein und wahrzunehmen, welche Stimmen und Gefühle sich zeigen wollen, suchen wir nach Ablenkungen von außerhalb. Wir verdrängen alles, was sich unangenehm anfühlt und oft ein Weckruf unserer Psyche ist - wir schauen im wahrsten Sinne fern anstatt nach innen. Viele bekämpfen ihre Anspannung mit Aktivitäten wie exzessivem Sport, ruhelosem Arbeiten, dem Glas Wein am Abend oder auch der Einnahme von Aufputschmitteln. Wir wissen oftmals nicht, wie wir unsere inneren Zustände klären und herausfinden, was für uns sinnhaft ist. Das zeigt sich auch in der massiven Zunahme psychischer Erkrankungen wie Depression oder Burnout. Eine zentrale Frage ist deshalb: „Wie können wir uns innerlich sortieren, um dann im Außen klarer zu sein?

1. Schritt: In die Stille gehen

Der erste Schritt besteht darin, jeden Tag eine Zeit der Stille als Termin mit sich selbst einzuplanen. Wir sind „schnell mal“ auf Facebook oder anderen digitalen Plattformen - nehmen Sie sich stattdessen Zeit für sich selbst. Es geht darum, mit sich in Kontakt zu kommen – hier liegt Ihre Kraftquelle.

Zu Beginn können Sie eine kleine Reise durch Ihren Körper machen: Wie fühlen sich die Füße an? Warm oder kalt? Sind die Schultern angespannt oder entspannt? Gibt es Druck auf der Brust oder ist der Brustraum eher weit? Ist da ein Gefühl, wie zum Beispiel Angst, Traurigkeit oder Ohnmacht, das sich bemerkbar macht? Kommen bestimmte Gedanken wiederkehrend?

Es reichen fünf bis zehn Minuten, um wahrzunehmen, wie es Ihnen geht und was sich in Ihnen zeigt. Der Weg in die Stille tut gut und bringt innere Zentrierung.

 

2. Schritt: Was kann ich weglassen?

Im zweiten Schritt empfehle ich heilsame Reduktion. Was könnten Sie in Ihrem Leben einfach weglassen? Gerümpel im Keller oder Altlasten im Büroschrank? Unsinnige Gewohnheiten? Langes Fernsehen? Sogenannte „Verpflichtungen“, die vielleicht gar keine sind? Ziel ist es, freie Räume zu schaffen.

Routinen ans Licht befördern

Wer genauer hinsieht, stößt auf eine Reihe von überflüssigen Dingen, Aufgaben und Gewohnheiten. Im beruflichen Kontext kommen dabei diverse Routinen ans Licht. Es lohnt sich zu hinterfragen, wie ich meine wertvolle Lebenszeit verbringe. Im Alltag der meisten Menschen haben sich sinnlose Verhaltensweisen eingenistet. Bei jedem Ping des Smartphones checken sie Facebook, Twitter oder WhatsApp. Alle halbe Stunde sehen sie in den Posteingang, ob neue E-Mails eingegangen sind. Die Zeit vor dem Computer ist häufig ein großer Zeiträuber: News, Blogs, Wetter…

Wertvolle Zeit besser investieren

Beim Reduzieren und Entrümpeln bringen wenige Minuten schon sehr viel Entlastung. Es kommt vor allem darauf an, sich bewusst zu machen, womit wir gerade unsere wertvolle Zeit verbringen. Und sich zu überlegen, wofür wir diese Zeit lieber investieren möchten. Weniger ist mehr: Weniger Zeit mit unwichtigen Dingen verbringen, um mehr sinnvolle Sachen machen zu können.

 

3. Schritt: Sinn, Freude und Genuss finden

Diese freien Räume können - in einem dritten Schritt - mit neuen Inhalten gefüllt werden, die für Sie persönlich Sinn stiften oder einfach Freude und Genuss bringen. Hilfreich ist, eine kleine Liste mit Punkten zu erstellen, die einem wirklich, wirklich wichtig sind. Nehmen Sie sich einen Abend Zeit, um nachzuspüren: „Was sind meine Werte? Was macht mir Freude und bringt Genuss?“ Echte Freude bringt eine gute Schwingung, die uns wiederum Kraft zuführt.

Die Genussformel anwenden

Ärger wiegt schwerer als Freude, bei der sogenannten Genussformel beträgt das Verhältnis 3:1. Auf einmal Ärgern sollte dreimal Freuen folgen, um die negativen Folgen auszugleichen. Daher lohnt es sich, die Freuden zu entdecken und zu sammeln. Im beruflichen wie privaten Alltag gibt es begeisternde Situationen und Momente, an denen man sich erfreuen kann – viel zu oft werden sie leider übersehen. Probieren Sie aus, wie schnell das Verhältnis 3:1 erreicht werden kann - legen Sie sich Ihre „Liste der Freuden“ an.

Ist das Leben hart oder voller Chancen?

Beim Ausprobieren der drei Schritte empfehle ich, auch die eigene Grundhaltung und die Einstellung zu hinterfragen. Wenn ich denke, das Leben ist hart, dann lösen diese Gedanken Enge aus - ein klares Anzeichen, dass dies kein lebensbejahender Gedanke ist. Deshalb bringt es viel, solche Denkmuster zu ersetzen: Statt ‚das Leben ist hart‘ wähle ich ‚das Leben bietet mir viele Chancen‘.“ Wir Menschen sind Schöpfer und Gestalter. Unsere Gedanken und unsere Haltung zeigen sich in den Ereignissen unseres Lebens. Wählen Sie daher bewusst und sorgen Sie gut für sich – Sie sind damit auch eine Bereicherung für Ihr Umfeld.

Erstveröffentlichung in: CAREERS LOUNGE

Kostenloses E-Booklet der CAREERS LOUNGE mit Praxistipps: Burnout vorbeugen – Balance im beruflichen Alltag

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Weniger ist mehr- heilsame Reduktion

Weniger ist mehr- heilsame Reduktion
Interview mit Christine Pehl: Die Konzentration auf das Wesentliche schafft Platz für Neues
Christine Pehl ist Business Coach und CSR-Expertin. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH

Vielleicht kennen Sie den Moment, wenn man in seine neue Wohnung einzieht und zunächst nur die Möbel aufstellt. Es fehlen noch die Bücher, die Bilder, die Blumentöpfe – im Grunde die persönlichen Gegenstände, die sich im Laufe der Zeit so anhäufen. Es ist alles noch herrlich aufgeräumt, es ist noch Platz da – der im Laufe der Zeit den alltäglichen Dingen weichen muss. Betritt man die Wohnung von Christine Pehl erlebt man dieses Gefühl, des gerade frisch eingezogen seins. Business Coach und CSR-Expertin Christine Pehl lebt ihre Philosophie der „heilsamen Reduktion“, die sie auch Unternehmen und Menschen empfiehlt, die ihre Dienste in Anspruch nehmen. Die Idee dahinter: sich auf das Wichtige und Wesentliche konzentrieren – und so Platz für Neues schaffen. Das wollten wir mit eigenen Augen sehen und haben Wohnung und Person näher beleuchtet.

 

Ein Sofa, ein Tisch, zwei Stühle ... So schaut der Wohn- Arbeits- und Essbereich der Augsburgerin aus, die bereits seit dreieinhalb Jahren im Domviertel lebt. Im Schlafzimmer sucht man vergebens einen Kleiderschrank – und nein, einen begehbaren gibt es auch nicht. Alles was Christine Pehl an Kleidung besitzt, passt in ein Sideboard und auf eine Kleiderstange, die eigentlich als Gästegarderobe gedacht war. Christine Pehl lebt ihre eigene gewählte Form des Minimalismus, ohne Verzicht, wie sie selbst betont. „Ich wollte mich von Überflüssigem lösen, möglichst wenig haben, das verwaltet werden muss“, so ihre Begründung. Kein Bild hängt an der Wand, es steht keine Pflanze in der Wohnung und auch auf sonstigen „Kruscht“ verzichtet die Augsburgerin gerne. Sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren, auf die Arbeit, Begegnungen und die eigene innere Mitte, ist das erklärte Ziel der 44jährigen. Eine innere und äußere Klarheit benötigt Christine Pehl auch bei dem was sie tut. Seit sieben Jahren unterstützt sie als CSR-Expertin Unternehmen, sich nachhaltig aufzustellen und dies zu kommunizieren. Zudem coacht sie Menschen bei der beruflichen und persönlichen Findung.

 

Es gibt alles was ich brauche und mag. Gelöst habe ich mich von unnötigem Ballast.

Ihre Wohnung ist sehr aufgeräumt, fast spartanisch. Ist Ihre Wohnung ein Spiegel Ihrer Seele?

Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht aber in der Tat, das könnte sein! Sortiert, auf das Wesentliche konzentriert und mit viel Frei-Raum – das passt auf mich und  meine Wohnung (lacht).

 

Wie kam es dazu, dass Sie so wenig Besitz haben?

Es ist schön, dass Sie das so sagen ‚wenig Besitz‘. Ich empfinde es anders – es gibt alles was ich brauche und mag. Gelöst habe ich mich von unnötigem Ballast, der sich im Laufe der Zeit so ansammelt. Ich hatte den Wunsch möglichst frei zu leben. In meiner Jugend war ich öfters ein paar Tage im Kloster. Dort, in der Stille und Einfachheit, entstand innere Ruhe und Raum fürs Wesentliche. Vor etwa 10 Jahren fing ich an auszumisten. Glückhaft war, dass mir meine Nachmieterin beim letzten Umzug fast alles abgekauft hat, vom Schrank bis zu den Handtüchern. Durch die Besinnung auf das Wesentliche habe ich Kraft für meine beruflichen Aktivitäten, neue Herausforderungen und menschliche Begegnungen. 

 

Was haben Sie mit persönlichen Gegenständen, wie Fotos Ihres Sohnes oder Urlaubsmitbringseln, gemacht?

Vor meinem Umzug bin ich mit meinem erwachsenen Sohn durch die Wohnung und wir haben alles durchgesehen. Es entstand eine ‚Schatzkiste‘ mit den schönsten Bildern, Fotos und anderen Lieblingsstücken. Das war eine wertvolle Erfahrung – jedes Teil in die Hand zu nehmen und zu prüfen, was bleibt und was geht. So habe ich zum Beispiel drei Vasen meiner verstorbenen Oma weggegeben, eine Engelfigur von ihr hingegen behalten. Dinge loszulassen kann ungemein befreiend sein. Wichtig war mir, die aussortierten Gegenstände sinnvoll zu verschenken, an Bekannte oder karitative Einrichtungen.

 

Dieser Lebensstil ist nicht einfach übertragbar für Familien, oder?

Es muss nicht jeder wie ich die Klosterzelle als Vorbild haben (lacht).Wenn Sie Zimmerpflanzen lieben, Ihr Bücherregal satt bestückt ist und Ihre fünf Katzen die Wohnung für sich beanspruchen, kann das auch wunderbar sein. Ich glaube, es geht einfach darum, sich zu besinnen, was einem wirklich wichtig ist und das im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten umzusetzen. Für mich war Ausmisten ein Baustein zur inneren Klärung.

 

Welche Bausteine gab es noch auf dem Weg zur eigenen inneren Ausgeglichenheit?

Im Rahmen meiner Selbständigkeit hat sich ein eigener Lebensrhythmus herauskristallisiert, zu dem Meditation, gesunde Ernährung, Bewegung und ausreichend Schlaf gehört. So gestärkt habe ich Kraft für meine beruflichen Aktivitäten, neue Herausforderungen und menschliche Begegnungen. Das Entscheidende wird oft vernachlässigt: das Mensch-sein. 

 

Auf Ihre Arbeit möchte ich nun zu sprechen kommen. Sie begleiten Unternehmen, die sich nachhaltig entwickeln und ihre CSR-Aktivitäten kommunizieren möchten. Dabei bringen Sie Ihre Haltung auch in die Unternehmen ein. Wie machen Sie das?

Nun, aus meiner Erfahrung kann nachhaltiges Wirtschaften nur gelingen, wenn eine wertschätzende Unternehmenskultur gelebt wird und jeder Mensch sich mit seinen Talenten einbringen kann. Unternehmen, die über CSR sprechen, geht es meist um Themen wie den ökologischen Fußabdruck, die Einsparung von Ressourcen oder die transparente Darstellung von Lieferketten – alles wichtig. Aber das Entscheidende wird oft vernachlässigt: das Mensch-sein. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir damit anfangen sollten, wenn wir Nachhaltigkeit leben wollen. Der Mensch ist kein „homo oeconomicus“. Wer Wertschätzung erlebt und lernt mit sich selbst gut umzugehen, wird auch verantwortungsvoll mit seiner Umwelt sein.

 

Frei nach dem Motto: gehe bewusst mit dir selbst um und du agierst nachhaltiger?

Genau -  „wie innen so außen“. Ein Beispiel: Man wacht morgens auf und fühlt sich nicht wohl. Das können Gefühle wie Angst oder Ohnmacht sein. Nun haben viele Menschen nicht gelernt konstruktiv damit umzugehen. Im Gegenteil, wir verdrängen, schauen im wahrsten Sinne fern anstatt nach innen. Häufig entstehen weitere Ablenkungsmanöver, wie exzessiver Sport, ruheloses Arbeiten oder auch die Einnahme von Aufputschmitteln. Wir wissen oftmals nicht, wie wir gut für uns selber sorgen können, unsere inneren Zustände klären und herausfinden was für uns sinnhaft ist. Das zeigt sich auch in der massiven Zunahme psychischer Erkrankungen wie Depression oder Burn-out. Wir leben in einer komplexen Welt und was zur Klärung, Entlastung und Vereinfachung beiträgt, ist willkommen.

 

Was raten Sie Führungspersönlichkeiten, die sich seelischen Komponenten annehmen möchten?

Meine Empfehlung ist, externe Unterstützung einzuholen. Auf Führungsebene lässt sich  gut mit einem Coach arbeiten. Relevante Themen können beleuchtet werden, wie z.B. die Frage nach den persönlichen Werten und der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns. Finden Führungskräfte hier Klarheit, spüren das auch die Menschen im Umfeld – es überträgt sich. Was vielleicht banal klingt, wird dennoch oft vernachlässigt. In einem nächsten Schritt rate ich Unternehmen, Angebote zur seelischen Gesundheit in Form von Vorträgen oder Workshops allen Mitarbeitern zu ermöglichen.  Das eigene Innenleben zu sortieren kann genauso erlernt werden wie gelungene Kundenansprache.

 

Und in wieweit gehört „Aufgeräumtheit“ dazu? Soll ich mein Büro ausmisten?

Unbedingt! (lacht) Nein, natürlich nicht zwangsläufig, aber es kann ungemein befreiend und ein Auftakt für weitere Klärung sein. Trennen Sie sich von unnötigem Ballast – nicht funktionierende Kugelschreiber oder ausgediente Unterlagen. Schaffen Sie Frei-Raum. Das gilt genauso für das Arbeitsumfeld. Immer wieder nachprüfen welche Aufgaben sind wirklich wichtig und was kann weggelassen oder verändert werden.

 

Wie reagieren Führungskräfte, wenn Sie auf diese Dinge zu sprechen kommen?

Sehr positiv. Aufatmend. Wir leben in einer komplexen Welt und was zur Klärung, Entlastung und Vereinfachung beiträgt, ist willkommen.

 

Welche Tipps haben Sie für jemanden, der sich diesem Thema annehmen möchte?

Ich empfehle drei Schritte. Erstens: Gehen Sie jeden Tag in die Stille – haben Sie ein Rendezvous mit sich selbst. Wie fühlt sich Ihr Körper an? Welche Gedanken und Emotionen kommen auf? Es geht um bewusste Wahrnehmung des eigenen Zustands.

Im zweiten Schritt folgt die heilsame Reduktion. Was könnten Sie in Ihrem Leben einfach weglassen? Gerümpel im Keller und Speicher, unsinnige Gewohnheiten oder langes Fernsehen? Ziel ist es, freie Räume zu schaffen. Diese freien Räume können – in einem dritten Schritt –  mit neuen Inhalten gefüllt werden, die für Sie persönlich Sinn stiften oder einfach Freude und Genuss bringen.

 

Was schenkt man einer Frau wie Ihnen zum Geburtstag?

Eine feiste Torte.

 

 

Zur Person:

Christine Pehl war viele Jahre CSR-Referentin des Arzneimittelunternehmens betapharm, das in dieser Zeit als Leuchtturm für CSR galt und dafür zahlreiche Awards erhalten hat. Eine prägende Erfahrung war die Geschäftsleitung des elterlichen Maschinenbaubetriebs und die Begleitung der Firmenübergabe an die Mitarbeiter. Seit 2010 selbständig, begleitet sie Organisationen, die sich nachhaltig entwickeln und Ihre CSR-Aktivitäten kommunizieren möchten. Sie ist Dozentin an Hochschulen, leitet Seminare, hält Vorträge und teilt ihre Expertise in Buchbeiträgen, u. a. in der Reihe „CSR und Organisationsentwicklung“ des Springer-Gabler-Verlages. Zudem hat Christine Pehl eine körpertherapeutische Ausbildung und coacht Menschen in Berufs- und Lebensfragen. Website: www.pehl-beratung.de

 

 

Im Haushalt von Christine Pehl, Business Coach und CSR-Expertin,  lautet das Credo „weniger ist mehr“. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Im Haushalt von Christine Pehl, Business Coach und CSR-Expertin, lautet das Credo „weniger ist mehr“. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Im Haushalt von Christine Pehl, Business Coach und CSR-Expertin,  lautet das Credo „weniger ist mehr“. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Im Haushalt von Christine Pehl, Business Coach und CSR-Expertin, lautet das Credo „weniger ist mehr“. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Im Haushalt von Christine Pehl, Business Coach und CSR-Expertin,  lautet das Credo „weniger ist mehr“. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Im Haushalt von Christine Pehl, Business Coach und CSR-Expertin, lautet das Credo „weniger ist mehr“. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Christine Pehl ist Business Coach und CSR-Expertin. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Christine Pehl ist Business Coach und CSR-Expertin. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Im Haushalt von Christine Pehl, Business Coach und CSR-Expertin,  lautet das Credo „weniger ist mehr“. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Im Haushalt von Christine Pehl, Business Coach und CSR-Expertin, lautet das Credo „weniger ist mehr“. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Christine Pehl ist Business Coach und CSR-Expertin. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
Christine Pehl ist Business Coach und CSR-Expertin. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH
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