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Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Augburg

Der Augsburger Nachhaltigkeitsbeirat kam im Februar 2024 zu seiner 100. Sitzung zusammen. Aus diesem Anlass werfen wir einen kurzen Blick zurück und einen engagierten Blick nach vorn.

Büro für Nachhaltigkeit mit Geschäftsstelle Lokale Agenda 21, Stadt Augsburg
Leonhardsberg 15
86150 Augsburg
Deutschland

Gruppenfoto: Aktuelle Mitglieder des Augsburger Nachhaltigkeitsbeirates bei der 100. Sitzung

Seit Juni 1997 verfügt Augsburg über einen Sachverständigenbeirat, der den Prozess der nachhaltigen Entwicklung Augsburgs maßgeblich begleitet. In ihm können bis zu 25 wichtige Institutionen oder Bürgerinnen und Bürger der Stadtgesellschaft vertreten sein - aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.

 

Hieß er anfangs "Umweltbeirat", trug er anschließend die Bezeichnung "Agendabeirat - Sachverständigenbeirat für zukunftsfähige Entwicklung". Seit Oktober 2012 lautet seine offizielle Bezeichnung "Nachhaltigkeitsbeirat".

 

Funktionsweise und Aufgaben des Beirats

Der Beirat wird vom Stadtrat für jeweils drei Jahre eingerichtet und seine Mitglieder berufen. Der Nachhaltigkeitsbeirat tritt in der Regel viermal jährlich zusammen. Den Vorsitz führen eine Person aus dem Kreis der stimmberechtigten Mitglieder sowie der Nachhaltigkeitsreferent der Stadt Augsburg gemeinsam. Die Sitzungen sind in der Regel öffentlich. Die Geschäfte werden vom Büro für Nachhaltigkeit / Geschäftsstelle Lokale Agenda 21 geführt.

 

Der Nachhaltigkeitsbeirat berät die Politik und Verwaltung bei Nachhaltigkeitsthemen (siehe "Zukunftsleitlinien für Augsburg") und vermittelt diese in die eigenen Institutionen hinein. Er hat die Möglichkeit, direkt Anträge in Form von Empfehlungen an den Stadtrat zu richten. Vertreterinnen und Vertreter des Nachhaltigkeitsbeirats wirken auch, gemeinsam mit Stadträtinnen und Stadträten, in der Jury de Augsburger Zukunftspreises mit.

 

100 Sitzungen und eine Vision: Augsburg als Modellstadt für Nachhaltigkeit

Die 100. Sitzung des Nachhaltigkeitsbeirats am 1. Februar 2024 stand im Zeichen einer Vision: Augsburg soll Modellstadt für Nachhaltigkeit werden. Ein herausforderndes, aber sehr lohnendes Ziel für die kommende Arbeit des Nachhaltigkeitsbeirats der Stadt Augsburg. Denn obwohl der Beirat seit 1997 arbeitet und schon 56 Empfehlungen an Stadtpolitik und Stadtverwaltung ausgesprochen hat, ist noch viel zu tun.

 

Der Nachhaltigkeitsprozess in Augsburg

Der Augsburger Nachhaltigkeitsprozess besteht im Kern aus 31 Agendaforen, dem Nachhaltigkeitsbeirat, den Zukunftsleitlinien, dem städtischen Büro für Nachhaltigkeit, dem Internetportal Lifeguide und dem Augsburger Zukunftspreis. Zurzeit hat der Nachhaltigkeitsbeirat 23 Mitglieder aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft.

 

Diese Mitglieder kommen aus der Zivilgesellschaft: Stadtjugendring, Bistum, BUND, Evangelisches Dekanat, Freiwilligenzentrum, Fridays for Future, Gesamtelternbeirat Kitas, Integrationsbeirat, Ständige Konferenz Kultur, Tür an Tür, Werkstatt Solidarische Welt sowie die Sprecher*innen der Lokalen Agenda.

Aus der Wirtschaft sind vertreten: DGB Region Augsburg, Handwerkskammer Schwaben, Kontaktkreis Architekten, KUMAS Kompetenzzentrum Umwelt, Regio Augsburg Wirtschaft, Stadtsparkasse und die Wirtschaftsjunioren Augsburg.

Vertretende aus der Wissenschaft kommen aus folgenden Einrichtungen: Technische Hochschule, Universität, Universitätsklinikum und bifa Umweltinstitut. Derzeit führen den Vorsitz gleichberechtigt der städtische Nachhaltigkeitsreferent Reiner Erben und Prof. Dr. Nadine Warkotsch von der Technischen Hochschule Augsburg.

 

Impulse zur 100. Sitzung: Das Große im Kleinen bearbeiten

Bei der 100. Sitzung bedankte sich Oberbürgermeisterin Eva Weber bei den Beiratsmitgliedern für ihre Arbeit: Der Nachhaltigkeitsbeirat sei mit seinen Empfehlungen Impulsgeber – vom Klima-Bündnis-Beitritt über ÖKOPROFIT bis zu Fairtrade-Stadt und Zero-Waste-Konzept. Vor allem sei er ein wichtiger Denk- und Aushandlungsraum, wo im Dialog neue Erkenntnisse wachsen und eigene Meinungen auch mal verändert werden. Augsburgs Nachhaltigkeitsziele – die Zukunftsleitlinien – seien eine große Errungenschaft. Augsburgs Nachhaltigkeitsarbeit werde bundesweit von anderen Städten als Vorbild wahrgenommen. Nachhaltigkeit werde uns weiter beschäftigen – es gehe um so vieles, um Querschnittsthemen – genau das sei Kommune und das könne Kommune: das Große im Kleinen bearbeiten.

 

Kommunen als Vorreiterinnen

Impulsgeber Vincent Gewert vom Ozeanien-Dialog stellte die planetare Rahmenbedingungen klar: Die Klimakrise ist eine existenzielle Krise für die gesamte Menschheit. Sie ist aber nicht die einzige ökologische Krise. Ser Verlust der Artenvielfalt und die Verschlechterung der Böden, wie etwa durch chemischen Dünger, Plastik und andere Störstoffe, seien ebenso bedrohlich.

 

Diese ökologischen Krisen seien auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit – sowohl weltweit wie auch in Deutschland leiden die ärmeren Menschen viel stärker als die reicheren unter den sich verschlechternden Umweltbedingungen. Beispiel Verkehr: Die momentanen Verkehrsinfrastrukturen seien global und innerstädtisch ungerecht: Am Anfang stünden Menschenrechtsverletzungen beim Abbau der für Mobilität verbrauchten Ressourcen, am Ende Lärm- und Staubverschmutzungen und unfaire Aufteilung der Verkehrsflächen wie etwa fürs Parken statt für Gehen, Radeln und Spielen.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die fehlende Mitbestimmung bei der Bewältigung der sozial-ökologischen Krise, was zum Anstieg rechtsextremer Kräfte führe. Es brauche mehr Partizipation: Bürger*innenräte, vielfältige Dialogformate. Er ermutigte Kommunen, mit ihren Möglichkeiten positive Proberäume zu sein.

 

Noch mehr ins Tun kommen

Darüber hinaus beschäftigten sich die Vertreter*innen der 23 Mitgliedsinstitutionen und -organisationen des Nachhaltigkeitsbeirat bei der 100. Sitzung in drei offenen Diskussionsrunden mit ihrer bisherigen Nachhaltigkeitsarbeit. Angesagt sei: Ins Tun kommen, mehr Verantwortung übernehmen, vor allem mehr Menschen mitnehmen und dazu klar und verständlich kommunizieren. Dabei über den kulturellen Tellerrand schauen und auch die Nachhaltigkeitsaktivitäten der Partnerstädte kennenlernen. Insgesamt noch stärker auf Bildung setzen. Und die sozialen Nachhaltigkeitsthemen im Blick haben. Mit positiven Visionen arbeiten – oder einfach mal nach Kopenhagen fahren…

 

Zukunftsfähige Aktivitäten der Nachhaltigkeitsbeiratsinstitutionen

Gefragt, was denn die nächsten Schwerpunktaktivitäten der Mitglieder seien, wurde Folgendes präsentiert: Das Universitätsklinikum bringt grundlegende Nachhaltigkeitsanforderungen in die beginnenden Neubauplanungen ein. Das KUMAS Kompetenzzentrum Umwelt wird am 18.7.24 einen Thementag Nachhaltigkeit veranstalten.

 

Die grüne Stadtratsfraktion wird auf Bildung für nachhaltige Entwicklung und politische Bildung setzen. Die Technische Hochschule hat eine Task Force Nachhaltigkeit direkt beim Präsidium eingerichtet und startet jetzt einen neuen Studiengang Nachhaltigkeitsmanagement. Der Stadtjugendring wird sein Partizipationskonzept und die entsprechende Angebote ausbauen, die Regio Augsburg Wirtschaft GmbH ihr stark gewachsenes Angebot an Nachhaltigkeitsprojekten für Unternehmen weiter vorantreiben.

 

Der Bund Naturschutz verstärkt seine Bildungsarbeit und Fridays for Future investiert weiter in Netzwerkarbeit, politisches Engagement und Wissensvermittlung. Insgesamt sollen die Zukunftsleitlinien – Augsburgs Nachhaltigkeitsziele – mehr Gewicht bekommen. Das alles würde helfen, Augsburg zur Modellstadt für Nachhaltigkeit zu machen.

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