1 - 8 von 8 wird angezeigt

"Eine Fahrradstadt ist eine menschenfreundliche Stadt"

"Fahrradstadt ist eine menschenfreundliche Stadt"
Sven Külpmann lebt seit 2003 autofrei. Er wünscht sich, dass seine Enkel auf den Straßen der Innenstädte spielen können, er würde die Maxstraße zum grünen Boulevard umgestalten und die Tram als Teil der Lieferkette nutzen.
Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski

Sven Külpmann, wuchs mit Benzin im Blut auf und lebt dennoch seit 2003 autofrei. Er arbeitete lange hauptberuflich als Webentwickler, war aktiv bei der Augsburger Bikekitchen, sammelte mit seinem Bilderblog „Things on Augsburgs Lanes“ ein 2.000 Bilder starkes Album der Fehlnutzung von Radwegen und initiierte die Bürgerinitiative Fahrradstadt 2020. Heute schreibt er in der Augsburger Allgemeinen die Kolumne „Radlerleben“ Seit 2021 ist er Geschäftsführer des Lastanfahrradladens Elephant Cargo in Augsburg.

 

Steckbrief:

  • Name: Sven Külpmann
  • Beruf: Webentwickler und Lastenradberater
  • Geboren in: Lindau
  • Lebt in: Augsburg
  • Lieblingsort: auf dem Rad

 

Du lebst seit 2003 autofrei. Was hat dich dazu bewegt?

Sven Külpmann: Ich lebte damals in der Heidelberger Altstadt. Irgendwann waren die Parkkosten, Knöllchen, Abschleppgebühren und die Instandhaltungskosten für den 14 Jahre alten Passat Variant schlicht zu hoch für den studentischen Thekenjob.

 

Ganz ehrlich: Wie häufig und in welchen Situationen hast du schon mal einen Pkw vermisst?

Ich lebte eine Weile im tiefsten Schwarzwald. Da hätte ein Auto sicherlich dabei geholfen öfter einen Tapetenwechsel zu bekommen.

"Aktuell vermisse ich den Pkw tatsächlich nie, denn mein Lastenrad hat Laderaum für über 400 Liter und 175 Kilogramm Zuladung."

Sven Külpmann

Einzig meine Lebenspartnerin greift seit einiger Zeit hin und wieder zum Car-Sharing, aber wenn wir zusammen Möbel kaufen, steigt sie noch immer aufs Rad, weil es mehr Platz bietet.

 

Mit welchen Argumenten bewegst du Menschen, auf ein eigenes Auto zu verzichten?

Als Radenthusiast neigt man gern dazu, das Fahrrad zu romantisieren. Damit kannst du aber nur den Freizeitradler oder andere Enthusiasten erreichen. Das, womit man jeden überzeugen kann, ist letztlich das Geld. Ein durchschnittlicher Autobesitzer in Deutschland gibt laut ADAC rund 600 Euro im Monat für sein heilig's Blechle aus.

Wenn du nun dieses Auto weggibst, bezahlt sich ein qualitativ brauchbares (Lasten-)Rad in weniger als einem Jahr – allein vom Wegfall der laufenden Kosten.

 

Autofrei funktioniert ja vor allem in der Stadt. Was rätst du Menschen in ländlicheren Regionen?

Natürlich ist die Wahl des Verkehrsmittels immer von der persönlichen Situation abhängig. Ich selbst habe schon Zeiten hinter mir, in denen ich 40 Kilometer auf dem Fahrradtacho gesammelt habe, bis ich endlich in der Arbeit angekommen war. Dass das nichts für jeden ist, sehe ich auch. Jedoch ist es wichtig, dass wir uns bewusster für ein Verkehrsmittel entscheiden: Prüfe genau, für welche Wege du das Auto wirklich brauchst. Vielleicht kannst du dir einen (Zweit-)Wagen mit Nachbarn oder der Gemeinde teilen, so dass diese Ressource auch wirklich effektiv genutzt wird. Engagiere sich für Mobilitätsalternativen in deiner Gemeinde: Es muss ja nicht gleich die Wiedereröffnung des Bahnhofs sein, doch ein Car-Sharing-Verein oder eine Mitfahrinitiative könnte in einem Dorf flexibel weiterhelfen.

Was müsste Augsburg tun, um dem Namen Fahrradstadt tragen zu dürfen? Per Definition ist eine Fahrradstadt eine Stadt, in der das Fahrrad im Fokus der verkehrspolitischen Agenda steht. Nach dieser Definition ist Augsburg schon eine Fahrradstadt. Doch der Wille allein macht noch keine nachhaltige Infrastruktur.

    "In meinen Augen ist es enorm schade, dass wir heute Radwege bauen, die in vielen Fällen nicht einmal dem aktuellen Radfahraufkommen gewachsen sind."

    Sven Külpmann, Fahrradexperte aus Augsburg

    Wenn wir aktuelle Maßnahmen so planen würden, dass die resultierende Infrastruktur wirklich 25 Prozent Radverkehrsanteil aufnehmen kann, dann wäre das nicht nur ein Zeichen, dass es die Stadt mit dem angestrebten Anteil der einzelnen Verkehrsarten ernst meint. Es wäre auch eine nachhaltigere Investition, denn sonst bauen wir in sieben Jahren alles nochmal um. Außerdem braucht es eine bessere Kommunikation mit Bedenkenträgern. Die Handwerks- und Handelsverbände denken immer noch, dass eine Fahrradstadt ihren Umsatz schmälert. Ganz im Gegenteil denke ich, dass eine Fahrradstadt auch gleichzeitig eine menschenfreundliche Stadt ist, die mit weniger Kraftverkehr zum Verweilen einlädt und die Menschen zum genussvollen Bummeln animieren kann. Diese Chancen und die Potentiale neuer Mobilitätsmittel und Logistiklösungen muss man dem Handel und dem Handwerk nahebringen. Wenn man diese Gruppen hinter sich hat, funktioniert diese Menschenstadt.

     

    Was erlebe ich, wenn ich bei einer Critical-Mass-Veranstaltung mitradle?

    Das kommt ganz auf dich an. Und auf das Wetter. Und auf die Route.

     

    Wie ökologisch ist eigentlich ein Pedelec?

    Das hängt davon ab, wie weit man ins Detail geht und das auseinander klamüsert. Dann stellen sich Fragen wie: Besteht der Rahmen aus Stahl, Alu oder Carbon und wo wurde er gefertigt. Kaum einer wird dir die Differenz der Ökobilanzen von Gummi- versus Ledergriffen vollumfänglich aufrechnen können. Ich will damit sagen: Die genaue Ökobilanz eines Konsumguts, welches so sehr durch seine Einzelkomponenten definiert wird, zu beschreiben ist hochkomplex.

    Die Nutzung spielt aber eine viel größere Rolle als die Produktion und sie lässt sich vereinfacht in Zahlen festhalten (in Kürze): Für die CO2-Emission, die ein Pkw auf 100 Kilometer verursacht, kannst du 3.900 km Pedelec fahren. Die Emissionen der Akkuproduktion (vereinfach ca. 26 kg Treibhausgas) haben sich nach nur 100 Kilometer ökologisch amortisiert, wenn dadurch Pkw-Kilometer eingespart werden. Außerdem sind der Flächenbedarf und der Verschleiß der Infrastruktur deutlich geringer als beim Auto. Wenn du dann den Akku schonend behandelt hast, ihn im Winter und im Hochsommer zum Parken mit ins Haus genommen hast und ihn am Ende seiner Lebenszeit dem Recycling zugeführt hast, dürftest du nach 1.000 Ladezyklen und ca. 70.000 km gute 15.500 Kilogramm C02 im Vergleich zum Pkw gespart haben. Glückwunsch!

     

    Sind moderne Lastenräder der Anfang vom Ende des Autos in den Städten?

    Nein. Das Auto ist selbst der Anfang vom Ende des Autos in Städten. Stau, Feinstaub und Dieselskandal machen uns die Bredouille nur bewusst, in die wir uns mit unserer automobilen Bequemlichkeit gelenkt haben. Dank dieser Schlagwörter entwickeln wir wieder einen Sinn dafür, was der tatsächliche Preis für die Bequemlichkeit ist, die das Auto verspricht:

      "Wir leben in Städten, die für das Auto geplant wurden und nicht für Menschen."

      Sven Külpmann verzichtet seit 2005 auf's Auto

      In der nächsten Stufe wird sein, dass wir abwägen, wieweit wir städtische Lebensqualität weiter über Bequemlichkeit definieren, oder ob es da vielleicht wichtigere Faktoren gibt. Dann werden wir an autofreie Wohnviertel denken und dabei nicht vom potentiellen Verlust von Freiheit abgeschreckt sein. Am Ende werden wir einen Wertewandel vollführt haben: Öffentlicher Raum wird in 20 Jahren mehr sein als Parkraum. Er wird wieder für Menschen bereitstehen, Raum für Begegnung und Entspannung bieten. Die menschenfreundliche Stadt wird leiser sein und ein gesünderes Umfeld bieten in dem wir uns gerne aufhalten werden.

      Lastenräder sind dabei nur ein kleiner Teil im Gesamtkonzept der zukünftigen Mobilität und ich sehe sie als einen Evolutionsschritt zu neuen Leichtfahrzeugen. Wo Lastenräder noch viel Potential haben, das ist das Handwerk und die dezentralisierte innerstädtische Logistik: Als Teil einer smarten Lieferkette können ein bis zwei Lastenräder einen Sprinter ersetzen.

       

      Du  engagierst dich in zahlreichen Initiativen: Was ist deine geheime Superkraft?

      Naja. Ich habe mein Engagement seit der Geburt meiner Tochter stark zurückgefahren und musste mich erst einmal auf dem Boden der Tatsachen umsehen: der Tag hat eben nur 24 Stunden. Heute konzentriere ich mich nur noch auf die positiven Aspekte des Radfahrens und Aktionen die begeistern können.

      "Dabei treibt mich die Hoffnung an, dass meine Enkel in einer menschenfreundlichen Stadt auf der Straße spielen können."

      Sven Külpmann, Fahrradexperte aus Augsburg

      Das und die Faszination am Fahrrad: Es ist und bleibt eines der effizientesten Fortbewegungsmittel. Es besitzt eine fesselnde Einfachheit und technische Ästhetik und lässt uns dennoch Teil der Natur bleiben, durch die wir uns bewegen.

       

      Welche deiner Radtouren war die interessanten?

      Um den Kopf frei zu bekommen, fahre ich gerne kleine Runden am Lech oder in den Westlichen Wäldern. Für den mentalen Frühjahrsputz bin ich dann einmal im Jahr etwas weiter unterwegs. Mit sportlichem Lastenrad und Zelt bei gehobenem Tempo und niedrigen Temperaturen im Frühjahr reichen mir vier Tage um den Geist von Alltagslasten zu befreien.

      Wirklich inspirierend war die Teilnahme an der #Schokofahrt im April 2018. Bei der Schokofahrt wird Schokolade zu 100 Prozent CO2-frei im Staffelprinzip von Amsterdam bis München und Dornbirn gebracht, nachdem die Kakaobohnen bereits mit der „Tres Hombres“, einem Segelfrachter ohne Motor nach Europa geschifft wurden. Insgesamt wurden eine knappe Tonne feinste Fair-Trade-Schoki absolut C02-neutral transportiert. Es war wundervoll zu sehen, wie ein solches Projekt Leute mitreißt, unglaublich schön zu spüren, wie eine einzige Etappe über die Geislinger Steige drei Menschen zusammenbringen kann.

       

      Wofür würdest du gern mehr Zeit haben?

      Ich würde gern mehr basteln: Mein erstes Lastenrad habe ich 2013 selbst geschweißt. Für solche Projekte hätte ich gerne wieder Zeit, würde gern ordentlich WIG-schweißen lernen und dann Lastenräder und Anhänger bauen. Aber nur so zum Spaß...

       

      Wer oder was inspiriert dich?

      Jede Familie, die ihr Kind nicht mit dem Auto zu Schule oder Kindergarten bringt und so dabei hilft der SUVsierung der Innenstadt entgegenzutreten. Denn genau bei dieser Gelegenheit formen wir das Mobilitätsbewusstsein der nächsten Generation.

       

      Wenn du Bürgermeister von Augsburg wären: Was würden Sie ändern?

      Ich würde alles zwischen Grottenau und Eser Wall, Schießgraben und Oberem Graben für den Individualverkehr abriegeln.

       

        "Die Maxstraße würde zum grün bewachsenen Boulevard auf dem wir im Schatten der Bäume den Sommer genießen."

        wenn Sven Külpmann Bürgermeister von Augsburg wäre....

        Augsburg hätte innerhalb weniger Jahre eine autofreie Innenstadt. Die Tram würde Teil der Lieferkette und sorgte Hand in Hand mit Lastenrädern für eine getaktete, kostengünstige und emissionsarme Stadtlogistik. Am Schluss würden Bürger und Handel selbst mehr autofreie Wohnviertel initiieren. Im Landkreis würde sich Augsburg dafür einsetzen, Schnellwege und Sharing-Systeme für pedalbetriebene Leichtfahrzeuge auszubauen.

         

        Folgende Lifeguide-Artikel könnten dich auch interessieren:

        Erstveröffentlichung: Dieses Interview wurde im Dezember 2018 im nachhaltigen Lifeguide-Reiseführer veröffentlicht.

        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Sven Külpmann
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Sven Külpmann
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Sven Külpmann
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Sven Külpmann
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski
        Sven Külpmann aus Augsburg lebt seit 2003 autofrei. Foto: Cynthia Matuszewski
        ×
        German
        Stressfrei mit Bus und Tram in die Innenstadt: In Augsburg gibt es sechs kostenlose P+R Parkplätze
        Öffnungszeiten aktivieren
        HIDE
        Ort

        Augsburg
        Deutschland

        Gratis parken und stressfrei in die Innenstadt.

        Parke dein Auto kostenfrei auf einem der sechs P+R-Plätzen in Augsburg und fahr stress- und staufrei mit swa-Bus oder der Tram in die Innenstadt. Die Parkplätze sind in Haunstetten West, bei der Sportanlage Süd, beim Spickelbad, am Plärrer, an der Hammerschmiede und in Augsburg West.

        Zwei weitere Park-and-Ride-Parkplätze sind in Friedberg West und bei Gersthofen(Augsburg Nord). Hier zur Übersichtskarte.

        Kategorie(n)
        Tipp
        Öffnungszeiten
        Wochentag
        Montag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
        Dienstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
        Mittwoch 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
        Donnerstag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
        Freitag 9:00 bis 12:00 13:00 bis 18:00
        Samstag geschlossen
        Sonntag geschlossen
        Karte Kategorie

        Augsburg entdecken – mit Straßenbahn und Bus

        Augsburg entdecken – mit Straßenbahn und Bus
        Die Historische Innenstadtroute führt zu den Kaufleuten Fugger und Welser, die Technik- und Handelsroute ins Textilviertel und zu den Wassertürmen
        Straßenbahn, Bus,  Augsburg, Foto Thomas Hosemann/ swa

        Hop on and Hop off. Mit Tram und Bus könnt ihr in Augsburg eure individuelle Stadtrundfahrt gestalten. Rund 30 Sehenswürdigkeiten liegen an zwei Routen. Ihr entscheidet, wo ihr aussteigt und was ihr euch anschaut. Mit den Entdeckertouren der Stadtwerke Augsburg und der Regio Augsburg Tourismus erreicht ihr viele Augsburger Sehenswürdigkeiten.

        Wollt ihr das historische Augsburg kennenlernen und erfahren, wo Familie Mozart wohnte und wer sich hinter den Namen Fugger und Welser verbirgt? Dann ist die  „Historische Innenstadtroute“ für euch genau das Richtige. Wer sich eher für Technik begeistert, begibt sich auf die „Technik- und Handelsroute“. Für beide Routen wird der Königsplatz als Startpunkt empfohlen, es kann aber auch an einer beliebigen Haltestelle auf der jeweiligen Tour begonnen werden.

         

        Historische Innenstadtroute – zu den Kaufleuten Fugger und Welser

        Die Historische Innenstadtroute führt mit der Linie 4 vom Königsplatz zur Wertachbrücke und mit der Linie 2 zurück zum Kö. Entlang der zwölf Haltestellen werden 19 Sehenswürdigkeiten beschrieben, von den Gollwitzerhäusern über das Curt-Frenzel-Eisstadion, Mozarthaus und Fugger und Welser Erlebnismuseum bis zu Rathaus oder Maximilianmuseum. Die reine Fahrzeit ohne Ausstiege dauert rund 30 Minuten.

         

        Technik- und Handelsroute – ins Textilviertel und zu den Wassertürmen

        Die „Technik- und Handelsroute“ mit der Straßenbahnlinie 6, der Buslinie 33 und der Linie 1 dauert reine Fahrzeit 45 Minuten und führt mit neun Haltestellen über Rotes Tor mit den Wassertürmen, das Textilmuseum, den Glaspalast, Jakobertor und die Fuggerei sowie die Pilgerhausstraße mit Brecht-Haus.

         

        Die App für's Smartphone - das Faltblatt für alle, die analog unterwegs sind

        Beide Touren sind in der swa City App mit ausführlichen Beschreibungen und Infos zu den Sehenswürdigkeiten zu finden. Auf der Karte ist die jeweils aktuelle Position zu sehen sowie die Haltestellen und die Sehenswürdigkeiten. Die swa City App als digitalen Reiseführer gibt es kostenlos im Google PlayStore oder bei Apple iTunes zum Herunterladen.

        Sie enthält zudem aktuelle Nachrichten aus Augsburg sowie Veranstaltungen und weitere interessante Orte wie Bäder, Bäckereien oder Cafes, Hotels, Kinos, Shopping oder Theater.

        Für alle, die ohne Smartphone unterwegs sind, gibt es in den swa Kundencentern und der Touristeninformation ein Faltblatt zu den Entdeckertouren.

        INFO:

         

        ×

        Coolrider mit Zivilcourage

        Coolrider mit Zivilcourage
        Ehrenamtlich gegen Randale in Bus und Tram

        Seit 2013 sind in Augsburg „Coolrider“ in Bussen und Straßenbahnen unterwegs. Das sind Jugendliche aus siebten und achten Schulklassen, die in Punkto Zivilcourage und Deeskalation von den Stadtwerken Augsburg (swa) und der Polizei geschult werden. Sie sollen Streit schlichten, Vandalismus in Fahrzeugen vorbeugen und helfen, tätliche Auseinandersetzungen unter Jugendlichen zu vermeiden.

        Oberstes Gebot ist die Prävention

        Wenn es möglich ist, sollen sie bei aufkommenden Konflikten vermitteln, ohne sich dabei selbst in Gefahr zu bringen. Die Idee der Coolrider stammt von den Verkehrsbetrieben Nürnberg (VAG). Die Stadtwerke Augsburg haben 2013 das Beispiel aufgegriffen. Insgesamt wurden allein in Augsburg in sieben Jahren - also von 2013 bis 2020 -  über 620 Schülerinnen und Schüler ausgebildet. Immer  wieder werden sie für ihre  Zivilcourage und ihr Engagement geehrt. Anfang 2020 wurden beispielsweise 50 Nachwuchs-Coolrider aus Augsburg und Gersthofen von Staatssekretär Gerhard Eck (MdL) und Polizeipräsident Michael Schwald ausgezeichnet.

        Die Jugendlichen werden von den swa und der Polizei vor allem in den Themen Zivilcourage und Deeskalation geschult. Um im Ernstfall richtig zu handeln, enthält die Ausbildung auch mehrere praktische Übungen in Bussen und Straßenbahnen. Das Projekt Coolrider wird vom Bayerischen Innenministerium, dem Polizeipräsidium Schwaben Nord, der ÖPNV-Akademie, der VAG Nürnberg sowie der Versicherungskammer Stiftung und dem Bündnis für Augsburg unterstützt.

        Schulen, die Interesse an einer Coolrider-Ausbildung haben, können sich bei den Stadtwerken Augsburg melden.

        Kontakt: Stadtwerke Augsburgandreas.adam@sw-augsburg.de  0821 / 6500-5717

        pm/cm

        coolrider, Augsburg, Stadtwerke Augsburg, Deeskalation, Foto: swa/Thomas Hosemann, Ehrenamt, Schüler, Schülerinnen, Auszeichnung
        170 Coolrider aus Augsburg, Krumbach und Gersthofen sind (v.li.) von Innen-Staatssekretär, Gerhard Eck, Polizeipräsident Michael Schwald, Bürgermeisterin Eva Weber und swa Geschäftsführer Dr. Walter Casazza ausgezeichnet worden, Foto: swa/Thomas Hosemann
        ×

        Die Mobil-Flatrate der Stadtwerke Augsburg

        Die Mobil-Flatrate der Stadtwerke Augsburg
        Bus, Straßenbahn, Carsharing-Auto und Leihrad zum festen Paketpreis
        CO2-neutral, Co2, Erdgas, Bus, Augsburg, umweltfreundlich,

        Von Handytarifen kennt sie jeder, die Flatrate. Seit 2019 bieten die Stadtwerke Augsburg (swa) bundesweit erstmalig eine Flatrate für Mobilität an. Damit können Bus und Tram, Carsharing-Auto und Leihrad in einer Stadt aus einer Hand genutzt werden. Die Mobil-Flat der swa gibt es in zwei Preis-Paketen für 79 und 109 Euro monatlich, je nachdem wie oft Carsharing genutzt wird.

        Wir gehen mit der Flatrate völlig neue Wege im Nahverkehr. Zusammen mit neuen Abrechnungsmodellen für den ÖPNV ist das die Zukunft im Nahverkehr.“ swa Geschäftsführer Dr. Walter Casazza.

        Flexibel mobil sein ist heute entscheidend für die Mobilität in einer Großstadt: Bus und Straßenbahn, bei schönem Wetter ein Fahrrad und wenn nötig ein Auto für den Wocheneinkauf, den Ausflug oder den Urlaub. Oft gibt es Angebote, die sich nur auf ein Verkehrsmittel, also auf Carsharing oder Leihfahrrad oder ÖPNV beschränken. Die swa waren im November 2019 die ersten, die alle Mobilitätsarten in einem Produkt zu einem fixen monatlichen Preis bündeln. Mit der swa Mobil-Flat ist das möglich, weil die swa alle Verkehrsarten, Bus, Straßenbahn, Carsharing und Leihrad, in Augsburg und der Region aus einer Hand anbieten.

         

        Die Mobil-Flats "S" und "M" für 79 und 109 Euro

        Die Mobil-Flatrate funktioniert so ähnlich wie eine Handy-Faltrate. Es gibt zwei Pakete, eines für 79 Euro im Monat, eines für 109 Euro. Enthalten ist immer ein Mobil-Abo Innenraum für den Nahverkehr mit einem Wert von aktuell 52,50 Euro und die kostenfreie Nutzung von swa-Rädern jeweils bis zu 30 Minuten, auch mehrmals am Tag. Der Preisunterschied beider Pakete liegt in der Nutzung von Carsharing.

        So beinhaltet die „swa Mobil-Flat S“ für 79 Euro bis zu 15 Stunden oder bis zu 150 Kilometer Carsharing. Bei der „swa Mobil-Flat M“ können Carsharing-Autos bis zu 30 Stunden und ohne Kilometerbeschränkung im Monat genutzt werden. Wer in einem Monat einmal ausnahmsweise länger unterwegs ist oder weiter fährt, zahlt den normalen Carsharing-Tarif dazu.

         

        Drei Monate unverbindlich testen

        Die Mobil-Flat der Stadtwerke Augsburg (swa) kann drei Monate unverbindlich getestet werden. Wer sich nicht ganz sicher ist, ob das Angebot auch zu den Bedürfnissen passt, kann den Vertrag in den ersten drei Monaten jeweils zum Monatsende kündigen. Nach drei Monaten verlängert sich die Laufzeit um neun Monate auf ein Jahr. Das ist die Mindestlaufzeit des Nahverkehrsabonnements im Tarifverbund. Nach dieser Mindestlaufzeit ist der Mobilflat-Vertrag monatlich kündbar. Weitere Informationen und Buchungen unter swa.to/mobilflat.

         

        Das Konzept wurde ein Jahr getestet

        Das swa Carsharing verfügt über mehr als 70 Standorte und 200 Autos aller Fahrzeugklassen in Augsburg und der Region. Außerdem gibt es neun Elektroautos in einem stationsunabhängigen System, dem sogenannten Freefloating.

        Dabei ist es wichtig, dass bei den Paketpreisen nicht einfach die Kosten der einzelnen Komponenten addiert werden, sondern der Nutzer*innen mit der Flatrate einen tatsächlichen finanziellen Gewinn hat. Da es eine solche Flatrate bisher nicht gibt, ist der Einführung eine einjährige Testphase mit 50 Testnutzer*innen vorausgegangen. Aus dem Mobilitätsverhalten wurden dann die beiden Produkt-Pakete entwickelt.

        Wir haben aus den gesammelten Daten der Testnutzer Angebotspakete geschnürt, die für den Kunden einen echten Mehrwert bedeuten." swa-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza.

         

        Foto: Thomas Hosemann, swa-Carsharing-App, swa, Carsharing, Augsburg,  Carsharing, Mobilität, Umweltschutz, mobil, Verkehr, swa, umweltfreundlicher Verkehr, umweltfreundlich, umweltbewusst, Auto leihen
        In der swa-Carsharing-App sind die Fahrzeuge und die Ladestationen für das stationsunabhängige Carsharing angezeigt. Foto: Thomas Hosemann
        swa_header_koenigsplatz_augsburg.jpg
        Radlnacht, Augsburg, Fahrrad, City, Mobilität, Radlwoche, Stadtradeln, Foto: Cynthia Matuszewski
        Radfahrer*innen am Königsplatz in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
        logo-swa-sponsor.png
        CO2-neutral, Co2, Erdgas, Bus, Augsburg, umweltfreundlich,
        CO2-neutral: Augsburger Busse fahren zu 100% mit Bio-Erdgas. Foto: swa
        Carsharing, swa, Augsburg, Nachhaltigkeit, Foto swa / Thomas Hosemann
        SWA-Carsharing: 2017 stehen in Augsburg 100 Autos an über 40 Standorten zur Verfügung – wie hier am Martinipark. Foto: swa / Thomas Hosemann
        swa, Fahrradverleih, Leihräder, Augsburg, Fahrradstadt
        swa-Fahrradverleih am Königsplatz in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
        CO2-neutral, Co2, Erdgas, Bus, Augsburg, umweltfreundlich,
        CO2-neutral: Augsburger Busse fahren zu 100% mit Bio-Erdgas. Foto: swa
        swa, Fahrradverleih, Leihräder, Augsburg, Fahrradstadt
        swa-Fahrradverleih am Königsplatz in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
        ×

        Augsburger Jugendliche unterwegs in Europa

        Augsburger Jugendliche unterwegs in Europa
        Erasmus Projekte eröffnen neue Perspektiven
        Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,

        Zwei Jahre lang trafen sich Schülerinnen und Schüler des Augsburger Maria Theresia Gymnasiums und des Holbein Gymnasiums mit ihren Partnerschulen in Spanien, Holland und England. Bei fünf Besuchen tauschten fünfzig Jugendliche ihre Zukunftsvisionen, ihre Wünsche an den Umweltschutz, an unsere Gesellschaft oder unser Schulsystem aus. Und ihre Kritik am Bestehenden.

        Udo Legner, Lehrer für Englisch und  Deutsch am Maria Theresia Gymnasium begleitete bereits drei Erasmus-Projekte und ist – trotz des mühsamen Procedere bei jeder neuen Antragstellung - ein überzeugter Fan von Europa und dem Erasmus-Projekt. Er berichtet von zwei inspirierenden Jahren:

         

        Das Erasmus Projekt "Owning the Future"

        Ein Plädoyer für Partizipation und politisches Engagement

        von Udo Legner

        „Bei den Persern ging so lange alles gut, wie sich die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder an drei Dinge hielten: als erstes mussten sie ihnen das Reiten beibringen, als zweites das Bogenschießen und als drittes mussten sie darauf hinwirken, dass sie stets die Wahrheit sagten.“ Das war die Meinung des Griechen Herodot vor rund 2.500 Jahren. Würde der antike Geschichtsschreiber heute als Erziehungsberater in Europa herangezogen, würde er Eltern bestimmt dazu anhalten, den Kinder die Teilnahme an einem Erasmus Programm zu ermöglichen.

        Als sich die fünf teilnehmenden Schulen 2017 auf dieses Projekt einließen, konnte niemand ahnen, welche politische Brisanz diese europäische Schulpartnerschaft beinhalten würde. Tatsächlich wurde es zu nichts weniger als zu einem Seismographen der politischen Entwicklung in den beteiligten Ländern. Von seiner  Intention her war das zweijährige Projekt auf den Austausch von „Best-Practice-Beispielen“ angelegt und die beteiligten Schulen –  neben den beiden zwei Augsburger Schulen drei weiterführende Schulen aus Spanien (Murcia), England (Penzance in Cornwall) und Holland (Amstelveen bei Amsterdam) –  wollten sich über Projekte und Methoden austauschen, die zum Untertitel der Schulpartnerschaft passten: „Preparing Students for Success in Life and Learning“.

         

        Partizipation und Mitbestimmung – so oft wie möglich

         

        Dass es bei dieser ursprünglichen Ausrichtung nicht blieb, hatte mehrere Gründe. Gäste wie Gastgeber profitierten davon, dass das erste Erasmus-Treffen im November 2017 parallel zum Augsburger Begabungstag stattfand. Jaakov Hecht, der Keynote-Speaker des Begabungstages und Begründer der demokratischen Schulen in Israel, gab für die Teilnehmer*innen am Erasmus-Projekt in einem Workshop die Marschroute vor: Partizipation und Mitbestimmung, wo immer sich diese realisieren lassen! Hierzu passten die weiteren Inhalte und Schwerpunkte des Programms: die Öffnung der Schule in die Stadtgesellschaft. Den Erasmus-Partnerschulen aus Spanien, England und Holland wurden die Stadtbücherei, die Werkstatt Solidarische Welt sowie der Verein Tür an Tür als wichtige Kooperationspartner vorgestellt – und der Fokus auf nachhaltiges und handlungsorientiertes Lernen gelenkt.

         

        Neue Erkenntnisse durch Projektarbeit

         

        In einem Graffiti-Workshop entwarfen die internationalen Schülergruppen ihre Visionen einer Schule der Zukunft, die sie beim Empfang im Augsburger Rathaus präsentierten. Auch bei den folgenden Erasmus-Treffen hatte das ganzheitliche Lernen einen festen Platz im Programm: Handpuppen und Food Design Workshop bei den Treffen in Spanien und Cornwall sowie eine Installation zum Thema „1968 und die Folgen“ standen beim zweiten Treffen in Augsburg im Juli 2018 auf dem Programm.

         

        Was war das – die 68er Protestbewegung?

         

        Zur Vorbereitung auf das zweite Treffen in Augsburg stellten die Schüler*innen Recherchen an, wie sehr sich die 68er Protestbewegung auf die Gesellschaft in den Teilnehmerländern bis heute ausgewirkt hat. Wie wenig Schüler und  Lehrer aus Cornwall mit dem Thema „1968“ anfangen konnten, mag durchaus als eine Erklärung für die große Zustimmung in Südengland zum Brexit- Referendum herhalten.

         

         

        Fridays for Future

         

        Womit niemand gerechnet hatte, geschah zu Beginn des laufenden Schuljahres 2018/ 2019. Eine Welle der Politisierung, die sich als Protest gegen das Versagen der Politik gegenüber dem Klimawandel verstand, schwappte von Schweden bis ins Schwabenland. Sowohl am Maria-Theresia- wie am Holbein-Gymnasium waren es die Teilnehmer*innen am Erasmus-Programm, die den Schülerprotest im Rahmen der Fridays for Future Schulstreiks maßgeblich organisierten.

         

        The Times They Are A‘ Changin‘

         

        Inspiriert von einem „Wald-Workshop“ bei dem Erasmus-Treffen in Cornwall und im Einklang mit den Zielen der Fridays for Future Bewegung, wurde am Holbein-Gymnasium im Dezember das erste Augsburger Baumfest organisiert, bei dem sich die Schüler*innen für den Erhalt ihrer Schulbäume in der Hallstraße einsetzten.

        Was dem Holbein-Gymnasium sein Baumfest war, das war am Maria-Theresia-Gymnasium das Nachhaltigkeits-Fahrradkino Filmfest, das am letzten Schultag vor den Osterferien 2019 in Kooperation mit der Umweltstation Augsburg, dem 29++Fahrradkino des Naturerlebniszentrums Burg Schwaneck/Landkreis München und dem KJR München-Land über die Leinwand der altehrwürdigen Turnhalle flimmerte.

         

        Nachhaltiges Fahrradkino

         

        Das viel strapazierte Wort „Nachhaltigkeit“ durfte bei diesem Kinospektakel zu Recht in den Mund genommen werden. Zum einen erstrampelten die Maria-Theresia-Fahrrad-Held*innen die für die Filmprojektion benötigte Energie selbst, zum anderen gaben die präsentierten Kurzfilme tolle Impulse für einen nachhaltigeren Lebensstil. Last but not least trugen sich über 100 Schüler*innen in Arbeitsgruppen ein. Sie werden am Ende des Schuljahrs beim Just-Kids-Festival ihre Tipps und Recherchen zu einem ökologischen Alltagsleben präsentieren.

         

        Und was würde Herodot den Jugendlichen raten, wenn er heute noch leben würde? Reiten und Bogenschießen ist fraglich. Vielleicht würde er sie dazu ermutigen, ihren Horizont durch Reisen und Austausch zu erweitern. Ganz sicher würde er sie jedoch dazu anhalten, auch weiterhin die Wahrheit zu sagen - und sei sie in Bezug auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch so unbequem.

        Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Grafik: Nontira Kigle, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
        Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in Penzance, Cornwall. Grafik: Nontira Kigle
        Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg,Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,Grafik: Nontira Kigle
        Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in Murcia, Spanien. Grafik: Nontira Kigle
        Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg,Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,Grafik: Nontira Kigle
        Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in den Niederlanden.Grafik: Nontira Kigle
        Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
        Baumfest, Foto Udo Legner.
        Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg,Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,Grafik: Nontira Kigle
        Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen aus Spanien, Holland und England die Partnerschulen in Augsburg: Das Maria Theresia Gymnasium und das Holbein Gymnasium. Grafik: Nontira Kigle
        Fahrradkino, Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
        Fahrradkino in Augsburg. Foto: Udo Legner
        ×
        Schülerinnen sprechen vor dem Nachhaltigkeitsbeirat lifeguide.augsburg Mo., 13.05.2019 - 11:22
        Schülerinnen sprechen vor dem Nachhaltigkeitsbeirat
        "Unser Ziel ist es, bis 2030 ein klimaneutrales Augsburg zu schaffen"
        Drei Schülerinnen des Augsburger Holbein-Gymnasiums und Mitglieder der Bewegung Fridays for Future treten vor den Augsburger Nachhaltigkeitsbeirat und halten einen bewegende Rede für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Foto: Cynthia Matuszewski

        Sina Platzbecker, Esin Tunay und Eva Trautsch besuchen das Augsburger Holbein-Gymnasium. Sie sind Mitglieder der Bewegung Fridays for Future. Vor dem Augsburger Nachhaltigkeitsbeirat halten sie eine bewegende Rede für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Sie erhalten viel Applaus, Dank und Zuspruch. Hier könnt ihr ihre Rede nachlesen:

         

        Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind drei Schülerinnen des Holbein-Gymnasiums und engagieren uns schon seit Jahren im Arbeitskreis Global der Schule. Wir sind eine Gruppe, die sich mit den Themen Menschenrechte, Frieden und Ökologie beschäftigt.

         

        Wenn wir über Klimaschutz reden, fällt oft der Begriff „Nachhaltigkeit“. Ein einfaches Wort für eine große Hürde. Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir Entscheidungen nicht nur in unserem Sinne treffen, sondern auch an folgende Generationen denken. Unsere Kinder und Enkelkinder sollen die gleiche Lebensgrundlage bekommen wie wir. Die gleiche Umwelt, die gleichen Chancen. Wir sind um das Jahr 2000 geboren. Die nächste Generation wird also theoretisch 2030 geboren. Unser Ziel ist es, bis 2030 ein klimaneutrales Augsburg zu schaffen.

         

        Die nächste Generation soll also bereits von unserem Projekt profitieren. Um dessen Erfolg zu garantieren, ist nun schnelles Handeln gefragt. Wir müssen uns hier und heute bewusst dazu entscheiden, den Klimawandel einzudämmen und einen Wandel in den Köpfen zu bewirken. Wir müssen die Idee von einer nachhaltigeren Welt in den Alltag der Menschen bringen, um in ihre Lebenswelt vorzudringen. Es ist unser Anliegen, alternative Systeme vorzustellen. Es ist Ihre Aufgabe, Projekte unserer engagierten Gemeinschaft zu fördern und es ist am Einzelnen, sein Leben in manchen Feldern umzustrukturieren. Die Stadt muss dazu aber Anreize bieten und die nötige Basis schaffen.

         

        Erst einmal muss es für die Augsburger wieder rentabel werden, Fahrrad und Öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Während die Fahrradwege kaum durchdacht sind und man in der Konrad-Adenauer-Allee um sein Leben fürchten muss, stürzt man sich mit den Öffentlichen direkt in eine Finanzkrise. Als Schüler zahlen wir nach Augsburg monatlich von Königsbrunn aus 65 Euro, von Mering 85 Euro, um in die Schule gehen zu können. Und allein innerhalb der Stadtgrenzen liegt der Tarif sogar über dem von München. Das Auto ist momentan billiger als der klimaschonendere Bus.

         

        Ein guter Anfang wäre es, für Augsburger die Fahrradwege auszubauen. Man ist froh, wenn man an größeren Straßen einen befahrbaren Fahrradweg entdeckt. Wir schlagen nicht nur den Ausbau des Fahrradnetzes vor, sondern wollen eine Trennerhöhung zwischen Straße und Fahrradweg. Dadurch wird das Fahrradfahren wieder attraktiver und sicherer, mehr Menschen aller Altersklassen greifen auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel zurück. Man muss nicht mehr fürchten, überfahren zu werden und kann beruhigt auch mal die Stadt und deren Umgebung genauer unter Augenschein nehmen.Wenn wir unseren ökologischen Fußabdruck geringhalten wollen, müssen wir auch die Abgaswerte geringhalten. Um einen möglichst großen Effekt zu erzielen, ist es wichtig, dass wir bereits bestehende Konzepte übernehmen. Stichwort abgasfreie Innenstadt.

         

        Es steht außer Frage, dass sich eine geringere Stickstoffbelastung positiv auf unsere Gesundheit auswirkt. So verbessern wir mit der Luftqualität auch unsere Lebensqualität. Klimaschutz kann für den Einzelnen rentabel und attraktiv werden. Wenn wir es schaffen, unsere Innenstadt frei von Autos zu machen, fördern wir also gleich zwei Aspekte eines zukunftsorientierten Augsburgs. 150.000. Es gibt fast 150.000 Autos in unserer Stadt Augsburg. Fast 150.000 Autos, die einen Stellplatz brauchen. Fast 150.000 Autos, die unsere Umwelt mit Abgasen verpesten.

         

        In Augsburg leben um die 35.000 unter 15-jährige Kinder. 35.000 Kinder, die einen Platz, draußen in der Natur, zum Spielen brauchen. Aber die Stadt bietet dafür nicht genug Grünflächen. Also bleiben die Kinder drinnen. Sie setzen sich vor den Computer, gehen ans Handy oder spielen mit ihren Freunden an der Konsole. Dort ist es egal, wie viele Bäume überfahren werden und wie viele Autos sie besitzen. Man drückt einfach auf “reset” und weiter geht’s. Wer garantiert uns, dass genau diese Kinder es in ihrem späteren, realen Leben nicht genauso machen? Die meisten werden sich später ein Auto kaufen, vielleicht auch zwei. Und natürlich müssen diese Autos auch irgendwo geparkt werden. Aber wo? Auf den Grünflächen, die uns noch übriggeblieben sind? Wie soll unsere Zukunft lernen, mit der Zukunft umzugehen, wenn unsere Gegenwart sie zerstört?

         

        Wir brauchen einen schnellen, plötzlichen Wechsel. Wir können es uns nicht leisten, Probleme nur oberflächlich zu behandeln. Wir müssen auch ihre Folgen und vor allem ihre Ursachen im Auge behalten. Nur so können wir Probleme langanhaltend aus der Welt schaffen. Dafür müssen wir bei der Wurzel ansetzen. Wir müssen dafür sorgen, dass Kinder von Anfang an ein Gespür im Umgang mit ihrer Umwelt bekommen, damit sie bereit sind, diese zu schützen. Ihr Bewusstsein muss geprägt sein durch Informationen und Erfahrungen. Sie müssen wieder lernen, die echte Welt zu verstehen und wertzuschätzen, um sie über die neue, virtuelle Welt zu stellen.

         

        Unser Schulsystem ist geprägt von Theorie und Alltag. Selbst Themen, die jeden persönlich etwas angehen, werden weltfremd. Durch Exkursionen ab dem Kindesalter und Vorträge von professionellen Referenten könnten die Schüler die Umwelt neu erfahren. Wir brauchen Projekte, für die Jugendliche gerne freiwillig ihre Zeit einsetzen. Sei es, um die Stadt kreativer, natürlicher und lebenswerter zu gestalten oder aber um von Schülern an Schüler Bildung weiterzugeben. Um solche Projekte durchzuführen, benötigen die Schulen und praxisorientierten Organisationen allerdings Fördergelder. Mancher mag sagen, die Stadt habe kein Geld für derartiges. Von uns aus kann die Stadt sich das Geld für Klopapier am Holbein wieder sparen, wenn sie nur die Bildung stärker fördert.

         

        In the long run” wird uns das eher helfen, das Klima und uns zu schützen. Die Zukunft ist mehr wert, als sich durch Geld bemessen lässt. Es wäre auch hilfreich, wenn Schüler, die einem Protest gegen die aktuelle Klimapolitik beiwohnen, anstatt im Unterricht zu sitzen, nicht als “Schwänzer” abgestempelt würden. Der Punkt ist, dass ein Leben voll Lernen für eine Zukunft sinnlos ist, wenn wir keine lebenswerte Zukunft haben. Deshalb gehen junge Menschen auf die Straßen. Deshalb werden sie zu “Schwänzern” degradiert? Unsere Generation wird oft als zu still, zu inaktiv, zu energielos dargestellt. Was nun, da wir laut, aktiv und voller Energie sind? Ihr lasst zu, dass wir dafür bestraft werden. Wir wollen dem Kultusministerium ausrichten, dass es auch andere Weg gibt. An unserer Schule wurde das bewiesen.

         

        Jeder, der (wegen der Fridays-For-Future-Demos, Anm. d. Redaktion) unentschuldigt gefehlt hatte, musste nachsitzen. 137 Schüler mussten nachsitzen und 152 saßen letztendlich da. Weil sie begeistert waren, von der Art, wie die Situation gehandhabt wurde. Sie entwickelten Projekte zum Klimaschutz, redeten über den Sinn der Proteste und stiegen mit Herz und Seele in das Thema ein. Ihre Wünsche, Ängste und Vorschläge für die Zukunft wurden ernst genommen und das motivierte sie, sich zu engagieren und sich für Veränderungen in ihrem Sinne einzusetzen. Wir Jugendlichen sind es, die den Grundstein für einen anhaltenden Wandel legen, aber dazu brauchen wir Ihre Unterstützung.

         

        Ein weiteres Projekt, das uns am Herzen liegt und das wir auch Ihnen nahelegen wollen, ist das Thema Materialverschwendung. Das Problem reicht von Papierverschwendung an Schulen bis zu Plastikmüll, der durch Verpackungen und ToGo-Becher verursacht wird. Wir schlagen vor, dass der Papierverbrauch in der Schule durch digitale Mittel eingeschränkt wird. Schüler können gut, auf mehr als die Hälfte aller ausgeteilten Arbeitsblätter und Handouts verzichten.

        Handouts werden in aller Regel nie wieder eines Blickes gewürdigt, während Arbeitsblätter und seitenlange Skripte viele unnötige Informationen enthalten. Einfacher wäre es also, wenn Schüler Informationen in digitaler Form bekommen und dann alles für sie Relevante herausschreiben. Denn durch das Abschreiben von interessanten Informationen lernen viele Schüler am besten.

         

        Sogenannte Unverpackt-Läden sind eine weitere Möglichkeit, die Verschwendung von Ressourcen einzudämmen. Augsburg verfügt in dieser Richtung über ein sehr spärliches Angebot. Durch Subventionen für Biomärkte, die lose Ware verkaufen, könnte Augsburg zum Trendsetter in der Region werden. Auf umweltbelastende Verpackungen zu verzichten wird immer moderner und gefragter. Auch der Ruf nach regionalen Produkten wird immer lauter. Wir wollen weniger Müll vom anderen Ende der Welt. Wir wollen regionale Produkte, die bezahlbar sind. Fördert Biomärkte, fördert fairen Handel und fördert unsere Landwirtschaft.

         

        Macht klimaneutrales Handeln für die Mehrheit bezahlbar und helft uns, zu zeigen, dass ein klimafreundliches Leben auch Spaß machen kann. Wir können Vorreiter unserer Generation werden. Augsburg ist bereits eine Friedensstadt. Warum kann Augsburg nicht auch noch zur Klimafreundlichsten Region gewählt werden?

        Sina Platzbecker, Esin Tunay und Eva Trautsch, Rede vor dem Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Augsburg am Donnerstag, 14.02.2019

        ×

        Augsburger Busse fahren zu 100 % mit Bio-Erdgas

        Augsburger Busse fahren zu 100 % mit Bio-Erdgas
        CO2–neutral: 2017 wurde die Busflotte der SWA ausgezeichnet
        CO2-neutral, Co2, Erdgas, Bus, Augsburg, umweltfreundlich,

        Seit 2011 wird die gesamte Busflotte der Stadtwerke Augsburg (swa) mit Bio-Erdgas aus Agrar-Abfällen angetrieben. Damit sind alle 91 Busse der swa CO2–neutral unterwegs. Verglichen mit Diesel entstehen außerdem rund 95 Prozent weniger Stickoxide und nahezu keine Rußpartikel.

        Als positives Beispiel für die Verringerung von Feinstaub, Stickoxiden und Kohlendioxid wurde die swa im Januar 2017 mit dem „Internationalen Busplaner Nachhaltigkeitspreis 2017“ ausgezeichnet. Die Fachzeitschrift Busplaner würdigt damit den Einsatz von Erdgasbussen mit regenerativem Bio-Erdgas (CNG) in Augsburg.

        „Unsere Fahrgäste können sicher sein, dass sie mit unseren Bussen umweltbewusst unterwegs sind“, so swa- Geschäftsführer Dr. Walter Casazza über die Auszeichnung. So tragen die swa-Fahrzeuge zu dem derzeit hohen Feinstaubwert in der Stadt nichts bei. „Feinstaub ist bei Erdgaskraftstoff kein Thema“, so Casazza.

        Seit 1995 sind die swa Vorreiter bei alternativen Antrieben im öffentlichen Nahverkehr. Damals war Augsburg bundesweit Modellstadt für den Einsatz von Erdgas (CNG) als Kraftstoff. Nach und nach wurde die Busflotte auf Erdgasantrieb umgestellt. Seit 2010 werden alle Fahrzeuge mit CNG betrieben.

        Im vergangenen Jahr wurden 23 neue Mercedes Citaro Erdgasbusse mit einem völlig neu entwickelten Motor in Betrieb genommen. Dieser ist gegenüber bisherigen Erdgasmotoren noch sparsamer und umweltschonender. „Dass Bio-Erdgas als Kraftstoff auch eine Antriebsform für die Zukunft ist, zeigen uns die vielen Informationsbesuche anderer Verkehrsunternehmen in Augsburg und zahlreichen Einladung für Vorträge in ganz Europa“, so Casazza. In der Gesamtbilanz sei Bio-Erdgas in den nächsten Jahrzehnten unschlagbar – auch nicht von elektrobetriebenen Bussen.

        Den Internationalen Busplaner Nachhaltigkeitspreis 2017 erhielten 13 Unternehmen aus der Bus- und Touristikbranche für ihre außerordentlichen Leistungen im Bereich Nachhaltigkeit. Der Preis wurde 2017 zum dritten Mal verliehen und zum zweiten Mal auch in der Sonderkategorie „Busunternehmen mit nachhaltigem Management“. In dieser Kategorie belegen die Stadtwerke Augsburg im Bereich „Öffentlicher Sektor“ den ersten Platz vor der Hamburger Hochbahn und den Kölner Verkehrsbetrieben.

         

        Augsburg, swa, Nachhaltigkeit, Bio-Erdgas, Bus
        Die Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg Dr. Walter Casazza (li.) und Alfred Müllner erhalten von Julia Lenhardt (Busplaner-Redaktion) den Internationalen Busplaner Nachhaltigkeitspreis 2017. Foto: swa
        CO2-neutral, Co2, Erdgas, Bus, Augsburg, umweltfreundlich,
        CO2-neutral: Augsburger Busse fahren zu 100% mit Bio-Erdgas. Foto: Cynthia Matuszewski
        CO2-neutral, Co2, Erdgas, Bus, Augsburg, umweltfreundlich,
        CO2-neutral: Augsburger Busse fahren zu 100% mit Bio-Erdgas. Foto: swa
        ×
        KONTAKT