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Lifeguide erhält Augsburger Zukunftspreis 2019

Lifeguide erhält Augsburger Zukunftspreis 2019
Insgesamt sechs Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung Augsburgs werden geehrt
Augsburger Zukunftspreis 2019, Foto: Nicolas Liebig

Der Lifeguide gratuliert allen Zukunfts-Preisträger*innen 2019 herzlich: dem Faks Theater Augsburg, der Grundschule Herrenbach, dem Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V, der deka messebau gmbh und der NaturSinn International KG.

Am 15. November 2019 haben die 2. Bürgermeisterin Eva Weber und Nachhaltigkeitsreferent Reiner Erben vor über 300 geladenen Gästen im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses den Augsburger Zukunftspreis 2019 an sechs Augsburger Initiativen, Vereine, Schulen und Unternehmen verliehen.

 

Lifeguide wird geehrt

In ihrer Laudatio für den Lifeguide Augsburg sagte Stadträtin Martina Wild:

Die Jury honoriert den Einsatz des gemeinnützigen Vereins Lifeguide für eine nachhaltige Gesellschaft und ein nachhaltiges Leben in Augsburg, seinen großen Beitrag zur Bewusstseinsbildung, die geschaffenen unterschiedlichen Möglichkeiten zu Information, Beratung und Austausch über Nachhaltigkeit in Augsburg und das große ehrenamtliche Engagement. Der Lifeguide selbst ist im wahrsten Sinne nachhaltig und insbesondere kulturell wie sozial zukunftsfähig.“

Die Chefredakteurin des Lifeguide Augsburg, Cynthia Matuszewski, die Vorstände des Vereins Lifeguide Region Augsburg, Dr. Norbert Stamm und Manfred Agnethler, sowie die Redakteurin Sylvia Schaab nahmen den Preis entgegen. Cynthia Matuszewski betonte, dass der Lifeguide sich in seiner Arbeit bestätigt sehe und dankte vor allem den zahlreichen Augsburger Initiativen und Projekten, die sich tagtäglich für eine nachhaltigere Welt einsetzen und die mit ihren Ideen, ihrem Mut und ihrer Tatkraft vielen Augsburger*innen Vorbild und Inspiration sind.

 

38 Bewerber*innen für den Augsburger Zukunftspreis 2019

2019 haben sich 38 Projekte für den Zukunftspreis beworben. Dazu gehören Vereine, Institutionen, Schulen und Privatleute. Auch das nachhaltigste Augsburger Unternehmen wurde zum zweiten Mal gekürt. In dieser Kategorie hatten sich acht Unternehmen beworben. Alle Projektbeschreibungen der 38 diesjährigen Zukunftspreisprojekte sind in der Zukunftspreisbroschüre 2019 zusammengestellt.

Die Träger des Zukunftspreises 2019 sind:

  • Faks Theater Augsburg mit dem BuchstabenTheater  
  • Grundschule Herrenbach: Kleine Schritte – Große Wirkung!
  • Lifeguide Region Augsburg e.V.: Nachhaltiges Leben in Augsburg stärken
  • Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V.: Neue Wanderwege für Tiere und Pflanzen im Schatzwald Augsburg

Preisträger Zukunftspreis/gewinnorientierte Unternehmen:

  • deka messebau gmbh - Förderung der biologischen Vielfalt auf dem Firmengelände der deka messebau

Preisträger Zukunftspreis/Jury der Schülerinnen und Schüler

  • NaturSinn International KG: Naturkonforme Gewässersanierung mit GEWÄSSER2000

    Augsburg, wo Nachhaltigkeit gemeinsame Sache ist

Die 2. Bürgermeisterin Eva Weber und Nachhaltigkeitsreferent Reiner Erben dankten allen, die sich um den diesjährigen Zukunftspreis beworben haben. „Der Zukunftspreis zeigt eindrücklich, dass Nachhaltigkeit in der Stadt Augsburg eine gemeinsame Sache ist“, so Eva Weber. Umweltreferent Reiner Erben erinnerte daran, „dass im Rahmen des Zukunftspreises bereits über 500 Nachhaltigkeitsinitiativen und Projekte sichtbar gemacht worden sind.“

 

Der 14. Augsburger Zukunftspreis

Eine unabhängige Jury aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft sowie Politik kürte fünf Preisträger*innen, die jeweils ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro erhielten. Als Sponsor hat die Stadtsparkasse Augsburg auch in diesem Jahr den Augsburger Zukunftspreis ermöglicht. Zum vierten Mal wurde auch wieder der Preis der Schülerinnen- und Schülerjury, ebenfalls in Höhe von 1.000 Euro, vergeben - diesmal von der Klasse 10c des Schuljahres 2018/19 des Stetten-Instituts. Die Schülerinnen trafen ihre Auswahl unabhängig von der Haupt-Jury. Auch in dieser Kategorie galten die Augsburger Zukunftsleitlinien als Grundlage.

Alle Bewerber*innen und alle Preisträger*innen für den Augsburger Zukunftspreis 2019 finden Sie hier: www.nachhaltigkeit.augsburg.de/zukunftspreis

Augsburger Zukunftspreis 2019, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019 an sechs nachhaltige Projkete in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Augsburger Zukunftspreis 2019, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019. Die 2. Bürgermeisterin Eva Weber. Foto: Cynthia Matuszewski
Augsburger Zukunftspreis 2019, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019. Preisträger Faks Theater Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Augsburger Zukunftspreis 2019, Reiner Erben, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019. Umweltreferent Reiner Erben. Foto: Cynthia Matuszewski
Augsburger Zukunftspreis 2019, Herrenbach Grundschule, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019. Preisträger Herrenbachgrundschule Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Augsburger Zukunftspreis 2019, Landschaftspflegeverband Augsburg e.V., Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019. Preisträger Landschaftspflegeverband Augsburg e.V.. Foto: Cynthia Matuszewski
Augsburger Zukunftspreis 2019, deka messebau gmbh, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019. Preisträger deka messebau gmbh. Foto: Cynthia Matuszewski
Augsburger Zukunftspreis 2019, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019 durch die Schüler*innen des Stetten-Instituts Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Augsburger Zukunftspreis 2019, NaturSinn International KG, Foto: Cynthia Matuszewski
Verleihung des Augsburger Zukunftspreis 2019. Preisträger NaturSinn International KG. Foto: Cynthia Matuszewski
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Achtsam leben - heilsame Reduktion

Achtsam leben - heilsame Reduktion
Innere und äußere Balance: Ein Gastbeitrag von Christine Pehl
Christine Pehl ist Business Coach und CSR-Expertin. Foto: Regine Laas. Regio Augsburg Wirtschaft GmbH

Christine Pehl lebt die Philosophie der heilsamen Reduktion. Im Lifeguide-Interview hat sie bereits von ihrem persönlichen Weg zu innerer und äußerer Balance erzählt. Die Expertin für Corporate Social Responsibility (CSR), zu deutsch "Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung", stellt uns in ihrem Gastbeitrag drei Schritte vor, die in unserer komplexen Welt zur Klärung, Entlastung und Vereinfachung beitragen.

Stille, Reduktion und Freude

Drei Schritte zur inneren und äußeren Balance

Wir haben nicht gelernt, uns innerlich zu sortieren und gut für uns zu sorgen. Schule, Ausbildung und Beruf dressieren uns darauf, in Kategorien von Leistung zu denken und zu funktionieren. Statt im inneren Kontakt zu sein und wahrzunehmen, welche Stimmen und Gefühle sich zeigen wollen, suchen wir nach Ablenkungen von außerhalb. Wir verdrängen alles, was sich unangenehm anfühlt und oft ein Weckruf unserer Psyche ist - wir schauen im wahrsten Sinne fern anstatt nach innen. Viele bekämpfen ihre Anspannung mit Aktivitäten wie exzessivem Sport, ruhelosem Arbeiten, dem Glas Wein am Abend oder auch der Einnahme von Aufputschmitteln. Wir wissen oftmals nicht, wie wir unsere inneren Zustände klären und herausfinden, was für uns sinnhaft ist. Das zeigt sich auch in der massiven Zunahme psychischer Erkrankungen wie Depression oder Burnout. Eine zentrale Frage ist deshalb: „Wie können wir uns innerlich sortieren, um dann im Außen klarer zu sein?

1. Schritt: In die Stille gehen

Der erste Schritt besteht darin, jeden Tag eine Zeit der Stille als Termin mit sich selbst einzuplanen. Wir sind „schnell mal“ auf Facebook oder anderen digitalen Plattformen - nehmen Sie sich stattdessen Zeit für sich selbst. Es geht darum, mit sich in Kontakt zu kommen – hier liegt Ihre Kraftquelle.

Zu Beginn können Sie eine kleine Reise durch Ihren Körper machen: Wie fühlen sich die Füße an? Warm oder kalt? Sind die Schultern angespannt oder entspannt? Gibt es Druck auf der Brust oder ist der Brustraum eher weit? Ist da ein Gefühl, wie zum Beispiel Angst, Traurigkeit oder Ohnmacht, das sich bemerkbar macht? Kommen bestimmte Gedanken wiederkehrend?

Es reichen fünf bis zehn Minuten, um wahrzunehmen, wie es Ihnen geht und was sich in Ihnen zeigt. Der Weg in die Stille tut gut und bringt innere Zentrierung.

 

2. Schritt: Was kann ich weglassen?

Im zweiten Schritt empfehle ich heilsame Reduktion. Was könnten Sie in Ihrem Leben einfach weglassen? Gerümpel im Keller oder Altlasten im Büroschrank? Unsinnige Gewohnheiten? Langes Fernsehen? Sogenannte „Verpflichtungen“, die vielleicht gar keine sind? Ziel ist es, freie Räume zu schaffen.

Routinen ans Licht befördern

Wer genauer hinsieht, stößt auf eine Reihe von überflüssigen Dingen, Aufgaben und Gewohnheiten. Im beruflichen Kontext kommen dabei diverse Routinen ans Licht. Es lohnt sich zu hinterfragen, wie ich meine wertvolle Lebenszeit verbringe. Im Alltag der meisten Menschen haben sich sinnlose Verhaltensweisen eingenistet. Bei jedem Ping des Smartphones checken sie Facebook, Twitter oder WhatsApp. Alle halbe Stunde sehen sie in den Posteingang, ob neue E-Mails eingegangen sind. Die Zeit vor dem Computer ist häufig ein großer Zeiträuber: News, Blogs, Wetter…

Wertvolle Zeit besser investieren

Beim Reduzieren und Entrümpeln bringen wenige Minuten schon sehr viel Entlastung. Es kommt vor allem darauf an, sich bewusst zu machen, womit wir gerade unsere wertvolle Zeit verbringen. Und sich zu überlegen, wofür wir diese Zeit lieber investieren möchten. Weniger ist mehr: Weniger Zeit mit unwichtigen Dingen verbringen, um mehr sinnvolle Sachen machen zu können.

 

3. Schritt: Sinn, Freude und Genuss finden

Diese freien Räume können - in einem dritten Schritt - mit neuen Inhalten gefüllt werden, die für Sie persönlich Sinn stiften oder einfach Freude und Genuss bringen. Hilfreich ist, eine kleine Liste mit Punkten zu erstellen, die einem wirklich, wirklich wichtig sind. Nehmen Sie sich einen Abend Zeit, um nachzuspüren: „Was sind meine Werte? Was macht mir Freude und bringt Genuss?“ Echte Freude bringt eine gute Schwingung, die uns wiederum Kraft zuführt.

Die Genussformel anwenden

Ärger wiegt schwerer als Freude, bei der sogenannten Genussformel beträgt das Verhältnis 3:1. Auf einmal Ärgern sollte dreimal Freuen folgen, um die negativen Folgen auszugleichen. Daher lohnt es sich, die Freuden zu entdecken und zu sammeln. Im beruflichen wie privaten Alltag gibt es begeisternde Situationen und Momente, an denen man sich erfreuen kann – viel zu oft werden sie leider übersehen. Probieren Sie aus, wie schnell das Verhältnis 3:1 erreicht werden kann - legen Sie sich Ihre „Liste der Freuden“ an.

Ist das Leben hart oder voller Chancen?

Beim Ausprobieren der drei Schritte empfehle ich, auch die eigene Grundhaltung und die Einstellung zu hinterfragen. Wenn ich denke, das Leben ist hart, dann lösen diese Gedanken Enge aus - ein klares Anzeichen, dass dies kein lebensbejahender Gedanke ist. Deshalb bringt es viel, solche Denkmuster zu ersetzen: Statt ‚das Leben ist hart‘ wähle ich ‚das Leben bietet mir viele Chancen‘.“ Wir Menschen sind Schöpfer und Gestalter. Unsere Gedanken und unsere Haltung zeigen sich in den Ereignissen unseres Lebens. Wählen Sie daher bewusst und sorgen Sie gut für sich – Sie sind damit auch eine Bereicherung für Ihr Umfeld.

Erstveröffentlichung in: CAREERS LOUNGE

Kostenloses E-Booklet der CAREERS LOUNGE mit Praxistipps: Burnout vorbeugen – Balance im beruflichen Alltag

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KonsuMensch: Fair-Führer für junge Menschen

KonsuMensch: Fair-Führer für junge Menschen
Der Fair-Führer begibt sich auf die Spuren nachhaltiger Produkte. Was kannst du tun um die Weltreise deiner Jeans zu verhindern? Warum werden mit Bananen krumme Geschäfte gemacht und wieso hat jeder von uns etwas mit dem Regenwald zu tun?
KonsuMensch-Heftchen 2016 - Grafik Tiere

Ein Fair-Führer für junge Menschen

 

Das KonsuMensch-Heftchen ist ein "Verkaufsschlager" der Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Augsburg.  Wobei Verkaufsschlager nicht ganz stimmt, denn das kleine Heftchen im Taschenformat gibt es kostenlos zu bestellen. 2016 wurde das Infoheftchen zum Thema nachhaltiger Lebensstil und fairer Konsum erweitert und neu herausgegeben.

 

Das „KonsumMensch“ ist ein Fair-Führer für junge Menschen. Auf den Spuren nachhaltiger Produkte zeigt das Heft im Pixibuchformat beispielsweise die Weltreise einer Jeans oder die Herstellung von Turnschuhen. Am Beispiel von Kaffee, Schokolade und Orangensaft wird erklärt, wie wir gerechte Arbeitsbedingungen in armen Ländern mit Fairen Handel unterstützen können. Mit kleinen Comics soll es besonders junge Menschen ansprechen.

 

Der Fair-Führer eignet sich auch sehr gut als Unterrichtsmaterial in Schulen und kann, z.B. in Klassensatz-Stärke kostenlos im städtischen Büro für Nachhaltigkeit / Geschäftsstelle Lokale Agenda der Stadt Augsburg (Maximilianstraße 3, 86150 Augsburg) oder unter agenda@augsburg.de bestellt werden.

KonsuMensch 2016
KonsuMensch 2016
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redaktion@lifeguide-augsburg.de
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„Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten“ von Michael Kopatz

„Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten“ von Michael Kopatz
Warum handeln wir in unserem Alltag nicht immer entsprechend unserer Überzeugung? Kopatz deckt die Widersprüche auf und bietet Lösungen.
„Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten“ von Michael Kopatz

Alles bereits gesagt. Warum sich dieses Buch dennoch zu lesen lohnt

Buchtipp von Norbert Stamm

Seit 2008 veranstaltet die Ag Bildung und Nachhaltigkeit des Augsburger Nachhaltigkeitsprozesses, in der ich auch mitarbeite, die Vortragsreihe „Was tun?!“. Mit den Vorträgen wollen wir Impulse für konkretes Handeln setzen. Ernährung, Geldanlage, Fairer Handel, Gemeinwohlwirtschaft waren und sind immer wieder Themen. Zwischendurch zweifeln wir manchmal an der Sinnhaftigkeit unserer Arbeit: warum wollen wir eigentlich noch diese Informationen vermitteln – die meisten Leute, und besonders die, die zu unseren Vorträgen kommen, wissen das doch alles längst?

 

Unser Alltagsroutinen stehen im Widerspruch zu unserer Überzeugung

Was ärgert: insgesamt gibt es noch immer viel zu wenige Taten. Deshalb begeistern auch tolle Umfrageergebnisse nur im ersten Moment. Denn laut Umfragen kaufen rund 30% regelmäßig faire Produkte – aber der Absatz fairen Kaffees verharrt immer noch bei 3%, bei anderen Artikeln noch darunter. Ähnlich bei Öko-Lebensmitteln – Umfrageergebnis 24%, Realität aber ist ein Marktanteil bei Lebensmitteln von 4%, bei Fleisch sogar nur von 2% - obwohl über zwei Drittel der Befragten nach eigener Erklärung doch bereit sind, höhere Preise für Fleisch und Wurst zu zahlen.

Michael Kopatz' Buch kommt da gerade recht. Kann er diese Widersprüche aufdröseln? Da ist viel Verdrängung im Spiel, viel schizophrenes Verhalten bei uns Konsumentinnen und Konsumenten. Und Gewohnheit, eingefahrene Wege.

 

Eine Welt mit widersprüchlichen Anforderungen verursacht widersprüchliche Reaktionen

Zunächst hilft schon die ganz banale Erkenntnis: wir handeln so widersprüchlich, „da wir alle in einer Welt mit widersprüchlichen Anforderungen leben“, so der Nachhaltigkeitspsychologe Harald Welzer im Vorwort zum Buch. Immer richtig zu handeln, ist wirklich nicht einfach. Und es wird einem auch nicht leicht gemacht. Genau das ist Kopatz' Ansatz: wir müssen es uns leichter machen. Wir brauchen bessere, umweltfreundlichere Standards.

Das „Ökoroutinen“-Buch steigt mit Wirtschaftstheorie und Psychologie ein. Das ist erhellend. Selbst Konzernchefs fordern strengere Wettbewerbsregeln, die jetzigen Vorschriften behindern Fortschritte Richtung Nachhaltigkeit. Und psychologisch spielt z.B. der ständige, oft unbewusste Vergleich mit anderen eine wesentliche Rolle, denn daraus resultiert Konsumdruck. Glücklicherweise lässt sich der aber auch andersherum nutzen, denn auch nachhaltiges Verhalten wirkt vorbildlich.

Ausführlich beschreibt Kopatz dann die Themenfelder Essen, Wohnen, Strom, Konsum, Mobilität, Arbeiten und Wirtschaftsförderung. Überall gelte es, in veränderte Alltagsroutinen hineinzukommen. Seine Überzeugung: Appelle hierfür reichen nicht, es braucht finanzielle und strukturelle Anreize.

 

Das Ziel: Veränderung der Alltagsroutinen

Hier eine Liste von Beispielen:

  • Mehrwegsystem mit Standardflaschen, damit Leergut schon in der nächsten Brauerei wieder genutzt werden kann
  • weniger Pestizide und Dünger auf Felder und landwirtschaftliche Flächen: Eine Obergrenze gesetzlich festlegen.
  • schrittweise Anhebung der Tierschutzstandards
  • Zusatzstoffe bei Fertigprodukten reduzieren, um eine gesunde Ernährung zu fördern – z.B. darauf zielen, dass Fertigprodukte nicht mehr als fünf Inhaltsstoffe haben
  • einen Stopp beim Verbrauch von Flächen für Neubauten festlegen; gleichzeitig Anreize für effiziente Wohnraumnutzung schaffen
  • bei Geräten die Gewährleistungen verlängern, um Müll zu vermeiden
  • ökofaire Standards für importierte Kleidung einführen und schrittweise anheben
  • die steuerliche Begünstigung von Dienstwagen abschaffen, dabei zunächst für eine Übergangszeit nur noch besonders sparsame Fahrzeuge bezuschussen
  • im Winter Radwege zuerst räumen, wie in skandinavischen Städten heute schon üblich, und Radstellplätze anstelle von Parkplätzen ausweisen – denn Ökoroutine bedeutet: achtsame Lebensstile werden systematisch gefördert
  • Den Straßenetat im Bundesverkehrswegeplan umstellen: bestehende Straßen erhalten und keine Neubauten mehr fördern
  • nicht nur Erwerbsarbeit als wertvolles Arbeiten betrachten
  • bei der Erwerbsarbeit „Kurze Vollzeit“ mit im Schnitt 30 Stunden Arbeitszeit pro Woche zum Standard machen – dies bekämpft Arbeitslosigkeit, lindert den Wachstumsdruck und befördert den ökologischen Wandel. Ein so verringertes Bruttoeinkommen sei für weite Bevölkerungsteile durchaus machbar.
  • kommunale Wirtschaftsförderung unterstützen, vor allem kooperative Wirtschaftsformen.

 

All diese Bespiele und noch viele mehr sind im Buch gut begründet. Erklärt wird, welche Regeln wie von wem geändert werden müssen und können, um das herrschende System umzustellen.

Die Beschreibungen sind ausreichend ausführlich, aber nicht abschreckend komplex. „Ökoroutine“ ist ein klares Plädoyer für eine „Ökonomie der Menschlichkeit“ und die ordnende Hand der Politik, um uns und vielen Mitmenschen weltweit das Leben zu erleichtern – ein Leben, das menschen-, umwelt- und zukunftsverträglich ist.

Fehlt noch die Antwort auf die Anfangsfrage, warum wir in Augsburg immer noch unsere Vortragsreihe machen: natürlich lernt mensch bei den Vorträgen noch das ein oder andere dazu. Vor allem aber erfahren wir, dass wir nicht allein sind, sondern einige, viele, immer mehr. Beides bestärkt das eigene Tun. Deshalb werden wir die Vortragsreihe fortführen. Und auch einen Vortrag machen mit Michael Kopatz zur Ökoroutine, so er Zeit und Lust hat. Geplant ist, hierzu Menschen einzuladen, die Standards gesetzlich festlegen können: Abgeordnete aus Bundestag, eventuell auch aus dem EU-Parlament.

 

INFO: Michael Kopatz ist Sozialwissenschaftler und arbeitet schon lange am Wuppertal-Institut, hat dort maßgeblich an der Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ mitgearbeitet und u.a. über Agendaprozesse geforscht. Er kennt also die Herausforderungen der Lebensstilwende vor Ort. Zum Buch hat er eine eigene Webseite eröffnet, die einige Einblicke bietet: www.oekoroutine.de

Michael Kopatz, Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten. oekom-Verlag München 2016, 412 Seiten. Zu kaufen für 24,95 Euro, gibt es aber auch in der Stadtbücherei Augsburg zum Ausleihen.

Michael Kopatz. Foto: Oekom-Verlag
Michael Kopatz. Foto: Oekom-Verlag
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