Sportschuhe aus Plastikflaschen?

Nachhaltige Sportschuhe - wie sieht Umweltschutz bei den großen Sportartikelherstellern Adidas und Nike aus?

Ob Second Hand gekauft oder nur für einen Anlass geliehen, nachhaltige Mode erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Längst haben es brisante Themen wie die Arbeitsbedingungen der Näher*innen und das Verbraucherverhalten in die Medien geschafft. Trotzdem wird dabei oft ein Aspekt nicht bedacht: eine umweltschonende Produktion. Zwar gibt es mittlerweile viele kleinere Unternehmen, die sich die nachhaltige Produktion zum Ziel gesetzt haben. Doch wie stellen sich eigentlich weltweit aktive Unternehmen wie Adidas und Nike eine nachhaltige Produktion vor?

60 Kleidungsstücke kaufen die Deutschen durchschnittlich pro Jahr. Seit der Jahrtausendwende hat sich die weltweite Textilproduktion mehr als verdoppelt – Tendenz steigend. Gute Aussichten für Altkleidersammler, könnte man meinen. Doch die Realität sieht anders aus. Das Problem ist bekannt: Fast Fashion. Hierbei handelt es sich um Kleidung, die meist billig und unter schlechten Arbeitsbedingungen in armen Ländern hergestellt wird. Nicht nur die Qualität, sondern auch die Umweltbilanz der Kleider ist schlecht. Der Rattenschwanz, den die Produkte nach sich ziehen, ist erschreckend. Verändern könnte sich dies durch mehrere Aspekte. So würde beispielsweise eine nachhaltige Produktion dazu beitragen, dass Müll und giftige Stoffe in der Umwelt reduziert werden. Neben den vielen kleinen nachhaltig produzierenden Marken sind es vor allem die weltweit bekannten Marken, wie die Sportartikelhersteller Adidas und Nike, die in der Branche durch ihren Einfluss viel verändern können. Doch kümmern sich die Marken wirklich um eine nachhaltige Produktion?
Tatsächlich gibt es sowohl von Nike, als auch von Adidas Konzepte, wie man in Zukunft umweltschonender produzieren wolle. Ob diese Konzepte wirklich bahnbrechende Ideen darstellen oder lediglich für das Aufhübschen des Markennamens sorgen sollen, betrachten wir nun genauer.

 

Adidas

Mode aus Plastikflaschen. Mit dieser Idee begeistert das weltweit bekannte Unternehmen seit 2015 nicht nur Fans der Marke. Bei der Kampagne handelt es sich um eine Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation „Parley for the Oceans“. Zusammen haben beide Unternehmen die Vision, in Zukunft alle Plastikteile, die in der Produktion des Sportunternehmens für Schuhe und Kleidung gebraucht werden, durch recyceltes Plastik zu ersetzen. Dieses wird dabei von der Umweltorganisation an Küsten und Stränden eingesammelt, bevor es von der Flut ins Meer getrieben wird. Anschließend wird es recycelt und zu Garn gesponnen. So konnten bereits bis Ende 2019 bereits rund 17 Millionen Paar Schuhe aus bis zu 75% recyceltem Plastik hergestellt und verkauft werden. Im Allgemeinen befinden sich in jedem einzelnen Paar Schuhe aus der Parley Kollektion rund 11 wiederverwertete Plastikflaschen.


Das Ziel: 80 % der Laufschuhe aus Recyclingplastik

Adidas rüstet auf. So wollen sie mittelfristig 80% ihrer Laufschuhe aus Recyclingplastik herstellen und langfristig sogar ganz auf Plastik verzichten. Bis 2024 will Adidas möglichst nur noch recyceltes Polyester verwenden.

Zusätzlich plant man die Produktion nach und nach so umzustellen, dass auch von Adidas selbst keine Kunststoffe mehr ins Meer gelangen können. Bereits heute wird in allen Adidas Filialen auf Plastiktüten verzichtet. Ebenfalls gibt es in keiner Kantine des Adidas Konzerns noch Plastikflaschen oder -strohhalme. In der Hauptherstellungsregion in Asien allerdings herrscht ein verheerendes Müllentsorgungsproblem. Ob und wie diesem wirklich etwas entgegenzusetzen ist, bleibt abzuwarten.

Konkreter wird es, wenn der allgemeine Verkauf der Parley Kollektion betrachtet wird. Von 2016 bis Ende 2019 wurden rund 17 Millionen Parley Schuhe auf den Markt gebracht. Das entspricht in etwa 4.394,5 Tonnen weniger Plastikflaschen in unseren Ozeanen. Im Vergleich zu den 140 Millionen Tonnen Kunststoff, die aktuell in den Gewässern schwimmen, mag diese Zahl verschwindend gering sein. Weit relevanter ist aber, dass es damit im Zweifel auch 17 Millionen mehr Menschen gibt, die sich mit dem Thema Müll im Meer auseinandersetzen. Zunächst weil sie den Schuh kaufen. Und bestenfalls auch, weil Adidas die Zusammenarbeit mit Parley für eine noch breitere Info- und Aufklärungsarbeit nutzt.


Ein Zero-Waste Schuh?

Der Konzern geht sogar noch einen Schritt weiter. So macht sich das Unternehmen seit 2019 an die Aufgabe, einen Schuh zu entwickeln, der zu 100% recyclebar ist. Der Adidas Ultra BOOST DNA LOOP. Ein Schuh, der nie im Abfall landet. Die Idee dahinter ist einfach: Der Kunde oder die Kundin trägt den Schuh so lange, bis er aufgetragen ist und gibt ihn dann zurück. Anschließend wird das Paar geschreddert und eingeschmolzen. Mit den daraus gewonnen Teilen und durch das Hinzufügen weniger neuen Ressourcen, die bei der vorigen Generation etwa durch Abnutzung verloren gingen, kann eine neue Generation Sportschuhe produziert werden. Ob dieser Vorgang etwas kostet oder ob es eine Art Pfand- bzw. Vergütungssystem geben wird, steht aktuell nicht fest. Bisher befindet sich der Konzern in einer Testphase des LOOPs, bei der 200 Paare an Tester*innen verteilt wurden. Nach mehreren Monaten wurde die erste Generation LOOPs eingesammelt und recycelt. Daraus entstanden Schuhe der zweiten Generation, die aktuell wieder an Tester*innen verteilt wurden. Ob das Konzept des wiederverwertbaren Schuhs Fuß greifen kann, bleibt abzuwarten. Nach etlichen Tests gibt es den „Futurecraft LOOP“ seit April 2021 in einer kleinen Auflage von 6.000 - 7.000 Paaren zu kaufen – er heißt jetzt allerdings „Made to be Remade Ultra Boost DNA“.

 

Nike setzt auf Flyleather

Der amerikanische Konzern Nike setzt derweil auf das sogenannte Flyleather, ein Material, das zu mindestens 50% aus recycelten Naturlederfasern und Wasser besteht. Im Gegensatz zu herkömmlichem Leder werden für Flyleather-Produkte Leder-Restbestände verwendet. Laut Nike entstehen während der Verarbeitung von Leder rund 30% Abfälle, die auf Mülldeponien landen. Der Konzern kauft dieses Drittel der „Leder-Überbleibsel“ um sie später zu Fasern weiterzuverarbeiten. Die recycelten Fasern werden dann mit synthetischen Fasern und Stoff kombiniert, so dass alles zu einem neuen Material verschmilzt.
Das Positive:
Das neu gewonnene Material verbraucht laut Nike bei der Produktion etwa 90% weniger Wasser. Ebenfalls ist der CO2-Fußabdruck rund 80% geringer als bei der Herstellung von herkömmlichem Leder. Dadurch, dass das Leder – ähnlich wie Stoff - auf einer Rolle produziert wird hat es eine höhere Schneideeffizienz, was zu weniger Abfällen führt. Bereits heute gibt es viele verschiedene Nike Modelle in dieser nachhaltigen Ausführung.

 

Ein Anfang ist gemacht, aber die „Großen“ sollten noch viel mehr tun

Es ist nicht zu verleugnen, dass sich sowohl Nike als auch Adidas Gedanken über eine nachhaltige Produktion gemacht haben. Die Umsetzungen sind dabei sehr unterschiedlich und haben bei beiden Marken ihre Schwachstellen.

Im Vergleich zu tatsächlich nachhaltigen Materialien besteht „Flyleather“ nur zu 50% aus recycelten Stoffen. Auch wenn Nike nur sehr wenig über die Gesamtzahl produzierter Schuhe durchsickern lässt, handelt es sich bei der Anzahl der Flyleather Produkte im Vergleich zu allen normal produzierten Produkten angesichts der Massenproduktion des Konzerns nur um einen Tropfen auf den heißen Stein. Dennoch bildet die Kampagne eine interessante Idee, die konsequent zu Ende gedacht werden sollte.

Die bessere Grundidee liefert Adidas. Doch auch hier gibt es Kritik. So machen die 17 Millionen Paare Sportschuhe, die zusammen mit Parley entstanden sind, bislang nur einen sehr geringen Teil der Gesamtproduktion von etwa 400 Millionen Paar Sportschuhe (Stand 2019) aus. Das sind gerade einmal rund 4% aller bei Adidas hergestellten Schuhe. Diese 4% sind zwar ein Anfang, reichen aber längst nicht aus, um von einem kompletten Umschwung zu sprechen. Aber die Zusammenarbeit mit Parley for the Oceans befindet sich ja auch noch immer in Kinderschuhen und wird stets weiter optimiert, damit in Zukunft ausschließlich Recycling- Plastik in die Produktion gelangt. Ob dies tatsächlich bis zu der von Adidas gesetzten Frist im Jahr 2021 passieren wird, bleibt abzuwarten. Das interessanteste Konzept bildet ganz klar der von Adidas entworfene UltraBOOST DNA LOOP. Hierbei wird nämlich nicht nur einmal auf eine nachhaltige Produktion mit 100% recycelbaren Stoffen geachtet, sondern jedes Mal, wenn ein Modell recycelt und neu aufgebaut wird.

 

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Sportschuh, nachhaltig, Adidas Ultra BOOST Parley, Foto: Tobias Platzer
Sportschuh, nachhaltig, Adidas Ultra BOOST DNA LOOP, 100% recyclebar, Foto: Tobias Platzer
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Sportschuh, nachhaltig, Adidas Ultra BOOST DNA LOOP, 100% recyclebar, Foto: Tobias Platzer
Sportschuh, nachhaltig, Adidas Ultra BOOST Parley. Foto: Tobias Platzer
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Sportschuh, nachhaltig, Adidas Ultra BOOST DNA LOOP, 100% recyclebar. Foto: Adidas

Über den Autor

Jannik Brose

Jannik Brose studiert Geographie an der Uni Augsburg. Für die Geographie entschied er sich, da diese sehr viele Teilbereiche abdeckt, an denen er interessiert ist. Dazu gehört zum Beispiel Humangeographie und Standortentwicklung. In seiner Freizeit verbringt er gerne Zeit draußen, egal ob allein oder mit Freunden. Die Natur fasziniert ihn sehr, deshalb schießt er auch leidenschaftlich gerne Fotos, mit denen er wundervolle Momente, wie beispielsweise Sonnenuntergänge, festhalten möchte.

Kommentare

Gast

Wir bevorzugen die Laufschuhe von "Laufladen Lunge". Sie leisten uns seit Jahren gute Dienste nicht nur auf unseren Stadtführungen in Hamburg, also langen Asphaltwanderungen, s. https://www.elb-plaza-philharmonie.guide/, sondern auch bei unseren Rikschatouren, s. https://www.hamburg-by-rickshaw.de/angebot/. Es überzeugt das Design und die Nachhaltigkeit.

Lifeguide Augsburg
Guter Hinweis, danke! Über die Lunge-Schuhe haben wir auch schon berichtet: https://www.lifeguide-augsburg.de/magazin/start-den-fruehling Herzliche Grüße nach Hamburg - wenn wir mal dort sind, nutzen wir euer tolles Rikscha-Angebot;)

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