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Sand - der endliche Rohstoff

Die Baubranche boomt - und Sand ist dabei ein wichtiger Rohstoff. Aber wir brauchen unbeding Alternativen zu diesem Baumaterial.
Sand ist nach Luft und Wasser die am meisten genutzte Ressource unseres Planeten

Wenn wir an Sand denken, taucht vor unserem inneren Auge meist ein Bild von unendlichen, weißen Stränden auf. Oder der Sandkasten, in dem Kinder mit Sandeis spielen. Sand scheint im Übermaß vorhanden zu sein. Das ist er aber nicht.

 

Die boomende Baubranche

Die UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, hat bereits 2014 zum ersten Mal offiziell auf die Sandknappheit hingewiesen. Bislang hat sich an der Sandnachfrage jedoch nichts geändert. Der Sandverbrauch der Bauwirtschaft in den Industrieländern, China, Indien und anderen Schwellenländern lag 1990 bei 7.963 Millionen Tonnen. Schätzungen zufolge wird der Verbrauch bis 2050 um 460% auf 37.215 Millionen Tonnen ansteigen.

 

Sandabbau

Die Bauindustrie wächst unaufhaltsam. Bis 2100 wird die Weltbevölkerung um 21% wachsen. Außerdem zieht es die Menschen in den urbanen Raum: Zum ersten Mal in der Geschichte lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Bis 2050 soll dieser Prozentsatz auf 66% ansteigen. Außerdem bleibt Wohnungsbau aufgrund von historisch niedrigen Zinsen und explodierenden Immobilienpreise sehr lukrativ. Alle diese Entwicklungen benötigen enorme Mengen an Baumaterial – allen voran Sand.

Es wird nicht nur auf Land gebaut, teilweise muss sogar erst zusätzliches Land entstehen. So zum Beispiel in Singapur. Dem Inselstaat wurde bereits ein Fünftel des Landes künstlich hinzugefügt, bis 2030 möchte es um weitere 100 Quadrat-Kilometer wachsen. Die Landgewinnung wird durch den massiven Import aus drei Ländern ermöglicht: Vietnam, Kambodscha und Malaysia. Diese Länder haben den Export wegen Sandknappheit offiziell eingestellt. Singapurs Statistiken zufolge wird Sand jedoch weiterhin zum Beispiel aus Kambodscha importiert – auf illegalem Wege.

 

Alternativen zu den winzigen Körnchen

Sand ist eine sich dem Ende neigende Ressource und bislang – vor allem in der Bauindustrie – unersetzlich. Maßnahmen sind bislang eher rar. Eine naheliegende Alternative ist das Recycling von Baumaterial. In Deutschland könnte 80% der jährlich anfallenden 50 Millionen Tonnen Bauschutt recyclet werden. Aber so lange der Sand günstig ist, wird das nicht passieren.

Andere Forscher beschäftigen sich mit der Idee, Sand in Betongemischen mit einer Alternative zu substituieren. So auch das Team der Stanford und Brown Universität in den USA mit ihrem Projekt REGObrick: Es forscht an einer Methode, neue Werkstoffe mit Hilfe von Bakterien zu züchten, die den Sand im Beton ersetzten können. Meeressand könnte auch mit dem bislang für Beton untauglich geltenden Wüstensand substituiert werden. Die Firma Polycare Research Technology in Thüringen arbeitet an Techniken, Wüstenstand für die Bauindustrie interessant zu machen. Dabei wird der Sand mit Polyesterharzen gebunden, was den Sandkörnern Oberflächenhaftung verleiht und ihn damit auch zum Bauen nutzbar macht. Weitere denkbare Alternativen können auch Ton und Lehm sein.

 

  • Viele Grafiken zu dem Thema findet ihr hier: www.trademachines.com/info/sand
  • Hier findet ihr eine gute Grafik, die alle Fakten zum Thema Sand zusammenfasst.
  • Einen weiteren Lifeguide-Artikel mit Verbrauchertipps zum Thema Sand findet ihr hier
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