Die Upcyclin-Expertin

Doris Limmer aus Augsburg fertigt Hüte aus nahezu jedem Material

"Die Modistin aus der Scharnhorststraße". Das könnte der Titel eines französischen Spielfilms der Novelle Vague sein. Es ist aber allerschönste Augsburger Realität. In der Scharnhorststraße 2 in Lechhausen wartet hinter der unscheinbaren Tür einer Etagenwohnung eine Welt voller Esprit, Kreativität und überschwänglicher Phantasie. Dort hat die Modistenmeisterin Doris Limmer ihre Werkstatt.

Umgeben von Filz und Stroh, von Pailletten, Federn und hauchzarter Spitze übt sie ihr Handwerk aus. Für ihre Schaffenskraft scheint es keine Grenzen zu geben. Neben riesigen Hüten - gerade recht für ein Pferderennen in Ascot - hängen fragile Federgebilde und handfeste Hirschlederkappen. Ein strenger schwarzer Turban steht aufrecht neben einer flauschigen Winterhaube aus Mohair.

Jeder kann einen Hut tragen, wenn er oder sie es wirklich will und sich Zeit nimmt zum Anprobieren.“ Doris Limmer, Hutwerkstatt Augsburg

Das weiß Doris Limmer aus Erfahrung. „Sie dürfen einfach nicht nach dem dritten Hut aufgeben“, rät sie ihren Kund*innen.

 

Aus Omas alter Persianer-Jacke wird ein Turban

Eine Spezialität der Modistin sind Upcycling-Hüte und Kopfbedeckungen. So entsteht aus Omas alter Persianer-Jacke ein stylischer Pelz-Turban oder zu heiß gewaschene Wollpullover erwachen in Doris Limmers Händen zu einem zweiten Leben. „Kaschmirwolle ist mir am liebsten“, erzählt sie. Die Kunde*innen bringen ihr die verfilzten Reste eines Pullovers und sie formt daraus zum Beispiel eine schicke Kappe im Zwanziger-Jahre-Stil. Sogar alte Lieblings-Sweatshirts kann Doris Limmer weiterverarbeiten: Daraus wird ein luftiger Sonnenschutz für heiße Tage. Das ehemals elastische Taillen-Bündchen liegt jetzt am Kopf an.

 

Grenzenlose Kreativität

„Ich lasse mich immer und überall inspirieren – das kann ein modernes Sofa sein, bei dem mir die Farbkombination ins Auge fällt, das Muster einer Tasche oder die Anzeige einer Zeitung“, erzählt Doris Limmer. Kürzlich stach ihr beim Kleidertausch mit einer Freundin eine Pepita-Bluse ins Auge – das perfekte Material für den nächsten Turban, made by Doris Limmer. Auch vor ungewöhnlichen Werkstoffen, wie alten Schallplatten oder Verpackungsmaterial macht ihre Kreativität nicht Halt. Kombiniert mit einer Strumpfhose entsteht ein eleganter Hut.

Und damit die Käufer*innen auch wissen, was ihr Hut im vorigen Leben einmal war, fertigt Doris Limmer liebevolle Produkt-Anhänger, auf denen beispielweise ein pinkfarbener Kaschmirpulli zu sehen ist, den sie in eine Winterkappe verwandelt hat.

 

Angefangen hat alles im Haus der Hüte

Gelernt hat Doris Limmer den Beruf der Hutmacherin im renommierten „Haus der Hüte“ in der Augsburger Annastraße. Dort hat sie auch ihren Meister gemacht und Lehrlinge ausgebildet. Seit 1998 ist sie selbstständig. Alle Schnitte für ihre Hüte, Kappen und andere Kopfbedeckungen erarbeitet sie selbst. Fertigt sie einen Hut auf Bestellung an, wählt sie gemeinsam mit den Kunden aus der Fülle von Materialien und Formen einen Wunschhut aus. Dann wird probiert, was am besten aussieht und schließlich ein finales Meisterstück erstellt.

Und sie selbst - hat sie einen Lieblingshut? Doris Limmer lacht und schüttelt den Kopf – unmöglich eine Wahl zu treffen in dieser wunderbaren Welt, die das Leben einer Modistin ihr bietet.

 

INFOS:

Was ist eigentlich eine Modistin?

Laut Wikipedia: "Modisten fertigen Kopfbedeckungen aller Art zur allgemeinen Bekleidung und Kostümherstellung. Bis in das 20. Jahrhundert hinein beschränkten sich Modisten auf weibliche Kundschaft, während die Hutmacher die Kopfbedeckungen für Männer herstellten."

Alle, die gern einmal in Doris Limmers Hutwerkstatt vorbeischauen möchten, bitte vorher telefonisch anmelden:
Doris Limmer
Scharnhorststr.2
86165 Augsburg
Tel.: 0821 / 79 19 03
http://limmer-hutwerkstatt.de/

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Doris Limmer, Upcycling, Pelz-Upcycling, Augsburg, Hutwerkstatt, Hüte, Kappen, Hauben, Modistin, Foto: Kleeblatt Film

Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist Journalistin und Fotografin. Sie ist ein Fan von konstruktivem Journalismus. Der fragt nicht nur: „Was ist das Problem?“, sondern auch „Gibt es Lösungen oder Teillösungen – und wenn ja, welche?“ und „Sind diese Ideen auch alltagstauglich?“. Deshalb ist sie seit 2013 begeisterte Chefredeakteurin vom Lifeguide Augsburg. Denn hier kann sie von Menschen und Projekten erzählen, die unsere Welt verändern wollen – und zwar so, dass sie gerechter, umweltfreundlicher und lebenswerter wird. Von diesen Mutmacher*innen gibt es viele – und zwar direkt vor unserer Haustür, sagt Cynthia. Geprägt hat sie ihre heitere Kindheit in Köln und ihre Zeit im zweigeteilten Berlin – wo sie eine Lehre zur Fotografin absolvierte und mit Fotoaufträgen ihr Studium an der Freien Universität Berlin finanzierte. Sie hat sowohl für Printmedien und Hörfunk gearbeitet, als auch als PR-Referentin. Sie engagiert sich für Frauenrechte und glaubt nach wie vor an die Kraft der Sprache. Deshalb befürwortet sie auch das holprige, für notwendige Veränderungen aber in ihren Augen unentbehrliche, Gender-Sternchen*. Seit 2019 ist sie – zusammen mit den anderen Macher*innen des Lifeguide – stolze Trägerin des Augsburger Zukunftspreises.

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