Bio-Getreide aus der Region für die Region

Die RegioKorn-Partnerschaft der Augsburger BioBäckerei Schubert ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten

2022 feiert die RegioKorn-Partnerschaft der Augsburger BioBäckerei Schubert mit 14 Landwirt*innen aus der Region und der Meyermühle ihr zehnjähriges Jubiläum. Damit ist sie Vorbild für die stabile, gut funktionierende Zusammenarbeit in einer kompletten regionalen Lieferkette. Sowohl die Landwirte, als auch die Bäckerei Schubert setzen bei ihrer Kooperation auf kurze Lieferwege, hohe Bioqualität, gesicherte Ernteabnahme für die Landwirte, sowie feste Preise bei gleichbleibend hoher Qualität für das Bäcker-Handwerk.

Von der Aussaat des Biogetreides über die Weiterverarbeitung in der Mühle bis zum vollwertigen Bio-Brötchen dauert es ein Jahr. Was 2021 gesäht wird, kommt also pünktlich im Jubiläumsjahr als Brot oder Brötchen auf den Teller. Deshalb lud die BioBäckerei Schubert im November 2021 zu einer Aussaat-Aktion auf dem Biohof Hammerl in Kühnhausen-Pöttmes ein. Bei Nebel und feuchtkaltem Herbstwetter wanderten einige Familien und ihre Kinder auf den Acker am Katharinenberg und brachten das Saatgut aus. Als Belohnung für ihre Mühe dürfen sie den gesamten Jahreszyklus eines Brotes begleiten und werden 2022 im Juli bei der Ernte, im September in der Mühle und im Oktober beim Brotbacken dabei sein.

Mein Vater ist noch mit dem Auto über die Felder gefahren und hat geschaut, wo hier in der Region Bio-Getreide angebaut wird." Biobäcker Frank Schubert

Heinz Schubert gehörte mit seiner Biobäckerei 1973 zu den Umweltpionieren in Bayern. Heute führt Frank Schubert das Unternehmen in dritter Generation und kann auf langjährige Verträge mit den Biobäuer*innen zurückblicken.

 

Regelmäßige Absprachen fördern Vertrauen

Ein paar Mal im Jahr treffen sich alle 14 Schubert-Kornbauern mit Frank Schubert vor Ort - am Hof oder auf dem Feld - und tauschen sich aus. Durch dieses direkte Gespräch lernen sie voneinander, sehen den Aufwand für alle Beteiligten und können gemeinsam Verbesserungen voranbringen.

Wir sind froh über diesen Austausch und darüber, dass genau hingeschaut wird, wo das Getreide herkommt." Thomas Hammerl, Bio-Landwirt.

Der Bio-Landwirt Thomas Hammerl aus Kühnhausen-Pöttmes gehört zur Regiokorn-Partnerschaft. Er verteilt am Aktions-Vormittag geduldig Saatgut aus einem großen Sack an Kinder und Erwachsene, stapft mit ihnen über die fetten Schollen seines Feldes und tritt das Saatgut fest. „Dieses Feststampfen, die sogenannte Rückverfestigung, ist wichtig“, erklärt er.

Wir fühlen uns der Region verpflichtet, in der wir arbeiten und wohnen.“ Frank Schubert.

Für Frank Schubert ist es wichtig, zu wissen, wo das Getreide herkommt, das er verarbeitet.Leider gefährdet die industrielle Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden, Überdüngung und Flurbereinigung den Artenreichtum und schädigt Grundwasser und Böden. Kontrollierter Bio-Anbau dagegen ist im Einklang mit der Natur und sichert den Erhalt der natürlichen Vielfalt. In einem Bio-Feld wird man immer auch Kamillen- oder Mohnblüten finden. Das ist wiederum Nahrung für Nützlinge, wie Bienen und Schmetterlinge.

 

Langfristige Planung ist für Bio-Bäuer*innen wichtig

„Bio-Landwirtschaft ist sehr aufwendig. Hier sind intelligente Saattechniken und wechselnde Fruchtfolgen notwendig. Ein Bio-Landwirt kann nur alle drei Jahre auf der gleichen Fläche Getreide anbauen – deshalb ist langfristige Planung wichtig“, berichtet Frank Schubert.  

Wetterbedingte Schwankungen in der Erntemenge und dadurch stark schwankende Preise machen es den Bio-Bauern zusätzlich schwer. „Deshalb machen wir mit den Schubert-Kornbauern mehrjährige Lieferverträge. Mit einem Verbund aus inzwischen 14 Bioland-Bauern, die alle nicht weiter als 80 km entfernt sind. Wir garantieren unseren Bauern einen festen Preis und eine Abnahmemenge“, so Frank Schubert. Auch Josef Wetzstein, Landesvorsitzender des Bioland-Verbandes Bayern begrüßt die Zusammenarbeit.

Die RegioKorn-Partnerschaft ist eine gelungene Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette, die zeigt, wie wir ökologische Landwirtschaft stärken und etablieren können.“ Josef Wetzstein, Landesvorsitzender des Bioland-Verbandes Bayern

Josef Wetzstein lobt die Aussaat-Aktion auf dem Hammerl-Hof auch in Hinblick auf die jüngere Generation: „Das System Leben früh zu begreifen, zu fühlen, zu sehen und mitzuerleben – das ist wunderbar.“

Für Ulrich Deuter, von der Öko-Modellregion Stadt.Land.Augsburg ist die Idee der Regio-Partnerschaften auch für andere Produktionszweige interessant.

Grundsätzlich wären für uns solche Liefergruppen bei vielen Bio-Produkten denkbar und sinnvoll. Beim Getreide haben wir in Augsburg das Glück, dass wir engagierte Bio-Bäckereien haben, die solche Kooperationen eingegangen sind. Leider sieht es in anderen Bereichen, zum Beispiel bei Bio-Fleisch, noch nicht ganz so gut aus. Auch da würden wir uns noch mehr regionale Zusammenarbeit entlang der Lieferkette wünschen.“ Ulrich Deuter, von der Öko-Modellregion Stadt.Land.Augsburg

Nächster wichtiger Partner im Jahreszyklus des Brotes ist die Meyermühle. Sie holt das Getreide ab und liefert der Bäckerei Schubert im Gegenzug Mehle in den gewünschten Mahlgraden und gereinigtes, von einem Labor geprüftes Korn für die eigene Vollkorn-Mühle. „Wir brauchen jeden Tag gute Rohstoffe. Darauf müssen wir uns verlassen können, denn ohne Mehl kann auch der beste Bäcker nicht backen", sagt Frank Schubert, und schaut zufrieden über den nebligen Acker am Katharinenberg, wo gerade die Zutaten für sein Jubiläumsbrot heranreifen – regional und bio.

 

INFO:
Die Biobäckerei und Konditorei Schubert ist einer der Vollwert- und Umweltpioniere unter Bayerns Bäckern. Gegründet wurde der Betrieb 1935 in Bielitz in Oberschlesien. Seit 1954 ist er in Augsburg. Schon seit 1973 produziert die Biobäckerei Schubert Backwaren aus Bio-Getreide und trug damit dazu bei, dass biologische Landwirtschaft überhaupt möglich wurde. Auf Anfrage eines Kunden begann Heinz Schubert damals
vollwertige Brote zu backen. Heute beschäftigt die Biobäckerei Schubert am Produktionsstandort in Augsburg an der Berliner Allee 40 und in neun weiteren Verkaufsstellen mehr als 150 Mitarbeiter/innen. Frank Schubert führt das Unternehmen in dritter Generation. Mit Tradition und Liebe zum Handwerk konnte man bis heute ein vollumfassendes Biosortiment kreieren. Alle in der Bäckerei Schubert gebackenen Produkte entsprechen der EG Öko-Verordnung. Zudem wurde Schubert vom Bioland und Demeter-Verband zertifiziert.

Das sind die Schubert-KornBäuer*innen:

  • Michael Bauer, Rehling
  • Johann Ellenrieder, Ustersbach
  • Ernst Friedl, Alling
  • Franziskus Freiherr von Gumppenberg, Pöttmes
  • Klaus und Sybille Hafner, Feldheim-Niederschönenfeld
  • Hans Hammerl, Kühnhausen-Pöttmes
  • Biohof Herr GbR, Niederschönenfeld
  • Xaver Huttner, Marbach-Neuburg an der Kammel
  • Gerhard Kölbl, Rederzhausen-Friedberg
  • Biohof Marquart GbR, Friedberg
  • Markus Jakob, Allmering-Rehling
  • Richard Gastl, Thierhaupten
  • Christoph Reiner, Petersdorf (ab Ernte 2022)
  • Christina und Ludwig Koller, Burgstall-Ried (ab Ernte 2022)
Dinkel, sähen, BioBäckerei Schubert, Biohof Hammerl, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Dinkel. Foto: Cynthia Matuszewski
Dinkel, sähen, BioBäckerei Schubert, Biohof Hammerl, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Bioland, Josef Wetzstein, Janina Schubert, Frank Schubert, Thomas Hammerl, Foto: Cynthia Matuszewski
Dinkel, Keimling, Foto: Cynthia Matuszewski
Dinkel, sähen, BioBäckerei Schubert, Biohof Hammerl, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Frank Schubert, BioBäckerei Schubert, Augsburg, Foto Cynthia Matuszewski
Dinkel, sähen, BioBäckerei Schubert, Biohof Hammerl, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Dinkel, sähen, BioBäckerei Schubert, Biohof Hammerl, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Dinkel, sähen, BioBäckerei Schubert, Biohof Hammerl, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski

Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist Journalistin und Fotografin. Sie ist ein Fan von konstruktivem Journalismus. Der fragt nicht nur: „Was ist das Problem?“, sondern auch „Gibt es Lösungen oder Teillösungen – und wenn ja, welche?“ und „Sind diese Ideen auch alltagstauglich?“. Deshalb ist sie seit 2013 begeisterte Chefredeakteurin vom Lifeguide Augsburg. Denn hier kann sie von Menschen und Projekten erzählen, die unsere Welt verändern wollen – und zwar so, dass sie gerechter, umweltfreundlicher und lebenswerter wird. Von diesen Mutmacher*innen gibt es viele – und zwar direkt vor unserer Haustür, sagt Cynthia. Geprägt hat sie ihre heitere Kindheit in Köln und ihre Zeit im zweigeteilten Berlin – wo sie eine Lehre zur Fotografin absolvierte und mit Fotoaufträgen ihr Studium an der Freien Universität Berlin finanzierte. Sie hat sowohl für Printmedien und Hörfunk gearbeitet, als auch als PR-Referentin. Sie engagiert sich für Frauenrechte und glaubt nach wie vor an die Kraft der Sprache. Deshalb befürwortet sie auch das holprige, für notwendige Veränderungen aber in ihren Augen unentbehrliche, Gender-Sternchen*. Seit 2019 ist sie – zusammen mit den anderen Macher*innen des Lifeguide – stolze Trägerin des Augsburger Zukunftspreises.

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