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Mikroplastik - Die unsichtbare Gefahr

Mikroplastik - Die unsichtbare Gefahr
Die Verschmutzung der Umwelt durch Plastik ist eines der größten ökologischen Probleme weltweit. Allein in Deutschland werden jährlich 14,5 Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht, also 176 kg pro Kopf.
Mikroplastik, die unsichtbare Gefahr.  Foto: Cynthia Matuszewski

Die Verschmutzung der Umwelt durch Plastikmüll ist eines der größten ökologischen Probleme weltweit. Laut einer Studie des Fraunhofer Instituts aus dem Jahr 2018 werden allein in Deutschland jährlich 14,5 Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht. Das entspricht einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 176 kg pro Jahr. Mit diesem Konsum geht auch die Verunreinigung der Natur mit Plastik einher, denn pro Jahr gelangen 3,1 Prozent (446.000 Tonnen) der Gesamtmenge an verwendetem Kunststoff in die Umwelt.

Jeder Deutsche ist demnach im Durchschnitt dafür verantwortlich, dass jährlich 5,4 kg Plastikmüll in die Natur gelangen. Diese Emissionen setzen sich aus 26 Prozent Makroplastik und 74 Prozent Mikroplastik zusammen. Das bedeutet, dass dem sichtbaren Plastikmüll wie Tüten und Folien die dreifache Menge an unsichtbarem Mikroplastik gegenübersteht. Dieser Anteil ist noch gefährlicher, denn über das Vorkommen und die Verteilung in der Umwelt sowie die Auswirkungen von Mikroplastik auf Mensch und Natur ist nur wenig bekannt.

 

 

Was ist Mikroplastik überhaupt?

Mikroplastik besteht wie jegliche Form von Plastik aus Kunststoff. Die Teilchen sind mikroskopisch klein und deshalb nur schwer mit bloßem Auge erkennbar. Das Mikroplastik lässt sich in zwei verschiedene Arten unterteilen: Unter primärem Mikroplastik versteht man das Grundmaterial, was für die verarbeitende Industrie hergestellt wird. Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Plastikpartikel bei Verwitterungsprozessen zerfallen. Dazu gehören zum Beispiel die Brandung und die Sonneneinstrahlung. Beide Formen von Mikroplastik haben gemeinsam, dass sie sowohl fest als auch unlöslich sind. Aus diesem Grund sind sie nicht biologisch abbaubar und verbleiben deshalb Jahrzehnte in der Umwelt. Siehe auch Lifeguide-Artikel von Torsten Mertz

 

 

Die Verschmutzung heimischer Gewässer durch Mikroplastik

Bisher ist nur sehr wenig über das Vorkommen und die Verbreitung von Mikroplastik in deutschen Flüssen und Seen bekannt. Seit 2014 finden jedoch bundesländerübergreifende Untersuchungen in Süd- und Westdeutschland in verschiedenen Binnengewässern wie dem Rhein, der Donau oder dem Bodensee statt. Die Ergebnisse sind erschreckend: Mikroplastik kommt an jeder Probestelle vor. Dabei scheint der Rhein besonders betroffen zu sein. An insgesamt elf Stellen nahmen Wissenschaftler Proben von der Oberfläche des Flusses. Der durchschnittliche Konzentrationswert beträgt 892.777 Mikroplastik-Teilchen pro Quadratkilometer. Während der Rhein bis Mainz noch relativ gering belastet ist, ist das Rhein-Ruhr-Gebiet besonders stark verschmutzt. Die höchste Partikelanzahl ließ sich in Rees nahe der niederländischen Grenze messen: 3,9 Millionen Plastikteilchen pro Quadratkilometer. Geht man von diesem Wert aus, so ist davon auszugehen, dass der Rhein jeden Tag 191 Millionen Mikroplastik-Partikel in den Atlantik einträgt. Am häufigsten kommen besonders kleine Partikel vor, die nur mit dem Mikroskop zu erkennen sind. Die Studien zeigen außerdem, dass die Binnengewässer mittlerweile fast genauso stark von Mikroplastik belastet sind wie die Küstenbereiche.

 

Die Verschmutzung der Meere durch Mikroplastik

Bei bisherigen Untersuchungen über das Vorkommen von Mikroplastik in der Umwelt lag der Fokus vor allem auf den marinen Ökosystemen. Erstmals wurde Mikroplastik in den 1970er-Jahren im Meer nachgewiesen. Mittlerweile haben zahlreiche Studien gezeigt, dass die Weltmeere sehr stark von Plastikmüll verschmutzt sind. Bei dem sich im Meer befindenden Partikeln handelt es sich vor allem um sekundäres Mikroplastik, denn die Wellen und der Wind zerkleinern größere Plastikteile in kleines, also sekundäres Mikroplastik. Die Plastikteilchen wurden bisher in mehr als 1.200 Fischarten nachgewiesen, darunter auch in Plankton, der wichtigsten Nahrungsgrundlage vieler Lebewesen im Ozean.

 

 

Welche Auswirkungen hat Mikroplastik auf die Umwelt?

Genauso wie über das Vorkommen in der Umwelt ist ebenfalls nicht viel über die Auswirkungen von Mikroplastik bekannt. Es steht jedoch fest, dass sich Mikroplastik heute schon in den Nahrungsketten befindet. Besonders leichte Plastikpartikel schwimmen im Meer an der Wasseroberfläche und werden dort von Kleinstlebewesen gefressen. Diese stellen wiederum die Nahrungsgrundlage vieler Fische dar. Meeressäuger, Vögel und schließlich auch wir Menschen ernähren uns von diesen Fischen und so landet das Mikroplastik auch bei uns auf dem Teller. In verschiedenen Lebensmitteln wie Meeresfrüchten, Meersalz, Honig und Bier fand man bereits die winzigen Plastikpartikel.

Wissenschaftler*innen nehmen an, dass die Aufnahme von Mikroplastik durch verschiedene Organismen viele Folgen haben kann: Zum einen kann sich das Gewebe verändern oder es können Entzündungen entstehen. Zum anderen sind in den Kunststoffen auch Giftstoffe enthalten, die im Körper nach der Aufnahme wieder freigesetzt werden und eine toxikologische Reaktion hervorrufen können. Stoffe wie beispielsweise Weichmacher, sogenannte Additive, gelangen so ins Blut und werden vom Organismus gespeichert. Das kann zu hormonellen Veränderungen im Körper führen. Bei kleineren Lebewesen kann die Aufnahme der Teilchen zu inneren Verletzungen und somit schließlich zum Tod führen. Außerdem versucht man derzeit herauszufinden, ob Mikroplastik möglicherweise auch Viren und Bakterien überträgt. Des Weiteren zieht Mikroplastik in der Umwelt Schadstoffe an wie ein Magnet. Das liegt an den physikalischen und chemischen Eigenschaften von Kunststoffen. Deshalb ist die Schadstoffkonzentration um die im Wasser schwimmenden Partikel besonders hoch. Frisst ein Lebewesen die Plastikteilchen, nimmt es folglich alle Schadstoffe mit auf.

 

 

Wie gelangt Mikroplastik in die Umwelt?

Nun stellt sich die Frage, wie und in welchem Ausmaß Mikroplastik in die Umwelt gelangt und wer für diese Einträge verantwortlich ist. In Deutschland gelangen laut einer Studie des Fraunhofer Instituts jährlich 330.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Der Verkehr verursacht dabei den größten Anteil an dieser Menge, gefolgt vom privaten Konsum und dem produzierenden Gewerbe. Genauer gesagt entsteht besonders viel Mikroplastik durch den Abrieb von Reifen, Asphalt sowie Fahrbahnmarkierungen. Aber auch die Verwehungen von Sport- und Spielplätzen mit eingestreutem Gummigranulat oder die beim Waschen synthetischer Kleidung freigesetzten Fasern liefern einen erheblichen Anteil. Außerdem enthalten viele unserer alltäglichen Produkte wie Kosmetika oder Reinigungsmittel oft feinste Plastikteilchen und flüssigen Kunststoff. Wenn wir sie benutzen, gelangen die Partikel über die lokalen Abwässer in die Kläranlagen. Dort wiederrum können die Teilchen nur bedingt herausgefiltert werden, so landen sie auf diesem Weg in unseren Flüssen und Gewässern und schließlich im Meer. Durch die Meeresströmungen verteilt sich das Mikroplastik dann im gesamten Ozean. Somit nehmen verschiedene Organismen das Mikroplastik auf und ab diesem Moment besteht es in der Nahrungskette. Dabei ist die Größe des Plastikmülls entscheidend: Je kleiner der Plastikmüll, desto mehr Lebewesen sind betroffen und je kleiner die Teilchen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Mikroplastik mit der Nahrung aufgenommen wird.

 

 

Was tut die Politik gegen Mikroplastik?

Im Mai 2019 verabschiedete das EU-Parlament ein Plastik-Verbot, wodurch bis zum Jahr 2021 zahlreiche Produkte aus Plastik wie Strohhalme und Wattestäbchen aus den Supermärkten verschwinden sollen. Diesem Richtlinienentwurf sollen weitere folgen, um auch den Verbrauch anderer Einweg-Produkte zu reduzieren. In Deutschland ist Anfang 2019 das neue Verpackungsgesetz in Kraft getretten. Dadurch sollen sich die Recyclingquoten von den heutigen 36 Prozent auf 63 Prozent im Jahr 2022 steigern. Außerdem sollen Kunststoffabfälle besser gesammelt werden, was den Eintrag von Plastikmüll in die Umwelt verringert. Auch dem Problem des Mikroplastiks will sich die Bundesregierung stellen. Zusammen mit der Industrie hat man sich das Ziel gesetzt, Mikroplastik aus kosmetischen Produkten zu verbannen. Statt den Kunststoffpartikeln möchten die Hersteller zukünftig Mandelkleie und Walnussmehl einsetzen. Im europäischen Vergleich hinkt Deutschland jedoch weiterhin hinterher. Während es in Ländern wie Schweden, Italien und Großbritannien schon länger ein Verbot von Kunststoffpartikeln in Kosmetika gibt, besteht in der Bundesrepublik noch kein solche rechtliche Rahmenbedingung. Daher ist es wichtig, sich dafür einzusetzen, dass Mikroplastik auch in Deutschland verboten wird.

 

 

Was können wir gegen Mikroplastik tun?

Mit den Alternativen zu Plastik kennt sich die 47-jährigen Sylvia Schaab bestens aus, schließlich leben sie und ihre Familie seit mehreren Jahren plastikfrei. Ihr Tipp für die Vermeidung von Mikroplastik lautet folglich: „Am besten soweit wie möglich auf Plastik verzichten“. Um Mikroplastik im Alltag zu vermeiden, sei es zunächst einmal sehr wichtig, den eigenen Müll zuhause ordnungsgemäß zu trennen und zu entsorgen, sagt sie. Denn tut man es nicht, gelangt Plastikmüll in die Umwelt und zersetzt sich dort zu Mikroplastik.

Außerdem sollte man vor allem bei den Inhaltsstoffe von Kosmetika und Reinigungsmittel auf Mikroplastik achten. "Als flüssiger Kunststoff oder in Form kleiner Schleifpartikel, die unsere Haut glatter machen sollen, wird Mikroplastik in unsere Cremes und Peelings gemischt, “ berichtet Sylvia Schaab, die mit ihrer fünfköpfigen Familie plastikfrei lebt.

 

Bei der Produktkennzeichnung sind Kunststoffe unter der Bezeichnung „Poly“ aufgeführt. Ob in einem Produkt Plastik enthalten ist, zeigen auch diverse App wie beispielsweise „Codecheck“. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland veröffentlicht ebenfalls einen Einkaufsratgeber und eine Liste mit Produkten, in denen immer noch Kunststoffe und Mikroplastik enthalten sind. Eine andere Möglichkeit ist, die Produkte von Naturkosmetikherstellern zu kaufen oder man kann einige Produkte auch selbst herstellen. Eine gute Anlaufstelle für DIY-Rezepte stellt zum Beispiel die Website smarticular.de oder auch der Lifeguide dar. Wie bereits erwähnt, lösen sich beim Waschen von Kunststoff-Kleidung kleine Fasern ab und gelangen ins Waschwasser. Das kann man verhindern, indem man sie mit den Waschbeutel von Guppyfriend wäscht. Er verringert nicht nur den Faserabbruch und hält Partikel zurück, sondern verliert auch selbst keine Fasern.

 

„Wer mehr machen möchte, nimmt zum Spazierengehen einfach eine Tüte mit und sammelt herumliegenden Müll auf“, rät Sylvia Schaab. Es gibt aber auch organisierte Müllsammelaktionen wie beispielsweise „Sauber ist in“, an denen man sich beteiligen kann. Des Weiteren gibt es Initiativen wie das Forum Plastikfreies Augsburg, welches die Möglichkeit bietet, sich in monatlichen Stammtischen in Augsburg, Friedberg, Schwabmünchen, Königsbrunn und Thierhaupten mit anderen Menschen über die Reduzierung von Plastik im Alltag auszutauschen. Weitere Informationen und aktuelle Studien lassen sich außerdem auf der Website www.mikroplastik.de finden.

 

 

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Mehr über plastikfreies Leben in Augsburg erfahren Sie außerdem auf Websites von Andrea Maiwald und Sylvia Schaab:

 

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Unser Lifeguide wird Thema einer Masterarbeit

Unser Lifeguide wird Thema einer Masterarbeit
Die Webdesignerin Eva Bäumel überarbeitet in ihrer Masterarbeit unser Webdesign.
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Drei gute Jahre

Am 15. Juli gibt es den Lifeguide drei Jahre. Seitdem arbeiten wir voller Elan, mit viel ehrenamtlichem und professionellem Engagement und mit zahlreichen, tollen Unterstützer*innen an unserem werbefreien, nicht kommerziellen Internetportal. Wir wollen Ihnen und Euch zeigen: Wie, wo und wodurch kann Nachhaltigkeit in unserer Region und darüber hinaus funktionieren? Das mache wir mit Terminen, Lifeguide-Orten und Magazinbeiträgen. Und während wir den Lifeguide-Redaktions-Alltag bewältigt haben, ein Buch verfasst, zwei Uni-Seminare gegeben und einen Stadtrundgang auf die Beine gestellt haben, fiel immer wieder eine große Baustelle unter den Tisch: Unser Webauftritt. Drei Jahre sind eben auch ver...   kurz, viel mehr passte einfach nicht hinein.

 

Neue Ziele

Nun hatten wir das Glück, im Frühjahr 2019 Elfgenpick und Eva Bäumel zu finden. Elfgenpick ist unsere neue Agentur, die uns mit Wo*Menpower und Elan unterstützt und die sich bereit erklärt hat, mit einer Masterstudentin zusammenzuarbeiten. Und Eva Bäumel ist eine Webdesignerin, die ihre Masterarbeit unbedingt über eine NGO schreiben wollte. Studiert hat sie in an der Dualen Hochschule Ravensburg; danach für diverse Werbeagenturen und als Freelancerin gearbeitet. Derzeit lebt sie in Berlin und ihre Masterarbeit entsteht an der Technischen Hochschule Brandenburg an der Havel im Studiengang Digitale Medien.

 

"Da ich mich sehr für Nachhaltigkeit interessiere und meine Masterarbeit im Bereich UI/UX-Design und Webdesign mache, freue ich mich sehr, für den Lifeguide Augsburg ein neues Webdesign & eine Web-App zu entwickeln.“ Eva Bäumel, Webdesignerin.

 

Kurzer Satz, große Freude. UX steht übrigens für User Experience, also wie erleben User*innen die Anwendung, wie werden Informationen dargestellt und wie navigieren die User*innen? Und UI ist das User Interface, also wie die App aussieht. Unsere Umfrage zu UX ist seit dem 17. Juni 2019 abgeschlossen. 146 User*innen nahmen im Mai und Juni 2019 an unserer Leser*innen-Befragung teil. Die Ergebnisse werden im Lifeguide praktisch umgesetzt und fließen in Eva Bäumels Masterarbeit ein.

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Selber machen!

Selber machen!
Einsatz für ein zukunftstaugliches Leben
Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Pica Pau, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering

Wie erfolgreich bürgerschaftliches Engagement sein kann, zeigt sich in Mering bei Augsburg. Die Gemeinde zählt rund 15.000 Einwohner. 2015 beschlossen acht von ihnen, sich für mehr Nachhaltigkeit vor Ort einzusetzen. Sie gründeten das „Bündnis für Nachhaltigkeit in Mering“. Inzwischen sind es 16 Aktive, die das Zukunftskino, die Zukunftstour, den Zukunftsbecher und weitere nachhaltige Projekte realisiert haben. Am 7. Juli 2019 findet zum dritten Mal der Zukunftsmarkt in Mering statt - ein Fest der Nachhaltigkeit, das mittlerweile über die Grenzen Merings hinaus bekannt ist.

Zu den Engagierten gehören unter anderem Lehrer*innen, Sozialpädagog*innen, Banker*innen, Biolog*innen, Ruheständler*innen und Aktive aus Kirche und Politik. Sie treffen sich einmal im Monat, um ihr ehrenamtliches Engagement zu koordinieren. Neben gut recherchierten Basis-Informationen auf ihrer Website wollen sie vor allem zeigen, wo in der Gemeinde bereits nachhaltige Ideen realisiert wurden und welche praktikablen Lösungen es für ein umweltverträgliches, zukunftstaugliches Leben gibt.

Wir wollen nicht nur gegen etwas sein, sondern Ideen entwickeln, zeigen, dass wir etwas ändern können." Michael Dudella, Sozialpädagoge, Gründungsmitglied des Zukunftsbündnisses.

Eine dieser Ideen ist der Zukunftsbecher, ein Meringer Statement gegen die weltweit 6,4 Milliarden Coffee-to-go Pappbecher, die jährlich in den Müll wandern. Ein kompostierbarer, spülmaschinenfester, unter fairen Bedingungen produzierter Bambusbecher ohne Weichmacher, den es seit 2017 gibt.Auch für das Vermeiden von Verpackungsmüll hat sich das Bündnis für Nachhaltigkeit stark gemacht. Unter dem Motto „Einweg ist kein Weg“ warben sie in den Läden dafür, dass Kundinnen und Kunden zum Einkauf von Wurst, Käse oder Fleisch ihre eigene Box über die Theke reichen dürfen. Seit Juli 2018 prangt an der Tür von über 25 Verkaufsstellen in Mering der Aufkleber „Ja –Mehrweg, Müll vermeiden im Wittelsbacher Land - Nachhaltiges Mering“.

Reduktion auf das Wesentliche ist eine Lebensqualität und der Schlüssel für eine nachhaltige Welt." Constanze von Tucher, Bündnis für Nachhaltigkeit.

In Sachen Mehrweg statt Einweg ist übrigens das gesamte Wittelsbacher Land vorbildlich. Das Landratsamt Aichach-Friedberg hat für das Mitbringen eigener Behälter sogar eigens Hygienerichtlinien zusammengestellt.

Eine weitere Idee des Meringer Zukunftsbündnisses ist das Zukunftskino. Das sehr erfolgreiche Konzept sieht eine Mischung aus Film und Podiumsdiskussion vor. Zu Themen wie Flächenfraß, Landwirtschaft oder Plastik sparen wird 45 Minuten lang Wissen vermittelt. Im Anschluss beantworten geladene Gäste Fragen. "Uns ist vor allem wichtig, in dieser Diskussion ein sachliches Thema herunter zu brechen und zu klären: was kann ich hier vor Ort, in meinem Alltag tun?", berichtet Michael Dudella.

Wir wollen die Menschen nicht ratlos nach Hause schicken." Michael Dudella.

Für 2019 hat das Bündnis außerdem einen nachhaltigen Stadtrundgang und eine Zukunfts-Rad-Tour zu nachhaltigen Orten geplant.

 

Im Zukunftsforum neue Ideen entwickeln

Und was ist, wenn dem Bündnis einmal die Ideen ausgehen? Hier setzen die Aktiven auf die Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern, Vereinsvorsitzenden, Gemeinderäten und anderen Ideengeber*innen, die einmal im Jahr zu einem Zukunftsforum eingeladen werden. Bei diesem konstruktiven Treffen geht es ungefiltert um kleine Wünsche, spontane Ideen und langfristige Visionen für eine nachhaltige Zukunft. Vom neuen Fahrrad-Highway bis zur autofreien Innenstadt, vom Pflanzenflohmarkt bis zur Kleiderbörse werden erst einmal alle Ideen gesammelt.

 

25 Initiativen kommen zum Zukunftsmarkt 2019

Höhepunkt des Jahres 2019 wird ganz sicher der Zukunftsmarkt in Mering. Im Juli stellen sich rund 25 nachhaltige Initiativen, Projekte und Unternehmen aus der Region vor. „Unser Zukunftsmarkt ist kein Verkaufsmarkt“, betont Dudella. Vielmehr können hier die Menschen mit dem nachhaltigen Schreiner, der Recycling-Modemacherin, dem regionalen Bio-Eis-Hersteller und vielen anderen Nachhaltigkeits-Akteuren ins Gespräch kommen. Auch der Bienenstock „in Betrieb“ oder die Schafe vom Erlebnisbauernhof freuen sich über einen Besuch. Auf der Bühne werden in Kurz-Vorträgen nachhaltige Ideen vorgestellt und regionale Künstlerinnen gestalten ihre Interpretation von Nachhaltigkeit. „2019 sind wir erstmals auch auf Schulen und Kindergärten zugegangen und freuen uns auf deren Input“, berichtet Michal Dudella.

Um ein solches Fest und seit vier Jahren ein solches Engagement stemmen zu können, bedarf es guter Zusammenarbeit.

Jeder bringt seine Talente ein. Die Praktiker organisieren und bauen auf, die Kontaktfreudigen sprechen Helfer an und die Grafiker arbeiten an der Website." Michael Dudella.

„Das Engagement funktioniert aber auch deshalb so gut, weil wir eine starke Gemeinschaft sind. Wir haben Spaß an dem, was wir tun“, ergänzt Dudella. Außerdem gibt ihnen das positive Feedback aus der Bevölkerung immer wieder Rückenwind und neuen Elan.

Rudi Kaiserswerth, Mitinitiator des Meringer Bündnisses fasst seine Motivation so zusammen:

„Viele Einzelne zusammen können große Veränderungen bewirken.“

Der Zukunfts-Markt-Mering 2019Sonntag, den 7. Juli 2019, von 12:00 bis 18:00 UhrBei gutem Wetter im Lippgarten Mering, bei schlechtem Wetter in der Meringer Mehrzweckhalle. Der endgültige Veranstaltungsort wird am Samstag, den 6. Juli 2019 bekanntgeben.

 

Dieser Artikel entstand in Kooperation mit Ahochdrei. Leben. Wohnen. Arbeiten. Das Fachkräfte-Magazin für den Wirtschaftsraum Augsburg, Heft 2/ 2019.

 

Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Cynthia Matuszewski
Zukunftsfest in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Cynthia Matuszewski
Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftsfest in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
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Zukunftstour in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit, Mering.
Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftsfest in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftskino, Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftskino in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Bündnis für Nachhaltigkeit Mering, Nachhaltiges Mering, Mering, Augsburg, Bürgerschaftliches Engagement, zukunftstaugliches Leben, enkeltauglich, enkeltauglich leben, Zukunft, Umweltschutz, Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftsfest in Mering bei Augsburg. Seit 2015 engagieren sich Menschen in der 15.000-Einwohner-Gemeinde im Bündnis für Nachhaltigkeit für ein zukunftstaugliches Leben. Foto: Bündnis für Nachhaltigkeit Mering
Zukunftsbecher, Bambusbecher
Der Zukunftsbecher aus Mering - seit Dezember 2017 im Handel
Zukunftsfest Mering. Foto:Cynthia Matuszewski
Zukunftsfest Mering. Foto:Cynthia Matuszewski
Zukunftsfest Mering. Lernort Bauernhof. Foto: Cynthia Matuszewski
Zukunftsfest Mering. Lernort Bauernhof. Foto: Cynthia Matuszewski
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Das Schwabencenter lebt!

Das Schwabencenter lebt!
Trommeln, Korso mit Einkaufswagen und Kundgebung
 Wohnzimmer im Schwabencenter, Augsburg, Schwabencenter, Begegnungsstätte, Einkaufen, Versorgung, lebendiges Stadtviertel, Einkaufen, Foto: Schwabencenter/Cynthia Matuszewski

So voll war das Schwabencenter schon lange nicht mehr! Über 150 Menschen waren am 18. Mai 2019 auf Einladung des „Wohnzimmers im Schwabencenter“ gekommen, um mit den Trommlern von Pica Pau, einem bunten Korso aus Einkaufswagen und einer Kundgebung für den Erhalt ihres Schwabencenters zu demonstrieren. Ihre Aktion „Fünf vor zwölf“ wurde von Bürgermeisterin Eva Weber sowie sieben Augsburger Stadträten unterstützt. Insgesamt 350 Menschen setzten sich mit ihrer Unterschrift für den Erhalt der Passage als Einkaufscenter und Begegnungsort ein.

„Die erste Unterschrift erhielten wir bereits um 8.00 Uhr in der Früh. Das war eine 94 Jahre alte Dame, die auf den Einkauf im Schwabencenter angewiesen ist“, berichtet Lisa Schuster von der AWO Quartiersentwicklung Herrenbach, Textilviertel und Spickel.  Sie engagiert sich im „Wohnzimmer im Schwabencenter“ und weiß, wie wichtig vor allem für ältere Menschen die Nahversorgung ist. Nachdem Rossmann die Passage verließ und Edeka gleichfalls seinen Rückzug angekündigt hat, stehen immer mehr Läden leer. So stand auf einem Demo-Plakat auch ein trauriges „Adieu Edeka, wir werden dich vermissen!“

Das Schwabencenter ist auch für die umliegenden Stadtviertel wichtig

Aber auch für die Schülerinnen und Schüler der Grund- und Mittelschule Herrenbach ist das Einkaufszentrum ein wichtiger Anlaufpunkt. In ihrer Ausstellung „Mein Wunschschwabencenter“ zeigen sie, welche Läden sie sich hier wünschen. Eine Tierhandlung und ein Imbiss stehen ganz oben auf ihrer Liste. Insgesamt leben 1.600 Menschen allein in den drei Hochhäusern am Schwabencenter und es liegt im Einzugsbereich der Stadtviertel Herrenbach, Hochzoll und dem Spickel. Um ihre Verbundenheit mit dem Schwabencenter zu zeigen, waren auch die Kirchengemeinden St. Matthäus und St. Andreas zum Aktionstag gekommen – sie servierten Kaffee und Kuchen.

Das Wohnzimmer ist der Dorfplatz

Für die Menschen im Wohnzimmer im Schwabencenter ersetzt ihr Begegnungscenter den fehlenden Dorfplatz. Ihr Beitrag zur Aktion „Fünf vor Zwölf“ war ein großer Flohmarkt. „Im Wohnzimmer entstehen so tolle Gespräche, wir haben Spaß und wir tauschen unser Wissen aus“, betont Albert, der alle zwei Wochen als „Elektroflüsterer“ kostenlos Elektrogeräte repariert. Außerdem sind Singen, Handarbeiten oder der Spieleabend ein gutes Rezept gegen Vereinsamung. „Die älteren Leute kommen ja nicht mehr so weit und freuen sich auf ihre Kanasta-Nachmittage“, berichtet Anneliese Blank, die einmal in der Woche im Wohnzimmer Karten spielt. Norbertine Klemm geht mindestens drei Mal in der Woche ins Wohnzimmer. Während sie fleißig Unterschriften für ein lebendiges Schwabencenter sammelt sagt sie „Wir freuen uns doch alle, wenn wieder Leben ins Schwabencenter kommt.“

 

Eva Weber: „Ich verspreche Ihnen, dass wir uns darum kümmern werden.“

„Ich bin überwältigt, wie viele Menschen heute gekommen sind“, sagt Lisa Schuster bei der Kundgebung. Besonders ein Satz ihrer Rede erhält viel Applaus: „Wir leben hier, wir kaufen hier ein, wir treffen uns hier – also brauchen wir hier auch eine Zukunft!“

Nachdem seit Jahren ein Umbau des Schwabencenters geplant war und immer mehr Läden die Passage verließen, wurde das Einkaufscenter vor wenigen Wochen an die Augsburger Immobilienfirma Solidas verkauft. Damit stehen die Pläne wieder ganz am Anfang. Bürgermeisterin Eva Weber betont in ihrer Ansprache, dass die Stadt Augsburg das Schwabencenter erhalten möchte – und zwar sowohl als wichtiges Einkaufscenter, als auch als einen Ort, wo „man sich begegnet und auch einmal miteinander ratscht“. Mit dem neuen Augsburger Eigentümer habe die Stadt einen guten Ansprechpartner. „Ich verspreche Ihnen, dass wir uns darum kümmern werden“, sagt sie.Das Wohnzimmer im Schwabencenter: 2015 wurde das Nachbarschafts- und Begegnungszentrum von der Initiative Lebensraum Schwabencenter und der AWO Quartiersentwicklung Herrenbach, Textilviertel und Spickel ins Leben gerufen. In einem ehemaligen Ladenlokal bietet Das Wohnzimmer jeden Monat ein abwechslungsreiches Programm: vom gemeinsamen Singen, Spielen, Handarbeiten, Kreativen Schreiben oder Malen, über Hilfen bei Handy- und Computerproblemen, Reparaturen vom Elektroflüsterer und nachbarschaftliche Gesprächsrunden, bis hin zu Bildungsangeboten zum Thema nachhaltiger Lebensführung und konkrete fachliche Beratung für Senioren, sowie die Sprechstunde der Suchtberatung. Durch die Verbindung mit dem Projekt „Grünes Schwabencenter“ wird besonders ökologisches und nachhaltiges Leben und Denken gefördert.

 

Wohnzimmer im Schwabencenter, Augsburg, Schwabencenter, Begegnungsstätte, Einkaufen, Versorgung, lebendiges Stadtviertel, Einkaufen, Foto: Schwabencenter/Cynthia Matuszewski
Das Schwabencenter soll ein lebendiges Einkaufscenter und ein Begegnungsort bleiben! Dafür demonstrierten und unterschrieben am 18. Mai 2019 über 150 Menschen in Augsburg. Foto: Schwabencenter/ Cynthia Matuszewski
Wohnzimmer im Schwabencenter, Augsburg, Schwabencenter, Begegnungsstätte, Einkaufen, Versorgung, lebendiges Stadtviertel, Einkaufen, Foto: Schwabencenter/Cynthia Matuszewski
Das Schwabencenter soll ein lebendiges Einkaufscenter und ein Begegnungsort bleiben! Dafür demonstrierten und unterschrieben am 18. Mai 2019 über 150 Menschen in Augsburg. Foto: Schwabencenter/ Cynthia Matuszewski
Wohnzimmer im Schwabencenter, Augsburg, Schwabencenter, Begegnungsstätte, Einkaufen, Versorgung, lebendiges Stadtviertel, Einkaufen, Foto: Schwabencenter/Cynthia Matuszewski
Das Schwabencenter soll ein lebendiges Einkaufscenter und ein Begegnungsort bleiben! Dafür demonstrierten und unterschrieben am 18. Mai 2019 über 150 Menschen in Augsburg. Foto: Schwabencenter/ Cynthia Matuszewski
Wohnzimmer im Schwabencenter, Augsburg, Schwabencenter, Begegnungsstätte, Einkaufen, Versorgung, lebendiges Stadtviertel, Einkaufen, Foto: Schwabencenter/Cynthia Matuszewski
Das Schwabencenter soll ein lebendiges Einkaufscenter und ein Begegnungsort bleiben! Dafür demonstrierten am 18. Mai 2019 über 150 Menschen in Augsburg. Foto: Schwabencenter/ Cynthia Matuszewski
Wohnzimmer im Schwabencenter, Augsburg, Schwabencenter, Begegnungsstätte, Einkaufen, Versorgung, lebendiges Stadtviertel, Einkaufen, Foto: Schwabencenter/Cynthia Matuszewski
Das Schwabencenter soll ein lebendiges Einkaufscenter und ein Begegnungsort bleiben! Dafür demonstrierten am 18. Mai 2019 über 150 Menschen in Augsburg. Foto: Schwabencenter/ Cynthia Matuszewski
Wohnzimmer im Schwabencenter, Augsburg, Schwabencenter, Begegnungsstätte, Einkaufen, Versorgung, lebendiges Stadtviertel, Einkaufen, Foto: Schwabencenter/Cynthia Matuszewski
Das Schwabencenter soll ein lebendiges Einkaufscenter und ein Begegnungsort bleiben! Dafür demonstrierten am 18. Mai 2019 über 150 Menschen in Augsburg. Foto: Schwabencenter/ Cynthia Matuszewski
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Augsburger Jugendliche unterwegs in Europa

Augsburger Jugendliche unterwegs in Europa
Erasmus Projekte eröffnen neue Perspektiven
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,

Zwei Jahre lang trafen sich Schülerinnen und Schüler des Augsburger Maria Theresia Gymnasiums und des Holbein Gymnasiums mit ihren Partnerschulen in Spanien, Holland und England. Bei fünf Besuchen tauschten fünfzig Jugendliche ihre Zukunftsvisionen, ihre Wünsche an den Umweltschutz, an unsere Gesellschaft oder unser Schulsystem aus. Und ihre Kritik am Bestehenden.

Udo Legner, Lehrer für Englisch und  Deutsch am Maria Theresia Gymnasium begleitete bereits drei Erasmus-Projekte und ist – trotz des mühsamen Procedere bei jeder neuen Antragstellung - ein überzeugter Fan von Europa und dem Erasmus-Projekt. Er berichtet von zwei inspirierenden Jahren:

 

Das Erasmus Projekt "Owning the Future"

Ein Plädoyer für Partizipation und politisches Engagement

von Udo Legner

„Bei den Persern ging so lange alles gut, wie sich die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder an drei Dinge hielten: als erstes mussten sie ihnen das Reiten beibringen, als zweites das Bogenschießen und als drittes mussten sie darauf hinwirken, dass sie stets die Wahrheit sagten.“ Das war die Meinung des Griechen Herodot vor rund 2.500 Jahren. Würde der antike Geschichtsschreiber heute als Erziehungsberater in Europa herangezogen, würde er Eltern bestimmt dazu anhalten, den Kinder die Teilnahme an einem Erasmus Programm zu ermöglichen.

Als sich die fünf teilnehmenden Schulen 2017 auf dieses Projekt einließen, konnte niemand ahnen, welche politische Brisanz diese europäische Schulpartnerschaft beinhalten würde. Tatsächlich wurde es zu nichts weniger als zu einem Seismographen der politischen Entwicklung in den beteiligten Ländern. Von seiner  Intention her war das zweijährige Projekt auf den Austausch von „Best-Practice-Beispielen“ angelegt und die beteiligten Schulen –  neben den beiden zwei Augsburger Schulen drei weiterführende Schulen aus Spanien (Murcia), England (Penzance in Cornwall) und Holland (Amstelveen bei Amsterdam) –  wollten sich über Projekte und Methoden austauschen, die zum Untertitel der Schulpartnerschaft passten: „Preparing Students for Success in Life and Learning“.

 

Partizipation und Mitbestimmung – so oft wie möglich

 

Dass es bei dieser ursprünglichen Ausrichtung nicht blieb, hatte mehrere Gründe. Gäste wie Gastgeber profitierten davon, dass das erste Erasmus-Treffen im November 2017 parallel zum Augsburger Begabungstag stattfand. Jaakov Hecht, der Keynote-Speaker des Begabungstages und Begründer der demokratischen Schulen in Israel, gab für die Teilnehmer*innen am Erasmus-Projekt in einem Workshop die Marschroute vor: Partizipation und Mitbestimmung, wo immer sich diese realisieren lassen! Hierzu passten die weiteren Inhalte und Schwerpunkte des Programms: die Öffnung der Schule in die Stadtgesellschaft. Den Erasmus-Partnerschulen aus Spanien, England und Holland wurden die Stadtbücherei, die Werkstatt Solidarische Welt sowie der Verein Tür an Tür als wichtige Kooperationspartner vorgestellt – und der Fokus auf nachhaltiges und handlungsorientiertes Lernen gelenkt.

 

Neue Erkenntnisse durch Projektarbeit

 

In einem Graffiti-Workshop entwarfen die internationalen Schülergruppen ihre Visionen einer Schule der Zukunft, die sie beim Empfang im Augsburger Rathaus präsentierten. Auch bei den folgenden Erasmus-Treffen hatte das ganzheitliche Lernen einen festen Platz im Programm: Handpuppen und Food Design Workshop bei den Treffen in Spanien und Cornwall sowie eine Installation zum Thema „1968 und die Folgen“ standen beim zweiten Treffen in Augsburg im Juli 2018 auf dem Programm.

 

Was war das – die 68er Protestbewegung?

 

Zur Vorbereitung auf das zweite Treffen in Augsburg stellten die Schüler*innen Recherchen an, wie sehr sich die 68er Protestbewegung auf die Gesellschaft in den Teilnehmerländern bis heute ausgewirkt hat. Wie wenig Schüler und  Lehrer aus Cornwall mit dem Thema „1968“ anfangen konnten, mag durchaus als eine Erklärung für die große Zustimmung in Südengland zum Brexit- Referendum herhalten.

 

 

Fridays for Future

 

Womit niemand gerechnet hatte, geschah zu Beginn des laufenden Schuljahres 2018/ 2019. Eine Welle der Politisierung, die sich als Protest gegen das Versagen der Politik gegenüber dem Klimawandel verstand, schwappte von Schweden bis ins Schwabenland. Sowohl am Maria-Theresia- wie am Holbein-Gymnasium waren es die Teilnehmer*innen am Erasmus-Programm, die den Schülerprotest im Rahmen der Fridays for Future Schulstreiks maßgeblich organisierten.

 

The Times They Are A‘ Changin‘

 

Inspiriert von einem „Wald-Workshop“ bei dem Erasmus-Treffen in Cornwall und im Einklang mit den Zielen der Fridays for Future Bewegung, wurde am Holbein-Gymnasium im Dezember das erste Augsburger Baumfest organisiert, bei dem sich die Schüler*innen für den Erhalt ihrer Schulbäume in der Hallstraße einsetzten.

Was dem Holbein-Gymnasium sein Baumfest war, das war am Maria-Theresia-Gymnasium das Nachhaltigkeits-Fahrradkino Filmfest, das am letzten Schultag vor den Osterferien 2019 in Kooperation mit der Umweltstation Augsburg, dem 29++Fahrradkino des Naturerlebniszentrums Burg Schwaneck/Landkreis München und dem KJR München-Land über die Leinwand der altehrwürdigen Turnhalle flimmerte.

 

Nachhaltiges Fahrradkino

 

Das viel strapazierte Wort „Nachhaltigkeit“ durfte bei diesem Kinospektakel zu Recht in den Mund genommen werden. Zum einen erstrampelten die Maria-Theresia-Fahrrad-Held*innen die für die Filmprojektion benötigte Energie selbst, zum anderen gaben die präsentierten Kurzfilme tolle Impulse für einen nachhaltigeren Lebensstil. Last but not least trugen sich über 100 Schüler*innen in Arbeitsgruppen ein. Sie werden am Ende des Schuljahrs beim Just-Kids-Festival ihre Tipps und Recherchen zu einem ökologischen Alltagsleben präsentieren.

 

Und was würde Herodot den Jugendlichen raten, wenn er heute noch leben würde? Reiten und Bogenschießen ist fraglich. Vielleicht würde er sie dazu ermutigen, ihren Horizont durch Reisen und Austausch zu erweitern. Ganz sicher würde er sie jedoch dazu anhalten, auch weiterhin die Wahrheit zu sagen - und sei sie in Bezug auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch so unbequem.

Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Grafik: Nontira Kigle, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in Penzance, Cornwall. Grafik: Nontira Kigle
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg,Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,Grafik: Nontira Kigle
Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in Murcia, Spanien. Grafik: Nontira Kigle
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg,Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,Grafik: Nontira Kigle
Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in den Niederlanden.Grafik: Nontira Kigle
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
Baumfest, Foto Udo Legner.
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg,Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,Grafik: Nontira Kigle
Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen aus Spanien, Holland und England die Partnerschulen in Augsburg: Das Maria Theresia Gymnasium und das Holbein Gymnasium. Grafik: Nontira Kigle
Fahrradkino, Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
Fahrradkino in Augsburg. Foto: Udo Legner
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Schülerinnen sprechen vor dem Nachhaltigkeitsbeirat

Schülerinnen sprechen vor dem Nachhaltigkeitsbeirat
"Unser Ziel ist es, bis 2030 ein klimaneutrales Augsburg zu schaffen"
Drei Schülerinnen des Augsburger Holbein-Gymnasiums und Mitglieder der Bewegung Fridays for Future treten vor den Augsburger Nachhaltigkeitsbeirat und halten einen bewegende Rede für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Foto: Cynthia Matuszewski

Sina Platzbecker, Esin Tunay und Eva Trautsch besuchen das Augsburger Holbein-Gymnasium. Sie sind Mitglieder der Bewegung Fridays for Future. Vor dem Augsburger Nachhaltigkeitsbeirat halten sie eine bewegende Rede für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Sie erhalten viel Applaus, Dank und Zuspruch. Hier könnt ihr ihre Rede nachlesen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind drei Schülerinnen des Holbein-Gymnasiums und engagieren uns schon seit Jahren im Arbeitskreis Global der Schule. Wir sind eine Gruppe, die sich mit den Themen Menschenrechte, Frieden und Ökologie beschäftigt.

 

Wenn wir über Klimaschutz reden, fällt oft der Begriff „Nachhaltigkeit“. Ein einfaches Wort für eine große Hürde. Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir Entscheidungen nicht nur in unserem Sinne treffen, sondern auch an folgende Generationen denken. Unsere Kinder und Enkelkinder sollen die gleiche Lebensgrundlage bekommen wie wir. Die gleiche Umwelt, die gleichen Chancen. Wir sind um das Jahr 2000 geboren. Die nächste Generation wird also theoretisch 2030 geboren. Unser Ziel ist es, bis 2030 ein klimaneutrales Augsburg zu schaffen.

 

Die nächste Generation soll also bereits von unserem Projekt profitieren. Um dessen Erfolg zu garantieren, ist nun schnelles Handeln gefragt. Wir müssen uns hier und heute bewusst dazu entscheiden, den Klimawandel einzudämmen und einen Wandel in den Köpfen zu bewirken. Wir müssen die Idee von einer nachhaltigeren Welt in den Alltag der Menschen bringen, um in ihre Lebenswelt vorzudringen. Es ist unser Anliegen, alternative Systeme vorzustellen. Es ist Ihre Aufgabe, Projekte unserer engagierten Gemeinschaft zu fördern und es ist am Einzelnen, sein Leben in manchen Feldern umzustrukturieren. Die Stadt muss dazu aber Anreize bieten und die nötige Basis schaffen.

 

Erst einmal muss es für die Augsburger wieder rentabel werden, Fahrrad und Öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Während die Fahrradwege kaum durchdacht sind und man in der Konrad-Adenauer-Allee um sein Leben fürchten muss, stürzt man sich mit den Öffentlichen direkt in eine Finanzkrise. Als Schüler zahlen wir nach Augsburg monatlich von Königsbrunn aus 65 Euro, von Mering 85 Euro, um in die Schule gehen zu können. Und allein innerhalb der Stadtgrenzen liegt der Tarif sogar über dem von München. Das Auto ist momentan billiger als der klimaschonendere Bus.

 

Ein guter Anfang wäre es, für Augsburger die Fahrradwege auszubauen. Man ist froh, wenn man an größeren Straßen einen befahrbaren Fahrradweg entdeckt. Wir schlagen nicht nur den Ausbau des Fahrradnetzes vor, sondern wollen eine Trennerhöhung zwischen Straße und Fahrradweg. Dadurch wird das Fahrradfahren wieder attraktiver und sicherer, mehr Menschen aller Altersklassen greifen auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel zurück. Man muss nicht mehr fürchten, überfahren zu werden und kann beruhigt auch mal die Stadt und deren Umgebung genauer unter Augenschein nehmen.Wenn wir unseren ökologischen Fußabdruck geringhalten wollen, müssen wir auch die Abgaswerte geringhalten. Um einen möglichst großen Effekt zu erzielen, ist es wichtig, dass wir bereits bestehende Konzepte übernehmen. Stichwort abgasfreie Innenstadt.

 

Es steht außer Frage, dass sich eine geringere Stickstoffbelastung positiv auf unsere Gesundheit auswirkt. So verbessern wir mit der Luftqualität auch unsere Lebensqualität. Klimaschutz kann für den Einzelnen rentabel und attraktiv werden. Wenn wir es schaffen, unsere Innenstadt frei von Autos zu machen, fördern wir also gleich zwei Aspekte eines zukunftsorientierten Augsburgs. 150.000. Es gibt fast 150.000 Autos in unserer Stadt Augsburg. Fast 150.000 Autos, die einen Stellplatz brauchen. Fast 150.000 Autos, die unsere Umwelt mit Abgasen verpesten.

 

In Augsburg leben um die 35.000 unter 15-jährige Kinder. 35.000 Kinder, die einen Platz, draußen in der Natur, zum Spielen brauchen. Aber die Stadt bietet dafür nicht genug Grünflächen. Also bleiben die Kinder drinnen. Sie setzen sich vor den Computer, gehen ans Handy oder spielen mit ihren Freunden an der Konsole. Dort ist es egal, wie viele Bäume überfahren werden und wie viele Autos sie besitzen. Man drückt einfach auf “reset” und weiter geht’s. Wer garantiert uns, dass genau diese Kinder es in ihrem späteren, realen Leben nicht genauso machen? Die meisten werden sich später ein Auto kaufen, vielleicht auch zwei. Und natürlich müssen diese Autos auch irgendwo geparkt werden. Aber wo? Auf den Grünflächen, die uns noch übriggeblieben sind? Wie soll unsere Zukunft lernen, mit der Zukunft umzugehen, wenn unsere Gegenwart sie zerstört?

 

Wir brauchen einen schnellen, plötzlichen Wechsel. Wir können es uns nicht leisten, Probleme nur oberflächlich zu behandeln. Wir müssen auch ihre Folgen und vor allem ihre Ursachen im Auge behalten. Nur so können wir Probleme langanhaltend aus der Welt schaffen. Dafür müssen wir bei der Wurzel ansetzen. Wir müssen dafür sorgen, dass Kinder von Anfang an ein Gespür im Umgang mit ihrer Umwelt bekommen, damit sie bereit sind, diese zu schützen. Ihr Bewusstsein muss geprägt sein durch Informationen und Erfahrungen. Sie müssen wieder lernen, die echte Welt zu verstehen und wertzuschätzen, um sie über die neue, virtuelle Welt zu stellen.

 

Unser Schulsystem ist geprägt von Theorie und Alltag. Selbst Themen, die jeden persönlich etwas angehen, werden weltfremd. Durch Exkursionen ab dem Kindesalter und Vorträge von professionellen Referenten könnten die Schüler die Umwelt neu erfahren. Wir brauchen Projekte, für die Jugendliche gerne freiwillig ihre Zeit einsetzen. Sei es, um die Stadt kreativer, natürlicher und lebenswerter zu gestalten oder aber um von Schülern an Schüler Bildung weiterzugeben. Um solche Projekte durchzuführen, benötigen die Schulen und praxisorientierten Organisationen allerdings Fördergelder. Mancher mag sagen, die Stadt habe kein Geld für derartiges. Von uns aus kann die Stadt sich das Geld für Klopapier am Holbein wieder sparen, wenn sie nur die Bildung stärker fördert.

 

In the long run” wird uns das eher helfen, das Klima und uns zu schützen. Die Zukunft ist mehr wert, als sich durch Geld bemessen lässt. Es wäre auch hilfreich, wenn Schüler, die einem Protest gegen die aktuelle Klimapolitik beiwohnen, anstatt im Unterricht zu sitzen, nicht als “Schwänzer” abgestempelt würden. Der Punkt ist, dass ein Leben voll Lernen für eine Zukunft sinnlos ist, wenn wir keine lebenswerte Zukunft haben. Deshalb gehen junge Menschen auf die Straßen. Deshalb werden sie zu “Schwänzern” degradiert? Unsere Generation wird oft als zu still, zu inaktiv, zu energielos dargestellt. Was nun, da wir laut, aktiv und voller Energie sind? Ihr lasst zu, dass wir dafür bestraft werden. Wir wollen dem Kultusministerium ausrichten, dass es auch andere Weg gibt. An unserer Schule wurde das bewiesen.

 

Jeder, der (wegen der Fridays-For-Future-Demos, Anm. d. Redaktion) unentschuldigt gefehlt hatte, musste nachsitzen. 137 Schüler mussten nachsitzen und 152 saßen letztendlich da. Weil sie begeistert waren, von der Art, wie die Situation gehandhabt wurde. Sie entwickelten Projekte zum Klimaschutz, redeten über den Sinn der Proteste und stiegen mit Herz und Seele in das Thema ein. Ihre Wünsche, Ängste und Vorschläge für die Zukunft wurden ernst genommen und das motivierte sie, sich zu engagieren und sich für Veränderungen in ihrem Sinne einzusetzen. Wir Jugendlichen sind es, die den Grundstein für einen anhaltenden Wandel legen, aber dazu brauchen wir Ihre Unterstützung.

 

Ein weiteres Projekt, das uns am Herzen liegt und das wir auch Ihnen nahelegen wollen, ist das Thema Materialverschwendung. Das Problem reicht von Papierverschwendung an Schulen bis zu Plastikmüll, der durch Verpackungen und ToGo-Becher verursacht wird. Wir schlagen vor, dass der Papierverbrauch in der Schule durch digitale Mittel eingeschränkt wird. Schüler können gut, auf mehr als die Hälfte aller ausgeteilten Arbeitsblätter und Handouts verzichten.

Handouts werden in aller Regel nie wieder eines Blickes gewürdigt, während Arbeitsblätter und seitenlange Skripte viele unnötige Informationen enthalten. Einfacher wäre es also, wenn Schüler Informationen in digitaler Form bekommen und dann alles für sie Relevante herausschreiben. Denn durch das Abschreiben von interessanten Informationen lernen viele Schüler am besten.

 

Sogenannte Unverpackt-Läden sind eine weitere Möglichkeit, die Verschwendung von Ressourcen einzudämmen. Augsburg verfügt in dieser Richtung über ein sehr spärliches Angebot. Durch Subventionen für Biomärkte, die lose Ware verkaufen, könnte Augsburg zum Trendsetter in der Region werden. Auf umweltbelastende Verpackungen zu verzichten wird immer moderner und gefragter. Auch der Ruf nach regionalen Produkten wird immer lauter. Wir wollen weniger Müll vom anderen Ende der Welt. Wir wollen regionale Produkte, die bezahlbar sind. Fördert Biomärkte, fördert fairen Handel und fördert unsere Landwirtschaft.

 

Macht klimaneutrales Handeln für die Mehrheit bezahlbar und helft uns, zu zeigen, dass ein klimafreundliches Leben auch Spaß machen kann. Wir können Vorreiter unserer Generation werden. Augsburg ist bereits eine Friedensstadt. Warum kann Augsburg nicht auch noch zur Klimafreundlichsten Region gewählt werden?

Sina Platzbecker, Esin Tunay und Eva Trautsch, Rede vor dem Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Augsburg am Donnerstag, 14.02.2019

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Ohne Plastik

Ohne Plastik
Stammtisch plastikfreies Leben: Eine Idee erobert die Region
plastikfrei, Stammtisch plastikfreies Leben, Foto: Cynthia Matuszewski

Immer mehr Menschen möchten etwas gegen die Plastikflut tun – beim monatlichen Stammtisch treffen sie Gleichgesinnte und tauschen Ideen aus. Angefangen hat alles in Augsburg. Im November 2015 beschlossen die Lehrerin Andrea Maiwald und die Journalistin Sylvia Schaab den „Stammtisch plastikfreies Leben“ zu gründen. Beide leben seit Jahren mit ihren Familien plastikfrei. Ihre Idee ist einfach: Einmal im Monat treffen sich Interessierte und Gleichgesinnte in entspannter Atmosphäre und tauschen sich darüber aus, wie man im Alltag Plastik vermeiden kann.

Dieser Lifeguide-Artikel erscheint am 15.April 2019 auch in der Purpur, dem Magazin zu verantwortungsvollem Leben in Augsburg und Umgebung aus dem Hause liesLotte.

 

Jedes Treffen hat einen Schwerpunkt, wie etwa Putzen ohne Plastik, Kindergeburtstag oder Naturkosmetik. Aber es bleibt auch immer noch genügend Zeit, um Fragen zu beantworten, Adressen weiterzugeben oder Neueinsteiger*innen zu ermutigen. „Ziel ist es, unnötiges Plastik und überflüssige Verpackungen aus dem öffentlichen, wirtschaftlichen und privaten Leben zu verbannen“, so die offizielle Formulierung auf der Website des Augsburger Stammtischs für plastikfreies Leben.

Die Stammtisch-Idee der beiden Augsburgerinnen fand in unserer Region schnell Anklang. Seit genau einem Jahr gibt es einen Stammtisch plastikfreies Leben in Friedberg. Im Oktober 2018 versammelten sich die Schwabmünchner zu ihrem ersten Treffen und im Februar 2019 zogen die Königsbrunner nach. Stammtische in Ochsenhausen und in Bobingen sind geplant.

Das Thema brennt allen unter den Nägeln, die Öffentlichkeit ist sensibilisiert."  Hans Erich Babst. Diplombetriebswirt und Mit-Initiator des Königsbrunner Stammtisches.

 

Ich musste angesichts der Berge von Plastikmüll einfach etwas tun. Ich wollte nicht länger zusehen, wie unsere Generation es verbockt " Heike Uhrig, gelernte Krankenschwester und Mitbegründerin des Schwabmünchner Stammtischs.

Jeder ist Willkommen

Bei ihren ersten Treffen erhielten die Stammtische Unterstützung vom Augsburger Stammtisch. „Das ist sehr hilfreich, denn wir müssen ja nicht jeder das Rad neu erfinden“, so Hans Erich Babst. Bei den offenen Stammtischen ist jeder willkommen und das Interesse ist sehr groß. „Die Leute kommen zu uns, weil sie etwas verändern wollen. Und weil sie hier Gleichgesinnte treffen. Wir stärken uns gegenseitig“, berichtet Linda Kaindl vom Friedberger Stammtisch. Neben ihren monatlichen Treffen haben die Friedberger sich bereits aktiv ins Gemeindeleben eingebracht. Sie beteiligten sich beim Synergie-Festival, sammelten Müll oder machten als Plastiksack-Gruppe beim Friedberger Fasching auf das Problem aufmerksam. „Wir wollen sichtbar sein“, betont Linda Kaindl. Für die Diplompädagogin, die für die Augsburger Umweltstation arbeitet und dort den „Selbstversuch nachhaltiges Leben“ gestaltet, steht vor allem eine Frage im Vordergrund:

Welche Produkte möchte ich meinen Kindern zumuten? Wie gesund sollen sie aufwachsen?“ Linda Kaindl, Diplompädagogin, Friedberger Stammtisch

Kinder werden leidenschaftliche "Plastikverhinderer"

Aber ist es nicht gerade mit Kindern besonders schwierig einen plastikfreien oder plastikreduzierten Alltag zu realisieren? „Das funktioniert viel besser, als erwartet“, berichtet Heike Uhrig. Ihre fünfjährige Tochter ist mittlerweile eine leidenschaftliche „Plastik-Verhinderin“. Süßigkeiten und Spielzeug sind natürlich Knackpunkte. „Aber wir haben schon immer unsere eigenen Kekse gebacken und vor Kindergeburtstagen informiere ich alle Beteiligten, dass es bei uns keine Plastik-Giveaways gibt“, erzählt Heike Uhrig. Lego und Playmobil durften im Kinderzimmer bleiben. Beide Mit-Begründerinnen der Stammtische in Schwabmünchen und Friedberg betonen, dass im Alltag immer wieder Kompromisse gefunden werden müssen.

Wir vertreten unsere Ziele nicht dogmatisch. Es geht vor allem darum, was kann ich in meinem Alltag mit meiner Familie und in meiner derzeitigen Lebenssituation zeitlich und finanziell verwirklichen?“ Linda Kaindl, Diplompädagogin, Friedberger Stammtisch.

Sylvia Schaab rät allen Anfänger*innenn folgendes: „Auch wenn du dich erst mal vom Plastik umzingelt fühlst, bleib ruhig und werfe Plastiksachen nicht wahllos weg. Ich habe unsere Plastikdosen alle aufgehoben, es geht ja auch darum, Müll zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. Wir bewahren darin jetzt unsere Schrauben und Dübel auf.

Es ist wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen und einfach mal anzufangen.“ Sylvia Schaab, Journalistin, gründete den Stanntisch plastikfreies Leben in Augsburg.

 

10 Einsteiger-Tipps vom Stammtisch plastikfreies Leben:

  1. Stofftasche immer dabei haben.
  2. Getränke, Milch, Joghurt und Sahne in Pfandgläsern kaufen.
  3. Obst und Gemüse lose kaufen und bei Bedarf in mitgebrachte Stoffsäckchen füllen.
  4. Wurst und Käse in mitgebrachte Dosen packen lassen. Meist dürfen die Verkäufer die Dosen nicht über die Theke nehmen, aber der Transfer auf der Theke klappt gut. Manchmal muss man mutig sein und nachfragen. Aber das schärft das Bewusstsein.
  5. Leitungswasser für unterwegs in Glas oder Edelstahlflaschen mitnehmen.
  6. Seife bzw. Haarseife am Stück verwenden, statt Duschgel oder Shampoo zu nehmen.
  7. Mehrweg statt Einweg bei Bechern und Tellern.
  8. Strohhalme und anderes Einwegplastik vermeiden.
  9. Second Hand statt Neu kaufen. Das spart Ressourcen und Verpackung.
  10. Werbegeschenke aus Plastik ablehnen, eingeschweißte Kataloge abbestellen.

Die Stammtische plastikfreies Leben in der Region:

In Augsburg: Jeden 1. Dienstag im Monat: Treffpunkt ist um 19:30 Uhr das Café Anna, Annahof 4, 86150 Augsburg. Infos: www.plastikfreies-augsburg.de

In Friedberg: Jeden 4. Mittwoch im Monat  um 19:30 Uhr im Wasserturm Friedberg. Infos: friedberg@plastikfreies-augsburg.de

In Schwabmünchen: Jeden 3. Mittwoch im Monat  um 19:30 Uhr. Infos: schwabmuenchen@plastikfreies-augsburg.de

In Königsbrunn: es stehen noch keine regelmäßigen Termine fest, Infos: www.plastikfreies-augsburg.de

 

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Mehr über plastikfreies Leben in Augsburg erfahren Sie außerdem auf Websites von Andrea Maiwald und Sylvia Schaab:

 

Der Stammtisch für plastikfreies Leben trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat um 20.00 Uhr im Café Anna in Augsburg.
Der Stammtisch für plastikfreies Leben trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat um 20.00 Uhr im Café Anna in Augsburg.
Der Stammtisch für plastikfreies Leben trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat um 20.00 Uhr im Café Anna in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Der Stammtisch für plastikfreies Leben trifft sich jeden ersten Dienstag im Monat um 20.00 Uhr im Café Anna in Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
plastikfrei, Stammtisch plastikfreies Leben, weniger Plastik, Augsburg, Königsbrunn, Friedberg, Schwabmünchen, Seife, kein Duschgel, ohne Plastik, Foto: Antje Prillwitz
Der Stammtisch plastikfreies Leben auf dem Friedberger Faschingsumzug 2019. Foto Antje Prillwitz
plastikfrei, Stammtisch plastikfreies Leben, weniger Plastik, Augsburg, Königsbrunn, Friedberg, Schwabmünchen, Seife, kein Duschgel, ohne Plastik, Foto: Antje Prillwitz
Der Stammtisch plastikfreies Leben auf dem Friedberger Faschingsumzug 2019. Foto Antje Prillwitz
Plastikfrei putzen: Mit Baumwolle und Naturborste, Foto: Cynthia Matuszewski
Plastikfrei putzen: Mit Baumwolle und Naturborste, Foto: Cynthia Matuszewski
Plastikfrei einkaufen, Foto: Cynthia Matuszewski, Lifeguide Augsburg, Augsburg
Plastikfrei einkaufen, Foto: Cynthia Matuszewski
Alternativen ohne Plastik
Alternativen ohne Plastik
plastikfrei, Stammtisch plastikfreies Leben, weniger Plastik, Augsburg, Königsbrunn, Friedberg, Schwabmünchen, ohne Plastik, Buntstifte, Schule, Foto: Cynthia Matuszewski
Die Stammtische plastikfreies Leben in Augsburg, Schwabmünchen, Friedberg und Königsbrunn informieren einmal im Monat über Plastikvermeidung. Foto: Cynthia Matuszewski
plastikfrei, Stammtisch plastikfreies Leben, weniger Plastik, Augsburg, Königsbrunn, Friedberg, Schwabmünchen, Seife, kein Duschgel, ohne Plastik, Foto: Antje Prillwitz
Der Stammtisch plastikfreies Leben auf dem Freidberger Faschingsumzug 2019. Foto Antje Prillwitz
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St. Ursula war die erste Fairtrade School in Augsburg

St. Ursula war die erste Fairtrade School in Augsburg
Seit über drei Jahren engagieren sich Schülerinnen und Lehrerinnen für eine gerechte Welt
St. Ursula Augsburg, Fairtrade School, Augsburg, Eine Welt, gerechte Welt, fairer Handel, Foto: St. Ursula

Vor über drei Jahren hat die Mädchen-Realschule-St. Ursula in Augsburg als erste Schule in Augsburg den Titel Fairtrade School errungen. Seitdem setzen die Schülerinnen und Lehrkräfte mit großem Engagement die Ziele einer Fairtrade-School um. Dazu gehören zum Beispiel der Verkauf und Verzehr von fair gehandelten Produkten, eine fairtrade-Schulaktion oder die Behandlung des Themas im Unterricht. Die Fairtrade Gruppe von St. Ursula besteht inzwischen aus 30 aktiven Schülerinnen, die zusammen mit ihrer Lehrerin, Monica Pfiffner, für den Fairen Handel werben – an der Schule, bei Eltern und in der Öffentlichkeit.

Faire Schokobananen

Bei einer ihrer Aktionen ging es um Bananen. Im Augsburger Weltladen wurden über 100 fair gehandelte Bananen gekauft. Ein Teil wurde am Tag zuvor halbiert und in Zartbitter Kuvertüre getaucht. Beim Pausenverkauf  fanden die Schoko-Bananen bei Schülerinnen und Lehrkräften reißenden Absatz. Der andere Teil wurde so verkauft – einfach pur. Die Schülerinnen informierten bei der Gelegenheit über die katastrophalen Arbeitsbedingungen im konventionellen Bananenanbau und warum es den Kleinbauern hilft, wenn wir fair gehandelte Bananen kaufen. Am wichtigsten ist: Die Kleinbauern stehen nicht unter dem gnadenlosen Preisdruck der internationalen Lebensmittelkonzerne. Sie können sich darauf verlassen, dass sie faire Löhne bekommen. Sie sind keinen giftigen Pestiziden ausgesetzt und ihre Kinder können die Schule besuchen. Was den Schülerinnen bei ihrer Aktion auch wichtig war: Es wurde überhaupt kein Müll produziert!Auch zum Valentinstag ließen sich die Schülerinnen etwas einfallen: In der Pause wurden 150 fair gehandelte Rosen verkauft. Denn auch für Blumen gilt: Wer sie mit dem Fair-Trade-Siegel kauft sorgt für faire Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern, verhindert Kinderarbeit und fördert soziale Projekte. Nachdem die Schülerinnen auch mit dieser Aktion so erfolgreich waren und so viel Spaß hatten, haben sie sich für nächstes Jahr vorgenommen, doppelt so viele Blumen zu verkaufen.

 

Augsburg hat drei Fairtrade Schools

In Augsburg gibt es drei Fairtrade Schools: Die Mädchen Realschule St. Ursula, das Gymnasium bei St. Anna und ganz das Gymnasium Maria Ward.

Wer Fairtrade School werden möchte, muss fünf Kriterien erfüllen:

  • Gründung eines Fairtrade-Schulteams bestehend aus Lehrerinnen, Lehrern, Schülerinnen, Schülern, Eltern sowie weiteren Interessierten.
  • Erstellen eines Fairtrade-Kompasses an der Schule, die vom Rektor/der Rektorin unterzeichnet sein muss.
  • Verkauf und Verzehr von fair gehandelten Produkten an der Schule.
  • In mindestens zwei verschiedenen Klassenstufen/Jahrgängen muss in mindestens zwei unterschiedlichen Fächern Fairtrade im Unterricht behandelt werden.
  • Mindestens einmal im Schuljahr muss es eine Schulaktion zum Thema Fairtrade geben.

pm/cm

 

 

St. Ursula Augsburg, Fairtrade School, Augsburg, Eine Welt, gerechte Welt, fairer Handel, Foto: St. Ursula
Die Mädchenrealschule St. Ursula in Augsburg ist Fairtrade School. Hier verkaufen die Schülerinnen fair gehandelte Rosen am Valentinstag. Foto: St. Ursula
St. Ursula Augsburg, Fairtrade School, Augsburg, Eine Welt, gerechte Welt, fairer Handel, Foto: St. Ursula
Die Mädchenrealschule St. Ursula in Augsburg ist Fairtrade School. Hier verkaufen die Schülerinnen fair gehandelte Bannanen. Foto: St. Ursula
St. Ursula Augsburg, Fairtrade School, Augsburg, Eine Welt, gerechte Welt, fairer Handel, Foto: St. Ursula
Die Mädchenrealschule St. Ursula in Augsburg ist Fairtrade School. Hier verkaufen die Schülerinnen fair gehandelte Bannanen. Foto: St. Ursula
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Buchtipp: Lifeguide Reiseführer für Augsburg und die Region!

Buchtipp: Lifeguide Reiseführer für Augsburg und die Region!
Augsburg entdecken: Mit tollen nachhaltigen Stadtrundgängen und 200 Orten. Erhältlich im Buchhandel, bei der Tourismus-Information und an vielen Lifeguide-Orten.
Lifeguide, Augsburg, nachhaltiger Reiseführer, Foto: Cynthia Matuszewski

Wer in Augsburg Stadt, Land und Aichach-Friedberg nach Orten sucht, die helfen, ein zukunftstaugliches Leben zu führen, bekommt ab Dezember 2018 ein Buch mit all diesen Orten an die Hand. Den „Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region“ für Tourist*innen, Neubürger*innen und alle interessierten Alteingesessenen.

Das Buch stellt eine Region vor, in der nachhaltiges Denken, Leben und Handeln immer weiter erstarkt. Wo unverpackt und plastikfrei eingekauft werden kann und nachhaltige Mode entsteht. Wo Stadt- und Landwirte gemeinsam säen und ernten und soziale und interkulturelle Projekte Menschen einander näher bringen. Wo Nachhaltigkeit gemeinsame Sache ist. Bei der spannenden Tour zu mehr als 200 nachhaltigen Orten in Augsburg und seinem Umland und lernt ihr Menschen kennen, die neue Wege gehen – in eine lebenswerte Zukunft!

Über Nachhaltigkeit in unserer Region zu berichten ist inspirierend. Wir zeigen, welche positiven Ideen und Projekte es in unserer immer unübersichtlicher werdenden Welt gibt – und das direkt vor unserer Haustür. Und wir lernen Menschen kennen, die diese Lösungen bereits leben. Das macht Mut.“  Cynthia Matuszewski, Autorin des Lifeguide-Reiseführers, Chefredaktion Lifeguide Augsburg

Fünf nachhaltige Stadtrundgänge

Viele Menschen suchen nach Lösungen, wie sie ihren Alltag umweltverträglicher gestalten können. Im Internetportal Lifeguide Augsburg findet ihr bereits seit 2016 Antworten auf diese Fragen. Seit fünf Jahren informiert das werbefreie und nicht kommerzielle Internetportal über nachhaltiges Leben in Augsburg und in der Region. 

Mit diesem handlichen Buch findet jeder schnell das passende nachhaltige Angebot. Das stärkt das nachhaltige Augsburg und zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind." Sylvia Schaab, Autorin des Lifeguide-Reiseführers, Redaktion Lifeguide Augsburg.

Fünf Stadtrundgänge und eine Radtour führen die Leser*innen zu Orten in Augsburg, an denen nachhaltig gelebt, gearbeitet, produziert, repariert oder wiederverwertet wird. Mit rund 200 Geschäften, Restaurants, Initiativen, Sehenswürdigkeiten und einem Kalender mit Nachhaltigkeitsterminen in Augsburg ist der „Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region“ eine Informationsquelle für alle, die nachhaltiger leben möchten, die sich auf neue Einkaufsmöglichkeiten und Geheimtipps freuen, die junge Geschäftsideen unterstützen wollen oder die neugierig auf Neues sind.

Viele Menschen sind überrascht, wenn sie hören, wie viele Orte in Augsburg nachhaltige Angebote machen. Ich freue mich, dass wir diese nun auch in einem Buch darstellen konnten - für Augsburger*innen und für Besucher*innen.“  Torsten Mertz, Autor des Lifeguide-Reiseführers, Redaktion Lifeguide Augsburg

Es sind die Menschen, die Augsburg und die Region nachhaltig machen!

Das Buch stellt außerdem Menschen aus Augsburg vor, die in ihrem Leben bereits nachhaltigen Ideen verwirklicht haben, die ihnen besonders am Herzen liegen. Sie setzen sich für plastikfreies Leben ein, betreiben umweltfreundliche Landwirtschaft oder gehen neue Wege des gemeinsamen Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens. In neun Kapiteln zeigt das Buch „Lifeguide Augsburg – Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region“, wie gut nachhaltiges Leben in unserer Region funktioniert.

Augsburgs Nachhaltigkeitsprozess genießt bundesweit Aufmerksamkeit. 2019 ist er als eines der vier innovativsten und wirksamsten Transformationsprojekte in Deutschland vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung ausgezeichnet worden. Klar, dass wir da gut dieses Buch machen können, ja: müssen!“ Dr. Norbert Stamm,  Autor des Lifeguide-Reiseführers, Lifeguide Region Augsburg e. V.

Dieses Buch wurde bei der Umweltdruckerei Senser auf 100 % Recyclingpapier (zertifiziert mit dem Blauen Engel UZ 14) mit Bio-Farben ohne Mineralöle und Kobalt und aus über 70 % nachwachsenden Rohstoffen gedruckt. Der oekom verlag und Senser Druck beziehen CO2-neutralen Ökostrom. Die Emissionen für die Papierherstellung, den Transport und weitere unvermeidbare Emissionen kompensiert der oekom verlag durch Investitionen in ein Klimaschutzprojekt nach „Gold-Standard“.

 

Das Lifeguide-Buch wurde mit Unterstützung der Deutschen Postcode Lotterie realisiert und ist ab 6. Dezember 2018 und in Buchläden, bei der Regio Tourismus GmbH und an vielen Lifeguide-Orten lifeguide-augsburg.de erhältlich.

 

„Lifeguide Augsburg- Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region“, oekom verlag, München 2019, 180 Seiten, Paperback, ISBN 9-783962-38110-3, 9,80 Euro / 10,20 Euro (A). Auch als E-Book erhältlich.

 

 

 

Lifeguide Augsburg, Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Norbert Stamm, Torsten Mertz, Sylvia Schaab, Cynthia Matuszewski. Foto: Matuszewski
Der nachhaltige Reiseführer "Lifeguide Augsburg" konnte mit Hilfe der Postcode Lotterie realisiert werden. Von links: Dr. Norbert Stamm, Cynthia Matuszewski, Sylvia Schaab, Torsten Mertz. Foto Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Rica Friedl, Foto: Cynthia Matuszewski.
Rica Friedl vom Hotel Bayerischer Wirt in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Ildiko Remeny, Benjamin Vogt,CityFarm Augsburg,  Foto: Cynthia Matuszewski.
Ildiko Remeny (r) und Benjamin Vogt (l) von der CityFarm in Augsburg sind Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Frank Schubert von der Biobäckerei Schubert in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Frank Schubert von der Biobäckerei Schubert in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Chrisitine Pehl, Foto: Cynthia Matuszewski.
Christine Pehl, CSR-Beraterin und Coach für nachhaltiges Wirtschaften ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Nicolas Liebig, Foto: Cynthia Matuszewski.
Nicolas Liebig von der Umweltstation in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto: Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Tom Hecht, Maria Brandenstein, Foto: Cynthia Matuszewski.
Tom Hecht und Maria Brandenstein von der Lokalen Agenda 21 in Augsburg sind Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto: Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, Nicolas Liebig, Reiner Erben, Umweltreferent, Foto: Cynthia Matuszewski.
Reiner Erben (l), der Umweltreferent der Stadt Augsburg, und Nicolas Liebig (r) von der Umweltstation Augsburg, bei der Release Party vom "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg, Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Norbert Stamm, Foto: Matuszewski
Dr. Norbert Stamm, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt Augsburg. Mit Hilfe der Postecode-Lotterie konnte das Buch "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region" entstehen.. Foto Cynthia Matuszewski
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Containern – zwischen Illegalität und angebräunten Bananen

Containern – zwischen Illegalität und angebräunten Bananen
Zeit für politische Veränderungen!
Containern, Lebensmittel retten, Lebensmittelverschwendung, Mülltauchen, Foto: Lifeguide Augsburg

Der Parkplatz ist leer. Kein Mensch schleppt schwere Tüten zu seinem Auto, kein Einkaufswagen rattert über den gepflasterten Boden. Das überrascht meine Begleiterin und mich aber nicht. Es ist 22.00 Uhr. Der Supermarkt, vor dem wir stehen, ist seit zwei Stunden geschlossen. Aber wir sind nicht gekommen, um einkaufen zu gehen.

 

Zielstrebig marschieren Tina und ich an dem grellen Neonschild vorbei und steuern den Hinterhof an. Sobald wir um die Ecke biegen, erfasst uns der Bewegungsmelder und flackernd gehen die fahlen Lampen an. Wir legen unsere Rucksäcke auf den Boden, holen unsere Stoffbeutel heraus und steuern die Biomülltonnen an. Vier sind es an der Zahl, schön aufgereiht stehen sie an der Wand. Eine Vorrichtung für ein Schloss ist angebracht, doch wie immer sind die Mülltonnen offen.

 

Hier wird uns das Containern wirklich sehr leicht gemacht, denn abgesperrt sind die Abfalltonnen nie. Handschuhe anziehen und schon kann es losgehen. Direkt nach dem Öffnen des Tonnendeckels fällt mein Blick auf eine Banane mit angebräunter Schale. Ich nehme sie raus und inspiziere sie von allen Seiten. Sie sieht ansonsten einwandfrei aus also wandert sie in meine Tasche. Wie so oft frage ich mich warum sie in derart gutem Zustand schon weggeschmissen wurde.

 

Das Todesurteil für Lebensmittel

Bei Obst und Gemüse reichen oft erste Verfallserscheinungen, um ihnen den Prozess zu machen. So werden leicht verschrumpelte Paprika oder Tomaten mit Druckstellen meist sofort aussortiert, denn Kund*innen suchen sich nur die schönsten Waren im Regal aus. Wenn eine Mandarine im Netz anfängt zu faulen, werden sofort alle weggeworfen, denn für dieses Netz würde kaum einer mehr den vollen Preis bezahlen. Kommt eine neue Ladung rein, müssen die bisher unverkauften Lebensmittel Platz machen. Am meisten werden Obst, Gemüse und Backwaren frühzeitig weggeworfen.

 

Tierische Produkte wandern vergleichsweise selten in die Tonne, aber auch das kommt regelmäßig vor. Bei abgepackten Sachen oder Konserven spielt das Mindesthaltbarkeitsdatum eine Rolle. Das Datum gibt den Zeitpunkt an, bis zu dem die Hersteller die einwandfreie Qualität der Lebensmittel garantieren. Ist es überschritten, ist aber nur die Garantie hinfällig. Die Qualität der Lebensmittel bleibt oft noch darüber hinaus bestehen. Nudeln, Kaffee und Mehl halten sich beispielsweise noch mehrere Wochen bis Monate lang. Nach Datumsablauf sortieren trotzdem viele Supermärkte die Lebensmittel aus. So wandern in Deutschland im Jahr nach Angaben von WWF 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in die Abfallcontainer, die unter anderem hier in diesem wenig beleuchteten Hinterhof stehen, wo Tina und ich gerade damit beschäftigt sind, sie wieder aus dem Müllcontainer zu holen.

 

Warum Containern?

Ich sammle also die noch genießbaren Lebensmittel aus dem Müll, was im offiziellen Fachjargon als Containern oder Dumpstern bezeichnet wird. Leute, die das machen werden Containerer bzw. Containererin genannt. Viele Mülltaucher*innen machen das hauptsächlich als Protest gegen die Wegwerfgesellschaft. Für mich gibt es aber noch einen weiteren Grund. Ich sehe es nicht ein, für Lebensmittel Geld zu bezahlen, wenn ich sie in nur leicht verminderter Qualität umsonst haben kann.

 

Am Schlimmsten finde ich es, wenn tierische Produkte im Müll landen, weil dafür Lebewesen gelitten haben.“ Tina*, rettet Lebensmittel

 

Tina ist passionierte Containererin. Seit sie im November nach Augsburg gezogen ist, geht die 22-jährige Studentin regelmäßig Mülltauchen. "Es ist auch immer so viel in den Tonnen, dass ich zum Beispiel Gemüse gar nicht mehr einkaufen muss. Wird der Vorrat in meinem Kühlschrank knapp, ziehe ich einfach los und hole mir mehr.“ Dafür hat sie für andere Produkte mehr Geld übrig und kann in Bioläden oder Unverpackt-Läden einkaufen.

 

Es hungern viele Menschen auf der Welt und wir haben eine so große Überproduktion, dass wir erschreckend viele genießbare Lebensmittel wegwerfen. Das ist nicht in Ordnung.“ Tina*, Containererin

 

Das sehe ich genauso, deswegen mache ich mich einmal in der Woche mit ein paar Jutebeuteln im Rucksack auf den Weg in die Hinterhöfe der Supermärkte.

 

Die rechtliche Lage

Als ich Containern zum ersten Mal ausprobiert habe, war ich auf alles gefasst: über Zäune klettern, in die Mülltonnen steigen, vor der Polizei wegrennen. Immerhin machten wir doch gerade etwas Illegales oder? Rechtlich gesehen geht es beim Containern hauptsächlich um Diebstahl. Hat der Supermarkt die Herrschaft über den Müll noch nicht aufgegeben, klaut man nach StGB § 242 deren Eigentum. Ab wann der Besitzanspruch allerdings aufgegeben wird, ist nicht klar definiert. Supermärkte verdeutlichen ihren Anspruch, wenn sie ihre Mülltonnen abschließen oder in abgesperrte Areale stellen. Manche Mülltaucher lassen sich von Vorhängeschlössern jedoch nicht aufhalten und begehen deswegen Sachbeschädigung. Auch kann vor Gericht wegen Hausfriedensbruch geklagt werden, da die Containerer unerlaubt privaten Grund betreten.

 

Ich mache mir um die Strafbarkeit des Containerns keine Sorgen. Ich treibe mein „Unwesen“ nur an unverschlossenen Mülltonnen."  Maren*, rettet Lebensmittel

 

Deswegen gehe ich davon aus, dass meine Tätigkeit von den betroffenen Supermarktbetreiber*innen stillschweigend geduldet wird. Sollte die Polizei mich tatsächlich mal auf frischer Tat erwischen, werden die Inhaber*innen hoffentlich keine Anzeige erstatten, denn das liegt in deren Ermessen. Aber wenn die Filialleiter*innen einen Strafantrag stellen, ermittelt die Staatsanwaltschaft. Selbst dann werde ich wohl mit einer kleinen Geldstrafe davonkommen. Müll als Diebstahlsgut wird vor Gericht meistens als geringwertige Sache definiert, wenn die Beute also einen Gesamtwert von bis zu 50 Euro nicht übersteigt. Das bringt den Mülltaucher*innen Geldstrafen ein. Andererseits gibt es auch extremere Fälle, bei denen die „Täter*innen“ Sozialstunden abarbeiten müssen, oder eine Strafe auf Bewährung bekommen. Das kommt immer wieder einmal vor, kürzlich bei zwei Studentinnen in Olching.

 

 

Mülltauchen - die meisten finden es gut, die wenigsten machen es

Man könnte denken, dass solche illegalen Aktivitäten gesellschaftlich kritisch beäugt werden.

 

Von meinen Freund*innen und Verwandten habe ich bisher aber nur ermunternde Worte gehört." Maren*, Containererin

 

Das ist Tina auch aufgefallen. "Auch meine Freunde wollen dann immer mehr darüber wissen und sind interessiert. Deswegen verstehe ich aber nicht, warum das nicht noch mehr Leute machen.“ Ihrer Meinung nach liegt die Lebensmittelverschwendung in den Händen der Verbraucher*innen.

 

Wir als Konsument*innen steuern das Angebot. Wir haben es in der Hand etwas zu ändern. Erst wenn wir uns engagieren wird die Politik darauf aufmerksam. Die haben dann die Macht das auch durch Gesetze zu manifestieren.“ Tina*, Mülltaucherin

 

Bis dahin wird sie weiterhin regelmäßig zu später Stunde die Hinterhöfe der Läden aufsuchen.

 

Nächtlicher Smalltalk am Biomüll...

In dem Hinterhof, wo Tina und ich gerade mit unseren nächtlichen Aktivitäten zu Gange sind, biegen zwei junge Frauen in unserem Alter um die Ecke. Sie sind bewaffnet mit Stoffbeuteln und Taschenlampen. Es passiert öfter, dass wir anderen Containerern begegnen. Bisher sind diese Aufeinandertreffen immer friedlich verlaufen. Man grüßt kurz und lässt sich ansonsten in Ruhe. Das ist allerdings nicht selbstverständlich. Ich habe schon von Fällen in anderen Städten gehört, bei denen sich Mülltaucher*innen gegenseitig mit fauligem Gemüse bewerfen, um die Konkurrenz zu vertreiben.

 

So etwas haben wir in Augsburg noch nicht erlebt. Heute passiert sogar das Gegenteil. Die Mädchen haben bereits drei Blumenkohlköpfe aus der Tonne gefischt und reichen uns einen, ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Im Gegenzug bekommen sie von uns zwei Zucchini. Ein netter Smalltalk unterstreicht unser bizarres Treffen und versüßt uns den Biomüll. Unsere gesellige Nacht- und Nebelaktion verstreicht, denn unsere Beutel füllen sich beträchtlich und nach einer Viertelstunde gehen wir wieder getrennte Wege. Die Ausbeute war schon so gut, dass es uns für heute reicht. Dieser Supermarkt ist eine kleine Goldgrube. Anfangs wäre ich überhaupt nicht auf die Idee gekommen hier zu containern. Ich hatte Glück und Tina hatte schon erstklassiges Insiderwissen und war bereit mich einzuweihen.

 

Tipps und Tricks für Neueinsteiger*innen

Für Unerfahrene ist es am besten sich beim ersten Mal anderen Mülltaucher*innen anzuschließen. Die zeigen einem geeignete Supermärkte, die besten Transportmittel von einem „Tatort“ zum Nächsten, und helfen zu kategorisieren, welche Lebensmittel noch mitgenommen werden können. Hier ein kurzer Überblick über das Basic-Knowhow. Große Supermarktketten sperren die Mülltonnen fast immer ab. Bei kleinen Tante-Emma-Läden ist die Ausbeute den Aufwand oft nicht wert. Vorzugsweise beschränkt man sich auf mittelgroße Supermärkte außerhalb des Stadtzentrums.

 

Die meisten Läden haben bis um zwanzig Uhr geöffnet. Containerer sollten mindestens bis eine Stunde nach Ladenschluss warten, um nicht erwischt zu werden. Zögert man zu lange, also bis nach Mittenacht, hat einem die Konkurrenz oft die beste Ausbeute bereits weggeschnappt. Sonntags zu gehen ist auch eine schlechte Idee, da die Läden nach einem Ruhetag keine Abfälle haben. Montage eignen sich dagegen hervorragend, da alle über das Wochenende verfallenen Lebensmittel aussortiert werden. Auch wenn die Ausbeute nicht jeden Tag bombastisch ist, sollte man sich doch auf eine gewisse Menge einstellen, also kommt man lieber mit mehreren Stoffbeuteln, als mit einer kleinen Handtasche in den Hinterhof. Die wichtigste Frage ist jedoch, ob die Lebensmittel noch genießbar sind.

 

Gesundheitliche Brennpunkte

„Nimm nur Lebensmittel, die man schälen kann, oder die verpackt sind, damit der Schmutz weggeht! Iss keine unverpackte Paprika oder so. Da können ja schon Mäuse oder Ratten oder schimmliges Obst dran gewesen sein. Die Schimmelsporen sind dann im Essen, obwohl du sie nicht siehst.“ Meine Mutter steht mit dieser Meinung nicht allein da. Wissenschaftler*innen gehen oft auf die potenziellen gesundheitlichen Risiken der containerten Nahrungsmittel ein. Bakterien sowie Schimmelsporen finden in den Mülltonnen optimale Bedingungen, um sich zu vermehren. Vor allem unverpacktes Gemüse und Obst mit dünner Schale kann davon betroffen sein. Bei Lebensmitteln mit dicker Schale, wie Bananen oder Orangen, sehen die Expert*innen jedoch kein direktes Gesundheitsrisiko. Ich esse die geretteten Lebensmittel nur gekocht oder gebacken. Meine Einstellung dazu ist, dass potenziell gesundheitsgefährdende Stoffe dadurch weitgehend unschädlich gemacht werden.

 

Bei den containerten Lebensmitteln mache ich deswegen den von mir persönlich entwickelten „Kühlschrankvergleich“. Wenn Gemüse länger im Kühlschrank liegt, entwickelt es ebenso Verfallserscheinungen. Trotzdem würde ich die problematischen Stellen einfach ausschneiden und den Rest noch essen. Ist das containerte Gemüse also etwa in der gleichen Verfassung, nehme ich es mit." Maren*, rettet Lebensmittel

 

Dabei achte ich darauf, es innerhalb der nächsten vier bis fünf Tage zu verbrauchen. Bisher hatte ich deswegen auch nie gesundheitliche Probleme, wie beispielsweise eine Lebensmittelvergiftung. Von meinen „Komplizen und Komplizinnen“ habe ich das auch noch nicht gehört.

 

Alternativen zur Tonne

Supermärkte müssten die noch genießbaren Lebensmittel ja überhaupt nicht wegschmeißen. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Arten diese zu verwerten. Die Tafeln nehmen solche Lebensmittel an und verteilen sie an Bedürftige. Auch das sogenannte Foodsharing wäre eine Option. Supermärkte, Restaurants, Produzenten, aber auch Privatpersonen, können übergebliebene Lebensmittel zu Foodsharing-Orten in der Stadt bringen, wo sie in einem Regal oder Kühlschrank für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Im Gegenzug darf sich auch jeder dort bedienen, wodurch ein Austausch entsteht, der vielen Lebensmittel den Gang in die Tonne erspart. In Augsburg gibt es Foodsharing-Punkte im Sozialkaufhaus Contact, bei Degree-Clothing, im Hörsaalzentrum der Universität, dem City Café sowie im Grandhotel Cosmopolis.

 

Ich finde die Politik könnte ihren Teil beitragen, indem sie Supermärkte verpflichtet, das Essen an Tafeln oder Foodsharing weiterzugeben. Damit würden schon viele Lebensmittel gerettet werden.“ Tina*, Containererin

 

Frankreich ist uns dabei schon eine Nasenlänge voraus. Die Regierung hat dort gesetzlich festgelegt, dass Supermärkte mit einer Verkaufsfläche von mehr als 400 Quadratmetern, genießbare Lebensmittel nicht mehr wegwerfen dürfen. Für Restaurants oder andere gastronomische Einrichtungen gibt es Möglichkeiten wie die „Too good to go“ App. Dabei verkaufen die Teilnehmer*innen übrig gebliebene Gerichte billiger über die App. In Augsburg machen dabei schon vier Läden mit, während es in München weit mehr sind. Die App kann einfach auf dem Smartphone heruntergeladen werden. Man bezahlt direkt und bekommt einen Zeitraum mitgeteilt, in dem das Essen abzuholen ist.

 

Unsere Ausbeute

Für die nächsten Tage werde ich genug zu essen haben. Tina und ich waren heute nur bei einem Supermarkt, haben dort hauptsächlich die Biomülltonnen durchwühlt und eine ordentliche Beute zu bejubeln. Zu Hause breiten wir alle Lebensmittel auf dem Tisch aus und verteilen sie untereinander.

 

Insgesamt haben wir einen Beutel mit Pilzen und Tomaten, sieben Brokkoli, drei Blumenkohlköpfe, 21 Paprika, drei Bund Karotten, vier Bund Frühlingszwiebeln, zwei Auberginen, vier Gurken und jeweils einen Rettich, Apfel, Kohlrabi und Romanesco. Die ganze nächste Woche werden wir also mit dem Gemüse versorgt sein, das andere weggeworfen haben." Maren*, rettet Lebensmittel

 

* Die Namen der Autorin dieses Artikels und ihrer Begleiterin wurden geändert. Ihre wirklichen Namen sind der Redaktion bekannt.

 

Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren?

Dieser Artikel ist ein Ergebnis des zweiten Lifeguide-Seminares an der Universität Augsburg, das unsere Redakteurinnen Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab im Wintersemester 2018/ 2019 im Fachbereich Geographie anboten. Die Kernfrage lautete: Wie können Wissenschaft und Gesellschaft voneinander profitieren? Indem sie so oft wie möglich miteinander sprechen und sich austauschen. Indem also beispielsweise junge Wissenschaftler*innen in allgemein verständlicher Sprache von ihren Forschungsprojekten, ihren Forschungsfragen oder ihren Zukunftsmodellen berichten. Im Laufe des Seminars wurde über Verständlichkeit gesprochen, über Recherche, Gegenrecherche, Überschriften, Teaser, Fotos und vieles mehr. „Das war eine inspirierende Zeit für uns von der Lifeguide-Redaktion mit sehr engagierten Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Geographie. Es hat Spaß gemacht,  mit ihnen in einer Uni-Redaktion zusammenzuarbeiten!“, berichten Cynthia Matuszewski und Sylvia Schaab.

Containern, Lebensmittel retten, Lebensmittelverschwendung, Mülltauchen, Foto: Lifeguide Augsburg
Containern oder Lebensmittel retten. Foto: Lifeguide Augsburg
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Diese Bananen kann man noch gut essen, obwohl sie im Müllcontainer eines Supermarktes gelandet sind. Foto: Lifeguide Augsburg
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Diese Eier landeten im Müll eines Supermarktes. Eine junge Containererin prüft, ob sie noch gut sind. Foto: Lifeguide Augsburg
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Containern oder Lebensmittel retten. Foto: Lifeguide Augsburg
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Containern oder Lebensmittel retten. Foto: Lifeguide Augsburg
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Inhalt einer Abfalltonne eines Supermarktes. Foto: Lifeuguide Augsburg
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Containern oder Lebensmittel retten. Foto: Lifeguide Augsburg
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Dieses Gemüse landete im Müll eines Supermarktes. Foto: Lifeguide Augsburg
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