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Wildkräuter für jeden Monat

Wildkräuter Kalender
Ein Familienkalender mit vielen Infos
Kräuterkalender mit Löwenzahn von Markus Siefer

Das schöne an den Kräuter: Sie können als Tee, würziges Pesto, Smoothie oder zarte Gemüsebeilage genutzt werden. Viele sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Pflanzenstoffen und haben heilsame Wirkungen. Brennnesseln, Löwenzahn oder Giersch sind noch die bekanntesten, doch es gibt noch viele mehr. Der Kalender hilft, sie kennen und nutzen zu lernen.

 

Gemeinsam mit der Kommunikationsdesignerin Alina Mirwald hat Markus Siefer nun ein buntes Potpourri an Wildkräutern in einen Kalender gepackt. Seit mehr als fünf Jahren ist der Kulturwissenschaftler schon in Sachen Kräutern unterwegs. Am Umweltzentrum in Kreppen bietet er regelmäßig Kräuterführungen an und weiß vieles über die wilden schmackhaften Gewächse zu berichten. Irgendwann hat er dann angfangen, die verschiedene Pflanzen zu photographieren und Steckbriefe über die jeweilige Pflanze zu erstellen. Daraus ist dann der Familienkalender für 2022 entstanden, der jezt für 15 Euro zu kaufen ist.

 

Zu kaufen gibt es den Kalender bei SBG Copy im Univeriertel, Salomon-Idler Straße 24F
Mehr Infos bei Markus Siefer: 0157-31145800 oder wildpflanze@posteo.de

Übersicht über die Seiten des Kräuterkalenders 2022 von Markus Siefer
Kräuterkalender 2022
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Buchtipp: Urban Gardening mal anders, die Zweite

Buchtipp: Urban Gardening mal anders, die Zweite
Benjamin Vogt berichtet über sein Leben als CityFarmer
CityFarm Augsburg, Urban Gardening, Schwarznasenbock, Foto: Ildiko Remenyi-Vogt

Rechtzeitig zum zehnjährigen Jubiläum der CityFarm Augsburg gibt Benjamin Vogt sein zweites Buch über den ehrenamtlich betriebenen, gemeinnützigen Minibauernhof mitten in Augsburg heraus. 

In ‚Urban Gardening mal anders‘ nimmt der CityFarmer und Schriftsteller seine Leser*innen mit in den Alltag eines CityFarmers und erzählt unter anderem, wie Eigenversorgung mitten in der Stadt funktioniert oder wie man tierische Mitbewohner ohne Strom- und Wasseranschluss versorgt. Er gibt wertvolle Tipps und erzählt ganz offen von den Lektionen, die die CityFarm ihn gelehrt hat. Das farbenfrohe Buch vereint unterhaltsam Witz und Kritik an unserer modernen Lebensweise aus Sicht eines waschechten Stadtbauern. Benjamin Vogt hat die stille Zeit des Lockdown konstruktiv genutzt und will mit dem Erlös der Bücher seinen Teil zum Überleben der CityFarm beitragen:

Die Fortsetzung von, ‚Urban Gardening mal anders‘, ist von, für und über die CityFarm. Die Gewinne werden ausschließlich dem Wohl der Tiere zugutekommen. Auch an uns ist Corona nicht spurlos vorübergegangen. Ohne Veranstaltungen brechen uns die Spenden weg, weswegen wir die geschenkte Zeit genutzt haben, um Freud und Leid mit euch in Buchform zu teilen.“ Benjamin Vogt, CityFarmer und Schriftsteller.

Hier geht es zum ausführlichen Lifeguide-Interview mit Benjamin Vogt.

 

10 Jahre CityFarm Augsburg

Die CityFarm Augsburg ist ein Urban Farming-Projekt des Transition Town Augsburg e.V. und wurde 2011 im Norden Augsburgs gegründet. Initiatoren der CityFarm sind die Geographin Ildiko Reményi –Vogt und der Lehrer Benjamin Vogt. Die Farm wird rein ehrenamtlich und gemeinschaftlich von ca. 20 CityFarmer*innen bewirtschaftet. Auf dem Gelände werden Hühner, Enten, Bienen, Kaninchen und Schafe artgerecht und ökologisch verträglich in naturnahen Gehegen gehalten. Die Schafe werden zur Landschaftspflege im innerstädtischen Gebiet eingesetzt, um artenreiche Biotope zu erhalten und zu schützen. Ein tragender Schwerpunkt des Projektes ist der nachhaltig bewirtschaftete Bauerngarten, in dem alte Gemüsesorten angebaut und vermehrt werden. Dieses Saatgut wird an Gartenfreunde weitergegeben. Die CityFarm dient daher als Begegnungs- und Austauschort für „Gartenrebellen“, Menschen, die einen Wandel der Gartenkultur hin zu naturfreundlichen, artenreichen Gärten wünschen und umsetzen.

 

Die CityFarm ist UN-Projekt für biologische Vielfalt

Für die engagierten Naturschützer der CityFarm war 2020 die Auszeichnung durch die Vereinten Nationen zum offiziellen Projekt der "UN-Dekade biologische Vielfalt" ein Meilenstein . Im Kern ging es den Preisrichter*innen darum, Natur als Chance für sozialen Zusammenhalt zu begreifen und die biologische Vielfalt zu fördern. Mit ihrem Saatgutprojekt haben die Geographin Ildiko Reményi –Vogt und der Lehrer Benjamin Vogt damit voll ins Schwarze getroffen.

Vom Aussterben bedrohtes Saatgut für die Zukunft und Ernährungssicherheit unserer Kinder zu bewahren, ist von existenzieller Bedeutung!“ Ildiko Reményi –Vogt , CityFarmerin und Geographin.

Zudem erhielten die CityFarmer für ihren Einsatz rund um den Erhalt der Augsburger Biodiversität den „LEW Bessermacherpreis“.

INFO:

  • Das Buch „Urban Gardening mal anders, die Zweite“  ist im Buchhandel erhältlich und kostet 9.99 Euro
  • ISBN: 9783752620825
  • Verlag: BoD – Norderstedt

 

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Urban Gardening mal anders - die Zweite, Buch, Benjamin Vogt, CityFarm Augsburg, Grafik: Benjamin Vogt
Buchtitel: Urban Gardening mal anders - die Zweite. Grafik: Benjamin Vogt
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Benjamin Vogt von der CityFarm Augsburg mit seinem Schwarznasenbock Kenobi und seinem neuesten Buch. Foto: Ildiko Remenyi-Vogt
Urban Gardening mal anders - die Zweite, Buch, Benjamin Vogt, CityFarm Augsburg, Grafik: Benjamin Vogt
Buchtitel: Urban Gardening mal anders - die Zweite. Grafik: Benjamin Vogt
Schafe und Ziegen der CityFarm Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Schafe und Ziegen der CityFarm Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Benjamin Vogt mit Schafen der CityFarm Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Benjamin Vogt mit Schafen der CityFarm Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
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CityFarm Augsburg, Urban Gardening, Ildiko Remenyi-Vogt, Benjamin Vogt,  Foto: Cynthia Matuszewski
Benjamin Vogt und Ildiko Remenyi-Vogt von der CityFarm Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
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Benjamin Vogt von der CityFarm Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
CityFarm Augsburg, Urban Gardening, Ildiko Remenyi-Vogt, Benjamin Vogt,  Foto: Cynthia Matuszewski
Benjamin Vogt und Ildiko Remenyi-Vogt von der CityFarm Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
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„Mein Auto, mein Kleid, mein Hähnchen“

„Mein Auto, mein Kleid, mein Hähnchen“
Gelesen und gelernt: die Studie von Brot für die Welt

Wer zahlt die Kosten für unseren grenzenlosen Konsum? Wir ahnen es, die Studie belegt es. Es bezahlen vor allem Menschen, die fernab wohnen: Minenarbeiter in Brasilien, die das Erz abbauen, aus denen deutsche Autos gebaut werden; Näherinnen in den Textilfabriken Bangladeshs; und Kleinbäuerinnen und -bauern  in Paraguay, die von ihrem Land vertrieben wurden, um dort Futtersoja anzubauen.

Wir wissen das im Groben. Diese Broschüre von 2016 erläutert den Fußabdruck unseres Konsums an drei Beispielen – auf jeweils 10 bis 14 Seiten, versehen mit übersichtlichen Grafiken. Die Broschüre zeigt kurz, klar und verständlich, wer die Last für unseren Konsum trägt. Außerdem ist sie kostenlos. Nach der Lektüre dieser Studie wissen wir nicht mehr nur im Groben, was falsch läuft, sondern in Zahlen und Details.

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Thema globale Hühnerproduktion

Der Skandal mit den nach West- und Zentralafrika exportierten europäischen, darunter auch deutschen Hühnerteilen ist einigen sicher bekannt: bei uns bleiben die Filetstücke, vielleicht noch die Schenkel – aber Flügel, Hals, Innereien, Köpfe und Füße werden von den großen Herstellerkonzernen nach Afrika verkauft. Trotz weiter Entfernungen und aufwendigem Transport (Stichwort: Kühlkette) sind sie dort billiger als ganze Hühner aus der eigenen Region. Folge: zwar konnten sich mehr Menschen jetzt Hühnerteile leisten, doch die lokale Hühnerproduktion brach zusammen, 90% der heimischen Fleischproduzent*innen gaben auf. Weitere Folge neben Verarmung: Krankheiten, denn öfter waren die Teile stark mit Salmonellen verseucht, da die Kühlkette nicht eingehalten wurde. Gegenwehr gelang erst, als die Regierungen von Kamerun oder Senegals Importbeschränkungen bzw. -verbote aussprachen. Dort erholt sich die lokale Hühnerproduktion seitdem langsam wieder.

 

Was tun?

Weg von der industrialisierten Hühnerproduktion bei uns, zurück zu kleinen und lokalen Haltungen. Wer bei uns Tiere mästet, sollte auch deren Futter anbauen, statt beispielsweise Futtersoja aus Paraguay zu verwenden – das würde hierzulande zwar die Produktion senken, die Preise erhöhen und den Hühnerfleischkonsum reduzieren. Aber es würden weniger Antibiotika eingesetzt und Exporte vermieden. Dürften alle Entwicklungs- und Schwellenländer Billigimporte untersagen, könnte sich in den afrikanischen Ländern die lokale Produktion wieder besser entwickeln. Freihandel ist also nicht gleich fairer Handel, sondern manchmal das Gegenteil. Ich weise in diesem Zusammenhang auf die Vorläufer von TTIP in Afrika hin,  die EU-Freihandelsabkommen EPA mit afrikanischen Staaten.

 

Nächstes Thema der Studie: der Preis der Kleidung

Auch das ist hinreichend bekannt: Beim Anbau der Baumwolle, der Herstellung von Chemiefasern, der Veredelung und der Konfektionierung wird in der Ferne oft gegen grundlegende Menschenrechte verstoßen – Zwangs- und Kinderarbeit, viel zu lange Arbeitszeiten, keine existenzsichernden Löhne, mangelnde Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Unterdrückung von Gewerkschaften.

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Die Studie bringt Beispiele aus Indien, Bangladesh und Kambodscha, beziffert den Einsatz von 2,4 kg Chemikalien bei der Herstellung von einer Jeans und wer wie viel an einem T-Shirt verdient – die Näherin z.B. nur 1% des Preises. Verantwortung dafür tragen die Handelsunternehmen unserer reichen Länder, die Hersteller*innen vor Ort und ein wenig auch wir Konsumierenden – denn es gibt mittlerweile immer mehr Alternativen. Aus Augsburger Sicht: bei uns wird selbst wieder Kleidung hergestellt, von manomama (diese ist sogar Bioland-zertifiziert). Außerdem bieten degree und diverse kleinere Läden Kleidung an, die in Europa hergestellt bzw. mit vertrauenswürdigen Siegeln wie Fair Wear, Fairtrade Baumwolle, GOTS ausgestattet sind. In unserem nachhaltigen Lifeguide-Shopping-Rundgang findest du viele tolle Bekleidungsläden. Aus der Region sind z.B. Schöffel aus Schwabmünchen und deuter aus Gersthofen Mitglied der Fair Wear Foundation. Doch zurück zur Studie: Der Marktanteil von GOTS-zertifizierter Kleidung liege bundesweit bei 0,02%, so das Umweltbundesamt; das dürfte auch für Augsburg gelten – jedes 5.000 Kleidungsstück also.

 

Was tun?

Alternative Einkaufsmöglichkeiten habe ich ja schon beschrieben. Außerdem sollten alle Unternehmen in der gesamten Lieferkette auf gute Arbeits- und Gesundheitsbedingungen achten. Das ist äußerst kompliziert, muss aber sein. Ein erster Schritt dahin wäre die Konzentration der Unternehmen auf langfristige, stabile Beziehungen mit möglichst wenigen Lieferanten – so macht es zum Beispiel deuter. Zweitens sollten Bundestag und Bundesregierung sich nicht mit freiwilligen Selbstverpflichtungen von Unternehmen begnügen. Und  Kommunen, Schulen oder Kindergärten sollten immer möglichst hohe soziale und ökologische Standards einhalten. Wir Shopper*innen schließlich sollten weniger und wohl gezielter einkaufen, und dabei vor allem auf Siegel wie die obengenannten Fairwear, Fairtrade und GOTS achten. Oder Second-Hand-Kleidung erstehen, da gibt es immer mehr Verkaufsstellen. Einfach hier im Lifeguide den Suchbegriff "second hand" eingeben".Und wir haben noch einen großen Vorteil: mit der Aktion Hoffnung, ihren Kleiderbehältern und Sammelaktionen, haben wir in und um Augsburg eine lokale gemeinnützige Wiederverwerterin gebrauchter Kleider.  

 

Neues über unser teuerstes Stück: das Auto

Wer weiß, woher die Teile, aus denen unsere Autos bestehen, kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt sind? Niemand. Frag mal deine*n Autoverkäufer*in - sie werden es auch nicht wissen. Sind ja auch zwischen 10.000 und 40.000 Teilchen pro Pkw. Die Broschüre bringt etwas Licht ins Dunkel. Über die Bedingungen bei der Endmontage z.B. in Ingolstadt sind wir vielleicht noch gut informiert, auch über die Produktion mancher Komponenten (bei Bosch etc.). Aber den Rohstoffabbau und dessen Verarbeitung? Die Studie benennt: Zwei Drittel des Gewichts eines Mittelklassewagens sind Stahl und Eisen, knapp 10% Leichtmetalle wie Aluminium, 3% Buntmetalle wie Messing und Kupfer und Kunststoffe ca. 17%. Sie zeigt auch beispielhaft, wo diese Rohstoffe herkommen und unter welchen Bedingungen sie abgebaut bzw. hergestellt wurden. Sie benennt Menschenrechtsverletzungen und Verarmung z.B. in Peru, woher ca. ein Viertel der deutschen Kupferimporte stammen. Und die Aussichten sind nicht rosig – denn in zukünftigen Elektroautos werden auf Grund der Batterietechnik noch mehr Rohstoffe verbaut sein.

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Was tun?

Spontan gesagt: möglichst Fahrradfahren, denn da sind deutlich weniger Rohstoffe verbaut. Die Studie schlägt vor: Autos teilen. Kleinere Autos bevorzugen, denn auch da sind weniger Rohstoffe drin. Und beim Händler oder Hersteller mal nach den Menschenrechten in der Produktionskette fragen. Das wird erst mal auf Schulterzucken und Erstaunen stoßen; wenn es aber öfter vorkommt, werden sie immer genauere Antworten geben wollen. Am wichtigsten wären politische Änderungen: Standards sollten nicht mehr freiwillig von Wirtschaftsverbänden vereinbart werden, sondern vom Bundestag gesetzlich vorgeschrieben werden. Dass Politik diesen Weg geht, dazu braucht es mehr Druck von mehr Menschen. Genau dazu will die Studie von Brot für die Welt beitragen.

Gegen wirtschaftliches Wachstumsdogma propagieren immer mehr politisch engagierte Menschen Lateinamerikas eine Rückbesinnung auf indigene Lehren. In deren Zentrum steht der Übergang von einer Weltsicht, bei der das Individuum im Mittelpunkt steht, zu einem Weltbild, das die Einbindung des Menschen in eine Gemeinschaft und seine Umwelt betont. Hierzu findet sich ein doppelseitiges Interview mit Alberto Acosta, Wissenschaftler und einst Energieminister Ecuadors. Das Konzept des guten Lebens biete keine globale Blaupause. Es beschreibe eher Wege, die sich beim Gehen offenbaren und die Menschen in ihren Gemeinschaften erkunden müssten. Klar sei: es gelte, die Armut abzuschaffen und den Wohlstand radikal umzuverteilen.

Damit nicht länger fernab Menschen die Kosten für unseren grenzenlosen Konsum zahlen.

Hier geht es zu der Brot für die Welt Studie Mein Auto, mein Kleid, mein Hähnchen

 

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INFO: Dieser Artikel erschien bereits am 24.10. 2016 im Lifeguide

 

 

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Buchtipp: dreizehn daheim - Das Kochbuch zum Café

Buchtipp: dreizehn daheim - Das Kochbuch zum Café
Die Köch*innen vom Augsburger Café dreizehn verraten ihre Lieblingsgerichte
Kochbuch, vegan, Café dreizehn, Augsburg, Foto: Team dreizehn

Covid-19 ist zu verdanken, dass es ein neues veganes Kochbuch gibt - mit bewährten Rezepten aus dem dreizehn in Augsburg. Flora Fink ist eine der Köch*innen und erzählt uns von dem konstruktiven Umgang des Team dreizehn mit dem Lockdown. Wir freuen uns auf das kreative und alltagstaugliche Kochbuch 'dreizehn daheim'!

Auf dem Buchmarkt finden sich so einige Bücher, die der rein pflanzlichen Ernährung gewidmet sind, und zum Glück finden sich auch gar nicht so wenige Interessierte für diese Art zu essen und zu leben. Unser Buch unterscheidet sich in ein paar Punkten von anderen: Es ist aus dem lebendigen Café-Alltag heraus entstanden, die Rezepte wurden unzählige Male von verschiedenen Köch*inn*en getestet und von unzähligen Gäst*inn*en probiert und gelobt. Wir haben es im Team gestaltet, während wir durch den Lockdown ausnahmsweise nicht wie sonst im Café kochen, backen, servieren, spülen usw. konnten. Dadurch ist es so bunt geworden, wie unsere Frau&Mann-schaft es auch ist - mit verschiedenen Texter*inne*n und visuellen Gestalter*inne*n. Wir waren fast selbst erstaunt, das umfangreiche und professionelle Ergebnis in den Händen zu halten - das Resultat einer richtigen Herzensarbeit. Jede*r von uns - zu vierzehnt haben wir an diesem Projekt gearbeitet - hat beigetragen, was sie/er am besten kann, am liebsten macht. Wir haben uns abgestimmt, in vielen langen Videokonferenzen besprochen, Entscheidungen gemeinsam getroffen.

 

Vegane Rezepte – vegane Materialien für die Buchproduktion

So auch die Entscheidung für eine vegane Produktion - was alles andere als selbstverständlich ist, denn bei Hardcover-Büchern wird für die Bindung gewöhnlich Knochenleim verwendet. Ein wenig komplizierter und teurer wurde die Herstellung dadurch, aber das war es uns wert. Wir sind froh, uns den “Luxus” leisten zu können, unsere Ideale zu realisieren. Als Team freuen wir uns im Café-Alltag wie mit diesem Buch, unsere Ideen von einer (tier- und umwelt-)freundlicheren Welt umzusetzen.

Und menschenfreundlich ist das Ganze allemal: Der Genuss kommt trotz Verzicht auf Tierisches so gar nicht zu kurz, und davon kann frau/man sich in der Augsburger Kresslesmühle und in der heimischen Küchen überzeugen lassen. Unsere Rezepte sind leicht nachzumachen, die Gerichte schmecken. Gesund sind sie auch noch, auch wenn wir mit Zucker backen, manchmal, und nicht an Fett und Salz sparen.

 

Rezepte auch mit glutenfreien, nussfreien oder sojafreie Varianten

Wer zuhause kocht, darf natürlich kreativ werden und mit unseren Rezepten experimentieren - wir haben viele Vorschläge für glutenfreie, nussfreie, sojafreie Varianten ins Buch aufgenommen, Allergiker*innen sollten also auch auf ihre Kosten kommen. Über 100 Rezepte laden ein, vegan zu frühstücken, zu brunchen, zu Mittag und Abend zu essen - und natürlich Süßes zu genießen. Regionales wie Exotisches gibt es da auszuprobieren, und wir haben sowohl an Kocherfahrene wie Anfänger*innen in der Küche gedacht.

 

INFO zum Buch:

  • Das Kochbuch dreizehn daheim kostet 30 Euro und hat 238 Seiten.
  • Zu kaufen gibt es das Buch im Café dreizehn in der Kresslesmühle. Außerdem könnt ihr es hier bestellen: book@muehle-dreizehn.de
  • Mehr Infos auf der  Website des Café dreizehn

INFO zum Restaurant:

 

Kochbuch, vegan, Café dreizehn, Augsburg, Foto: Team dreizehn
Die Köch*innen vom Café dreizehn in Augsburg verraten ihre veganen Lieblingsrezepte. Foto: Team dreizehn
vegan, Café dreizehn, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Café dreizehn in Augsburg bietet vegane Küche vom Feinsten. Foto: Cynthia Matuszewski
Kochbuch, vegan, Café dreizehn, Augsburg, Foto: Team dreizehn
Die Köch*innen vom Café dreizehn in Augsburg verraten ihre veganen Lieblingsrezepte. Foto: Team dreizehn
vegan, Café dreizehn, Augsburg, Foto: Team dreizehn
Team vom Café dreizehn in Augsburg, in der Kresselesmühle. Foto: Team dreizehn
Kochbuch, vegan, Café dreizehn, Augsburg, Foto: Team dreizehn
Die Köch*innen vom Café dreizehn in Augsburg verraten ihre veganen Lieblingsrezepte. Foto: Team dreizehn
cafe dreizehn augsburg, vegan, Gericht, Foto: Tanja Hartlieb
Der Cashewbär im Café dreizehn in Augsburg. Foto: Tanja Hartlieb
Kochbuch, vegan, Café dreizehn, Augsburg, Foto: Team dreizehn
Die Köch*innen vom Café dreizehn in Augsburg verraten ihre veganen Lieblingsrezepte. Foto: Team dreizehn
cafe dreizahn augsburg, vegan, café, restaurant, Foto: Christina Ostermayr
Auch draußen, mitten im Lechviertel Augsburgs, könnt ihr im Dreizehn euer Essen genießen. Foto: Christina Ostermayr
vegan, Café dreizehn, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Café dreizehn in Augsburg bietet vegane Küche vom Feinsten. Foto: Cynthia Matuszewski
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Buchtipp: Raus aus dem Rassismus norbert.stamm Sa., 12.09.2020 - 19:09
Buchtipp: Raus aus dem Rassismus
Tupoka Ogettes Buch „exit RACISM - rassismuskritisch denken lernen “ ist DIE Einführung in das Thema. Buchkritik von Norbert Stamm – Büro für Nachhaltigkeit der Stadt Augsburg.
Tupoka Ogette, Exit Racism, Rassismus, Cover: Unrast Verlag

Rassismus ist ein Thema. Heute. Hier. Ob wir Weißen Augsburgerinnen und Augsburger das wollen oder nicht. Denn einige Menschen in unserer Stadt leiden darunter. Das wollen wir nicht, und Rassismus wollen wir auch nicht. Also tun wir etwas dagegen.

Eine gute Einführung in das für alle schwierige Thema ist das 130 Seiten starke, handliche Buch von Tupoka Ogette. Die deutsche Autorin und Antirassismus-Trainerin beschreibt sich selbst als „Schwarzer Mensch, der in einer weißen Mehrheitsgesellschaft aufgewachsen ist.“

Zu allererst: Ogettes Buch ist sehr gut lesbar – und es funktioniert. Konzipiert ist es wie eine Art Workshop – Schritt für Schritt auf einander aufbauend, mit kurzen Infofilmen, Erfahrungen und Statements Betroffener, mit Frage-Antwort-Runden dazwischen und Feedback von Sudierenden. Angenehm ist auch, wie die „Workshopleitung“ Tupoka Ogette uns Lesende freundlich an die Hand nimmt, trotz des schmerzlichen Themas.

 

Wir leben in Happyland

Diesen Begriff für unser Weißes sorgloses, naives, hoffnungsfrohes Dasein pflanzt Tupeka Ogette uns ins Hirn. Und wir kommen nicht mehr los davon. Auch wenn für jede und jeden von uns Weißen nicht alles happy ist, aber eines ist sicher: wer Weiß ist, hat Privilegien gegenüber Schwarzen und People of Colour (PoC). Diese hier kursiv und groß geschriebenen Begriffe zeigen an, dass einige Gedankengänge bei der Benutzung dahinterstecken.

Schwarze und PoC sind Selbstbezeichnungen. Von Menschen, die unter Rassismus leiden. Unter alltäglichen, teils nett gemeinten, aber anstrengenden, teils böswilligen und traumatisch verletzenden Ansprachen und Ausgrenzungen. Verletzungen und Beeinträchtigungen, die die Weiße Mehrheitsgesellschaft oft nicht mitbekommt.   

 

Ich ein Rassist?

Sehr ungern. Aber leider ja: als Teil und Nutznießer*in des strukturellen, institutionellen Rassismus. Dem entkommt jemand Weißer nicht, auch wenn er gerne möchte. Ogette beschreibt in Exit RACISM fünf Phasen im Umgang mit eigenem Rassismus: Sorglosigkeit, Abwehr, Scham, Schuldgefühl und Anerkennung.

Exit RACISM schildert Deutschlands Beteiligung am Kolonialismus – im Schnelldurchlauf. Ogette weist auf die im 19. Jahrhundert dazu entstehenden Rassetheorien und auf das rassistische Denken berühmter Philosophen hin. Sie benennt auch die fatale, weil dominierende Wirkung, die Deutschlands nazistische Vergangenheit für uns Nachgeborene bei der Auseinandersetzung mit dem Rassismusthema hat.

 

Was tun?

Tupoka Ogette gibt zum Schluss 11 Tipps für einen rassismuskritischen Alltag, darunter: Wissen ist Macht - Informiere dich. Oder: "Sprich nicht FÜR, sondern MIT Schwarzen Menschen und People of Color."

Sprich Rassismus an, wenn Du ihn erkennst. Immer. Nicht, weil Du damit Schwarzen Menschen und PoC „helfen“ willst, sondern weil DU nicht in einer Gesellschaft leben möchtest, in der Rassismus zum Alltag Deiner Mitmenschen gehört. Denke dabei an den Spruch von Martin Luther King: ‘In the end, we will not remember the words of our enemies but the silence of our friends‘“ Tupoka Ogette

Ogette empfiehlt außerdem: Auch wenn das Thema Rassismus Unwohlsein auslöst, wechsle nicht das Thema. Erkenne an, dass du als WeißeR Privilegien genießt, um dann diese Ungerechtigkeiten ändern zu können.

Wir alle können nichts für die Welt in die wir hineingeboren wurden. Aber jede und jeder kann Verantwortung übernehmen und diese Welt mit gestalten." Tupoka Ogette  

Und Augsburg? Mittendrin.

Viele sind stolz auf die Fugger-Welser-Vergangenheit der Stadt. Dieses Erbe ist im Blick auf die Beteiligung dieser Handelsfamilien am Sklavenhandel des 16. Jahrhunderts  problematisch. Das Fugger-Welser-Erlebnismuseum lässt das nicht außer Acht. Aber das Bisherige dort reicht nicht. 

Der Streit um den historischen Namen unseres „ersten Hotels am Platz“ in Augsburg, dem Drei Mohren, war heftig. Drei Mohren ging nicht mehr. Denn nach der Definition von Rassismus ist es nicht ausschlaggebend, warum das Hotel seinen Namen erhielt – die Motive waren keineswegs rassistisch. Im Gegenteil: das Hotel ehrte mit dem Namen drei abessinische Mönche , die im 15. Jahrhundert in Augsburg Halt machten – der Name steht für Toleranz und Offenheit. ABER: Ausschlaggebend nach der Definition von Rassismus ist die Wirkung, die so ein Name erzeugt. Und zwar besonders die negativen, verletzenden Wirkungen – und diese gab es. Seit dem Sommer 2020  heißt das Hotel Maximilian’s. Ich hätte Drei Mönche bevorzugt, das hätte eine historische Anknüpfung ermöglicht...   

Auch unsere deutschlandweit bekannte Puppenkiste und deren beliebtester Held, Jim Knopf, kann rassistisch wirken – wenn Schwarze Kinder so bezeichnet werden und dies als verletzend erfahren. Das berichtet jüngst Moderatorin Shari Reeves (von „Wissen macht Ah!“) rückblickend bezogen auf Erfahrungen ihres Bruders. Auch hier gilt es wieder zu differenzieren: Michael Endes Kinderbuch hat seinen Ursprung in der wahren Geschichte des Sklavenjungens Jemmi Button und in Endes tief verwurzelter Abscheu der rassistischen Ideologie der Nationalsozialisten. Siehe die Dissertation von Julia Voss. Aber auch hier gilt: Ausschlaggebend nach der Definition von Rassismus ist nicht die (gute) Absicht, sondern die Wirkung, die die Figur von Jim Knopf erzeugt.  

 

Augsburg – auf dem Weg

Es gibt aber auch Ermutigendes aus Augsburg zu berichten: 19 unserer Schulen in Augsburg sind offizielle „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“. Das lässt hoffen.

Auch die antirassistische Bildungsarbeit läuft. Das Büro für gesellschaftliche Integration im Referat für Bildung und Migration hat 2020  eine Diversity-Information herausgegeben, die 46 wichtige Begriffe erläutert und so die Diskussion erleichtern soll.

Bei der Stadt Augsburg wird gerade die Zentrale Antidiskriminierungsstelle nach dem AGG  eingerichtet, die der Stadtrat im Juli 2019 beschlossen hat.

Auch Augsburgs Agendaprozess, in dem zahlreiche Weltverbessererinnen und Weltverbesserer aktiv sind, wird sich mit Rassismus befassen. Anders ist eine zukunftsfähige, gerechte Welt nicht zu haben.

Auch wenn Georg Seeßlen, ein hervorragender Film- und Kulturkritiker, am 30.6.2020 in der ZEIT unsere Weiße Situation so zusammenfasst:

Nicht rassistisch zu sein in einer Gesellschaft, die immer noch rassistisch geprägt ist, und in einer Kultur, die immer noch nicht mit dem rassistischen Erbe umzugehen gelernt hat, ist unmöglich.“Georg Seeßlen, Kritiker

Aber anfangen, es zu ändern müssen wir trotzdem. Es wird wehtun. Das sagt auch Tupoka Ogette. Und nimmt uns mit diesem Buch entschlossen und hilfreich an die Hand. Danke sehr.

Dr. Norbert Stamm

INFO:

Foto: Unrast-VerlagTupoka Ogette ist eine deutsche Antirassismus- und Diversity-Trainerin sowie Autorin. Sie arbeitet in der rassismuskritischen Bildungsarbeit. Ogette wurde 1980 in Leipzig geboren und ist in Berlin aufgewachsen. Sie studierte Afrikanistik und Wirtschaftswissenschaften. Als „Schwarzer Mensch, der in einer weißen Mehrheitsgesellschaft aufgewachsen ist“ sagt sie:  "Wir alle können nichts für die Welt in die wir hineingeboren wurden. Aber jede und jeder kann Verantwortung übernehmen und diese Welt mit gestalten."

  • „Exit RACISM“, Erstveröffentlichung 12.Juli 2018, liegt gerade in der 8. Auflage vor und kostet im Buchhandel 12,80 Euro.
  • ISBN: 978-3-89771-230-0
  • auch als Hörbuchfassung erhältlich
  • Das Buch gibt es inzwischen auch in der Stadtbücherei Augsburg zur Ausleihe.

 

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Buchtipp: Ulrich Grobers Entdeckung der Nachhaltigkeit

Buchtipp: Ulrich Grobers Entdeckung der Nachhaltigkeit
"Beeindruckende Lektüre", so das Urteil von Norbert Stamm. Ulrich Grobers kenntnisreiche Schilderungen reichen von Franz von Assisis Sonnengesang bis zur Bildung des Begriffs „nachhaltige Entwicklung“ in der Gegenwart.
Die Erde vom Weltall aus gesehen. Foto piro4d, Pixabay, Weltall

Da bin ich jahrelang im Nachhaltigkeitsdiskurs unterwegs und dachte, ihn drauf zu haben: Carl von Carlowitz‘ forstwirtschaftliche Definition aus dem Jahr 1713: "Es darf immer nur so viel Holz geschlagen werden, wie durch planmäßige Aufforstung, durch Säen und Pflanzen nachwachsen kann." Oder die etwas langatmige Formel der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtlands von "der Lebensweise, die Bedürfnisbefriedigung sowohl heute wie auch in aller Zukunft ermöglichen soll".

 

Schließlich unsere mutige Augsburger Definition mit den vier Dimensionen der Nachhaltigkeit: ökologisch, sozial, wirtschaftlich, kulturell – mutig deshalb, weil „Kultur“ sonst zumindest kommunal nicht so plausibel und definiert selbstverständlich als wesentlicher Teil nachhaltiger Entwicklung verstanden wird. Doch das Buch von Ulrich Grober belehrt mich eines Besseren, und das leicht und informativ.

 

Von Franz von Assisis Sonnengesang zur „nachhaltigen Entwicklung“

Grobers Erzählen übt einen Sog aus, wie er die Begriffsgeschichte nachzeichnet. Natürlich ist die nahe Vergangenheit das Spannendste: wann kam der Begriff ‚nachhaltige Entwicklung‘ denn nun auf? Und wer hat eigentlich dieses beliebte, aber verfängliche Bild der drei Säulen geprägt? Aber auch die oft zitierte forstwissenschaftliche Herkunft erfährt eine Erhellung, wenn Grober sie bis ins spätmittelalterliche Venedig zurückführt. Wichtige Gedankengänge sieht er noch weit früher – vor allem in Franz von Assisis Sonnengesang.

 

Waldbau, Raumfahrt, Naturschutz, Eine Welt…

Die Forstwissenschaft war im 18. Jahrhundert eine Wirtschaftswissenschaft – „nachhaltig“ war ein wirtschaftliches Vorgehen, nicht so sehr ein ökologisches. Die wirtschaftliche Ausbeutung der Erze in den Berggängen brauchte Stützbalken, die Feuer zum Herauslösen der Metalle aus dem Gestein Brennstoff. Doch das war nur der Ausgangspunkt: Grober beschreibt die forstwirtschaftliche Verbreitung nachhaltigen Waldbaus in den folgenden Jahrhunderten weltweit – in Japan, Frankreich, Indien, Skandinavien, den USA… Zusätzlich zur forstwirtschaftlichen Praxis an verschiedenen Orten entwickelt sich das Denken in Richtung Ökologie. Von „wise use“, dem weisen Gebrauch der Wälder, ist die Rede. Ästhetik kommt ins Spiel.

 

conservare - bewahren

Dann der große Einfluss der bemannten Raumfahrt: das Bild des „Aufgangs der Erde“, earthrise – der überwältigende Anblick unseres so schönen, so zerbrechlichen, so besonderen Heimatplaneten – von Astro- und Kosmonauten erlebt und weitergeben. Der Menschheit wird ihr Planet bewusst. Schließlich die Debatte um ‚conservation‘, Bewahrung der Natur, Ende der 70er Jahre – einen Moment lang driftet der Begriff der Nachhaltigkeit Richtung „nachhaltiges Bewahren“. In der gleichen Zeit tragen jedoch lange kolonialisierte Länder ihren Anspruch vor, aufzuholen in Sachen Wohlstand. Entwicklung meint wirtschaftliche Entwicklung, meist gedacht als industrielle Entwicklung, ohne fesselnden Naturschutz. Auch hier dröselt Grober ruhig und kenntnisreich, mit genau der richtigen Dosis an Details und doch den Faden und die Spannung nicht verlierend, die damalige weltweite Diskussion auf…

 

Der Begriff Nachhaltigkeit - inhaltlich gewichtig und elastisch zugleich

Entwicklung meint nicht Wirtschaftswachstum. Lebensqualität meint nicht Lebensstandard. Gutes Leben hängt, nach Befriedigung der Grundbedürfnisse, nicht mehr von immer mehr Warenbesitz und -nutzung ab. Ästhetik, Kultur… sind wie selbstverständlich ein wichtiger Teil von Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit als das Wort, das Grobers Einschätzung nach an Bedeutung eher noch gewinnen wird – inhaltlich gewichtig und elastisch zugleich. In Nachhaltigkeit sei alles enthalten, worauf es ankomme. Weshalb die Idee der Nachhaltigkeit unser „ursprünglichstes Weltkulturerbe“ sei. Das zu wissen und zu vermitteln ist unsere Aufgabe. Dabei hilft diese Kulturgeschichte.

 

Grober lesen!

Gut, dass das Buch gut greifbar ist. Erschienen zuerst 2010, ist die Taschenbuchausgabe von 2013 erfreulicherweise immer noch im Handel erhältlich. Und die Stadtbücherei Augsburg beherbergt ein Exemplar, die Uni-Bib zwei (in der Geographie und der Soziologie) und eins die Zentralbibliothek der Hochschule.

Details zum Buch http://www.aethic.de/2016/01/03/die-entdeckung-der-nachhaltigkeit/

 

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Dr. Norbert Stamm, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Dr. Norbert Stamm vom Büro für Nachhaltigkeit der Stadt Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
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Buchtipp: Plastikfrei in 30 Tagen

Buchtipp: Plastikfrei in 30 Tagen
Gesünder und nachhaltiger leben ohne Plastik
Sylvia Schaab aus Augsburg lebt mit ihrer fünfköpfigen Familie plastikfrei. Foto: Edtih Schmidt gen. Steinhoff

Plastik, wohin das Auge reicht. Kaum ein Bereich in unserem Leben, der ohne Kunststoffe auskommt: Mikroplastik in Kosmetik, Weichmacher in Kinderspielzeug, eingeschweißte Lebensmittel, synthetische Fasern in der Kleidung. Gigantische Plastikmengen verschmutzen unsere Weltmeere und schaden so Mensch und Umwelt. Gerade Deutschland, das Heimatland der Mülltrennung, produziert so viel Verpackungsmüll wie kein anderes europäisches Land. Immerhin, den beschichteten Coffee-to-go-Bechern und den Plastikstrohhalmen geht es bereits an den Kragen, auch werden in Geschäften keine kostenlosen Plastiktüten mehr ausgegeben.

Doch es gibt noch viel zu tun. Wie ein Leben ohne Plastik gelingt, zeigt Sylvia Schaab in ihrem Buch »Es geht auch ohne Plastik«. Dabei geht sie mit gutem Beispiel voran: Mit ihrer Familie lebt die Journalistin seit mehr als drei Jahren nahezu plastikfrei. Ihre zahlreichen anschaulichen Tipps, wie wir Plastik aus unserem Alltag verbannen können, sind also selbst erprobt. Dabei lässt Sylvia Schaab keinen Lebensbereich aus: vom verpackungsfreien Einkauf und plastikfreien Kochen über richtiges Mülltrennen und Saubermachen ohne Plastik bis hin zu plastiklosem Wohnen, Gärtnern, Mobilsein und Feiern deckt sie alles ab. Im Interview mit dem Lifeguide sagt Sylvia Schaab:

Meine Kinder überraschten mich am meisten: Statt sich über Einschränkungen zu beschweren, lehnen sie mittlerweile selbst alles Plastikverpackte ab - nur bei Süßigkeiten gibt es manchmal eine Ausnahme." Sylvia Schaab

Neben spannendem Hintergrundwissen im Kapitel „Plastik, was ist das eigentlich?“, liefert Sylvia Schaab eine Vielzahl an DIY-Anleitungen für Milchprodukte, Reinigungsmittel, Kosmetika und Tipps in verschiedenen „Schwierigkeitsstufen“. Also für Eilige, Motivierte oder Experimentierfreudige. Aller Anfang ist schwer? Nicht so mit Sylvia Schaabs sechs Tipps zum Start in ein plastikfreies Leben. Ohne erhobenen Zeigefinger stellt die Autorin auch alternative Konsummöglichkeiten wie Upcycling, Reparieren oder Cradle-to-Cradle-Produkte vor. Abgerundet wird das Ganze durch eine „30-Tage-Challenge“ sowie nützliche Einkaufstipps und Adressen im Anhang. In Augsburg und Umgebung gibt es mittlerweile viele Stammtische für plastikfreies Leben, die Einsteiger*innen bei den ersten Schritten helfen. Heute sagt Sylvia Schaab über ihr nahezu platikfreies Leben:

Das Leben ist entspannter geworden." Sylvia Schaab

Sylvia Schaab, Autorin und Journalistin für nachhaltige Verbraucherthemen, lebt mit Mann und drei Kindern in Augsburg. Über ihr plastikfreies Leben schreibt sie in ihrem Blog „Grüner wird’s (n)immer". Sie engagiert sich in diversen Netzwerken und Vereinen für umweltpolitische Themen, hält Vorträge und gibt Workshops. Außerdem verhilft sie zukunftsweisenden, regional verwurzelten Unternehmen und Organisationen zu mehr Öffentlichkeit.

Das Buch:  Sylvia Schaab ES GEHT AUCH OHNE PLASTIK Die 30-Tage-Challenge für die ganze Familie! 288 Seiten ISBN: 978-3-442-22280-3 € 12,00 [D] € 12,40 [A] CHF 17,90 (UVP) Goldmann Taschenbuch

 

10 Einsteiger-Tipps vom Augsburger Stammtisch plastikfreies Leben:

  • 1.    Stofftasche immer dabei haben.
  • 2.    Getränke, Milch, Joghurt und Sahne in Pfandgläsern kaufen.
  • 3.    Obst und Gemüse lose kaufen und bei Bedarf in mitgebrachte Stoffsäckchen füllen.
  • 4.    Wurst und Käse in mitgebrachte Dosen packen lassen. Meist dürfen die Verkäufer die Dosen nicht über die Theke nehmen, aber der Transfer auf der Theke klappt gut. Manchmal muss man mutig sein und nachfragen. Aber das schärft das Bewusstsein.
  • 5.    Leitungswasser für unterwegs in Glas oder Edelstahlflaschen mitnehmen.
  • 6.    Seife bzw. Haarseife am Stück verwenden, statt Duschgel oder Shampoo zu nehmen.
  • 7.    Mehrweg statt Einweg bei Bechern und Tellern.
  • 8.    Strohhalme und anderes Einwegplastik vermeiden.
  • 9.    Second Hand statt Neu kaufen. Das spart Ressourcen und Verpackung.
  • 10.    Werbegeschenke aus Plastik ablehnen, eingeschweißte Kataloge abbestellen.

 

Die Stammtische plastikfreies Leben in der Region:

 

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Mehr über plastikfreies Leben in Augsburg erfahren Sie außerdem auf Websites von Andrea Maiwald und Sylvia Schaab:

Es geht auch ohne Plastik, Goldmann Verlag, Sylvia Schaab
Die Augsburger Journalistin Sylvia Schaab hat das Buch "Es geht auch ohne Plastik" mit vielen praktischen Tipps und einer 30-Tage-Challenge geschrieben.
plastikfrei, Stammtisch plastikfreies Leben, Foto: Cynthia Matuszewski
Seife statt Duschgel: Eine einfache Lösung ohne viel Plastikmüll. Die Stammtische plastikfreies Leben in Augsburg, Schwabmünchen, Friedberg und Königsbrunn informieren einmal im Monat über Plastikvermeidung. Foto: Cynthia Matuszewski
Plastikfreies Leben
Plastikfreies Leben
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Buchtipp: Lifeguide Reiseführer für Augsburg und die Region!

Buchtipp: Lifeguide Reiseführer für Augsburg und die Region!
Augsburg entdecken: Mit tollen nachhaltigen Stadtrundgängen und 200 Orten. Erhältlich im Buchhandel, bei der Tourismus-Information und an vielen Lifeguide-Orten.
Lifeguide, Augsburg, nachhaltiger Reiseführer, Foto: Cynthia Matuszewski

Wer in Augsburg Stadt, Land und Aichach-Friedberg nach Orten sucht, die helfen, ein zukunftstaugliches Leben zu führen, bekommt ab Dezember 2018 ein Buch mit all diesen Orten an die Hand. Den „Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region“ für Tourist*innen, Neubürger*innen und alle interessierten Alteingesessenen.

Das Buch stellt eine Region vor, in der nachhaltiges Denken, Leben und Handeln immer weiter erstarkt. Wo unverpackt und plastikfrei eingekauft werden kann und nachhaltige Mode entsteht. Wo Stadt- und Landwirte gemeinsam säen und ernten und soziale und interkulturelle Projekte Menschen einander näher bringen. Wo Nachhaltigkeit gemeinsame Sache ist. Bei der spannenden Tour zu mehr als 200 nachhaltigen Orten in Augsburg und seinem Umland und lernt ihr Menschen kennen, die neue Wege gehen – in eine lebenswerte Zukunft!

Über Nachhaltigkeit in unserer Region zu berichten ist inspirierend. Wir zeigen, welche positiven Ideen und Projekte es in unserer immer unübersichtlicher werdenden Welt gibt – und das direkt vor unserer Haustür. Und wir lernen Menschen kennen, die diese Lösungen bereits leben. Das macht Mut.“  Cynthia Matuszewski, Autorin des Lifeguide-Reiseführers, Chefredaktion Lifeguide Augsburg

Fünf nachhaltige Stadtrundgänge

Viele Menschen suchen nach Lösungen, wie sie ihren Alltag umweltverträglicher gestalten können. Im Internetportal Lifeguide Augsburg findet ihr bereits seit 2016 Antworten auf diese Fragen. Seit fünf Jahren informiert das werbefreie und nicht kommerzielle Internetportal über nachhaltiges Leben in Augsburg und in der Region. 

Mit diesem handlichen Buch findet jeder schnell das passende nachhaltige Angebot. Das stärkt das nachhaltige Augsburg und zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind." Sylvia Schaab, Autorin des Lifeguide-Reiseführers, Redaktion Lifeguide Augsburg.

Fünf Stadtrundgänge und eine Radtour führen die Leser*innen zu Orten in Augsburg, an denen nachhaltig gelebt, gearbeitet, produziert, repariert oder wiederverwertet wird. Mit rund 200 Geschäften, Restaurants, Initiativen, Sehenswürdigkeiten und einem Kalender mit Nachhaltigkeitsterminen in Augsburg ist der „Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region“ eine Informationsquelle für alle, die nachhaltiger leben möchten, die sich auf neue Einkaufsmöglichkeiten und Geheimtipps freuen, die junge Geschäftsideen unterstützen wollen oder die neugierig auf Neues sind.

Viele Menschen sind überrascht, wenn sie hören, wie viele Orte in Augsburg nachhaltige Angebote machen. Ich freue mich, dass wir diese nun auch in einem Buch darstellen konnten - für Augsburger*innen und für Besucher*innen.“  Torsten Mertz, Autor des Lifeguide-Reiseführers, Redaktion Lifeguide Augsburg

Es sind die Menschen, die Augsburg und die Region nachhaltig machen!

Das Buch stellt außerdem Menschen aus Augsburg vor, die in ihrem Leben bereits nachhaltigen Ideen verwirklicht haben, die ihnen besonders am Herzen liegen. Sie setzen sich für plastikfreies Leben ein, betreiben umweltfreundliche Landwirtschaft oder gehen neue Wege des gemeinsamen Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens. In neun Kapiteln zeigt das Buch „Lifeguide Augsburg – Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region“, wie gut nachhaltiges Leben in unserer Region funktioniert.

Augsburgs Nachhaltigkeitsprozess genießt bundesweit Aufmerksamkeit. 2019 ist er als eines der vier innovativsten und wirksamsten Transformationsprojekte in Deutschland vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung ausgezeichnet worden. Klar, dass wir da gut dieses Buch machen können, ja: müssen!“ Dr. Norbert Stamm,  Autor des Lifeguide-Reiseführers, Lifeguide Region Augsburg e. V.

Dieses Buch wurde bei der Umweltdruckerei Senser auf 100 % Recyclingpapier (zertifiziert mit dem Blauen Engel UZ 14) mit Bio-Farben ohne Mineralöle und Kobalt und aus über 70 % nachwachsenden Rohstoffen gedruckt. Der oekom verlag und Senser Druck beziehen CO2-neutralen Ökostrom. Die Emissionen für die Papierherstellung, den Transport und weitere unvermeidbare Emissionen kompensiert der oekom verlag durch Investitionen in ein Klimaschutzprojekt nach „Gold-Standard“.

 

Das Lifeguide-Buch wurde mit Unterstützung der Deutschen Postcode Lotterie realisiert und ist ab 6. Dezember 2018 und in Buchläden, bei der Regio Tourismus GmbH und an vielen Lifeguide-Orten lifeguide-augsburg.de erhältlich.

 

„Lifeguide Augsburg- Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region“, oekom verlag, München 2019, 180 Seiten, Paperback, ISBN 9-783962-38110-3, 9,80 Euro / 10,20 Euro (A). Auch als E-Book erhältlich.

 

 

 

Lifeguide Augsburg, Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Norbert Stamm, Torsten Mertz, Sylvia Schaab, Cynthia Matuszewski. Foto: Matuszewski
Der nachhaltige Reiseführer "Lifeguide Augsburg" konnte mit Hilfe der Postcode Lotterie realisiert werden. Von links: Dr. Norbert Stamm, Cynthia Matuszewski, Sylvia Schaab, Torsten Mertz. Foto Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Rica Friedl, Foto: Cynthia Matuszewski.
Rica Friedl vom Hotel Bayerischer Wirt in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Ildiko Remeny, Benjamin Vogt,CityFarm Augsburg,  Foto: Cynthia Matuszewski.
Ildiko Remeny (r) und Benjamin Vogt (l) von der CityFarm in Augsburg sind Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Frank Schubert von der Biobäckerei Schubert in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Frank Schubert von der Biobäckerei Schubert in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Chrisitine Pehl, Foto: Cynthia Matuszewski.
Christine Pehl, CSR-Beraterin und Coach für nachhaltiges Wirtschaften ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Nicolas Liebig, Foto: Cynthia Matuszewski.
Nicolas Liebig von der Umweltstation in Augsburg ist Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto: Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Tom Hecht, Maria Brandenstein, Foto: Cynthia Matuszewski.
Tom Hecht und Maria Brandenstein von der Lokalen Agenda 21 in Augsburg sind Teil des "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto: Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg,Augsburg, Lifeguide,  Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, Nicolas Liebig, Reiner Erben, Umweltreferent, Foto: Cynthia Matuszewski.
Reiner Erben (l), der Umweltreferent der Stadt Augsburg, und Nicolas Liebig (r) von der Umweltstation Augsburg, bei der Release Party vom "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region". Foto Cynthia Matuszewski
Lifeguide Augsburg, Release-Party, nachhaltiger Reiseführer, postcode Lotterie, Norbert Stamm, Foto: Matuszewski
Dr. Norbert Stamm, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt Augsburg. Mit Hilfe der Postecode-Lotterie konnte das Buch "Lifeguide Augsburg - Nachhaltig unterwegs in Stadt und Region" entstehen.. Foto Cynthia Matuszewski
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Beruf und Familie - Passt!

Beruf und Familie - Passt!
Interview mit Nicole Beste-Fopma
Nicole Beste-Foqma_Foto_Björn Friedrich

Sylvia Schaab, selbst Mutter von drei Kindern und selbstständige Autorin, im Gespräch mit ihrer Kollegin Nicole Beste-Fopma.

Sylvia Schaab: Alle jammern, dass man Familie und Beruf nicht vereinbaren kann. Dein Buch behauptet: Es geht doch! Wieso?

Nicole Beste-Fopma: Zum einen, weil ich es selbst gezeigt habe – sowohl als alleinerziehende Mutter eines Sohnes mit einem Vollzeitjob in der Industrie und später als Mutter von vier Söhnen als Selbstständige. Das alleine qualifiziert mich aber natürlich noch nicht.

Es gibt nicht DIE Lösung. Jede Mutter, jeder Vater, jedes Paar muss die für sich passende Lösung finden." Nicole Beste-Fopma

Ich beschäftige mich seit mehr als acht Jahren intensiv mit den Thema Vereinbarkeit. Ganz bewusst mit dem Fokus auf dem, was geht, ohne die Hindernisse zu negieren. Ich habe in den vergangenen Jahren mit sehr vielen Müttern und Vätern gesprochen, die mir alle ihre Vereinbarkeitsgeschichten erzählt haben. Natürlich klappt es nicht immer bei allen. Alle haben ihre Herausforderungen und Tage, an denen sie sich am Liebsten gleich wieder ins Bett verkriechen würden. Wie wir alle wissen, passiert das Leben während wir Pläne machen. Und kaum etwas ist unvorhersehbarer als Kinder. Aber ich habe festgestellt, dass es bei all denjenigen am Besten geklappt hat, die sich mit ihrem Partner, ihrer Partnerin konsequent hingesetzt haben und hinsetzen und sich immer wieder gemeinsam den Herausforderungen stellen. Auch dann, wenn sie sich getrennt haben.

 

Du hast selbst vier Kinder großgezogen. Wie hast du das alles auf die Reihe gekriegt?

Manchmal frage ich mich das auch. Natürlich hat es auf der einen Seite geholfen selbstständig zu sein und von Zuhause aus zu arbeiten. Ich war fast immer da und konnte mich kümmern. Auf der anderen Seite wäre ich auch gerne in einer Festanstellung gewesen. Geregelte Arbeitszeiten. Geregeltes Gehalt. Das Motto der Selbstständigen: Selbst und ständig, war zeitweise sehr herausfordernd. Geholfen hat aber sicherlich auch, dass ich zwar ein kreativer Kopf bin, gleichzeitig aber auch sehr strukturiert. Meine Wochen sind stramm durchorganisiert und dennoch kann ich immer flexibel auf Unvorhergesehenes reagieren.

 

Was ist denn so schlecht, an dem Modell Vater arbeitet und die Frau erzieht die Kinder?

Nichts. Wenn es das Modell ist, auf das sich beide geeinigt haben und mit dem beide glücklich sind. Super! Allerdings sollte sich die Frau nicht „blauäugig“ auf das Modell einlassen. Die Scheidungsraten sind hoch. In einem solchen Fall sind die wenigsten Paare sich noch grün. In meinem Buch rate ich zu einem Vertrag, um so für den Fall der Fälle abgesichert zu sein.

 

Sind Frauen auf dem Arbeitsmarkt nicht grundsätzlich benachteiligt? Wenn Sie jung sind, werden sie ungern eingestellt, weil sie ja Kinder bekommen könnten und wenn Sie über 40 Jahre sind, sind sie für den Arbeitsmarkt zu alt.

Ich befürchte, dass das leider noch immer so ist. Ich weiß aber auch, oder hege die Hoffnung, dass sich da bald etwas ändert. Was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass in den Unternehmen ein Umdenken stattfindet. Sie erkennen, dass junge Frauen zwar noch immer Kinder bekommen, dass es aber auch immer mehr Paare gibt, die sich gleichgestellt um den Nachwuchs kümmern wollen und werden. Die Ü40 Frauen profitieren vom Fachkräftemangel und können, wenn sie nicht durchgehend erwerbstätig waren, heute mit ihren, in der Familienzeit erworbenen Familienkompetenzen, auftrumpfen.

 

Das Wort Fachkräftemangel ist in aller Munde und angeblich machen die Unternehmen allerlei Zugeständnisse an Mitarbeitende. Ist das ein Lippenbekenntnis oder setzen sie sich wirklich für mehr Vereinbarkeit ein?

Es gibt Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Zugeständnisse machen und dann gibt es aber auch noch immer die Unternehmen, für die das Thema „Familienbewusstsein“ noch eher Lippenbekenntnis ist. Auch hierauf gehe ich in meinem Buch ein. Ich zeige, an welchen Kriterien man erkennen kann, ob das Unternehmen es ernst meint oder nicht. Das ist mit einiger Recherchearbeit verbunden, aber lieber etwas länger recherchiert und dann einen guten Arbeitgeber haben. Als den erstbesten nehmen und sich dann zwischen Beruf und Familie aufreiben.

 

Ruhen sich nicht auch viele Mütter und Väter auf ihren Status „Eltern“ aus?

Ja. Solche gibt es immer. Warum sollten die Eltern besser sein als die Unternehmen. Es sind alles nur Menschen und wir sind doch alle darauf aus, das beste für uns herauszuholen.

Wer erfolgreich Beruf und Familie vereinbaren will, sollte den Status „Mutter“ oder „Vater“ nicht allzu sehr strapazieren. Kompromissbereitschaft ist wichtig. Das gilt für beide Seiten.

Es ist ein Geben und Nehmen. Da kann es dann auch mal sein, dass man als Elternteil mal nicht den gewünschten Urlaub genehmigt bekommt, weil gerade ein super wichtiges Projekt ansteht. Wenn man aber sonst flexibel arbeiten kann und auch mal den Stift einfach fallen lassen kann, weil gerade ein Anruf aus der Kita oder der Schule gekommen ist, dann ist das Gesamtpaket schon ziemlich gut.

 

Das Thema Kind und Karriere wird heiß diskutiert. Ist es ein Mythos oder kann man auch mit Kindern auch Karriere machen?

Na klar kann man auch mit Kindern Karriere machen. Aber wer Karriere machen will und kann, hat eben weniger Zeit für die Kinder. Es gibt zwar schon erste Unternehmen, die auch Führungspositionen in Teilzeit anbieten, aber bis ganz nach oben – und damit meine ich die C-Lounge (CEO, CFO, u.a.) – schaffen es nur die allerwenigsten in Teilzeit. Ich persönlich habe noch von niemandem gehört.

 

Wie ist es zu dem Buch gekommen?

Angefangen hat alles mit der Einführung des Equal Pay Day in Deutschland. Da ist mir aufgefallen, dass die Entgeltungleichheit eng mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zusammenhängt. Nach der Elternzeit kehren viele Frauen in Teilzeit in den Job zurück. Das führt dazu, dass weniger Frauen Karriere machen. Es führt aber auch dazu,  dass Frauen im Schnitt weniger verdienen als Männer. Damals – vor zehn Jahren – war das Thema „Vereinbarkeit“ noch nicht so wirklich ein Thema. Ich wollte für Mütter und Väter eine Lobby schaffen und habe daher mit LOB, einem Magazin für berufstätige Mütter und Väter, angefangen. Das Buch ist eine logische Konsequenz.

 

Was gibst du Müttern und Vätern mit auf den Weg, wenn sie sich auf die Suche nach einem passenden Arbeitgeber machen?

Es gibt die Arbeitgeber, die eine familienbewusste Unternehmenskultur leben und Familie schätzen. Wer ihr/sein eigenes Vereinbarkeitsmodell gefunden hat, weiß, woran ein familienbewusstes Unternehmen zu erkennen ist, Verhandlungsspielraum mit dem potentiellen Arbeitgeber einkalkuliert, wird den passenden Arbeitgeber finden.

Am 12.2.2019 ist Nicole Beste-Fopma zu Gast in Augsburg.

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Buchtipp: Das Integrationsparadox

Buchtipp: Das Integrationsparadox
Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt
Aladin El-Mafaalanis„Das Integrationsparadox“

Aladin El-Mafaalani hat ein reizvolles Buch geschrieben, das sich in ein paar Stunden am Stück lesen lässt. Mensch sollte anschließend aber noch mal nachlesen, denn es lohnt sich, sich einige Gedanken einzuprägen. Aber erst mal flutscht dieser 235 Seiten starke Essay gut runter, denn er ist schlüssig und interessant, bringt hier und da neue Gedanken bzw. bisher schon Gedachtes gut auf den Punkt.

 

Worum es in dem Buch geht...

El-Mafaalanis meistgebrauchtes Bild ist der gemeinsame Tisch: je mehr verschiedene Menschen es geschafft haben, mit am Tisch zu sitzen  - und niemand mehr auf dem Boden oder am Katzentisch sitzt - desto spannender wird es an diesem Tisch. Und wenn all diese Menschen dann nicht nur mitessen wollen, sondern auch mitreden, mitbestellen, mit entscheiden, was es gibt, am Ende die Tischregeln mitgestalten – dann wird es ricihtig interessant.

In dieser Phase seien wir jetzt in Deutschland. Der Zeit der Superdiversity. Des neuen Wir. Bereichernde und anstrengende Zeiten. Weder Monokultur noch Multikultur. Subjektive und objektive Realitäten klaffen auseinander. Es gibt mehr Dissonanzen, mehr Neuaushandlungen. Und Gespräche, die geführt werden müssen. Veränderungen geschehen nicht von heute auf morgen. Kultur, Identität und Zugehörigkeiten sind nicht beliebig wandelbar.

 

 

Konflikte zeigen Integration

Konflikte sind für ihn nichts Negatives. Sondern Teil sozialen Wandels, meist auf Grund des Strebens nach erweiterter Teilhabe oder „Integration“ oder wie auch immer man das bezeichnen möchte. Konflikte sind für ihn Ausdruck von Ansprüchen, auf Augenhöhe. Und auch populistische Schließungstendenzen sind ihm verständlich, wenn auch vergebens. Es gab und gibt keine konfliktfreien Gesellschaften. Auch wenn es zunächst paradox klingen mag: Gelungene Integration steigert das Konfliktpotenzial. Und: bei Integration handelt es sich um grundlegende, die Gesellschaft verändernde Konflikte.

 

 

Offene Gesellschaft

Immer wieder betont El-Mafaalani: so gut wie heute war es gesellschaftlich in Deutschland noch nie – nicht in den glatten Wirtschaftswunderzeiten und natürlich schon gar nicht während der Herrschaft des Nationalsozialismus, aber das ist ja klar. Nie sei die innere wie die äußere Offenheit in Deutschland größer gewesen. Und die Integration besser.

Auch wenn noch lange nicht alles gut läuft derzeit: endlich wieder ein optimistisches Buch. Mit jeder Menge interessanter Herausforderungen – na und? Migration die Mutter aller Problem? Nein, interessante Realität in der immer kleiner gewordenen globalen Welt, auch in Deutschland, auch in unserer Stadt, auch für uns.

Einfach zu benennen ist das alles nicht. Der Autor selbst ist ein gutes Beispiel: Aladin El-Mafaalani ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, als Kind von eingewanderten Syrern. Er ist Deutscher, offiziell „mit Migrationshintergrund“. In anderen Bezeichnungen „nicht biodeutsch“, „deutschplus“ oder „neuer Deutscher“. Wissenschaftlich: „Postmigrant mit Mehrfachidentität“. Er bevorzugt vermutlich „Mensch mit internationaler Geschichte“. Egal - das alles ist heute deutsch und zeigt unseren Reichtum.

 

 

Teilen, nicht wachsen

Als Kernproblem sieht er nicht kulturelle Verschiedenheit, sondern die soziale Frage, wachsende soziale Ungleichgewichte. Auf die Frage, wie wir es denn schaffen können, diese Ungleichheit abzubauen oder zumindest erträglicher zu machen, auch ohne quantitatives Wachstum, vor allem Wirtschaftswachstum  - schlägt er qualitatives Wachstum vor und präzisiert: Wachstum nach innen. Zusammenwachsen.

 

Der Kuchen wird nicht größer, aber er soll gerechter verteilt werden. Zusammenwachsen ist ein Prozess, mit auch unbekanntem Ziel. Im positiven Sinne spannend. Es muss gewollt werden und erfordert einen langen Atem. Bevorzugte Formen sind Austausch und Kooperation, aber eben auch Streit. Gut integrierte Menschen streben nach Anerkennung und äußern ihre Interessen und Bedürfnisse offensiv. Treibende wie bremsende Kräfte sind wichtig in Veränderungsprozessen, die für die Beteiligten auch mühsam und zum Teil überfordernd sind. Entscheidend ist, wie Menschen bei alldem miteinander umgehen.

 

Nicht nur Aladin El-Mafaalanis Buch „Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt“ macht Furore. Als er im Januar 2016 auf Einladung des Bildungsbündnisses der Lokalen Agenda in Augsburg war und als Bildungsforscher über „Armut und Begabung“ referierte, war er noch Professor an der Fachhochschule Münster. Jetzt arbeitet er als Abteilungsleiter im NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration und kann die im Buch präsentierten Gedanken hoffentlich in Programme, Projekte und Taten umsetzen. Das lässt hoffen.

 

INFO

Aladin El-Mafaalani, Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt, KiWi-Paperback, ISBN: 978-3-462-05164-3, Erschienen am: 16.08.2018, 15,00 €

 

Aladin El-Mafaalani, 1978 im Ruhrgebiet geboren. Er studierte in Bochum Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft und Arbeitswissenschaft. Zunächst war er Lehrer am Berufskolleg Ahlen, später Professor für Politikwissenschaft und politische Soziologie an der Fachhochschule Münster. Von 2018 bis 2019 arbeitete er im nordrhein-westfälischen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf. Seit Juli 2019 ist er Professor und Inhaber des Lehrstuhls für „Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Erziehung und Bildung in der Migrationsgesellschaft“ an der Universität Osnabrück. Zugleich ist er ehrenamtlich Beauftragter des NRW-Integrationsministeriums in Fragen des muslimischen Engagements.  

 

Überarbeitet am 10. Juni 2022

Aladin El-Mafaalanis Buch „Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt“
Aladin El-Mafaalanis Buch „Das Integrationsparadox. Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt“
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