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Textilien im Umweltcheck

Baumwolle gilt als umweltfreundlich, Polyester als Sünder – doch so einfach ist die Rechnung nicht. Welche Textilfaser im Umweltcheck wirklich überzeugt und worauf es beim Kauf ankommt.
Kleidung auf Kleiderbügeln, Bild von JamesDeMers auf Pixabay

Viele Menschen greifen zu Kleidung aus „Naturfasern“, weil sie diese für automatisch umweltfreundlich halten. Doch so einfach ist es nicht. Jede Faserart hat eigene Vor- und Nachteile, etwa beim Wasserverbrauch, beim Einsatz von Chemikalien, beim Ausstoß von Treibhausgasen oder beim Thema Mikroplastik. Welche Textilfaser schneidet im Umweltcheck am besten ab?  Wer seinen Kleiderschrank bewusst füllt und pflegt, kann in jeder Faser-Kategorie viel für Umwelt und Gesundheit tun.

Das Wichtigste vorab: Es gibt keine perfekte Faser, aber durchaus enorme Unterschiede bei den Umweltauswirkungen. Ein robustes Polyester-Shirt, das viele Jahre genutzt wird, kann besser abschneiden als ein Baumwollshirt, das nach wenigen Wäschen im Altkleidercontainer landet. Entscheidend sind neben der Faserart Langlebigkeit und die Zahl der Trage- und Waschzyklen. Hohe Qualität, viele Lieblingsstücke und gute Pflege sind besonders wichtig für eine nachhaltig Kleiderauswahl. Auch beim Material gibt es Unterschiede – hier ein Überblick über Textilfasern. 

Baumwolle: wasserintensiver Klassiker 

Konventionell angebaute Baumwolle ist einer der wichtigsten Rohstoffe für T Shirts, Jeans und Unterwäsche – gleichzeitig aber ein Sorgenkind der Umweltbilanz. Etwa 14 Prozent der weltweiten Insektizide landen auf Baumwollfeldern, dazu kommen große Mengen Düngemittel. 
Der Wasserverbrauch ist hoch: Studien nennen 3.000 bis 7.000 Liter pro Kilogramm Baumwolle, andere Ökobilanzen gehen von rund 11.000 Litern aus. Das Umweltbundesamt veranschaulicht: Für eine Baumwollhose können über den Lebensweg rund 15 Badewannen Wasser anfallen. 
Bio Baumwolle wird ohne synthetische Pestizide und Düngemittel angebaut und kann auch beim Energieverbrauch günstiger abschneiden, löst aber das Wasserproblem nicht. Auch hier kommt es auf Anbauregion, Bewässerung und Bewirtschaftung an.  

Hanf und Leinen: ökologisch starke Alternativen 

Hanf und Leinen stechen unter den Naturfasern hervor. Beide Pflanzen wachsen schnell, benötigen kaum Pestizide und gedeihen oft nur mit Regenwasser. Die Gewinnung der Fasern erfolgt meist mechanisch oder biologisch, mit wenig Einsatz aggressiver Chemikalien. Das Ergebnis ist eine Faser mit geringe Umweltauswirkungen beim Wasserverbrauch und chemischen Belastungen. Darüber hinaus sind Hanf und Leinen biologisch gut abbaubar und robust. Allerdings entstehen bei Düngemittelproduktion und dem Entschleimungsprozess der Flachsfaser Treibhausgase.  
Eine Auswertung des Öko-Instituts ordnet Bastfasern wie Hanf und Flachs ökologisch deutlich besser ein als synthetische Fasern und konventionelle Baumwolle. Die entsprechenden Produkte sind bisher allerdings noch Nischenware und es fehlt oft an Transparenz, über Anbau und Verarbeitung.

Wolle und Seide: Schwächen bei Tierwohl und Klimabilanz 

Tierische Fasern wie Schafwolle, Kaschmir oder Alpaka gelten oft als „natürlich“, haben aber eine besondere Klimarelevanz: Sie stammen von Wiederkäuern, die Methan ausstoßen, ein Treibhausgas das rund 28-mal klimaschädlicher ist als CO2. Zwar ist der Anteil, den Schafe am Methanausstoß im Vergleich zu Rindern sehr viel kleiner, allerdings setzt die konventionelle Schafzucht häufig Insektizide gegen Parasiten ein, die Umwelt und Tiere belasten können. 

Während kleine Herden in der Landschaftspflege gezielt eingesetzt werden und so einen positiven Beitrag zur Artenvielfalt leisten, können große Herden gegenteilige Effekte haben. Insbesondere bei Alpakas oder Kaschmirziegen führt Überweidung häufig zu Bodenerosion, was die Biodiversität negativ beeinflusst.
Auch Seide hat einen höheren CO2-Fußaubruck als andere Garne. Sie wird aus den Kokons von Seidenraupen gewonnen und ist energieintensiv in der Produktion. Die Aufzucht der Raupen erfolgt unter kontrollierten Bedingungen in beheizten bzw. gekühlten Räumen mit gleichbleibender Luftfeuchtigkeit. CO2 entsteht auch beim Töten der Raupen durch Heißluft, Kochen der Kokons und der anschließenden Trocknung. Ein weiterer negativer Aspekt bei der Umweltbilanz ist das Futter der Seidenraupe. Sie frisst ausschließlich die Blätter des Maulbeerbaumes, der dafür unter hohem Einsatz von Bewässerungswasser, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in Monokulturen angebaut wird.

Wolle und Seide sind biologisch abbaubar, ihre Herstellung belastet jedoch das Klima stärker als viele pflanzliche oder chemisch hergestellte Fasern.

Halbsynthetische Garne: Holz und Chemie 

Halbsynthetische Fasern wie Viskose, Modal oder Lyocell werden aus Zellulose hergestellt, die chemisch gelöst und zu neuen Fasern versponnen wird. Der Ausgangsstoff ist meist Holz oder Bambus. Diese Stoffe verbinden die Eigenschaften von Naturfasern mit industrieller Herstellung sind oft weich und saugfähig. Sie werden wegen ihrer Eigenschaften auch als vegane Seide bezeichnet.  
Die Umweltbilanz hängt vom Verfahren ab. Klassische Viskose benötigt viel Wasser und setzt aggressive Chemikalien. Moderne Lyocell-Verfahren arbeiten mit geschlossenen Kreisläufen, in denen das verwendete Lösungsmittel weitgehend zurückgewonnen wird, und benötigen deutlich weniger Wasser. Das Holz sollte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen und anerkannte Zertifizierungen wie FSC oder PEFC tragen. Zellulosefasern setzen keine Mikroplastikpartikel frei, da sie biologisch abbaubar sind.

Synthetische Fasern: widerstandsfähig aber klimaschädlich

Synthetische Garne wie Polyester, Polyamid oder Polyacryl sind auf Basis fossiler Rohstoffe wie Erdöl vollständig chemisch hergestellt. Ihre Vorteile: Sie sind günstig, sehr form- und strapazierfähig, trocknen schnell und sind erschwinglich in der Anschaffung. Ökobilanzen zeigen jedoch, dass sie in der Herstellung viel Energie verbrauchen und hohe Treibhausgasemissionen verursachen. Sie brauchen zwar keine Anbaufläche und weniger Wasser als Naturfasern, sind aber durch energieintensive Verarbeitung sehr klimaschädlich. Zudem sind sie nicht biologisch abbaubar und verursachen im Produktionsprozess, bei der Nutzung und Entsorgung Mikroplastik. 

Viele Marken setzen inzwischen auf recycelten Polyester aus PET-Flaschen. Das reduziert zwar den Bedarf an neuem Erdöl, löst aber andere Probleme nicht: Recycelte Polyester kann beim Waschen mehr Mikroplastik freisetzen kann als neu hergestellte Polyester. 

Tipps für den Einkauf

Auch wenn keine Faser perfekt ist, könnt ihr euren Kleiderkonsum umweltfreundlicher gestalten: 

  • Weniger, aber besser kaufen: Jede nicht produzierte Hose spart Wasser, Energie und Chemikalien. Die Reduzierung unseres Überkonsums ist der zentrale Hebel.
  • Langlebige Produkte bevorzugen: Achtet auf gute Verarbeitung, robuste Stoffe und zeitloses Design. Eine längere Nutzungsdauer verbessert die Klimabilanz von Kleidung deutlich.  
  • Fasern bewusst wählen: Wenn möglich, auf Bastfasern wie Hanf und Leinen setzen oder zertifizierte Bio-Baumwolle wählen (z.B. G.O.T.S.) Bei Viskose und Lyocell auf glaubwürdige Holz- und Faserzertifikate achten.  
  • Mikroplastik reduzieren: Synthetik-Kleidung seltener und schonend waschen, niedrige Temperaturen und geringe Schleuderdrehzahlen wählen, die Trommel gut füllen und – wenn möglich – spezielle Waschbeutel oder Filter nutzen, die Fasern zurückhalten.
  • Mischfasern meiden: Sie behindern das Recycling unserer Kleidung, da sich die Fasern nur schwer trennen lassen. Viele Mischtextilien landen daher am Ende ihres Lebens in Müllverbrennungsanlagen oder auf Deponien. 

Am Ende entscheiden nicht nur Baumwolle, Polyester oder Lyocell über die Umweltbilanz, sondern vor allem, wie viel Kleidung wir kaufen, wie lange wir sie tragen und wie wir mit ihr umgehen. Wer seinen Kleiderschrank bewusst füllt und pflegt, kann in jeder Faser-Kategorie viel für Umwelt und Gesundheit gewinnen. Wenn es ein Neukauf sein muss, haben Leinen und Hanf die Nase vorn.   

Workshop: Nachhaltige Textilien zum Anfassen

Der Verbraucherservice Bayern bietet zu diesem Thema einen  interaktiven Workshop an für Teams, Schulklassen oder Gruppen, die Textilien aus einem neuen Blickwinkel kennenlernen möchten. Der Workshop zeigt, wie umweltfreundlich Wolle, Baumwolle, Leder, Polyester & Co. wirklich sind. Mit Stoffproben auf Karten vergleichen die Teilnehmenden Wasserverbrauch, CO₂-Ausstoß, Mikroplastik und Abwasserbelastung der einzelnen Fasern. Nach einem kurzen inhaltlichen Input wird es spielerisch: diskutieren, einschätzen und gemeinsam die Nachhaltigkeit der Materialien verstehen. Kosten. 

Für Schulklassen ist der Kurs für 120 Euro zzgl. Fahrtkosten buchbar, andere Gruppen zahlen und 150 Euro zzgl. Fahrtkosten. Kontakt: augsburg@verbraucherservice-bayern.de  

Weiterführende Infos:

 

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