Nachhaltigkeit in Augsburg stärken: Empfehlungen für die Zukunft
Die Stadt Augsburg hat ihren dritten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Er zeigt, wie weit die "Zukunftsleitlinien für Augsburg" umgesetzt wurden und welche nachhaltigen Aktivitäten Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft in den letzten sechs Jahren initiiert haben.
Erstmals befasste sich der seit 1997 bestehende Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Augsburg intensiv mit seinem Inhalt und äußerte sich dazu. Das Expertengremium prüfte den "Augsburger Nachhaltigkeitsbericht 2025 - Stadtgesellschaftlicher Gesamtbericht" und bewertete die 783 Aktivitäten aus Ökologie, Soziales, Wirtschaft und Kultur, die sich an den Zukunftsleitlinien orientieren. Der 25-köpfige Beirat, bestehend aus Mitgliedern aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung, berät Politik und Verwaltung, vernetzt Akteure und wird seit 2025 von Vertreter*innen der Stadtgesellschaft geleitet.
Die Beiratsmitglieder prüften die im Bericht aufgeführten Beiträge von Stadtverwaltung, Betrieben und Partnern aus Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft. Die 34-seitige Stellungnahme beschreibt Fortschritte und Herausforderungen für Augsburgs nachhaltige Entwicklung, würdigt das Engagement aller Beteiligten und gibt Empfehlungen für die Zukunft.
Positiv hervorgehobene Aspekte
So lobt der Beirat etwa die verbindlichen Klimaziele der Stadt und deren Unterstützung durch Institutionen wie den Klimabeirat und die Einbindung der Unternehmen im Klimapakt. Ebenso sieht der Beirat es positiv, wie es dank Beratung gelungen ist, geflüchtete Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren und lobt die vielen nachhaltig agierenden Unternehmen und Initiativen, die im Online-Portal lifeguide-augsburg.de sichtbar werden.
Die Stellungnahme betont das Engagement der Augsburger Stadtgesellschaft für Sicherheit, Teilhabe und Vielfalt. Besonders das inklusive Miteinander und der Einsatz gegen Diskriminierung gelten als vorbildlich. Auch das nachhaltige Wassermanagement, das der Stadt den Titel UNESCO Welterbe eingebracht hat, mit seinen öffentlichen Trinkwasserbrunnen werden positiv hervorgehoben. Das Wasser sorgt im Sommer für Kühlung und steht kostenlos als Trinkwasser bereit.
Bemerkenswert ist, dass die Stadt Kultur als eigenständige vierte Nachhaltigkeitsdimension etabliert hat, womit sie die UN-Nachhaltigkeitsziele übertrifft. Das ehrenamtliche Engagement der Kulturaktiven stärkt den sozialen Zusammenhalt, während die Augsburger Zukunftspreise das kreative Potenzial würdigen.
„Der Bericht zeigt eindrucksvoll, was in Augsburg dank bürgerschaftlichem Engagement und starken Konzepten der Verwaltung bewegt wird. Aber er ist auch ein Weckruf: Im Klimaschutz drängt die Zeit! Jetzt braucht es eine gemeinsame Kraftanstrengung von Stadt, Wirtschaft, Kultur und uns allen – auf Augenhöhe, mit offenem Ohr und offenem Herzen.“
Anne Schuester, Vorsitzende des Nachhaltigkeitsbeirats
Herausforderungen und Handlungsbedarf
Trotz dieser Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen: Augsburg bleibt bei Treibhausgasemissionen und Energieverbrauch hinter den Zielen zurück. Daher empfiehlt der Beirat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft noch stärker einzubeziehen und die Wirksamkeit der Maßnahmen besser messbar zu machen. Unternehmen sollten ihre Lieferketten transparenter gestalten. Bildungsorte wie Schulen und Leuchtturmprojekte wie das Umweltbildungszentrum benötigen eine angemessene Finanzierung, um Bildungsgleichheit zu gewährleisten.
Herausforderungen bestehen auch bei bezahlbarem Wohnraum, Kinderbetreuung und Altersarmut für Frauen, etwa durch den überdurchschnittlichen Gender Pay Gap. In der Kultur fehlen "Dritte Orte" für Kreativität und eine faire Honorierung von Kulturschaffenden. Fehlende Messgrößen erschweren hier die Erfolgsmessung.
„Die Stellungnahme würdigt die Erfolge im Nachhaltigkeitsprozess, dankt dem Engagement und ruft zu mehr konkretem Handeln auf. Denn nachhaltiges Handeln ist keine Kür, sondern die Grundlage für Augsburgs Zukunft. Dafür braucht es mutige Ziele, einen starken sozialen Zusammenhalt – und möglichst viele Menschen aus der Stadtgesellschaft – also Politik, Verwaltung und Schulen - die sich mit ihren Ideen in den Prozess einbringen!"
Dr. Simon Meißner, Vorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirats
Impulse für den zukünftigen Nachhaltigkeitsprozess
Der Nachhaltigkeitsbeirat gibt neben den vielen konkreten Ratschlägen zu den vier Dimensionen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Soziales, Wirtschaft und Kultur – drei weitere übergeordnete Empfehlungen:
- Ein qualitätsorientiertes Monitoring, das Best-Practice-Beispiele hervorhebt und konkrete Zielgrößen verwendet. Erweiterte Indikatoren und Städtevergleiche sollen die Berichterstattung ausgewogener machen.
- Eine ganzheitliche Betrachtung durch stärkere Kooperation, intensiveren Austausch und bessere Vernetzung aller beteiligten Beiräte und Institutionen, um Synergien zu nutzen und Win-win-Effekte sicherzustellen.
- Mehr Transparenz und Attraktivität durch zeitnahe Veröffentlichung von Planungen und bessere Rückkopplung an die Zivilgesellschaft; erfolgreiche Formate sollen ausgebaut werden, um nachhaltige Entscheidungen zugänglich zu machen.
Augsburg hat beeindruckende Erfolge erzielt, doch viele Projekte stehen unter "Finanzierungsvorbehalt". Die Stadt muss ein starkes Zeichen setzen und die Ressourcen für Nachhaltigkeit stärken. Für eine erfolgreiche Steuerung des komplexen Prozesses sind effektives Monitoring und transparente Kommunikation unerlässlich. Nachhaltiges Handeln ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit für Augsburgs Zukunftsfähigkeit – dafür braucht es das Engagement aller.
Die Stellungnahme kann man auf der des Nachhaltigkeitsbeirats herunterladen: https://www.nachhaltigkeit.augsburg.de/nachhaltigkeitsberichterstattung/stellungnahme-nachhaltigkeitsbeirat
Infos zum Nachhaltigkeitsbericht
Alle sechs Jahre, jeweils vor der Kommunalwahl, präsentiert Augsburg einen umfassenden Nachhaltigkeitsbericht. Das städtische Büro für Nachhaltigkeit, zugleich Geschäftsstelle des Augsburger Nachhaltigkeitsprozesses und der Lokalen Agenda 21, hat beispielhafte Aktivitäten aus Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft zusammengetragen.
Das Ergebnis zeigt Augsburgs systematisches Engagement für nachhaltige Entwicklung. Über 150 Beteiligte haben zum Bericht beigetragen und 223 ökologische, 233 soziale, 129 wirtschaftliche sowie 198 kulturelle Aktivitäten eingebracht. Der Bericht umfasst 250 Seiten mit Grundlagen, Indikatoren und insgesamt 783 Aktivitäten, stellt jedoch nur einen Ausschnitt aller Nachhaltigkeitsinitiativen in Augsburg dar.
Der Nachhaltigkeitsbericht 2025 erscheint nicht in gedruckter Form, sondern als digitales Dokument auf der städtischen Homepage. Dies erleichtert die schnelle Suche nach Themen wie „Schwammstadt“, „Radwege“ oder „Foodsharing“.
Zwei Besonderheiten: Erstmals greift der Bericht ein neues nationales Berichtsraster auf und erfüllt es vollständig. Zudem wurde er im Rahmen eines Förderprojekts als deutscher Beitrag bei den Vereinten Nationen ausgewählt. Dafür wird der Bericht entlang der internationalen Nachhaltigkeitsziele neu strukturiert und ins Englische übersetzt.
Den akutelle Nachhaltigkeitsbericht gibt es auf der Seite zum Herunterladen: https://www.nachhaltigkeit.augsburg.de/nachhaltigkeitsberichterstattung
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