Kultur & Bildung

Der Lech – Vom Wildfluss zum Cyborg

Bis Juli 2025 präsentieren das Wissenschaftszentrums Umwelt der Universität Augsburg in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Augsburg eine Ausstellung über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Lechs.
Der Lech am Hochablass Augsburg

Einst war der Lech ein typischer Wildfluss der Nordalpen. Sein Flussbett erreichte in Bayern stellenweise eine Breite von bis zu zwei Kilometern. Dynamische Kiesinseln, sich stetig wandelnde Auwälder und eine beeindruckende Vielfalt an Fischen, Amphibien und Vögeln prägten das Landschaftsbild. Selbst seltene Pflanzen wie der Frauenschuh-Orchidee fanden hier ihren Lebensraum. Heute sind von dieser ursprünglichen Pracht nur noch vereinzelte Reste erhalten.

Während der Lech in Österreich bereits wieder seinen ursprünglichen Charakter als Wildfluss zurückerhält, zeigt er sich in Deutschland noch immer als stark verändertes Gewässer. Über Jahrzehnte wurde er systematisch umgebaut, vor allem mit dem Ziel der maximalen Wasserkraftnutzung.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Lechs

Die Ausstellung erzählt die Geschichte dieses tiefgreifenden Wandels – von der einstigen, frei fließenden Flusslandschaft zur heutigen, technisch regulierten Lechlandschaft in Bayern. Zugleich wirft sie einen Blick in die Zukunft: Wie kann der Lech in Zeiten von Biodiversitätsverlust und Klimawandel ökologisch aufgewertet werden?

Herzstück der Ausstellung sind vergleichende Fotografien der Lechlandschaft. Diese Gegenüberstellungen, konzipiert von Eberhard Pfeuffer, zeigen eindrucksvoll, wie sich die Landschaft in bestimmten Flussabschnitten verändert hat. Die historischen Aufnahmen, die den Lech noch in seinem unverbauten Zustand zeigen, stammen von Anton und Heinz Fischer. Die aktuellen Fotografien, die den regulierten Lech als Energieproduzenten dokumentieren, wurden von Eberhard Pfeuffer angefertigt.

Zusätzlich wird ein nahezu vergessener Film präsentiert: „Natur in Gefahr!“ (1951–1952). Dieser selten gezeigte Film des ersten amtlichen Naturschützers Bayerns, Otto Kraus, dokumentiert den Protest gegen die radikale Lechverbauung der 1950er-Jahre.

Ergänzend werden historische Karten und Pläne aus dem 16. bis frühen 20. Jahrhundert aus dem Bestand der Universitätsbibliothek gezeigt. 

Seit mehr als zehn Jahren befinden sich Renaturierungsvorhaben wie insbesondere das Projekt Licca liber, aber auch kleinere Maßnahmen wie das von der LEW initiierte Projekt Contempo in Planung, die den Lech bei Augsburg ökologisch aufwerten sollen. Und schließlich zuletzt geht es um den Campus der Universität Augsburg, der sich in Augsburgs Süden auf alten Lechheiden, am Rand der Lechleite befindet und dessen Biodiversität ebenfalls thematisiert wird. 

Die Ausstellung ermöglicht tiefe Einblicke in die Transformationsprozesse, die den Lech von einer wilden Naturlandschaft in eine technisch geprägte Kulturlandschaft verwandelt haben. Gleichzeitig wird deutlich: Es gibt noch viel zu tun – und noch mehr zu erforschen.

 

Infos zur Ausstellung

  • Ort: Universitätsbibliothek Augsburg, Hauptgebäude, Eingangshalle, Erster Stock
  • Dauer: 8. Mai – 13. Juli 2025
  • Öffnungszeiten: 
    o    Montag – Freitag: 8:30 – 23:00 Uhr
    o    Samstag: 10:00 – 21:00 Uhr
    o    Sonntag: 12:00 – 18:00 Uhr

 Autoren: Matthias Settele und Jens Soentgen, Wissenschaftszentrum Umwelt. Der Beitrag ist zuerst erschienen in "Stadt mit A", Ausgabe 61

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