Wirtschaft neu denken

Wie können wir gewohnte Denkmuster hinter uns lassen?

Dynamisches Denken - Thomas Schmidt von der Gemeinwohlökonomie zeigt uns wie man mit dem Denken von morgen heutige Problme lösen kann.
Symbolbild dynamisch Denken, erstellt von einer KI

„Mit dem Denken von morgen die Probleme von heute lösen“

...so lautet auch der Untertitel des Sachbuchs „Raus aus der ewigen Dauerkrise“ von Maren Urner, welches Ende 2021 erschienen ist, und uns mit Blick auf die Gemeinwohlökonomie-(GWÖ-)Bewegung und ihre Aktivitäten stets hilft, den Fokus auf das zu richten, was wirklich wichtig ist.


Im Buch geht es darum, wie wir aus der Endlosschleife von Krisen unserer Zeit, wie etwa Corona, Klima, Finanzen, Wirtschaft und höchst aktuell: Demokratie, Digitalisierung und Transformation herauskommen. Ihre Antwort: Indem wir die gewohnten Denkmuster hinter uns lassen. Maren Urner bringt neueste Erkenntnisse der neurowissenschaftlichen und psychologischen Forschung auf den Punkt und benennt drei wesentliche Zutaten für das „Dynamische Denken“. Diese sind aus unserer Sicht für die nachhaltige Transformation von Gesellschafts- und Wirtschaftsprozessen in Zukunft besonders wertvoll. 

 

 

Zutat 1: Beim dynamischen Denken stellen wir bessere Fragen


Wollen wir öfter „für“ etwas eintreten, als „gegen“ etwas zu sein? Dann können wir als Menschen in unseren unterschiedlichen Rollen immer wieder fragen: Für welche Welt trete ich ein? Und was kann ich dazu beitragen? Wie oft sind wir gegen etwas, statt für etwas? Wie oft verbinden wir unsere Energie mit negativen Gefühlen von Ärger, Wut und Hass? Und was würde passieren, wenn wir uns häufiger „für“ statt „gegen“ etwas einsetzen würden? Z.B. für Zeitwohlstand, für Gesundheit, für Gerechtigkeit, für finanzielle Sicherheit... Was, wenn wir uns jeden Morgen fragen würden: „Wofür stehe ich heute auf?“

 

 

Zutat 2: Dynamisches Denken überwindet das Lagerdenken


„Um zu erkennen, wie zerbrechlich unser kleiner blauer Planet ist, brauche ich nur einen Augenblick.“ Alexander Gerst musste dafür nur aus seiner Raumstation schauen und den Blick Richtung Planet Erde werfen. 2014 reiste der deutsche Astronaut für 166 Tage durch das All und umrundete dabei die Erde etwa zweieinhalbtausendmal. Seine Aussage steht sinnbildlich für den sogenannten Overview-Effekt, den Raumfahrer*innen häufig erleben, wenn sie die Erde aus dem Weltall betrachten. Durch den Perspektivwechsel erleben sie häufig eine tiefe Emotionalität, verbunden mit Gefühlen von Ehrfurcht, Verständnis und einer Verbundenheit allen Lebens auf der Erde. Diese Perspektive „von oben“ erleichtert es uns, die Frage zu stellen, worum es wirklich geht. Denn sobald Gruppen und Grenzen wegfallen, kann es darauf nur eine Antwort geben: Es geht um menschliches Wohlergehen, um menschliches Gedeihen und die Frage, wie wir das gestalten wollen.

 

Diese zweite Zutat von dynamischem Denken ist grundlegend, weil wir (vermeintliche) Zweiteilungen (Dichotomien) ablegen. Wir lassen das reflexartige Lagerdenken hinter uns und fragen nicht „was trennt uns?“, sondern immer „was verbindet uns?“ So gibt es selbst in der kleinsten Gruppe aus zwei Menschen stets etwas, was sie eint. Vielleicht das Geschlecht, vielleicht eine Sprache, die beide sprechen, vielleicht die Erfahrung, Eltern zu sein, etc. So wird aus Unsicherheit und Angst vor dem Fremden Vertrauen und Erkennen. So gelangen wir in einen Zustand psychologischer Sicherheit, der uns dazu ermutigt, gemeinsam Potenziale zu nutzen, um menschliches Wohlergehen zu steigern.


Es geht nicht darum, die Wirtschaft zu retten. Denn sie ist nur ein komplexes Konstrukt, das wir uns aufgebaut haben, um unser Wohlergehen zu steigern. Dynamisch gedacht, geht es stattdessen darum zu fragen, welche Wirtschaft wir benötigen, damit die Steigerung des Wohlergehens für möglichst viele Menschen gelingt. Und hier hat die GWÖ praktikable Lösungen.

 

 

Zutat 3: Beim dynamischen Denken erzählen wir uns neue Geschichten


Der britische Autor und Aktivist George Monbiot fasst es in einem TEDx-Vortrag 2019 anschaulich zusammen: „Geschichten sind das Mittel, mit dem wir durch die Welt navigieren. Sie erlauben es uns, ihre komplexen und widersprüchlichen Signale zu interpretieren. Wenn wir etwas verstehen wollen, suchen wir nicht nach wissenschaftlicher Bedeutung, sondern nach erzählerischer Ehrlichkeit.“ Und weiter: „Wir sind erzählende Wesen und eine Folge von Zahlen und Fakten (egal wie wichtig sie sind – und ihr wisst, dass ich ein Empiriker bin, ich vertraue Zahlen und Fakten –) ist nicht imstande, eine überzeugende Geschichte zu entmachten.“ 
Unser Gehirn ist kein Computer, sondern das Produkt einer Entwicklung, der Evolution unserer Spezies, einer Geschichte. Die Frage ist also nicht: Erzählen wir uns eine Geschichte? Sondern vielmehr: Welche Geschichte wollen wir uns erzählen? In seinem Vortrag kommt George Monbiot genau dort an und bringt die Zutat Nr. 3 des dynamischen Denkens trefflich auf den Punkt: „Das Einzige, was eine Geschichte ersetzen kann, ist eine andere Geschichte. (…) Unsere Aufgabe besteht darin, eine Geschichte zu erzählen, die den Weg zu einer besseren Welt aufzeigt, die die Menschen inspiriert, sich für diese bessere Welt einzusetzen.“

 

 

Millionen fürs Gemeinwohl


Zu Beginn der Sommerferien, relativ leise – und als „ein Meilenstein beim Abbau struktureller Benachteiligungen“ – von GWÖ Deutschland kommentiert, wurde ein neues Förderprogramm der Bundesregierung in der Presse bekanntgegeben. Der Bund fördert Unternehmen, die gesellschaftliche, ökologische und soziale Probleme lösen wollen. Dafür stellt er zunächst 110 Millionen Euro bereit, die bis Ende 2028 abgerufen werden können. Die Hälfte kommt aus dem Europäischen Sozialfonds. Anträge können ab sofort an das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gestellt werden.
 

Mit dem Programm „Nachhaltig wirken – Förderung gemeinwohlorientierter Unternehmen“ will sie es diesen Firmen und Organisationen erleichtern, an Beratungsangebote für Gründungen und Digitalisierung zu kommen, und sie dabei unterstützen, sich untereinander zu vernetzen.

 

Der Artkel stammt von Thomas Schmidt, Koordinator Gemeinwohlökonomie-Regionalgruppe Augsburg

Dieser Beitrag erschien zuerst in "Stadt mit A", Ausgabe 60

 

 

Info:


Kontakt: Thomas Schmidt, Gemeinwohlökonomie-Regionalgruppe Augsburg 
E-Mail: augsburg@econgood.org

Webseite: germany.econgood.org/ueber-uns/vereine/bayern/
 


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