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Alternative Lastenfahrrad

Alternative Lastenfahrrad
Die Stadt Augsburg fördert ab dem 1. Juli 2019 die Anschaffung von Lastenfahrrädern und Pedelecs mit bis zu 1.000 Euro. Für Unternehmen stellt der Bund sogar maximal 2.500 Euro zur Verfügung.
Lastenfahrrad, Augsburg,  Förderung, Foto: Christoph Mießl

Lastenfahrräder boomen. Junge Familien, Student*innen und Radbegeisterte haben das umweltfreundliche Transportmittel längst für den Großeinkauf, den schnellen Umzug oder den Familienausflug entdeckt. Auch Paket- und Lieferservice haben ihre Vorteile erkannt und bei der Deutschen Post sind die gelben Frontlader seit Jahrzehnten Tradition. In den Niederlanden besitzt die Lebensmittelkette Albert Heijn sogar einen eigenen Fuhrpark mit Schwerlastenfahrrädern – speziell für die Innenstädte und die Fußgängerzonen. 

Ein Lastenfahrrad ersetzt – in Bezug auf Transport und Ladung - einen halben Kastenwagen.“ Sven Külpmann, Lastenradberater

Sven Külpmann ist seit 15 Jahren autofrei unterwegs und hat sämtliche privaten Umzüge mit seinem Lastenfahrrad bewältigt. Nur für das Sofa und die Küche brauchte er einen Transporter. Im Gegensatz zu Privatpersonen müssen Unternehmen allerdings sorgfältig und individuell ermitteln, wie ein Lastenpedelec oder ein Lastenfahrrad zu ihren Anforderungen passt. "Ein Schornsteinfeger in Berlin kann zum Beispiel mühelos auf seine PKW-Flotte verzichten und ist mit seinem leichten Equipment auf dem Lastenfahrrad jetzt schneller, gesünder und umweltschonender unterwegs", berichtet Sven Külpmann. Und ergänzt:

"Es bringt nichts, wenn sich ein Handwerksbetrieb in Haunstetten ein Lastenpedelec anschafft und die Mitarbeiter müssen jeden Morgen erst einmal 15 Kilometer mit ihrem Material in die Stadt strampeln, bevor sie anfangen können zu arbeiten – da verliert jeder die Lust. Aber wenn der Wille zum Umdenken und Umstrukturieren da ist, findet sich meist eine praktikable Lösung. " Sven Külpmann, Lastenradberater.

Kurze Wege und keine Parkplatzprobleme

So könnte sich ein Betrieb beispielsweise ein zentrales Materiallager in der Innenstadt anlegen, um seine Wegstrecken zu verkürzen, sagt Külpmann. Das war bei dem Augsburger Malermeister Tobias Weidlich nicht nötig. „Wir haben uns Ende 2018 ein Lastenfahrrad für den Betrieb angeschafft und sind wirklich super happy damit“, berichtet er. Sein Betrieb ist mitten in Augsburg, in der Bäckergasse. Vor allem für Aufträge in der Innenstadt ist das Lastenrad perfekt geeignet. Weidlich ist von dem Konzept überzeugt.

Es gibt keine Parkplatzprobleme und Staus werden umfahren. Wir denken darüber nach, uns ein zweites Betriebsfahrrad anzuschaffen.“ Tobias Weidlich, Augsburger Malermeister.

Diesmal kann der Malermeister sogar mit der Unterstützung der Stadt Augsburg rechnen. 

 

Die Augsburger Förderung

Vom 1. Juli 2019 bis 31. Dezember 2020 stellt Augsburg einen Fördertopf von insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung. Privatpersonen, Unternehmer*innen und Fahrgemeinschaften können bis zu 750 Euro Zuschuss für ein neues Lastenfahrrad und 1.000 Euro für Lastenpedelecs bekommen.  Die Voraussetzungen sind einfach: Das Lastenfahrrad muss inklusive Fahrer*in mindestens 125 kg Zuladung haben, mit dem Kauf oder dem Leasing darf vor dem 1. Juli 2019 noch nicht begonnen worden sein und die Antragsteller*innen oder ihr Unternehmen sind in Augsburg ansässig. Auch gemeinnützige Organisationen können Anträge stellen. Am 1. Juli steht ab 18.00 Uhr das Online-Formular für die Förderung zur Verfügung. Alle Details finden Sie hier.  "Mit diesem Förderprogramm setzt Augsburg einen weiteren Baustein des Masterplans nachhaltige und emissionsfreie Mobilität um. Das Ziel der Stadt ist klar: Augsburgerinnen und Augsburger sollen öfter Fahrräder in ihrem Alltag nutzen. Mit Lastenrädern können selbst schwere Lasten mühelos transportiert werden. In Kombination mit dem städtischen ÖPNV und Car-Sharing-Angeboten kann sogar ganz auf ein eigenes Auto verzichtet werden“, freut sich Umweltreferent Reiner Erben.

 

Der Fördertopf vom Bund

Eine Alternative zur Augsburger Unterstützung ist der Fördertopf des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Das Amt fördert ausschließlich Betriebe und Unternehmen. Mit maximal 2.500 Euro pro Fahrzeug werden „...elektrisch angetriebene Schwerlastenfahrräder sowie Schwerlastenanhänger mit elektrischer Antriebsunterstützung mit einem Mindest-Transportvolumen von 1 m³ und einer Nutzlast (Nutzlast=Zuladung abzüglich Gewicht der Fahrer*in) von mindestens 150 kg gefördert. Außerdem Gespanne mit einem nicht-motorisierten Lastenfahrrad oder einem Lastenanhänger mit einem Gesamttransportvolumen des Gespanns von mindestens 1 m³.“ Die Höchstgeschwindigkeit für diese Räder sind 25 Stundenkilometer. Bei der Finanzierung ist Leasing nicht zulässig, Ratenkauf und Mietkaufmodell sind jedoch möglich. Details finden Sie hier.

 

Vom Augsburger Rathaus in maximal 25 Minuten zur Stadtgrenze

Wenn die Hürden der Planung und der Finanzierung genommen sind, bleibt aber vielleicht immer noch ein Rest Skepsis. Ist eine Stadt – und speziell Augsburg - überhaupt für ein Lastenfahrrad geeignet? Spart man wirklich Zeit, wenn man hier mit dem Rad unterwegs ist? „Ich sage immer, dass man vom Augsburger Rathausplatz in 25 Minuten an jeder Stadtgrenze sein kann. Und bei der Parkplatzsuche spart man auf jeden Fall Zeit“, berichtet Günter Schütz. Der Konstrukteur für Medizintechnik fährt seit vier Jahren mit seinem Lastenfahrrad durch Augsburg und ist Gründer des ehrenamtlichen Lastenradverleihs „Max und Moritz“. Aber gibt es genug Fahrradwege?

Man kann sich die Fahrbahn auch mit Autos teilen und je mehr Fahrräder auf der Straße sind, desto ungefährlicher wird es für den einzelnen Radfahrer. Autofahrer müssen sich daran gewöhnen, dass ihnen der Verkehrsraum nicht mehr alleine gehört.“ Günter Schütz, Konstrukteur für Medizintechnik, seit vier Jahren mit dem Lastenrad in Augsburg unterwegs.

Mit dem Fahrrad neue Routen entdecken

Außerdem sind die Routen, die für ein Auto optimal sind, nicht unbedingt die besten Strecken für das Fahrrad. „Man bekommt also nach einer gewissen Zeit einen anderen Stadtplan in den Kopf, der auf das Fahrradfahren optimiert wurde: Wenig Ampeln, ausreichend breite Wege, abseits des Autoverkehrs“, erzählt Günter Schütz. 

Sven Külpmann ist zufrieden, wie er persönlich in Augsburg mit dem Fahrrad unterwegs sein kann.

Klar, kann man immer etwas verbessern, aber der Wandel ist da. Jetzt müssen wir das auch nutzen. Je mehr Fahrräder und Lastenräder auf die Straße kommen, umso besser. Denn das zeigt den Verantwortlichen, dass eine bessere Radinfrastruktur nicht nur gewünscht ist, sondern auch genutzt wird.“ Sven Külpmann.

Die Digitalagentur „Team 23“ im Augsburger Textilviertel hat seit einem Jahr mehrere Lastenpedelecs als Firmenfahrzeuge. Sie werden in der Woche sehr gut genutzt. Am Wochenende fördert das Unternehmen die Lust aufs Lastenrad-Fahren durch eine ganz einfache Idee: Als Extra dürfen sich die Mitarbeiter*innen die Firmenfahrräder ausleihen.

Die Möglichkeit, am Wochenende das Firmen-Lastenpedelec privat zu nutzen, wird klasse angenommen. Im Moment reißen sich alle um die Fahrzeuge und organisieren damit Familienausflüge oder größere Besorgungen. Genau durch diese positiven Erfahrungen erreichen wir ein Umdenken.“ Sven Külpmann, Webentwickler bei Team 23

  Lastenräder müssen ihren Exoten-Status verlieren!

Auch ein weiteres Vorurteil können die beiden Experten entkräften. Ein Lastenfahrrad ist keineswegs zu schwergängig oder zu groß für Frauen oder zierliche Menschen. „Es gibt ja schon Modelle mit 14,5 Kilogramm Gewicht“, sagt Sven Külpmann. Und Günter Schütz ergänzt. „Ich kenne fast mehr Frauen, die Lastenräder fahren, als Männer. Der Elektroantrieb bei einem großen Lastenrad hilft, das bis zu 50kg schwere Rad bei Laune zu halten. Das Rad selbst lässt sich gut lenken. Ich vergleiche es mit einer Schiffschaukel. Es gibt aber auch andere Lastenräder ohne Motor, die deutlich weniger als die Hälfte wiegen. Auch die kann man gut fahren - sogar mit zusätzlichen Lasten. Die übliche Eingewöhnungsphase sind 500 Meter in einer Nebenstraße, um sich auf das Rad einzulassen.“ Günter Schütz Wunsch für die Zukunft:

Die Lastenräder müssen ihren Exoten-Status verlieren. Es muss ganz normal sein, sie auf der Straße zu sehen und sie zu nutzen. So eine Anschubfinanzierung kann helfen, über den eigenen Schatten zu springen und es einmal zu versuchen.“ Günter Schütz.

Augsburg, Augsburg atmet, Lastenfahrradförderung, Grafik: Stadt Augsburg
Die Stadt Augsburg fördert die Anschaffung von Lastenfahrrädern. Grafik: Stadt Augsburg
Lastenfahrrad, Augsburg,  Förderung, Foto: Christoph Mießl
Die Stadt Augsburg fördert die Anschaffung von Lastenfahrrädern. Grafik: Stadt Augsburg
Lastenfahrrad, Augsburg,  Förderung, Foto: Christoph Mießl
In Augsburg wird die Anschaffung eines Lastenfahrrads bis Ende 2020 gefördert. Foto Christoph Mießl.
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Stadt Augsburg fördert Lastenfahrräder

Stadt Augsburg fördert Lastenfahrräder
Im Fördertopf 2019/2020 waren 100.000 Euro, die bereits nach kurzer Zeit ausgeschöpft waren. Es werden keine Anträge mehr angenommen.
Augsburg, Augsburg atmet, Lastenfahrradförderung, Grafik: Stadt Augsburg

Vom 1. Juli 2019 bis 31. Dezember 2020 stellt die Stadt Augsburg einen Fördertopf von insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung. Privatpersonen, Unternehmer*innen und Fahrgemeinschaften können bis zu 1.000 Euro Unterstützung für ein neues Lastenfahrrad oder Lastenpedelecs bekommen.Der Fördertopf für einfache Nutzung war bereits am ersten Tag ausgeschöpft. Auch Fahrgemeinschaften können keine Förderung mehr erhalten. Die durchschnittliche Fördersumme lag bei 888 Euro. Dei Lifeguide-Redaktion hofft auf ein Auffüllen des Fördertopfes.

Die Voraussetzungen sind einfach: Das Lastenfahrrad muss inklusive Fahrer*in mindestens 125 kg Ladegewicht haben, mit dem Kauf oder dem Leasing darf vor dem 1. Juli 2019 noch nicht begonnen worden sein und die Antragsteller*innen oder ihr Unternehmen sind in Augsburg ansässig. Auch gemeinnützige Organisationen können Anträge stellen. Am 1. Juli steht ab 18.00 Uhr das Online-Formular für die Förderung zur Verfügung. Wer schnell sein möchte, lässt sich bereits jetzt ein Angebot über ein Lastenfahrrad machen – denn neben der Kopie des Personalausweises, des aktuellen Gewerbescheins oder des Handelsregisterauszuges gehört ein persönliches, schriftliches Angebot zu den Unterlagen der Online-Bewerbung. Alle Details finden Sie unter augsburg.de/lastenrad

Die Lastenradförderung ist die erste Aktion im Rahmen des stadtweiten, mehrjährigen Mitmach-Programms „Augsburg atmet – fürs gute Leben in der Stadt“. Dabei werden bestehende und neue Projekte etwa aus den Bereichen Mobilität, Luftreinhaltung, Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz gebündelt sowie öffentlichkeitswirksam, transparent und verständlich dargestellt.

pm/cm

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Augsburger Jugendliche unterwegs in Europa

Augsburger Jugendliche unterwegs in Europa
Erasmus Projekte eröffnen neue Perspektiven
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,

Zwei Jahre lang trafen sich Schülerinnen und Schüler des Augsburger Maria Theresia Gymnasiums und des Holbein Gymnasiums mit ihren Partnerschulen in Spanien, Holland und England. Bei fünf Besuchen tauschten fünfzig Jugendliche ihre Zukunftsvisionen, ihre Wünsche an den Umweltschutz, an unsere Gesellschaft oder unser Schulsystem aus. Und ihre Kritik am Bestehenden.

Udo Legner, Lehrer für Englisch und  Deutsch am Maria Theresia Gymnasium begleitete bereits drei Erasmus-Projekte und ist – trotz des mühsamen Procedere bei jeder neuen Antragstellung - ein überzeugter Fan von Europa und dem Erasmus-Projekt. Er berichtet von zwei inspirierenden Jahren:

 

Das Erasmus Projekt "Owning the Future"

Ein Plädoyer für Partizipation und politisches Engagement

von Udo Legner

„Bei den Persern ging so lange alles gut, wie sich die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder an drei Dinge hielten: als erstes mussten sie ihnen das Reiten beibringen, als zweites das Bogenschießen und als drittes mussten sie darauf hinwirken, dass sie stets die Wahrheit sagten.“ Das war die Meinung des Griechen Herodot vor rund 2.500 Jahren. Würde der antike Geschichtsschreiber heute als Erziehungsberater in Europa herangezogen, würde er Eltern bestimmt dazu anhalten, den Kinder die Teilnahme an einem Erasmus Programm zu ermöglichen.

Als sich die fünf teilnehmenden Schulen 2017 auf dieses Projekt einließen, konnte niemand ahnen, welche politische Brisanz diese europäische Schulpartnerschaft beinhalten würde. Tatsächlich wurde es zu nichts weniger als zu einem Seismographen der politischen Entwicklung in den beteiligten Ländern. Von seiner  Intention her war das zweijährige Projekt auf den Austausch von „Best-Practice-Beispielen“ angelegt und die beteiligten Schulen –  neben den beiden zwei Augsburger Schulen drei weiterführende Schulen aus Spanien (Murcia), England (Penzance in Cornwall) und Holland (Amstelveen bei Amsterdam) –  wollten sich über Projekte und Methoden austauschen, die zum Untertitel der Schulpartnerschaft passten: „Preparing Students for Success in Life and Learning“.

 

Partizipation und Mitbestimmung – so oft wie möglich

 

Dass es bei dieser ursprünglichen Ausrichtung nicht blieb, hatte mehrere Gründe. Gäste wie Gastgeber profitierten davon, dass das erste Erasmus-Treffen im November 2017 parallel zum Augsburger Begabungstag stattfand. Jaakov Hecht, der Keynote-Speaker des Begabungstages und Begründer der demokratischen Schulen in Israel, gab für die Teilnehmer*innen am Erasmus-Projekt in einem Workshop die Marschroute vor: Partizipation und Mitbestimmung, wo immer sich diese realisieren lassen! Hierzu passten die weiteren Inhalte und Schwerpunkte des Programms: die Öffnung der Schule in die Stadtgesellschaft. Den Erasmus-Partnerschulen aus Spanien, England und Holland wurden die Stadtbücherei, die Werkstatt Solidarische Welt sowie der Verein Tür an Tür als wichtige Kooperationspartner vorgestellt – und der Fokus auf nachhaltiges und handlungsorientiertes Lernen gelenkt.

 

Neue Erkenntnisse durch Projektarbeit

 

In einem Graffiti-Workshop entwarfen die internationalen Schülergruppen ihre Visionen einer Schule der Zukunft, die sie beim Empfang im Augsburger Rathaus präsentierten. Auch bei den folgenden Erasmus-Treffen hatte das ganzheitliche Lernen einen festen Platz im Programm: Handpuppen und Food Design Workshop bei den Treffen in Spanien und Cornwall sowie eine Installation zum Thema „1968 und die Folgen“ standen beim zweiten Treffen in Augsburg im Juli 2018 auf dem Programm.

 

Was war das – die 68er Protestbewegung?

 

Zur Vorbereitung auf das zweite Treffen in Augsburg stellten die Schüler*innen Recherchen an, wie sehr sich die 68er Protestbewegung auf die Gesellschaft in den Teilnehmerländern bis heute ausgewirkt hat. Wie wenig Schüler und  Lehrer aus Cornwall mit dem Thema „1968“ anfangen konnten, mag durchaus als eine Erklärung für die große Zustimmung in Südengland zum Brexit- Referendum herhalten.

 

 

Fridays for Future

 

Womit niemand gerechnet hatte, geschah zu Beginn des laufenden Schuljahres 2018/ 2019. Eine Welle der Politisierung, die sich als Protest gegen das Versagen der Politik gegenüber dem Klimawandel verstand, schwappte von Schweden bis ins Schwabenland. Sowohl am Maria-Theresia- wie am Holbein-Gymnasium waren es die Teilnehmer*innen am Erasmus-Programm, die den Schülerprotest im Rahmen der Fridays for Future Schulstreiks maßgeblich organisierten.

 

The Times They Are A‘ Changin‘

 

Inspiriert von einem „Wald-Workshop“ bei dem Erasmus-Treffen in Cornwall und im Einklang mit den Zielen der Fridays for Future Bewegung, wurde am Holbein-Gymnasium im Dezember das erste Augsburger Baumfest organisiert, bei dem sich die Schüler*innen für den Erhalt ihrer Schulbäume in der Hallstraße einsetzten.

Was dem Holbein-Gymnasium sein Baumfest war, das war am Maria-Theresia-Gymnasium das Nachhaltigkeits-Fahrradkino Filmfest, das am letzten Schultag vor den Osterferien 2019 in Kooperation mit der Umweltstation Augsburg, dem 29++Fahrradkino des Naturerlebniszentrums Burg Schwaneck/Landkreis München und dem KJR München-Land über die Leinwand der altehrwürdigen Turnhalle flimmerte.

 

Nachhaltiges Fahrradkino

 

Das viel strapazierte Wort „Nachhaltigkeit“ durfte bei diesem Kinospektakel zu Recht in den Mund genommen werden. Zum einen erstrampelten die Maria-Theresia-Fahrrad-Held*innen die für die Filmprojektion benötigte Energie selbst, zum anderen gaben die präsentierten Kurzfilme tolle Impulse für einen nachhaltigeren Lebensstil. Last but not least trugen sich über 100 Schüler*innen in Arbeitsgruppen ein. Sie werden am Ende des Schuljahrs beim Just-Kids-Festival ihre Tipps und Recherchen zu einem ökologischen Alltagsleben präsentieren.

 

Und was würde Herodot den Jugendlichen raten, wenn er heute noch leben würde? Reiten und Bogenschießen ist fraglich. Vielleicht würde er sie dazu ermutigen, ihren Horizont durch Reisen und Austausch zu erweitern. Ganz sicher würde er sie jedoch dazu anhalten, auch weiterhin die Wahrheit zu sagen - und sei sie in Bezug auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch so unbequem.

Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Grafik: Nontira Kigle, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in Penzance, Cornwall. Grafik: Nontira Kigle
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Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in Murcia, Spanien. Grafik: Nontira Kigle
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg,Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,Grafik: Nontira Kigle
Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen des Maria Theresia Gymnasium und des Holbein Gymnasium aus Augsburg die Partnerschule in den Niederlanden.Grafik: Nontira Kigle
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
Baumfest, Foto Udo Legner.
Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg,Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,Grafik: Nontira Kigle
Im Rahmen des Erasmus-Projektes "Owning The Future" besuchten Schüler*innen aus Spanien, Holland und England die Partnerschulen in Augsburg: Das Maria Theresia Gymnasium und das Holbein Gymnasium. Grafik: Nontira Kigle
Fahrradkino, Erasmus Projekt, Europa, Schülerbegegnungen, Schüleraustausch, Augsburg, Foto: Udo Legner, Owning The Future, Maria Theresia Gymnasium Augsburg, Holbein Gymnasium Augsburg,
Fahrradkino in Augsburg. Foto: Udo Legner
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Schülerinnen sprechen vor dem Nachhaltigkeitsbeirat lifeguide.augsburg Mo., 13.05.2019 - 11:22
Schülerinnen sprechen vor dem Nachhaltigkeitsbeirat
"Unser Ziel ist es, bis 2030 ein klimaneutrales Augsburg zu schaffen"
Drei Schülerinnen des Augsburger Holbein-Gymnasiums und Mitglieder der Bewegung Fridays for Future treten vor den Augsburger Nachhaltigkeitsbeirat und halten einen bewegende Rede für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Foto: Cynthia Matuszewski

Sina Platzbecker, Esin Tunay und Eva Trautsch besuchen das Augsburger Holbein-Gymnasium. Sie sind Mitglieder der Bewegung Fridays for Future. Vor dem Augsburger Nachhaltigkeitsbeirat halten sie eine bewegende Rede für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Sie erhalten viel Applaus, Dank und Zuspruch. Hier könnt ihr ihre Rede nachlesen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind drei Schülerinnen des Holbein-Gymnasiums und engagieren uns schon seit Jahren im Arbeitskreis Global der Schule. Wir sind eine Gruppe, die sich mit den Themen Menschenrechte, Frieden und Ökologie beschäftigt.

 

Wenn wir über Klimaschutz reden, fällt oft der Begriff „Nachhaltigkeit“. Ein einfaches Wort für eine große Hürde. Nachhaltigkeit bedeutet, dass wir Entscheidungen nicht nur in unserem Sinne treffen, sondern auch an folgende Generationen denken. Unsere Kinder und Enkelkinder sollen die gleiche Lebensgrundlage bekommen wie wir. Die gleiche Umwelt, die gleichen Chancen. Wir sind um das Jahr 2000 geboren. Die nächste Generation wird also theoretisch 2030 geboren. Unser Ziel ist es, bis 2030 ein klimaneutrales Augsburg zu schaffen.

 

Die nächste Generation soll also bereits von unserem Projekt profitieren. Um dessen Erfolg zu garantieren, ist nun schnelles Handeln gefragt. Wir müssen uns hier und heute bewusst dazu entscheiden, den Klimawandel einzudämmen und einen Wandel in den Köpfen zu bewirken. Wir müssen die Idee von einer nachhaltigeren Welt in den Alltag der Menschen bringen, um in ihre Lebenswelt vorzudringen. Es ist unser Anliegen, alternative Systeme vorzustellen. Es ist Ihre Aufgabe, Projekte unserer engagierten Gemeinschaft zu fördern und es ist am Einzelnen, sein Leben in manchen Feldern umzustrukturieren. Die Stadt muss dazu aber Anreize bieten und die nötige Basis schaffen.

 

Erst einmal muss es für die Augsburger wieder rentabel werden, Fahrrad und Öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Während die Fahrradwege kaum durchdacht sind und man in der Konrad-Adenauer-Allee um sein Leben fürchten muss, stürzt man sich mit den Öffentlichen direkt in eine Finanzkrise. Als Schüler zahlen wir nach Augsburg monatlich von Königsbrunn aus 65 Euro, von Mering 85 Euro, um in die Schule gehen zu können. Und allein innerhalb der Stadtgrenzen liegt der Tarif sogar über dem von München. Das Auto ist momentan billiger als der klimaschonendere Bus.

 

Ein guter Anfang wäre es, für Augsburger die Fahrradwege auszubauen. Man ist froh, wenn man an größeren Straßen einen befahrbaren Fahrradweg entdeckt. Wir schlagen nicht nur den Ausbau des Fahrradnetzes vor, sondern wollen eine Trennerhöhung zwischen Straße und Fahrradweg. Dadurch wird das Fahrradfahren wieder attraktiver und sicherer, mehr Menschen aller Altersklassen greifen auf das umweltfreundliche Verkehrsmittel zurück. Man muss nicht mehr fürchten, überfahren zu werden und kann beruhigt auch mal die Stadt und deren Umgebung genauer unter Augenschein nehmen.Wenn wir unseren ökologischen Fußabdruck geringhalten wollen, müssen wir auch die Abgaswerte geringhalten. Um einen möglichst großen Effekt zu erzielen, ist es wichtig, dass wir bereits bestehende Konzepte übernehmen. Stichwort abgasfreie Innenstadt.

 

Es steht außer Frage, dass sich eine geringere Stickstoffbelastung positiv auf unsere Gesundheit auswirkt. So verbessern wir mit der Luftqualität auch unsere Lebensqualität. Klimaschutz kann für den Einzelnen rentabel und attraktiv werden. Wenn wir es schaffen, unsere Innenstadt frei von Autos zu machen, fördern wir also gleich zwei Aspekte eines zukunftsorientierten Augsburgs. 150.000. Es gibt fast 150.000 Autos in unserer Stadt Augsburg. Fast 150.000 Autos, die einen Stellplatz brauchen. Fast 150.000 Autos, die unsere Umwelt mit Abgasen verpesten.

 

In Augsburg leben um die 35.000 unter 15-jährige Kinder. 35.000 Kinder, die einen Platz, draußen in der Natur, zum Spielen brauchen. Aber die Stadt bietet dafür nicht genug Grünflächen. Also bleiben die Kinder drinnen. Sie setzen sich vor den Computer, gehen ans Handy oder spielen mit ihren Freunden an der Konsole. Dort ist es egal, wie viele Bäume überfahren werden und wie viele Autos sie besitzen. Man drückt einfach auf “reset” und weiter geht’s. Wer garantiert uns, dass genau diese Kinder es in ihrem späteren, realen Leben nicht genauso machen? Die meisten werden sich später ein Auto kaufen, vielleicht auch zwei. Und natürlich müssen diese Autos auch irgendwo geparkt werden. Aber wo? Auf den Grünflächen, die uns noch übriggeblieben sind? Wie soll unsere Zukunft lernen, mit der Zukunft umzugehen, wenn unsere Gegenwart sie zerstört?

 

Wir brauchen einen schnellen, plötzlichen Wechsel. Wir können es uns nicht leisten, Probleme nur oberflächlich zu behandeln. Wir müssen auch ihre Folgen und vor allem ihre Ursachen im Auge behalten. Nur so können wir Probleme langanhaltend aus der Welt schaffen. Dafür müssen wir bei der Wurzel ansetzen. Wir müssen dafür sorgen, dass Kinder von Anfang an ein Gespür im Umgang mit ihrer Umwelt bekommen, damit sie bereit sind, diese zu schützen. Ihr Bewusstsein muss geprägt sein durch Informationen und Erfahrungen. Sie müssen wieder lernen, die echte Welt zu verstehen und wertzuschätzen, um sie über die neue, virtuelle Welt zu stellen.

 

Unser Schulsystem ist geprägt von Theorie und Alltag. Selbst Themen, die jeden persönlich etwas angehen, werden weltfremd. Durch Exkursionen ab dem Kindesalter und Vorträge von professionellen Referenten könnten die Schüler die Umwelt neu erfahren. Wir brauchen Projekte, für die Jugendliche gerne freiwillig ihre Zeit einsetzen. Sei es, um die Stadt kreativer, natürlicher und lebenswerter zu gestalten oder aber um von Schülern an Schüler Bildung weiterzugeben. Um solche Projekte durchzuführen, benötigen die Schulen und praxisorientierten Organisationen allerdings Fördergelder. Mancher mag sagen, die Stadt habe kein Geld für derartiges. Von uns aus kann die Stadt sich das Geld für Klopapier am Holbein wieder sparen, wenn sie nur die Bildung stärker fördert.

 

In the long run” wird uns das eher helfen, das Klima und uns zu schützen. Die Zukunft ist mehr wert, als sich durch Geld bemessen lässt. Es wäre auch hilfreich, wenn Schüler, die einem Protest gegen die aktuelle Klimapolitik beiwohnen, anstatt im Unterricht zu sitzen, nicht als “Schwänzer” abgestempelt würden. Der Punkt ist, dass ein Leben voll Lernen für eine Zukunft sinnlos ist, wenn wir keine lebenswerte Zukunft haben. Deshalb gehen junge Menschen auf die Straßen. Deshalb werden sie zu “Schwänzern” degradiert? Unsere Generation wird oft als zu still, zu inaktiv, zu energielos dargestellt. Was nun, da wir laut, aktiv und voller Energie sind? Ihr lasst zu, dass wir dafür bestraft werden. Wir wollen dem Kultusministerium ausrichten, dass es auch andere Weg gibt. An unserer Schule wurde das bewiesen.

 

Jeder, der (wegen der Fridays-For-Future-Demos, Anm. d. Redaktion) unentschuldigt gefehlt hatte, musste nachsitzen. 137 Schüler mussten nachsitzen und 152 saßen letztendlich da. Weil sie begeistert waren, von der Art, wie die Situation gehandhabt wurde. Sie entwickelten Projekte zum Klimaschutz, redeten über den Sinn der Proteste und stiegen mit Herz und Seele in das Thema ein. Ihre Wünsche, Ängste und Vorschläge für die Zukunft wurden ernst genommen und das motivierte sie, sich zu engagieren und sich für Veränderungen in ihrem Sinne einzusetzen. Wir Jugendlichen sind es, die den Grundstein für einen anhaltenden Wandel legen, aber dazu brauchen wir Ihre Unterstützung.

 

Ein weiteres Projekt, das uns am Herzen liegt und das wir auch Ihnen nahelegen wollen, ist das Thema Materialverschwendung. Das Problem reicht von Papierverschwendung an Schulen bis zu Plastikmüll, der durch Verpackungen und ToGo-Becher verursacht wird. Wir schlagen vor, dass der Papierverbrauch in der Schule durch digitale Mittel eingeschränkt wird. Schüler können gut, auf mehr als die Hälfte aller ausgeteilten Arbeitsblätter und Handouts verzichten.

Handouts werden in aller Regel nie wieder eines Blickes gewürdigt, während Arbeitsblätter und seitenlange Skripte viele unnötige Informationen enthalten. Einfacher wäre es also, wenn Schüler Informationen in digitaler Form bekommen und dann alles für sie Relevante herausschreiben. Denn durch das Abschreiben von interessanten Informationen lernen viele Schüler am besten.

 

Sogenannte Unverpackt-Läden sind eine weitere Möglichkeit, die Verschwendung von Ressourcen einzudämmen. Augsburg verfügt in dieser Richtung über ein sehr spärliches Angebot. Durch Subventionen für Biomärkte, die lose Ware verkaufen, könnte Augsburg zum Trendsetter in der Region werden. Auf umweltbelastende Verpackungen zu verzichten wird immer moderner und gefragter. Auch der Ruf nach regionalen Produkten wird immer lauter. Wir wollen weniger Müll vom anderen Ende der Welt. Wir wollen regionale Produkte, die bezahlbar sind. Fördert Biomärkte, fördert fairen Handel und fördert unsere Landwirtschaft.

 

Macht klimaneutrales Handeln für die Mehrheit bezahlbar und helft uns, zu zeigen, dass ein klimafreundliches Leben auch Spaß machen kann. Wir können Vorreiter unserer Generation werden. Augsburg ist bereits eine Friedensstadt. Warum kann Augsburg nicht auch noch zur Klimafreundlichsten Region gewählt werden?

Sina Platzbecker, Esin Tunay und Eva Trautsch, Rede vor dem Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt Augsburg am Donnerstag, 14.02.2019

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