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Blühende Wiesen auf dem Gelände der AVA

Blühende Wiesen auf dem Gelände der AVA
Wo früher eine brachliegende Grasfläche war, tummeln sich jetzt Bienen und Insekten auf den Wiesen der Abfallverwertung Augsburg.
Blühende Wiese auf dem Betriebsgelände der Augsburger Abfallverwertung. Foto: AVA

 

    "Wir freuen uns, dass wir zusammen mit der Augsburger Allianz „Insekten.Vielfalt.Augsburg.“ einen weiteren Beitrag zum Erhalt einer gesunden und artenreichen Natur leisten können."  Das AVA-Team

    Es ist Frühling und demnächst sind sie wieder unterwegs: Die Bienen der Abfallverwertung Augsburg (AVA). Zwei Bienenstöcke stehen auf dem Betriebsgelände der AVA und haben bald reichlich Nahrung. Denn im Rahmen der Allianz Insekten.Vielfalt.Augsburg. des Landschaftspflegeverbandes Stadt Augsburg e.V., verwandelte die AVA 2.000 Quadratmeter brachliegende Grasfläche in eine insektenfreundliche Blühwiese.

     

    Mit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ im Jahr 2019 rückte das Thema Artensterben und seine Folgen stark in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger. Der „Blühpakt Bayern“ war geboren und daraufhin wurden weitere Initiativen zum Erhalt unserer einzigartigen Natur ins Leben gerufen. Eine davon ist die Augsburger Allianz „Insekten.Vielfalt.Augsburg“, deren Gründungspartner die AVA ist.

     

     

    Abfall ist kein Reststoff, sondern Wertstoff

    Das Augsburger Abfallverwertungsunternehmen legt seit jeher großen Wert auf den Umweltschutz. Ein Leitsatz der AVA lautet: „Von der Natur für die Natur“. Abfall wird bei der AVA nicht als Reststoff, sondern vor allem als Wertstoff gesehen. Und so entstehen aus den Abfällen der Bürger*innen aus der Region Augsburg regenerativer Strom, Fernwärme, Kompost, Biogas und biologischer Flüssigdünger.

     

     

    Blühende Wiesen locken Insekten und Vögel

    In Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband wurde auf dem Betriebsgelände der AVA regionales Saatgut ausgebracht, Insektennisthilfen aufgestellt und Totholz aufgeschichtet. Es dauerte nicht lange bis die ersten Blühwiesenbewohner einzogen und so dient die ehemalige Grasfläche seit 2020 als Nahrungsquelle und Wohnsitz für diverse Insekten, Vögel und weiteren Kleintiere. Auf weiteren Flächen des Betriebsgeländes wurde die Mahd so angepasst, dass im gesamten Jahresverlauf genügend Nahrungsquellen und Rückzugsorte für Insekten & Co erhalten bleiben. Um die Bienen kümmert sich übrigens das ganze Jahr über ein AVA-Mitarbeiter.

     

     

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    Bienen,  Foto: Pixabay
    Bienenstock. Foto: Pixabay
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    Sieger des Augsburger Zukunftspreises 2020: Der Protestantische Friedhof liegt mitten in Augsburg und beherbergt eine große Artenvielfalt. Er darf sich zu Recht als einer der schönsten Friedhöfe Deutschlands bezeichnen.
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    HIDE
    Ort

    Haunstetter Straße 36
    86161 Augsburg, Haunstetten
    Deutschland

    E-Mail
    daniel.kettemer [at] elkb.de

    Der Protestantische Friedhof liegt mitten in Augsburg. Schon 1534 wurde er angelegt und beherbergt einige bekannte Persönlichkeiten der Augsburger Geschichte. Er darf sich zu Recht als einer der schönsten Friedhöfe Deutschlands bezeichnen:

    Trotz der Innenstadtlage beherbergt er nämlich eine große Artenvielfalt: Ein Wildbienenvolk hat hier seine feste Bleibe in einer Linde, viele Vögel brüten und auch Eichhörnchen und Feldhasen sind zu beobachten. Seit August 2017 strebt die Friedhofsverwaltung mit Daniel Kettemer eine nachhaltige Gestaltung des Friedhofs an. Mit vielfältigen maßnahmen wird die Biodiversität auf dem Friedhof gesichert und weiterentwickelt.

     

    Insektenfreundlicher Friedhof

    Um für Insekten beziehungsweise Bienen eine sichere Futter- und Nektarquelle anzubieten, wurden etwa 2.000 blühende Stauden gepflanzt und etwa 4.000 Blumenzwiebeln eingesetzt. 60 Laubbäume wurden frisch angepflanzt. Eine Vielzahl von Insektenhotels und Bienenherbergen wurde angebracht. Sogar die Brunnen sind tierfreundlich gestaltet: Sie wurden mit Vogelbecken und Ausstiegshilfen für etwaig hineingestürzte Tiere ausgestattet.

     

    Strom aus der Photovoltaikanlage, Wasser aus der Regentonne

    Für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wird voraussichtlich im Frühjahr 2021 eine etwa 300 Quadratmeter große Photovoltaikfläche mit einer Leistung von maximal 57.000 Watt installiert. Überzähliger Strom kann dann in das öffentliche Netz eingespeist werden. Daneben ist geplant, auch den Verbrauch von Trinkwasser zum Gießen zu verringern, indem Wassertanks für das Sammeln von Regenwasser installiert werden.

    Der Protestantische Friedhof in Augsburg möchte nicht nur ein Ort der Trauer sein, sondern auch als öffentlicher Raum für Erholung und soziale Begegnung offenstehen. Um die Verbundenheit mit der Region zu zeigen, werden Aufträge nach Möglichkeit an ortsansässige Firmen vergeben.

     

    Zukunftspreis 2020 für den protestantischen Freidhof

    Um Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu sichern, müssen in Städten alle Möglichkeiten für die Gestaltung artenfreundlicher Grünflächen genutzt werden. Geradezu vorbildhaft hat der Protestantische Friedhof Augsburg gezeigt, wie öffentlicher Raum für die Zukunft gestaltet werden kann. Deshalb wurde er für sein nachhaltiges und zukunftsorientiertes Engagement mit dem Zukunftspreis 2020 ausgezeichnet.

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    "Mein Lieblings-Wasserort in Augsburg ist der Stadtwald"

    "Mein Lieblings-Wasserort in Augsburg ist der Stadtwald"
    Interview mit Nicolas Liebig vom Landschaftspflegeverband Augsburg
    Nicolas Liebig, Augsburg, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg

    Wenn sich jemand in der Natur in und um Augsburg auskennt, dann Nicolas Liebig. Ihn fasziniert besonders der Stadtwald mit seinen glasklaren Quellbächen und dessen kulturhistorische Bedeutung für die Fuggerstadt. Der Experte für Wasser in und um Augsburg freut sich besonders über die Auszeichnung des Augsburger Wassermanagement-Systems als UNESCO-Welterbe.

    Nicolas Liebig, 1972 geboren in Nürtingen, ist Forstwirt und Diplom-Landespfleger und arbeitet seit 1999 als Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg. Der Verband ist unter anderem Träger der Bildungseinrichtung Umweltstation Augsburg. Liebig ist begeisterter Radfahrer, Bergsteiger und Marathonläufer und als Ornithologe und Botaniker viel in der Natur unterwegs. Besonders fasziniert ihn der Stadtwald und dessen kulturhistorische Bedeutung für die Fuggerstadt - diese Begeisterung gibt er auch in seinem Rad- und Wanderführer „Stadtwald Augsburg“ an die Leser*innen weiter. Seine beiden Kinderbücher vom kleinen Wasserdrachen kommen seit dem Sommer 2018 jedes Jahr als Kindertheaterstück auf die Bühne – natürlich unter freiem Himmel im Augsburger Stadtwald.  

    Wo oder was haben Sie als Kind am liebsten gespielt?Nicolas Liebig: Mein Motto war „Hauptsache draußen!“, egal bei welchem Wetter. Keschern, Fußballspielen und Feuer machen mochte ich besonders. Die Ferien habe ich oft auf dem Bauernhof meines Onkels verbracht, um dort auf dem Feld und im Stall zu helfen.

    Trinken Sie Wasser lieber still oder prickelnd? Still und immer aus dem Wasserhahn!

     

    Warum ist das Augsburger Trinkwasser besser als das in anderen Städten? Es wird direkt im Stadtgebiet gewonnen, es muss nicht aufbereitet werden und es schmeckt!

     

    Was können die heutigen Augsburger*innen aus der langen Wassergeschichte Augsburgs lernen? Dass gutes und ausreichendes Trinkwasser den Augsburgern immer ein ganz wichtiges Anliegen war, für das sie immer bereit waren, viel zu investieren. Der Landschaftspflegeverband  konnte nachweisen, dass das historische System der Quellen und Quellbäche, aus dem die Augsburger*innen über Jahrhunderte ihr Trinkwasser bezogen, bis heute erhalten geblieben ist.

    Genug sauberes Wasser, für immer und für alle ist ein Menschenrecht. Wir sollten das hier in Augsburg ganz besonders leben. Ich freue mich sehr, dass die Wassergeschichte Augsburgs im Juli 2019 UNESCO-Welterbe wurde. Darauf dürfen die Augsburger*innen stolz sein!" Nicolas Liebig. 

    Sie haben viel über Augsburgs Natur geschrieben: Welcher Wasser-Ort fasziniert Sie am meisten? Ganz klar, der Stadtwald Augsburg mit seinen ungemein artenreichen Lechheiden, den glasklaren Quellbächen und den knorrigen Kiefernwäldern. Dieses Gebiet bietet eine Abgeschiedenheit, die man einer Großstadt gar nicht zutraut.   

    Was steckt hinter dem Projekt WasSerleben? Wir haben über 250 Bachnamenstafeln angebracht, Bachkarten angefertigt, Infotafeln aufgestellt, aufwendige Kurzfilme gedreht und eine Internetseite mit informativen Bachsteckbriefen programmiert. Bei der Lauschtour „WasSerleben in Augsburg“ gibt es spannende Wassergeschichten auf Hörspielniveau. Das neueste Produkt des Landschaftspflegeverbandes ist eine interaktive historische Karte, der Kilianplan,  die es ermöglicht, sich mit der historischen Augsburger Wasserversorgung näher zu befassen.

     

    2018 hatten wir sicher nicht den letzten trocken-heißen Sommer. In Augsburg gibt es ausreichend Trinkwasser – ist es dennoch sinnvoll, dass die Bürger*innen sparsam mit Wasser umgehen? Wir leben zwar in humiden, also feuchten Klimagefilden und so schnell wird es bei uns nicht zu Wasserknappheit kommen. Dennoch finde ich, dass wir sparsam mit Wasser umgehen sollten. Denn Sparsamkeit ist oft verbunden mit Wertschätzung. Und unser Trinkwasser als ein endliches Gut, von dem unser Überleben abhängt, verdient Wertschätzung.

     

    Was kann jeder Bürger sonst noch tun, um die Ressource Wasser – weltweit – zu schützen?

    Wir sollten immer unser Konsumverhalten überdenken. Da schließe ich mich persönlich natürlich mit ein! Achten sollten wir vor allem auf das virtuelle Wasser, das wir z.B. mit unseren Kleidungsstücken oder Nahrungsmitteln aus Regionen importieren, in denen Wasser wirklich ein knappes Gut ist." Nicolas Liebig.

    Wenn sich der Kleine Wasserdrache – eine von Ihnen erfundene Kinderbuchfigur – etwas von den AugsburgerInnen wünschen könnte, wäre das ... … dass sie den „Schatzwald“, also unseren Stadtwald noch mehr schätzen lernen und künftig alle, aber auch wirklich alle, ihren Müll mit nach Hause nehmen.

     

    Die Schäferei in Deutschland stirbt langsam aus. Was hat Sie dazu bewogen, sich dafür einzusetzen, die Wanderschäferei wieder einzuführen? Es ist einer der ältesten Berufe der Menschheit. Mir gefallen die Landschaften, die von den Wanderschäfer und ihren Tieren über Jahrhunderte gestaltet worden. Ich spreche von den Wacholderheiden der fränkischen und schwäbischen Alb und natürlich von unseren einzigartigen Lechheiden. Und ich bin begeistert von diesem Menschenschlag.

    Es wäre für unsere Kultur ein unendlicher Verlust, wenn die Wanderschäfer aussterben." Nicolas Liebig, Landschaftspflegeverband Augsburg.

    Welches war Ihr bislang größter Naturschutzerfolg? Es ist sehr schwer, ein Projekt hervorzuheben. Die Wiedereinführung der Wanderschäferei ist bestimmt einer der ganz großen Erfolge unseres Verbandes. Aber auch unser Wildpferdeprojekt hat viel bewirkt. Und dann ist da noch die Gründung der Umweltstation Augsburg, mit der wir so tolle und wichtige Umweltbildungsprojekte in Gang bringen.

     

    Leben Sie Ihre berufliche Überzeugung auch im Privaten? Selbstverständlich. Wir haben unseren Garten sehr insektenfreundlich gestaltet, wir kaufen weitestgehend regionale, saisonale und möglichst ökologische Produkte und bei dem wenigen Fleisch, das wir essen, legen wir Wert darauf, dass es aus artgerechter Haltung und am besten aus der Landschaftspflege kommt.

     

    Sie wandern gern und lieben das Radfahren: Verraten Sie uns Ihre Lieblings-Wochenend-Ausflugstour? Ich bin sehr gerne mit dem Mountainbike im Naturpark Augsburg Westliche Wäldern unterwegs.

    Besonders gut gefallen mit Aussichtspunkte wie die Kapelle zum Heiligen Sebastian in den Holzwinkeln oder die Hohe Reute bei Dinkelscherben." Nicolas Liebig.

    Zu meinen Lieblingsgipfeln in den Bergen gehört der Biberkopf. Wenn man dort alleine oben steht, ist man in diesem Augenblick der südlichste Mensch in Deutschland...

    Vor welchen Tieren haben Sie Angst?

    Ich habe vor keinem Tier Angst - höchstens vor einigen narzisstischen Exemplaren des Homo sapiens!" Nicolas Liebig, Landschaftspflegeverband Augsburg.

     

    Wildpferde, Przewalski-Pferde, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Norbert Pantel
    Auf der Königsbrunner Heide bei Augsburg lebt eine kleine Herde von Przewalski-Pferden. Sie gehören zu den letzten Wildpferden Europas. Foto: Norbert Pantel
    kleiner Wasserdrache, Augsburg, Nicolas Liebig, Freilufttheater, Junges Theater Augsburg, Foto: Frauke Wichmann
    Der kleine Wasserdrache aus Augsburg, inszeniert vom Jungen Theater Augsburg. Foto: Frauke Wichmann
    Lech, Augsburg, Foto: Norbert Liesz, Licca Liber,
    Die Kiesbänke des Lech in Augsburg. Foto: Norbert Liesz
    Sumpfgladiole, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
    Ende Juni ist es in der Königsbrunner Heide besonders schön: Dann blühen die pinkfarbenen Sumpfgladiolen. Nirgendwo in Europa existieren so viele dieser fragilen Blumen. Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
    Kiefernwald, lichter Kiefernwald, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
    Die lichten Kiefernwälder der Lechheiden. Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg
    Wanderschäfer Hartl und Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben beim Schafaufzug in das Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
    Wanderschäfer Hartl und Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben beim Schafaufzug in das Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
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    Die Lechheiden: bei den letzten Wildpferden

    Die Lechheiden: bei den letzten Wildpferden
    Star im Juni: 400.000 pinkfarbene Sumpfgladiolen
    Sumpfgladiole, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Landschaftspflegeverband Augsburg

    Die Königsbrunner Heide mit den Wildpferden, der üppigen Vegetation und den kleinen Flussläufen ist zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Ende Juni ist es hier besonders schön: Dann blüht die pinkfarbenen Sumpfgladiole. Nirgendwo in Europa existieren so viele dieser fragilen Blumen.

    Wer heute die Königsbrunner Heide besucht, macht auch einen Ausflug in die Vergangenheit. Nach dem Ende der letzten Eiszeit, vor rund 10.000 Jahren, galoppierten hier noch Wildpferde durch die lichten Kiefernwälder. Das Flussbett des Lechs war breit und mächtig. Der wilde Strom transportierte große Mengen Kies aus den Alpen ins weite Tal. Auf diesen kargen Kiesböden gediehen vor allem Kiefern, die langsam wuchsen und viel Raum für Gräser, Kräuter und Steppenpflanzen ließen. Es entstanden geschützte, sonnige Lichtungen - der perfekte Lebensraum für Wildpferde. Aber auch Auerochsen, Wisente und Rothirsche fanden hier ausreichend Nahrung und zogen grasend über die Ebene.

    Von der Urlandschaft zur Kulturlandschaft

    Dann kamen die Menschen, schlugen Brennholz, jagten Wildtiere und schufen Weideplätze für ihre Haustiere. Aus den Kiefernwäldern wurde eine nahezu baumfreie Ebene, die Lechheiden. Mit der dünnen Humusschicht waren die Heiden schlechtes Ackerland, aber tausende Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde weideten hier. Noch vor 150 Jahren gehörten die Lechheiden zu den bedeutendsten Sommerweiden für Wanderschäfer aus ganz Süddeutschland. Aus der Urlandschaft am Lech wurde eine Kulturlandschaft. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts sind die weiten Lechheiden zum größten Teil Geschichte – die Wanderschäferei lohnte sich nicht mehr, die Menschen benötigten Bauland und der Anbau von Nutzpflanzen wurde auch auf kargem Boden möglich. Heute existiert nur noch ein Prozent der ursprünglichen Lechheiden und lichten Kiefernwälder.

     

    Artenreichtum: Die Lechheiden

    Dieser kleine Rest hat es aber in sich: Die Lechheiden gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Hier finden sich über 3.000 Tier- und Pflanzenarten, darunter zahlreiche „Einwanderer“ aus ganz Europa. Denn der Lech transportiere nicht nur Kies und Geröll, sondern auch Samen von Pflanzen. Und auch die Weidetiere brachten in ihren Fellen und Klauen Pflanzensamen und Kleinlebewesen ins Lechtal.

    Star im Juni: Die Sumpfgladiole mit 400.000 Blüten

    So stammen aus dem heißen Süden Europas die meisten der 24 Orchideenarten im Lechtal. Enzian, Silberdistel oder Schneeheide hingegen sind typische Alpenbewohner. Und die zarte Küchenschelle oder das knallgelbe Ochsenauge kommen aus der eiszeitlichen Tundra. Star der Pflanzenwelt in Königsbrunn ist jedoch eindeutig die pinkfarbene Sumpfgladiole aus Südeuropa. Ende Juni, Anfang Juli blühen auf der Königsbrunner Heide für wenige Wochen etwa 400.000 Sumpfgladiolen. Nirgendwo in Europa existieren so viele dieser fragilen Blumen. Besucher*innen und Fotograf*innen werden gebeten, die Wege NICHT zu verlassen.

    Heute ist die Königsbrunner Heide eines von vielen sogenannten Trittsteinbiotopen, die sich am gesamten Lech entlang ziehen und den Erhalt vieler Arten sichern.

    Und was ist aus den Weidetieren geworden, die auf den Lechheiden lebten? Seit einigen Jahren zieht von Mai bis Oktober wieder ein Wanderschäfer mit seiner Herde am Lechufer entlang. Seine Schafe und Ziegen beweiden im Auftrag des Naturschutzes die artenreichen Lechheiden und das Fleisch des Lechtal-Lamms ist eine regionale Delikatesse.

     

    Die Wildpferde sind zurück...

    Auch die Wildpferde sind zurückgekehrt – wenn auch mit Hilfe der Menschen. Seit 2007 bevölkert eine kleine Herde stämmiger, goldbrauner Przewalskipferde (sprich: Schewalski) ein Gehege nahe der Königsbrunner Heide. Przewalskipferde stammen ursprünglich aus den weiten Steppen Zentralasiens. Sie sind die letzten echten Wildpferde. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie bis auf einige Tiere in Zoos nahezu ausgestorben und es gab kein einziges frei lebendes Wildpferd mehr. Von zwölf dieser Zootiere stammen heute weltweit über 2.000 Przewalskipferde ab. Das ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

    Genau wie die Schafherde gehören die Przewalskipferde zum Projekt Weidestadt Augsburg des Landschaftspflegeverbands. Neben der Tatsache, dass sie in ihrem ursprünglichen Lebensraum einfach nur schön aussehen, haben die Pferde auch eine wichtige Aufgabe: Fressen. Przewalskipferde kürzen das Gras bis auf wenige Zentimeter und verhindern damit eine Verbuschung auf den Heiden und in den lichten Kiefernwäldern. Das wiederum sichert Tieren und Pflanzen ihren Lebensraum. Also eine Win-Win–Situation nicht nur für Sumpfgladiole und Ochsenauge, sondern auch für die vielen Insekten auf der Lechheide, wie den besonders seltenen Kreuzenzian-Ameisenbläuling, einen Schmetterling, dessen Raupen sich nur vom Kreuzenzian ernähren können. Auch zahlreiche andere Tiere, wie Schachbrettfalter, Himmelblauer Bläuling, Zauneidechse, Ringelnatter oder Wespenspinne, lassen sich auf der Königsbrunner Heide entdecken.

    Mit ein wenig Glück kann man am Abend eine Herde Wildpferde an ihrer Wasserstelle treffen oder sie dabei beobachten, wie sie über die Lechheiden galoppieren. Und sich für einen Moment vom Alltag in der Gegenwart verabschieden und ein wenig Wildnis-Feeling genießen.

     

    Königsbrunner Heide:

    Mit Pkw: Parkplatz am Sportpavillion neben Karwendelstraße 20, 86343 Königsbrunn.

    Mit Bus: Linie 734 bis Haltestelle Heidestraße.

    Mit Straßenbahn: Linie 2 bis Haunstetten Nord.     TIPP Naturschutz-Scout werden: Der Landschaftspflegeverband Stadt Augsburg e.V. sucht immer wieder Menschen, die sich für die Wildpferde, die Lechheiden und den Naturschutz begeistern und Naturschutz-Scouts werden möchten. Zu den Aufgaben dieser ehrenamtlichen Helfer*innen gehören bei freier Zeiteinteilung Tier- und Zaunkontrollen, Info-Gespräche mit Besucher*innen und die Mitwirkung bei Aktionstagen.

    Infos: Norbert Pantel, 0821-324-60 94, n.pantel@lpv-augsburg.de, www.lpv-augsburg.de

     

     

    Wildpferde, Przewalski-Pferde, Lechheide, Augsburg, Königsbrunn, Naturschutz, Artenschutz, Foto: Norbert Pantel
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    Das Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen! war erfolgreich

    Das Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen! war erfolgreich
    Vom 31.1. bis 13.2. 2019 haben 1.745.383 Millionen Menschen unterschrieben
    Große Holzbiene, Foto Marcus Bosch, LBV-Archiv, Rettet die Bienen,

    18,4 Prozent der Wahlberechtigten haben in Bayern für ein besseres Naturschutzgesetz unterschrieben. In Augsburg waren es rund 20 Prozent.

    Die Kernforderungen des Volksbegehrens Artenvielfalt – Rettet die Bienen!

    • die bayernweite Vernetzung von Lebensräumen für Tiere
    • die Erhaltung von Hecken, Bäumen und kleinen Gewässern in der Landwirtschaft
    • der Erhalt und die Schaffung blühender Randstreifen an allen Bächen und Gräben
    • der massive Ausbau der ökologischen Landwirtschaft
    • die Umwandlung von zehn Prozent aller Wiesen in Blühwiesen
    • die pestizidfreie Bewirtschaftung aller staatlichen Flächen
    • die Aufnahme des Naturschutzes in die Ausbildung von Land- und Forstwirten

     

    Über das Volksbegehren Artenvielfalt

    Das Volksbegehren ist ein Mittel der direkten Demokratie. Es ermöglicht Bürger*innen einen Gesetzesentwurf in den Bayerischen Landtag einzubringen. Die erste Hürde wurde bereits überwunden: Knapp 100.000 Menschen haben in der ersten Zulassungsphase für das Volksbegehren unterschrieben, im Oktober 2018 wurde es vom Innenministerium zugelassen.

    Jetzt müssen sich vom 31. Januar 2019 bis zum 13. Februar 2019 eine Million Wahlberechtigte persönlich in den Rathäusern in Listen eintragen, um das Volksbegehren Artenvielfalt erfolgreich zu machen. Online ist dies nicht möglich. Zur Eintragung muss der gültige Ausweis vorgelegt werden. Zum Trägerkreis des Volksbegehrens Artenvielfalt – Rettet die Bienen! gehören die Ökologisch-Demokratische Partei Bayern (ÖDP), der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), das Bündnis 90/Die Grünen Bayern und der BUND Naturschutz in Bayern. Ein breites gesellschaftliches Bündnis von mehr als 100 Organisationen, Unternehmen, Verbänden und Parteien unterstützen diese direktdemokratische Initiative für ein neues Naturschutzgesetz in Bayern. Bayernweit kämpfen 80 Aktionsbündnisse in den Gemeinden für eine Wende im bayerischen Naturschutz. Alle Interessierten sind aufgefordert mitzumachen. Auf der Website des Volksbegehrens Artenvielfalt findet man die Möglichkeit, Kontakt aufzunehmen.

     

    Das Artensterben

    Wissenschaftliche Studien belegen, dass in Bayern immer mehr Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht oder bereits verschwunden sind. Besonders betroffen sind die Insekten, die unter anderem für das Überleben der Menschheit als Bestäuber von Nahrungspflanzen existenziell wichtig sind. 54 Prozent aller Bienen sind bedroht oder bereits ausgestorben, 73 Prozent aller Tagfalter sind verschwunden, über 75 Prozent aller Fluginsekten sind nicht mehr da. Unter anderem in Folge des Insektenschwundes leben in Bayern nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren. Diese dramatische Entwicklung will das Volksbegehren Artenvielfalt stoppen.

     

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      Ökonomie als Donut

      Ökonomie als Donut
      Ein neues Bild für zukunftsfähiges Wirtschaften: Kate Raworth stellte die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße" und entwickelte die Donut-Ökonomie. Buchtipp von Norbert Stamm.
      Kate Raworth, „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Grafik: Kate Raworth

      Kate Raworth ist eine britische Wirtschaftswissenschaftlerin, der nicht gefiel, was sie an der Universität von Oxford lernte. Denn das, was gelehrt wurde, berücksichtigte in ihren Augen nicht das Wichtigste: die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb entschloss sie sich, die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße zu stellen“.

       

      Einfach zeichnen

      Raworth griff zum Bleistift und zeichnete einen „sicheren und gerechten Raum für die Menschheit“ - den Bereich, in dem ein gutes Leben für alle Menschen auf der Welt auch langfristig möglich scheint. Heraus kam etwas, das aussieht wie ein Donut (Bild Donut vom Buchcover). Das war um 2011. Sie legte ihre Zeichnung verschiedenen Menschen und Gruppen vor – und stieß auf viel Zustimmung. 2017 veröffentlichte sie ihre gesammelten Überlegungen im Buch „Doughnut Economics. Seven ways to think“, es ist im März 2018 unter dem Titel „Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“ auf Deutsch erschienen.  

       

      Wirtschaftsraum zwischen planetaren Grenzen und Weltentwicklungszielen

      Raworths Donut ist der Freiraum, in dem zukunftsfähiges Wirtschaften heute möglich ist. Der innere Rand steht für zwölf  Grundbedürfnisse aller Menschen - wie sauberes Wasser, ausreichend Nahrung, Zugang zu Bildung, Wohnen und rechtliche Sicherheit. Den äußeren Donut-Rand bilden natürliche Faktoren wie Klima, Luft, Süßwasserqualität, Stickstoffkonzentration und Artenvielfalt. Sie sind begrenzt durch das, was das Erdsystem an menschlicher Aktivität verträgt. Dazwischen können wir leben.   Angeregt wurde Raworth durch das Modell der planetaren Grenzen, das der schwedische Agrar- und Erdsystemwissenschaftler Johan Rockström 2009 zusammen mit anderen einführte. Und durch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die zuletzt 2015 als 17 Weltnachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) beschlossen wurden. Raworth vereint beides – und leitet daraus den Spielraum für unser Wirtschaften ab.

       

      Die Macht der Grafiken

      Uns Menschen beeindrucken vor allem Bilder. So auch die Bilder, die uns die Wirtschaftswissenschaften bisher von erfolgreichem Wirtschaften vermitteln: das vom geschlossenen Kreislauf, von der mathematisch exakten Kurve von Angebot und Nachfrage... All diese schönen Diagramme haben jedoch weder den Finanzcrash von 2008 vorher angezeigt noch beziehen sie Artensterben, Klimawandel und die Zahl der Hungernden mit ein. Raworth erkannte: wir brauchen nicht nur neue Erzählungen, sondern vor allem auch neue Bilder. Nicht mehr die exponentielle Wachstumskurve, sondern einen Donut. Nicht mehr Bilder von eigenständigen Kreisläufen, sondern von der Einbettung der Ökonomie. Nicht mehr das Konstrukt vom Menschen als einem homo oeconomicus, sondern ein Bild vom Menschen, das unsere soziale Verbundenheit zeigt. Solch neue Bilder findet sie und versucht, sie zu vermitteln.

       

      Sieben wichtige Gedankenschritte für ein neues Bild von Wirtschaft

      Am Anfang steht für Raworth der Abschied vom Bruttoinlandsprodukt als der Maßzahl für Wohlstand. Stattdessen geht es darum, allen Menschen die Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu ermöglichen.

      Zweiter Schritt ist die Realisierung der Tatsache, dass Ökonomie eingebettet ist in Gesellschaft und Natur und eben kein eigenständiger Kreislauf.

      Drittes Thema ist ein zutreffenderes Bild vom Menschen – nicht mehr als homo oeconomicus, sondern sozial eingebunden - das Raworthsche Modell zeigt die Bedeutung  menschlicher Beziehungen.

      Vierter Bereich: wir müssen systemisch denken, aber nicht mehr mechanistisch – es gibt keine einfachen Hebel, um ein solch komplexes System wie Wirtschaft zu steuern. 

      Fünftes: der Abschied vom Bild, das vorübergehend Ungleichheit nötig sei, um später Verteilungsgerechtigkeit zu erreichen, sondern stattdessen von vorneherein auf die Herstellung von Gleichheit zu setzen, z.B. durch öffentliche Investitionen in Gesundheit und Bildung.

      Sechstens eine soweit wie möglich kreislaufförmige, regenerative Ausrichtung von Wirtschaft und Gesellschaft, ähnlich wie sich Cradle to Cradle das vorstellt.

      Und siebtens sollten wir uns von der Abhängigkeit von Wirtschaftswachstum befreien: Wirtschaft muss nützen, auch ohne Wachstum.

       

      Der Donut scheint zu schmecken - um im neuen Bild zu bleiben

      Heute lehrt Kate Raworth Ökonomie in Oxford und Cambridge. Und ihr „Donut-Modell“ macht ebenfalls Karriere: es findet sich in immer mehr Powerpoint-Präsentationen. Und der Umweltökonom Daniel o'Neill der Universität Leeds hat ein Indikatorensystem entwickelt, das Donuts für über 150 Staaten anzeigt. Damit ist auf einen Blick sichtbar, wie nachhaltig diese Staaten derzeit wirtschaften: die Donuts zeigen an, wie vollständig das jeweilige soziale Fundament ist (der innere Kreis) und wie sehr die ökologischen Grenzen eingehalten oder überschritten werden (der äußere Kreis). Diese Datenbank mit dem Titel „A Good Life For All Within Planetary Boundaries“ zeigt unter anderem auch den Donut für Deutschland: während die sozialen Grundbedürfnisse fast vollständig abgedeckt seien, würden die ökologischen Grenzen oft weit überschritten.

      Im März 2018 erschien Kate Raworths 413 Seiten starkes, gut lesbares Buch in deutscher Übersetzung unter dem Titel „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“. Auf den Seiten des Hanser-Verlags ist das umfangreiche Einführungskapitel auf Deutsch als PDF zu finden. Hier fnden Sie außerdem einige anschauliche Videos von Kate Raworth zu dem Thema (auf der Seite ein wenig nach unten scrollen).

       

      Zur Person: Kate Raworth studierte um 1990 Ökonomie in Oxford. Doch mit dem, was sie dort über Wirtschaft lernte, war sie unzufrieden. Denn das, was gelehrt wurde, berücksichtigte in ihren Augen nicht das Wichtigste: die sozialen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb verbrachte sie anschließend drei Jahre bei sogenannten Barfuß-Unternehmerinnen auf Sansibar. Und wechselte dann zu den Vereinten Nationen in New York, um am Human Development Index mitzuarbeiten. Zum Schluss arbeitete sie über zehn Jahre für die Entwicklungsorganisation Oxfam, wo sie gegen die unfairen Spielregeln und die Doppelmoral der internationalen Handelsbeziehungen kämpfte und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Menschenrechte erforschte. Nach einem Jahr Erziehungszeit, entschloss sie sich, die Lehre vom Wirtschaften „vom Kopf auf die Füße zu stellen“. Und unterrichtet heute Ökonomie – u.a. in Oxford.

      Kate Raworth: "Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört" Übersetzung: Hans Freundl und Sigrid Schmid, Hanser Verlag, 413 Seiten, 24 Euro

       

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      Interview mit Christian Felber: "Die Gemeinwohl-Ökonomie gehört in die Bilanzen von Kommunen, Unternehmen und Banken": https://www.lifeguide-augsburg.de/magazin/interview-mit-christian-felber

      Buchtipp: "Eine zukunftsfähige Geld- und Wirtschaftsordnung" von Uwe Burka:   https://www.lifeguide-augsburg.de/magazin/wenn-geld-altern-wuerde

      Artikel in Newslichter:  https://www.newslichter.de/2018/05/donut-oekonomie-ein-revolutionaeres-…

       

      Kate Raworth, „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Foto: Richard Raworth
      Kate Raworth, die Autorin von „Die Donut-Ökonomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerstört“, Foto: Richard Raworth
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      Weihnachtsbraten vom Lechtal-Lamm!

      Weihnachtsbraten vom Lechtal-Lamm!
      Tradition, Naturschutz und guter Geschmack
      Lechtal-Lamm, Lechheide, regionale Lebensmittel,

      Zwei Metzgereien in der Region Augsburg bieten Lammfleisch an, das aus der Beweidung der Lechheiden stammt. Auch in der Brauereigaststätte Riegele gibt es Lechtal Lamm-Gerichte. Der Landschaftspflegeverband empfiehlt Weihnachtsbraten vom Lechtal Lamm und verweist darauf, dass der Genuss von Lammfleisch aus der Landschaftspflege einen wertvollen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt leistet.

       

      Schafe gehören auf unsere Lechheiden wie die Fugger zu Augsburg

      „Lechheiden gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa. Hier wachsen seltene Orchideen, Enziane und andere botanische Raritäten. Und auch was den Insektenreichtum betrifft, sind die Lechheiden einzigartig“, schwärmt Nicolas Liebig, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg. Leider gibt es heute nur noch wenig Lechheiden. Der Verband hat sich daher zum Ziel gesetzt, die letzten Heidereste wie die Königsbrunner Heide, die Firnhaberauheide oder die Flugplatzheide in Haunstetten zu erhalten. Wichtige Partner sind dabei diejenigen, die die Heiden über Jahrhunderte genutzt haben: die Wanderschäfer!

       

      Seit bald 20 Jahren sind Wanderschäfer wieder in Augsburg unterwegs

      Christian Hartl ist Wanderschäfer in der dritten Generation. Erst kürzlich hat er den Betrieb von seinem Vater Josef Hartl übernommen. Mit seinen mehr als 500 Tieren ist er von April bis Oktober im Stadtgebiet unterwegs. Dabei beweidet er hauptsächlich Naturschutzflächen im Stadtwald und im Augsburger Norden. Für seine Dienstleistung wird der Schäfer mit staatlichen Naturschutzgeldern honoriert. „Landschaftspflege ist für uns Wanderschäfer mittlerweile eine der wichtigsten Einnahmequellen geworden. Eine runde Sache wäre es, wenn wir auch unser Produkt, das Lammfleisch, noch stärker in der Region vermarkten könnten“, erklärt Christian Hartl.

       

      Hofmetzgerei Ottillinger und Metzgerei Dichtl sowie Wirtshaus Riegele bieten Lechtal Lamm an

      Bereits im Jahr 2001 hatte der Landschaftspflegeverband die Marke „Lechtal-Lamm“ ins Leben gerufen. Der patenrechtlich geschützten Marke liegen strenge Produktionskriterien zu Grunde. Aus verschiedenen Gründen ist die Vermarktung leider nahezu eingeschlafen. Über das Projekt „Weidestadt Augsburg“ ist es nun gelungen, einen neuen Anlauf zu nehmen. Ein Fachbüro konnte beauftragt werden, die Vermarktung neu anzukurbeln. „Nun zeichnen sich erste Erfolge ab“, freut sich Liebig, „denn wir konnten zwei Metzgereien dafür gewinnen, ihren Kunden Lechtal Lamm anzubieten. Auch das Wirtshaus Riegele bietet zwei Lechtal Lamm Gericht auf der Speisekarte an!“. Küchenchef Josef Unertl ist vom Lechtal Lamm begeistert: „Neben der hervorragenden Qualität ist es mir wichtig, dass das Lammfleisch aus der Landschaftspflege in der Region kommt. Nachhaltiger geht es nicht. Das kommt auch bei unseren Gästen gut an. Der Absatz unserer Lechtal Lamm-Gerichte läuft prima!“.

      Wanderschäfer Hartl und Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben beim Schafaufzug in das Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
      Wanderschäfer Hartl und Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben beim Schafaufzug in das Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
      Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
      Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
      Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
      Wanderschäfer Hartl beim Schafaufzug in sein Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
      Drei Generationen Schäfer auf den Lechheiden: Familie Hartl. Foto: Norbert Liesz
      Drei Generationen Schäfer auf den Lechheiden: Familie Hartl. Foto: Norbert Liesz
      Schafaufzug im Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
      Schafaufzug im Sommerweiderevier im Naturschutzgebiet „Stadtwald Augsburg“. Foto: Norbert Liesz
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      Blühender Trinkwasserschutz Cynthia Matuszewski Di., 29.08.2017 - 13:22
      Blühender Trinkwasserschutz
      Die Stadtwerke Augsburg kooperieren seit über 25 Jahren mit Landwirten der Region
      Die swa Augsburg kooperieren seit über 25 Jahren mit den Landwirten der Region. Die blühenden Sommerwiesen in Trinkwasser-Schutzgebieten sind ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Foto: swa/Thomas Hosemann.

      Die swa kooperieren seit über 25 Jahren mit Landwirten der Region und setzen sich für gewässerschonende Feldbewirtschaftung ein. Jeden Sommer blühen in den Trinkwasser-Schutzgebieten in Augsburg und Königsbrunn wunderschöne Blumenwiesen und Blühfelder. Die swa unterstützen darüber hinaus den Erhalt von Blühbrachen und sogenannten "Lerchenfenstern" in Getreidefeldern. Alle Maßnahmen kommen der Qualität des Augsburger Trinkwassers zugute, erhöhen die Schönheit der Naherholungsgebiete und geben einheimischen Tieren Schutz und Nahrung.

       

      Lerchenfenster in Getreidefeldern

      Weniger auffällig als die Blumenwiesen sind die sogenannten „Lerchenfenster“. Dazu werden in Getreidefeldern bei der Aussaat Lücken gelassen, um der Feldlerche Brutplätze anzubieten. Eine andere Möglichkeit ist es, auf Teilflächen die Saatgutmenge zu reduzieren, damit Kräuter zwischen dem Getreide wachsen können, die vielen Tieren als zusätzliche Nahrungsquelle dienen. Lerchenfenster sind also besonders wichtig für die Artenvielfalt. Da sie die Ernteerträge der Landwirte reduzieren, gleichen die swa dies im sogenannten „Augsburger Modell“ aus. Diese Kooperation besteht seit über 25 Jahren.

       

      Blühbrachen

      Blühbrachen sind Felder, die aktuell nicht für den landwirtschaftlichen Anbau genutzt werden. Sie werden mit Wildblumen und -kräutern bepflanzt. Die Pflanzenvielfalt bietet vielen Lebewesen, insbesondere Bienen und Schmetterlingen, Nahrung und Schutz.

      Diese Bemühungen für die Umwelt südlich von Augsburg werden unter Mitwirkung des Landschaftspflegeverbandes und in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Königsbrunn umgesetzt.

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      Mit Eifer für den Flussregenpfeifer

      Mit Eifer für den Flussregenpfeifer
      Unterwegs mit Kiesbank-Ranger Benjamin Vogt. Er betreut 16 Kilometer Lechufer. Die Hälfte ist Schutzzone für den Flussregenpfeifer. Ein Bericht über eine Brutsaison am Lech und Begegnungen mit dem „Homo Kiesbankius“.
      Flussregenpfeifer. Foto: David Bertuleit

      Benjamin Vogt war von April bis Juni 2017 zum fünften Mal als Kiesbank-Ranger am Lech unterwegs. Dann brüten die scheuen Flussregenpfeifer am Ufer oder auf den Kiesinseln des Flusses. Bereits die geringste Störung durch Menschen vertreibt die Vogel-Eltern und gefährdet das Leben der Küken. Um sie und ihren Nachwuchs zu schützen, ist das Lechufer an manchen Abschnitten den Tieren vorbehalten, andere Uferzonen sind Erholungszonen für Menschen. Und der Kiesbank-Ranger ist zum Schutz der Flussregenpfeifer unterwegs.

       

      Wenn es nötig ist, weist er die Menschen darauf hin, sich in den dafür ausgewiesenen Erholungszonen aufzuhalten, wenn sie am Lech entspannen und die Natur genießen möchten. „Wir setzen auf ein faires Miteinander“, sagt Stephan Jüstl, der Lechtal-Gebietsbetreuer vom Lebensraum Lechtal e.V..  (Mehr zum Lebensraum Lechtal und den Flussregenpfeifer im Lifeguide-Artikel "Lebensraum Kiesbank")

       

      Nach einer detaillierten Einweisung durch Stephan Jüstl geht es für Benni Vogt los: Er betreut 16 Kilometer Flussstrecke zwischen Gersthofen und Meitingen, wovon etwa die Hälfte Schutzzone ist. „Das bedeutet in erster Linie, an den schönsten Wochenend- und Feiertagszeiten sein Fahrrad zu schnappen und den Lech hinabzupesen, insgesamt 32 Kilometer Flussstrecke abzuradeln und die Lechufer bis zu 50 mal hoch und runter zu steigen. Außerdem ist verlässliche Menschenkenntnis beim Umgang mit dem „Homo Kiesbankius“ angeraten. Zwanzig angetrunkene Jugendliche behandelt man einfach anders als eine junge Familie mit freilaufendem Hund und planschendem Kind...“ berichtet Benni Vogt. Hier seine Reportage von einer abwechslungsreichen Ranger-Saison:

       

      Mit Eifer für den Flussregenpfeifer

      von Benjamin Vogt

      Zwei turbulente Monate im Dienste des Naturschutzes sind wieder einmal vergangen. Derart aufregend war es in den letzten Jahren selten im Zuge meiner Berufung zum „Kiesbank-Ranger“. Die vielfältigen Begegnungen mit Mensch und Tier in einer wahrhaft schönen, zumeist intakten Natur ließen mich Tag für Tag gerne in die nördlichen Lechauen Augsburgs radeln. Das Hochwasser im zeitigen Frühjahr hielt den Flussregenpfeifer nämlich nicht davon ab auf den Kiesbänken des Lechs zu brüten. Obwohl mein ungeschultes Auge „den Vogel mit der Maske“ selten zu Gesicht bekam, erhaschte ich immer wieder einen Blick auf Brutpaare und Jungvögel. Unsere langjährigen Schutzbemühungen zeigten erste nachweisbare Erfolge! Selbstverständlich hatte ich etliche, anregende Gespräche mit lieben Menschen. Genauso begegneten mir aber auch unbelehrbare Asoziale und zweibeinige Kuriositäten im Adamskostüm. Gerade stark alkoholisierte Jugendliche und Obdachlose stellen einen regelmäßig vor besondere Herausforderungen. Zwar bleibe ich immer freundlich und - trotz so manch nörgelnder Unke - wirklich höflich, doch trete ich möglichst bestimmt auf, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. „Entschuldigen Sie die Störung, aber Sie befinden sich hier in einer Schutzzone! Ich muss Sie bitten in die extra für Besucher ausgewiesenen Erholungszonen umzuziehen.“

       

      „Entschuldigen Sie die Störung, Sie befinden sich hier in einer Schutzzone!"

      Hier zücke ich meine Karte, in der die mir bekannten Brutpaare eingetragen sind. Anschließend deute ich auf den genauen Punkt, wo sich „der Störenfried“ gerade befindet. “Hier brütet der Flussregenpfeifer! Bei häufigen Störungen durch Mensch und Hund lassen die Elterntiere ihre Küken zurück und die armen Kleinen müssen verhungern und verdursten leider bei dieser Hitze. Vielen Dank für ihr Verständnis.“  In 99 Prozent der Fälle sind die Erholungssuchenden daraufhin einsichtig und ziehen um.

       

      Die meisten Menschen sind verständnisvoll

      Manchmal läuft das Ganze aber auch anders: Mein tausendfach heruntergebeteter Kiesbanktext veranlasste einige vagabundierende, ältere Herren mich mit leere Schnapsflaschen zu bewerfen. Ganz zu schweigen von den Verwünschungen als „dreckiger Zigeuner“ oder „Hurenbulle“ die sie mir an den Kopf warfen. Wobei ich mich hüte Amtsanmaßung zu betreiben! Vielleicht führte meine gelbe Warnweste zu dieser Verwechslung? Als mir die Gruppe das nächste Mal begegnete, nahmen die Herrschaften Reißaus. Mit weniger Promille waren sie nicht so mutig … Glücklicherweise gab es auch gegenteilige Situationen die mir ein breites Grinsen aufs Gesicht zauberten. Zu meinem Amüsement besuchen auch diverse Nudisten die Kiesbänke. Meist eher von der grau bebuschten Sorte. Doch im Juni mitten in der härtesten Mittagshitze kamen mir zwei FKKler von der ganz besonderen Sorte unter. Anfang zwanzig waren die Beiden echte Hingucker oder etwas flapsig gesagt: Rattenscharf! Da sich die Schönheiten in einer Schutzzone befanden, kam ich nicht umhin sie über unser Besucherlenkungskonzept aufzuklären. Ihre Ausrede, warum sie sich dort aufhielten, war grandios. Sie wären „professionelle Porno Darstellerinnen“ und müssten deswegen vom Scheitel bis zur Sohle durchgängig gebräunt sein. Da die Kerle in den reger besuchten Zonen des Lechs aber penetrant gaffen würden, suchten sie die Einsamkeit. Ich vermochte es mir nicht zu verkneifen die zwei Grazien schallend auszulachen. Nachdem ich ihre nett gemeinte Einladung, sie doch beim nächsten Videodreh zu besuchen, abgelehnt hatte, überließ ich die „Möchtegern- Pornostars“ ihrem Schicksal um meine Kiesbank-Ranger-Tätigkeit wieder aufzunehmen. Diese Entscheidung würde meine geliebte Ehefrau gewiss unterstützen.

       

      Unterwegs mit dem BR

      Die Woche darauf besuchte uns der Bayerische Rundfunk um eine Doku über das Müllproblem des Lechs zu drehen. Dafür legte ich mich voll ins Zeug, organisierte eine Müll sammelnde Schulklasse und begleitete das Kamerateam über den Tag hinweg. Ich sei ja schließlich „der gelbe Faden“ des Berichtes. Eine einzigartige Erfahrung. Wer denkt Film und Fernsehen sei ein Zuckerschlecken, der irrt. Es ist knochenharte Arbeit, allein schon wegen der Menge an empfindlicher, teurer und unglaublich schwerer Ausrüstung die uns begleitete. Am steil zum Lech abfallenden Ufer, in brütender Hitze, eine besondere Herausforderung.

      Eine Sache liegt mir noch am Herzen. Bitte, liebe Jogger! Bei 31 Grad und praller Sonne mal kurz eine Rund zu drehen ist ziemlicher Schwachsinn! Mir fiel beinahe wortwörtlich eine Joggerin vor die Füße. Ich fand die Mittdreißigerin am Wegesrand. Kreidebleich und ohnmächtig. Als sie auf mein sachtes Schütteln nicht reagierte und ihr Herzschlag eher einer Mischung aus Speed-Metal und Free-Jazz glich, blieb mir nichts anderes übrig, als den Notarzt zu rufen. Glücklicherweise war ich in der Lage die Dame wiederzubeleben. Nachdem sie zu meiner Erleichterung die Besinnung wiederfand, um sich plötzlich und herzhaft zu übergeben, kam auch schon der Rettungssanitäter. Wäre sie dort auch nur für kurze Zeit länger und ohne Hilfe liegengeblieben, hätte sie schwere Hirnschäden davon tragen können. Selbst jetzt noch, wenn ich nur daran denke, rast ein Adrenalinstoß durch meine Blutbahn. Mein Schock fürs Leben.

       

      Eine wunderbare Zeit

      Letztendlich war es aber wieder eine wunderbare Zeit in den Lechauen. Ich liebe einfach die Natur dort und das Privileg sie zu bewahren. Viele Menschen dieser Region sind mir zudem wirklich ans Herz gewachsen, wie die Wasserwachtler in Langweid und der ortsansässige Imker. Ich freue mich bereits auf nächstes Jahr. Es warten gewiss wieder eingeschlafene Badegäste mit furchtbarem Sonnenbrand, die es zu wecken gilt und possierlich hopsende Flussregenpfeifer-Küken, denen ich meine Stimme leihen darf. Herzlich euer Kiesbank-Ranger Benjamin Vogt

      Allen, die mehr über das Miteinander von Naturgenuss und Artenschutz am Lech nördlich von Augsburg wissen möchten, empfehlen wir unseren Lifeguide-Artikel "Lebensraum Kiesbank"

       

       

      Von April bis Juni dürfen die Flussregenpfeifer nicht gestört werden, ansonsten verlassen sie ihre Küken. Foto: Stephan Jüstl
      Von April bis Juni dürfen die Flussregenpfeifer nicht gestört werden, ansonsten verlassen sie ihre Küken. Foto: Stephan Jüstl
      Die Küken des Flussregenpfeifers sind perfekt getarnt. Foto: Christa Kohout
      Die Küken des Flussregenpfeifers sind perfekt getarnt. Foto: Christa Kohout
      Flussregenpfeifer. Grafik: Benjamin Vogt
      Flussregenpfeifer. Grafik: Benjamin Vogt
      Am Lech bei Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
      Am Lech bei Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
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      Lebensraum Kiesbank

      Lebensraum Kiesbank
      Am Lech brütet der Flussregenpfeifer
      Am Lech bei Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski

      Was viele nicht wissen: Die Kiesbänke am Lech sind mehr als „nur ein Haufen Steine“! Hier brütet der Flussregenpfeifer. Das Lechufer ist deshalb in Schutzzonen für Tiere und Erholungszonen für Menschen aufgeteilt.

      Kiesbänke – nur ein Haufen Steine?

      Am Lech zwischen Gersthofen und Meitingen haben sich Kiesbänke als typisches Element der einstigen Wildflusslandschaft erhalten. Erholungssuchende aus dem ganzen Großraum Augsburg genießen hier die Natur, das Rauschen des Wassers und die warme Sommersonne.

      Was viele nicht wissen: Kiesbänke sind mehr als „nur ein Haufen Steine“! Viele Tier- und Pflanzenarten haben sich an die kargen Lebensbedingungen angepasst und finden hier ihren angestammten Lebensraum: Die (bei uns inzwischen ausgestorbene) Flussufer-Wolfsspinne etwa oder die Zwergglockenblume. Besonders wichtig sind die Kiesbänke bis heute für eine Vogelart, die auf dem Kies brütet: Der Flussregenpfeifer.

       

      Steckbrief Flussregenpfeifer

      • Zugvogel, überwintert in Afrika
      • kehrt im März zurück und zieht am Lech seinen Jungen auf
      • Hauptbrutzeit 1. April bis 30. Juni
      • ernährt sich von Insekten und Weichtieren, die er vor allem am Ufer der Kiesbänke findet
      • auf Kies bestens getarnt: Gefieder und auch Eier „kiesfarben“
      • nur noch 8 - 10 Brutpaare zwischen Gersthofen und Meitingen

       

      Überlebenskünstler – aber störungsempfindlich!

      Flussregenpfeifer sind an das Leben auf der Kiesbank bestens angepasst. Hier finden sie Nahrung, verstecken sich durch optimale Tarnung vor Fressfeinden und haben sogar Tricks entwickelt, um mit der Hochwassergefahr umzugehen.

      Aber eine große Gefahr für die Tiere ist die Störung durch Erholungssuchende: Die Elterntiere werden aufgeschreckt und müssen Gelege oder Küken schutzlos zurücklassen. In Bereichen mit hohem Besucheraufkommen überleben deswegen weniger Küken!

       

      Naturgenuss und Artenschutz am Lech - durch faires Miteinander

      Damit der Flussregenpfeifer langfristig bei uns am Lech eine Überlebenschance hat, müssen mehr Küken überleben. Weniger Störung durch uns Menschen bedeutet bessere Überlebenschancen für die Jungvögel!

      Der Lech wurde deswegen fair in Schutz- und Erholungszonen aufgeteilt:

      - Schutzzone: Vom 1.4. bis 30.6. bitte nicht betreten!

      - Erholungszone: Ganzjährig frei betretbar. Bitte auch hier achtsam mit der Natur umgehen!

      Diese Zonen sind in der Karte dargestellt. Die Schutzzonen sind während der Brutzeit mit Hinweistafeln markiert. Auch unser Kiesbank-Ranger gibt Erholungssuchenden die Information, welche Bereiche ihnen offenstehen.

      So können Naturgenuss ohne schlechtes Gewissen und Schutz einer bedrohten Tierart gut kombiniert werden!

       

      Immer up to date: Die App für „Kiesbank-Checker“

      Oft werden die Hinweistafeln an den Schutzzonen Opfer von Vandalismus. Wenn man dann keine Karte zur Verfügung hat, ist es schwer festzustellen, ob man gerade in einer Schutz- oder in einer Erholungszone ist.

      Hilfe bietet da die neue „Kiesbank-Checker“-App: Sie überprüft schnell und komfortabel anhand von Datum und GPS-Daten, ob man eine Kiesbank betreten darf oder ob diese in einer Schutzzone legt.

       

      Im Einsatz für die Artenvielfalt am Lech

      Die Schutzmaßnahmen für den Flussregenpfeifer und die Information der Erholungssuchenden organisiert der Verein Lebensraum Lechtal. Während der Brutzeit sind Kiesbank-Ranger am Lech unterwegs und informieren Erholungssuchende. Eine Reportage des Kiesbank-Rangers Benjamin Vogt finden Sie hier.

      Finanzielle Unterstützung erhält der Verein Lebensraum Lechtal von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Schwaben und dem Bayerischen Naturschutzfonds.

      Der Verein engagiert sich entlang des Bayerischen Lechs auch für andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie Frauenschuh und Zauneidechse oder selten gewordene Lebensräume wie Lechheiden und lichte Kiefernwälder.

       

      Projektträger

      Lebensraum Lechtal e.V.

      c/o Amt für Grünordnung, Naturschutz und Friedhofswesen

      Dr.-Ziegenspeck-Weg 10

      86161 Augsburg

      www.lebensraumlechtal.de

      Ansprechpartner

      Stephan Jüstl, Lechtal-Gebietsbetreuer

      gebietsbetreuer@lebensraumlechtal.de

      01577 - 3092285

       

      Die Küken des Flussregenpfeifers sind perfekt getarnt. Foto: Christa Kohout
      Die Küken des Flussregenpfeifers sind perfekt getarnt. Foto: Christa Kohout
      Von April bis Juni dürfen die Flussregenpfeifer nicht gestört werden, ansonsten verlassen sie ihre Küken. Foto: Stephan Jüstl
      Von April bis Juni dürfen die Flussregenpfeifer nicht gestört werden, ansonsten verlassen sie ihre Küken. Foto: Stephan Jüstl
      Flussregenpfeifer. Grafik: Benjamin Vogt
      Flussregenpfeifer. Grafik: Benjamin Vogt
      Wolfsspinne. Foto: Stephan Jüstl
      Wolfsspinne. Foto: Stephan Jüstl
      Flussregenpfeifer. Foto: David Bertuleit
      Flussregenpfeifer. Foto: David Bertuleit
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