Virtuelles Wasser

Wo können wir am effektivsten Wasser sparen und warum ist es besser Gemüse zu essen, als einen Wassersparkopf bei der Dusche einzubauen?

Dominik Günter erklärt den Unterschied zwischen Haushaltswasser und virtuellem Wasser, wie wir unseren Waterfootprint verkleinern können und warum es manchmal besser ist, ein altes T-Sirt länger zu tragen...

Jeder Mensch braucht Wasser. Aber es gibt nur eine begrenzte Menge davon, die trinkbar ist. Auch zur Herstellung von Konsumgütern wird Wasser verwendet, jedoch nicht immer sinnvoll oder an geeigneten Orten.

 

Haushaltswasser

Wir alle sind in unserem täglichen Leben auf Wasser angewiesen. Wir brauchen es zum Trinken, zum Kochen, um zu duschen und bei der Toilettenspülung. Zudem wollen wir Wäsche waschen, abspülen, den Garten gießen oder das Auto putzen. In Deutschland wird in den letzten Jahren immer weniger von diesem sogenannten Haushaltswasser verbraucht. Im Durchschnitt verbraucht jede*r Deutsche heute 120 Liter Haushaltswasser am Tag.

 

Virtuelles Wasser

Zu diesem direkten Wasserverbrauch im Haushalt kommt jedoch noch das virtuelle Wasser hinzu. Dieses Wasser ‚versteckt‘ sich in unseren Nahrungsmitteln und in Konsumgütern wie Kleidung, dem Auto oder einem Handy. Es ist jenes Wasser, das für die Produktion einer Ware notwendig ist, also verdunstet, verbraucht oder verschmutzt wird. Um eine Jeans zu produzieren, werden zum Beispiel 11.000 Liter Wasser eingesetzt. Ein Kilogramm Tomaten beinhaltet knapp 200 Liter virtuelles Wasser, welches nötig war, um die Tomaten zu bewässern. Um ein Kilogramm Rindfleisch herzustellen, werden über 15.000 Liter Wasser verbraucht. Das kommt daher, dass das Rind in seiner Lebenszeit zum einen selbst Wasser trinkt und zum anderen Grünfutter zu sich nimmt. Also ist auch der Wasserverbrauch für das Viehfutter im virtuellen Wasserwert für Rinder enthalten.

Das Rind kann übrigens nur einen geringen Anteil der Energie aus dem pflanzlichen Futter so umsetzen, dass es für uns im Fleisch wieder zur Verfügung steht.

Rechnet man Haushaltswasser und virtuelles Wasser zusammen, verbraucht jede*r Bürger*in Deutschlands etwa 4.000 Liter Wasser pro Tag. Das Haushaltswasser ist also nur ein minimaler Teil des Wassers, das jede*r von uns verbraucht.


Das Problem der Globalisierung

In der Frühzeit der menschlichen Entwicklung war der Mensch lokal gebunden. Er konnte nur Wasser aus umliegenden Quellen, Flüssen oder Seen beziehen. Oder Nahrungsmittel essen, die mit diesem Wasser bewässert wurden. Heute ist das anders. Durch den globalen Handel verbrauchen wir praktisch Wasser aus weltweiten Quellen. Somit können wir unseren Wasserverbrauch auch nicht mehr direkt einschätzen.

Nehmen wir als Beispiel eine Tasse Kaffee. Sie verbraucht so viel von unserem Haushaltwasser wie in die Tasse passt, also etwa 0,2 Liter Leitungswasser aus den lokalen Kreisläufen. Der Haken dabei ist das virtuelle Wasser, also das Wasser, das zur Produktion der Kaffeebohnen für diese Tasse Kaffee benötigt wird. Das liegt bei über 200 Litern. Dazu kommt, dass diese Kaffeebohnen oft aus Ländern wie Äthiopien stammen, wo Wasser knapp ist. Statt Kaffee könnten Grundnahrungsmittel in den Regionen angebaut werden. Die Grundversorgung der Menschen vor Ort würde somit sichergestellt werden und das Wasser würde nicht verbraucht, um Genussmittel für andere Länder zu produzieren.

 

Virtuelles Wasser als Lösungsmodell

Das Konzept des virtuellen Wassers bietet aber auch einen Lösungsansatz auf der Ebene der Produktion. Das Ziel sollte sein, dass keine Region der Welt mehr an Wassermangel leiden muss. Und das könnte durch den virtuellen Transport von Wasser gelingen.
Ein Beispiel: Wenn Deutschland Tomaten aus Spanien importiert, wird auch das virtuelle Wasser mit-importiert, das Spanien nicht mehr verwenden kann. Ein Export deutscher Computerchips (die für ihre Produktion in Deutschland regionales Wasser verbrauchen) nach Spanien, würde diesen virtuellen Wasserstrom wieder ausgleichen. Mittels effizient verteilter Produktion, könnte also eine optimale Wasserverteilung auf der Welt gewährleistet werden.  
Klar wird, dass das virtuelle Wasser mit einbezogen wird, wenn man überlegt wie Wasser optimal verteilt werden kann. Denn jede Region und jeder Mensch sollte genügend Wasser zur Verfügung haben. Um das gesamte globale Wasser ideal zu nutzen und auch virtuelle Wasserströme sinnvoll zu leiten, braucht es Verhandlungen von Akteur*innen auf der ganzen Welt.

 

Darf ich jetzt weiterhin Kaffee trinken?

Zurück zu unserem Kaffeebeispiel. Kaffeebohnen können in Deutschland nicht angebaut werden. Trotzdem ist es das beleibteste Heißgetränk der Deutschen. Das bedeutet, dass wir darauf angewiesen sind die Kaffeebohnen und damit auch das virtuelle Wasser aus anderen Regionen der Welt zu importieren. Nun können wir durch unseren Konsum jedoch kein virtuelles Wasser zurückgeben.
Um als Verbraucher*in virtuelles Wasser zu sparen, haben wir also lediglich die Möglichkeit weniger Produkte zu kaufen, die in wasserarmen Regionen produziert wurden. Außerdem können wir insgesamt eher auf Produkte zurückgreifen, die mit wenig Wasser hergestellt werden.

Diese Galerie von Waterfootprint mit vielen Lebensmitteln hilft dir, deinen Konsum von virtuellem Wasser durch Lebensmittel zu ermitteln. Außerdem stellen wir in unserem Lifeguide-Artikel "Mein Auto, mein Kleid, mein Hähnchen" die Brot für die Welt Studie mit vielen genauen Zahlen, Daten  und Lösungsansätzen vor. Oder du schaust einmal unter "Durstige Güter".

 

Aber wie soll das in der Praxis funktionieren?

Am besten ist es fast immer saisonale und regionale Produkte zu konsumieren. So könnte der eigene Kaffeekonsum reduziert werden und stattdessen Kräutertees getrunken werden, um virtuelles Wasser zu sparen. Eine Tasse Tee verbraucht etwa 30 Liter virtuelles Wasser, also nur etwa 1/7tel einer Tasse Kaffee.
Ganz grundsätzlich verbrauchen wir umso weniger virtuelles Wasser je weniger wir konsumieren. Eine statt drei Tassen Kaffee am Tag reduziert den Wasserverbrauch. Genauso ist es auch sinnvoll seltener ein neues T-Shirt zu kaufen und jedes Kleidungsstück länger zu benutzen. Auch der Verzehr von weniger wasserintensiven Produkten wie Gemüse statt Fleisch reduziert den persönlichen virtuellen Wasserfußabdruck. Noch einmal zur Erinnerng: In einem einem Kilogramm Rindfleisch steckt über 15.000 Liter virtuelles Wasser, wohingegen nur knapp 300 Liter Wasser verbraucht werden, um ein Kilogramm Kartoffeln zu produzieren.

 

Wassersparen geht also am besten durch bewussten Konsum

Wassersparen geht also am besten durch bewussten Konsum und bewusste Ernährung. Ein wassersparender Duschkopf ist zwar gut, bewirkt aber im Gesamtzusammenhang nahezu nichts. Wir sollten uns – mit den virtuellen Wassermengen im Hinterkopf - fragen wie viel Fleisch wir wirklich brauchen (10.000 bis 15.000 Liter pro kg) und ob es das alte T-Shirt (4.000 Liter pro Stück) nicht doch noch tut. Konsumreduzierung, Recycling oder Upcycling sind weitere sinnvolle Maßnahmen. Eine globale Steigerung des Bewusstseins in Bezug auf Wassermanagement muss erreicht werden, um drohende negative Auswirkungen einzudämmen so gut es geht, um die Grundlage des Lebens auf diesem Planeten zu schützen.  

 

Folgender Lifeguide-Artikel könnte dich auch interessieren:

 

Literaturliste:

  • August D., Chapagain A., Geiger M., Sonneberg A. (2009): Der Wasser-Fußabdruck Deutschlands. Woher stammt das Wasser, das in unseren Lebensmitteln steckt?  WWF Deutschland, Frankfurt am Main.
  • BICC (2015): Virtuelles Wasser. Bundeszentrale für politische Bildung. (29.05.17).
  • Chapagain A. K., Hoekstra A. Y. (2008): Globalization of Water. Sharing the Planet’s Freshwater Resources. Blackwell Publishing, Oxford, UK.
  • Fokken U., Gal V., Adamczyk M., Kochen Dörfer J., Sperrer R. (2015): Deutsche Umwelthilfe Jahresbericht 2015.  (19.06.17).
  • Klohn W., Windhorst H.-W. (2006): Weltagrarwirtschaft und Weltagrarhandel. 2. Aufl., Vechtaer Druckerei und Verlag, Vechta.
  • Mauser W. (2010): Wie lange reicht die Ressource Wasser? Vom Umgang mit dem blauen Gold. 3. Aufl., Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main.
  • Michael T. (2015): Diercke Weltatlas. Westermann Verlag, Braunschweig.
  • Petry D. (2017): Virtuelles Wasser Produktgalerie. Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V., Bonn. (01.06.17).
  • Strigel G., Ebner von Eschenbach A.-D., Berjenbruch U. (Hg.) (2010): Wasser – Grundlage des Lebens. Hydrologie für eine Welt im Wandel. Schweizerbart Science Publishers, Stuttgart.
  • Weizsäcker E. U. (1994): Erdpolitik. Ökologische Realpolitik an der Schwelle zum Jahrhundert der Umwelt. 4. Aufl., Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
  • Zentel K. O. (2017): Wasser ist Leben. CARE Deutschland-Luxemburg e.V., Bonn. (26.05.17).

 

Wassertropfen, H2O, Wasser, Bild von Rony Michaud auf Pixabay

Über den Autor

Dominik Günter

Dominik Günter studiert Geographie an der Universität Augsburg. Durch ein Praktikum im Augsburger Büro für Nachhaltigkeit hat sich sein Interesse, die Welt besser zu machen, nochmals verstärkt. Er sieht das Glück im Einfachen, wie Fahrrad fahren, am Lagerfeuer sitzen oder Frisbee spielen. Um anderen Menschen ein Vorbild sein zu können, arbeitet er vor allem an seinem eigenen Lebensstil. Andere Kulturen, Sport und Utopien begeistern ihn.

Kommentare

Gast

Äthiopien ist die Wiege des Kaffees. Kaffee gehört hier zur Kultur und sicher würde hier nicht auf den Anbau zugunsten von anderen Pflanzen verzichtet werden.

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