Lokale Agenda 21

Engagement für ein nachhaltiges Augsburg

Dieser Lifeguide-Artikel erscheint am 15.Oktober 2019 auch in der Purpur, dem neuen Magazin zu verantwortungsvollem Leben in Augsburg und Umgebung aus dem Hause liesLotte.

 

Seit über 20 Jahren setzen sich viele Augsburger*innen für immer mehr Nachhaltigkeit in unserer Stadt ein. Sie engagieren sich für eine fahrradfreundliche Stadt, für plastikfreies Leben, regionale Lebensmittel, Gärten in der Stadt oder für Umwelt- und Naturschutz.

„Lokale Agenda 21? ... nie gehört.“ So in etwa lautet die Reaktion, wenn wir im Freundes- oder Bekanntenkreis nachfragen. Dabei existiert die „Lokale Agenda 21 - für ein zukunftsfähiges Augsburg“ (das ist der vollständige Titel) in Augsburg bereits seit über 20 Jahren. Was steckt also hinter diesem sperrigen Begriff? Die Lokale Agenda 21 steht für einen Prozess, dessen Ziel es ist, aus Augsburg eine nachhaltige(re) Stadt zu machen. Damit sind die Augsburger*innen bisher recht erfolgreich: 2013 erhielt die Stadt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. 2018 wurde der Augsburger Agenda-Prozess erneut bundesweit ausgezeichnet. Aktuell stehen über 600 Menschen hinter der Lokalen Agenda 21. Seit 1996 setzen sie sich dafür ein, dass unsere Stadt ökologischer, zukunftsfähiger, fairer und lebenswerter für alle wird.

 

Wie können sich in Augsburg Aktive vernetzen?

Das ist insofern spannend und hochaktuell, da seit Wochen immer mehr Menschen freitags auf die Straße gehen, um für wirksamen Klimaschutz zu kämpfen und die Politiker*innen auffordern, endlich schnell und effektiv zu handeln. Längst gehören nicht mehr nur Jugendliche zur Fridays-for-Future-Bewegung, sondern auch Scientists-, Parents- oder Artists-for-Future. Am 20. September 2019 streikten allein 1,4 Millionen Menschen in Deutschlands für effektiven Klimaschutz – 6.000 davon in Augsburg.

Da ist es gut, sich mit den bereits vorhandenen Strukturen vor Ort auszukennen. Damit man sich gegenseitig vernetzen, stärken und unterstützen kann, auf dem Weg zum gemeinsamen Ziel: Dem Schutz und Erhalt einer lebenswerten Welt für unser Kinder und Enkelkinder. Deshalb waren Akteure der Augsburger Lokalen Agenda 21 auch am 20. September beim Klimastreik dabei.

Damit die Nachhaltigkeit in Augsburg wirklich ihren Durchbruch schafft, muss sie von allen Akteur*innen mitgetragen werden. Blockierende Kräfte, die aus Angst an alten Lösungen hängen, sollten sich der Zukunft öffnen. Und die Chancen erkennen." Tom Hecht, Physiker, Agendasprecher.

Der Physiker und Lehrer Tom Hecht ist seit 2015 Agendasprecher und leitet das Fachforum Verkehr in Augsburg.

 

600 Menschen engagieren sich in den Agendaforen

Die Agendaforen sind das Herzstück der Lokalen Agenda 21. Aktuell arbeiten mehr als 600 Menschen in 29 verschiedenen Arbeitsgruppen – den Agendaforen - zu den unterschiedlichsten Themen. Wichtig zu wissen: die Agenda ist offen. Alle der Nachhaltigkeit Verbundenden sind eingeladen!
Sie engagieren sich für die Fahrradstadt Augsburg, für plastikfreies Leben, für regionale Lebensmittel, für Nachbarschaftszentren, Gärten in der Stadt oder für Umwelt- und Naturschutz. Sie probieren einen neuen Umgang mit Landwirtschaft, mit Geld oder Wohnraum aus. Zu den Foren gehören der Arbeitskreis Urbane Gärten, das GreenOffice der Universität Augsburg, der NANU e.V., das Forum plastikfreies Augsburg, die Ag Tierrechte, die Fachforen Verkehr und Energie, die Biostadt und die Fairtrade-Stadt Augsburg oder Transition Town, um nur einige wenige zu nennen. Zweimal im Jahr erscheint eine Agendazeitung, die alle Aktivitäten zusammenfasst. Und weil Informationen eine wichtige Basis für Veränderungen sind, ist auch der Lifeguide Augsburg ein Agendaforum.
Einmal im Monat treffen sich die Agendaforen, tauschen Erfahrungen und Informationen aus und koordinieren ihre Aktionen. Gäste sind immer willkommen. Bei diesen Treffen wurde unter anderem das Augsburger Stadtradeln, der erste Augsburger Parking Day und der Selbstversuch nachhaltiges Leben initiiert.

 

Keine Selbstverständlichkeit: Augsburg hat ein Büro für Nachhaltigkeit

Unterstützt werden die Agendaforen von der Geschäftsstelle Lokale Agenda 21 im Büro für Nachhaltigkeit. So ein Büro als Teil der Stadtverwaltung ist keine Selbstverständlichkeit: Augsburg ist eine der wenigen deutschen Städte mit einem Büro für Nachhaltigkeit. In der Maximilianstraße 3 sitzen im zweiten Stock Norbert Stamm und sein kleines, sehr effektiv arbeitendes Team. Sie haben immer ein offenes Ohr für Ideen und Fragen.

Auch der Augsburger Nachhaltigkeitsbeirat ist Teil der Lokalen Agenda 21. Vier Mal im Jahr treffen sich im Augsburger Rathaus Vertreter*innen aus 23 Organisationen und Institutionen und beraten öffentlich über alle Themen rund um Augsburgs Nachhaltigkeit. Der Nachhaltigkeitsbeirat kann direkt Anträge an den Stadtrat stellen. Im Mai 2019 hat er beispielsweise empfohlen, bis 2025 die Treibhausgasemissionen auf fünf Tonnen pro Person und Jahr in Augsburg zu reduzieren und eine Klimaschutzkommission für unsere Stadt einzurichten.

Nachhaltiges Engagement wird in Augsburg übrigens mit einem Preis honoriert: Seit 2006 werden besonders gelungene Nachhaltigkeitsprojekte aus Augsburg mit dem Augsburger Zukunftspreis ausgezeichnet.
Im Rahmen der Lokalen Agenda haben die oben genannten Akteure auch die Zukunftsleitlinien für die Stadt Augsburg (mit)erarbeitet. Seit 2015 stellen diese Leitlinien eine Orientierung für jeden Beschluss des Stadtrats dar. Sie umfassen 75 Ziele. Zu ihnen gehören zum Beispiel „Klima schützen“, „Erneuerbare Energien ausbauen und Energieversorgung sichern“ oder „Biologische Vielfalt erhalten und entwickeln“.

Wenn wir die Welt verbessern wollen, können wir gut in unserer Stadt anfangen. Denn die hängt ganz schön mit der übrigen Welt zusammen – in allem.“ Norbert Stamm, Nachhaltigkeitsbeauftragter Augsburg

Alle wichtigen Informationen und Kontakte zur Lokalen Agenda 21 finden Sie hier.

 

Lokalen Agenda 21, Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Zukunftsleitlinien, Augsburg, Foto: Tabea Jacob
Lokalen Agenda 21, Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Lokale Agenda 21, Augsburg. Foto: Cynthia Matuszewski
Fridays for Future, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Fridays for Future 2019, Foto: Cynthia Matuszewski
Fridays for Future 2019, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Fridays for Future 2019, Foto: Cynthia Matuszewski
Fridays for Future 2019, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Thomas Hecht, Norbert Pantel, Lokalen Agenda 21, Foto: Cynthia Matuszewski

Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist freiberufliche Journalistin und Fotografin. Sie arbeitet als PR-Referentin für Klient*innen aus Politik, Wirtschaft und Soziales, sowie verschiedene NGOs. Seit 2013 ist sie Redakteurin des Lifeguides Augsburg und seit 2016 Vorstand des Vereins Lifeguide Augsburg e.V.. Mit ihrer Begeisterung für Interviews und Regionaljournalismus schreibt sie u.a. für Chrismon, Augsburger Allgemeine Zeitung, Kindergarten heute, Evangelisches Sonntagsblatt, London Female Film Festival. Stationen: Kindheit in Köln. Ausbildung und Arbeit als Fotografin in Berlin. Studium der Publizistik an der Freien Universität Berlin. Hörfunk- und Printjournalistin u.a. für SFB, WDR, Deutsche Welle, WAZ.

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