Lecker und gesund – jetzt eigenes Gemüse anbauen!

Tipps von Ildikó Reményi–Vogt von der CityFarm Augsburg

Vielleicht bist auch du mit dem guten Vorsatz in das neue Jahr gestartet, etwas verändern zu wollen. Wenn du dein Leben nachhaltiger gestalten und dich außerdem gesund ernähren willst, kannst du zum Beispiel dein eigenes Gemüse anbauen. Jetzt beginnt die Aussaatzeit! Überlege dir also, welches Gemüse du auf dem Tisch haben willst.

Ildikó Reményi–Vogt hat in der CityFarm Augsburg und in zahlreichen Gärtnereien sehr viel Erfahrungen gesammelt und bietet auf der Website der CityFarm auch Saatgut an. Sie hat unserer Autorin Annika Müller viele gute Tipps gegeben.

 

Das passende Gefäß für die Aussaat

Die Profis unter den Gemüsegärtner*innen verwenden spezielle Aussaatkisten, die zum Beispiel in Gartencentern oder im Baumarkt erhältlich sind. Die Kisten sind zwischen 30 bis 50 cm lang, 30 bis 40 cm breit und 5 bis 10 cm hoch. Meistens sind die Kisten aus Plastik, aber es gibt auch Varianten aus Holz.

Für Anfänger*innen reicht auch ein Balkonkasten, eine Blumenschale oder einfach alte, gesäuberte Blumentöpfe. Am besten sind solche Gefäße geeignet, die unten „nicht ganz dicht“ sind, damit überschüssiges Wasser abfließen kann. Perfekte Alternative: die Plastikschalen, in denen Obst und Gemüse verpackt ist – sie sind leicht, haben Löcher und sind lichtdurchlässig. Ungünstig wegen Schimmelgefahr: Eierpappe, Klorollen.

 

Hochwertige Erde ist wichtig

Es ist ein Mythos, dass Aussaaterde keine Nährstoffe enthalten darf. Aus gärtnerischer Sicht stimmt das nicht. Eine Ausnahme bilden Pflanzen, die generell magere Erde brauchen. In der Natur keimen die Pflanzen ja auch in der gleichen Erde, in der sie wachsen. In allen Gärtnereien, in denen ich bisher gearbeitet habe, wird dieselbe Erde zur Aussaat und zum Topfen verwendet! Wir bei der CityFarm machen das auch so. Nur sollte die Erde, die wir verwenden, qualitativ hochwertig sein.“ Ildikó Reményi–Vogt, CityFarm Augsburg

Bitte achtet beim Kauf von Blumenerde also darauf, dass die Ware „torffrei“ ist und nicht als „torfarm“ oder als „torfreduziert“ gekennzeichnet ist. Das bedeutet nämlich, dass sie trotzdem noch hauptsächlich aus Torf besteht. Und Torf gehört in die Moore und nicht in unsere Beete. Einen ausführlichen Lifeguide-Artikel zu Blumen- und Komposterde findet ihr hier. Vorsicht auch bei der Bezeichnung „BIO“: Da die Begriffsbezeichnung „Bio-“ bei Erden nicht geschützt ist, kann man darauf nicht vertrauen.

Fülle deine Aussaatkiste oder deinen Topf mit der Erde, aber nicht ganz bis zum Rand, sodass drei bis vier cm darunter frei bleiben. Die Erde dann mit den Händen andrücken, bis sie fest ist. Alternativ kannst du sie auch mit einem Schneidebrett festdrücken.

Bitte die Erde nur leicht andrücken - also kein "backebacke Kuchen"! Es reicht auch, die Kiste drei Mal auf den Tisch zu klopfen. Durch das Angießen - die Erde sollte dafür komplett durchfeuchtet werden, aber nicht wegschwimmen - verdichtet sich die Erde sowieso nochmal." Ildikó Reményi–Vogt, CityFarm Augsburg

 

Welcher Samen?

Nachdem du deinen Menüplan für das Frühjahr fertiggestellt hast, kannst du deine Wunsch-Gemüsesamen besorgen.

Wir auf der CityFarm legen Wert auf samenfeste Sorten und verzichten komplett auf Hybride (F1). Vor allem alte und seltene Gemüsesorten bringen nicht nur leckere Abwechslung auf den Teller, sondern sind auch wichtig für die Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. Denn diese ist ebenso bedroht wie die Biologische Vielfalt in unserer Natur.“ Ildikó Reményi–Vogt, CityFarm Augsburg

Besonders zu empfehlen sind also die Samen der CityFarm Augsburg oder verschiedene Saatgutbörsen.

Neben regionalen Anbietern gibt es viele Öko-Anbieter wie zum Beispiel Bingenheimer, Dreschflegel und Reinsaat. Auch Arche Noah und Co bieten eine tolle Auswahl.
 

Richtig aussäen

Wenn du alles vorbereitet hast, beginnt die Aussaat. Ganz wichtig: Jeder Samen muss unterschiedlich tief in die Erde!

Ein Samen wird mit so viel Erde bedeckt, wie er dick ist. Es gibt auch zahlreiche Lichtkeimer, die man nur oben auf die Erde legen und leicht andrücken darf.“ Ildikó Reményi–Vogt, CityFarm Augsburg

Wenn die Samen mit Erde zugedeckt sind, dann behutsam angießen und ins Warme stellen. Zum Keimen brauchen die Samen die nächsten zwei Wochen eine Temperatur von circa 20 Grad Celsius, also mindestens Zimmertemperatur, wenn möglich etwas mehr. Die Samen aber nicht auf die Heizung stellen, denn die trockene, heiße Luft wäre zu viel des Guten.

Nach dem Keimen bitte aufpassen: Jetzt ist eine niedrigere Temperatur nötig, da sonst das Wärme-Licht-Verhältnis nicht stimmt und die Pflanzen vergeilen, also dünne, instabile Stängelchen bekommen. Das ist ein ganz typischer Fehler, der gerade am Anfang immer gemacht wird.“ Ildikó Reményi–Vogt, CityFarm Augsburg

Richtig gießen

Gieße immer so viel, dass der Finger, den du in die Erde steckst, die Feuchtigkeit spürt aber keine schlammige Erde dran kleben bleibt.“ Ildikó Reményi–Vogt, CityFarm Augsburg

Mit einem Aussaatgefäß, das ein Loch im Boden hat, sind auch Anfänger*innen auf der sicheren Seite. Wenn du doch einmal zu stark bewässerst, fließt das überschüssige Wasser unten ab. Dieses Wasser darf sich aber nicht in einem Übertopf oder Untersetzer ansammeln.

Wenn der Übertopf vollläuft, dann ausleeren und in Folge weniger gießen. Nur Pflanzen schaffen es durch den Wurzelsog das Wasser dorthin zu transportieren, wo es gebraucht wird. Bei frischer Aussaat führt das nur zu Staunässe. Das hat zur Folge, dass die jungen, empfindlichen Wurzeln keinen Sauerstoff mehr bekommen und absterben.“ Ildikó Reményi–Vogt, CityFarm Augsburg

Keimlinge pikieren

Wenn die kleinen Pflänzchen dann aus der Erde wachsen, stehen sie normalerweise sehr nah beieinander und müssen vereinzelt, also pikiert werden, damit sie später, wenn sie ihre endgültige Größe erreichen, genügend Platz haben. Die kleinen Pflanzen werden in Kisten oder Töpfe pikiert.

Die Gärtnerin pikiert, wenn nach den Keimblättern das erste Blattpaar gebildet ist. Das hängt also nicht von der Höhe der Jungpflanze ab. Entscheidend ist die Stabilität des Pflänzchens.“ Ildikó Reményi–Vogt, CityFarm Augsburg

Die kleinen Pflänzchen werden beim Pikieren vorsichtig aus der Aussaatkiste herausgeholt. Hier ist Fingerspitzengefühl nötig, um die zarten Wurzeln möglichst wenig zu verletzen. Spezielles Werkzeug wie eine Pikiergabel oder ein Pikierstab sind beim Herauslösen und erneuten Einpflanzen eine große Hilfe. Mit dem Pikierstab kannst du einen einzelnen Keimling vorsichtig von der Seite her aus der Erde hebeln. Die Wurzeln sollten dabei möglichst intakt bleiben. Oft tut es für den Hausgebrauch auch ein kleiner Kaffeelöffel.

Die Keimlinge werden anschließend einzeln in Anzuchttöpfe aus Zellulose, Ton oder Plastik umgesetzt. Fülle die Töpfchen vorab mit Erde und drücke sie leicht fest. Mit dem Pikierstab kannst du in der Mitte ein tiefes, aber schmales Loch in die Erde bohren und das Pflänzchen vorsichtig einsetzen. Die Wurzeln sollten sich dabei nicht nach oben biegen.
Alles Wissenswerte zum Thema Pikieren erfährst du hier.
Und nun heißt es: Abwarten und sich auf eine hoffentlich gute Ernte freuen!

 

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Über die Autorin

Annika Müller

Annika Müller studiert an der Universität Augsburg Geographie. Mit viel Engagement hat sie sich am Lifeguide-Uniseminar 'Journalistisches Schreiben' beteiligt und ihren Abschlussartikel der Frage gewidmet: Wie viel Platz und wie viel Besitz brauchen wir wirklich?

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