„Ich will es so machen wie der Dachs“

Was Nachwuchsjournalist*innen zum Thema Umweltschutz sagen

Dieser Lifeguide-Artikel erscheint am 29.Mai 2020 auch in der Purpur, dem Magazin zu verantwortungsvollem Leben in Augsburg und Umgebung aus dem Hause liesLotte.

 

Welche Themen sind Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Umweltschutz derzeit am wichtigsten? Was brennt ihnen gerade unter den Nägeln und was würden sie gern tun, um unsere Welt zu retten? Dies waren die Fragen, die 200 Schüler und Schülerinnen aus sieben Augsburger Schulen am Held*innentag im Augsburger Rathaus beschäftigten. Einen ganzen Tag lang drehte sich alles um das Thema Nachhaltigkeit.

Im Lifeguide-Workshop sprachen und schrieben rund 50 junge Nachwuchsjournalist*innen über ihre Ziele, Träume und Wünsche. Für überdurchschnittlich viele von ihnen sind wir - ihre Eltern, Großeltern oder älteren Geschwister - das Vorbild Nummer 1 in Sachen Umweltschutz. Und Umweltschutz fängt für sie hier bei uns, vor unserer Haustür statt.

Mein Vorbild ist meine Großmutter. Diese Frau ist echt bewundernswert, man kann so viel von ihr lernen.“ Evelyn-Marie (15)

Die 15-jährige Evelyn Marie berichtet, dass ihre Oma trotz finanzieller Einschränkungen versucht Bio-Lebensmittel und Unverpackt-Produkte zu kaufen. „Ich bewundere meine Oma dafür, dass sie immer und immer versucht, doch etwas zu bewegen. Auch wenn das nur einer von vielen Menschen ist, aber trotzdem ist das schon mal einen Schritt weiter“, schließt Evelyn-Marie ihren Bericht. Auch für die anderen Jugendlichen sind „Mum und Dad“, die Mutter oder der Stiefvater Vorbilder.


Eltern, Großeltern oder älteren Geschwister sind Vorbild Nummer 1

Dieser Vertrauensvorschuss ehrt uns. Und er sollte unsere Generation motivieren, auch in Zeiten von Covid 19 und strengeren Hygienevorschriften, weiterhin an den Klimaschutz zu denken. Beispielsweise im Umgang mit den Verpackungen von Essen-to-go, die derzeit aus den Mülleimern der Innenstädte quellen.


Verpackungsmüll und deren Vermeidung ist für die meisten Jugendlichen ein zentrales Thema. Lilian, Laura und Sophia (13) stellen gleich eine ganze to-do-Liste zusammen, was sie tun können, um Plastikmüll zu vermeiden.

Wir wollen in Zukunft „nur Dinge kaufen, die man braucht, eigene Schüsseln zum Einkaufen mitnehmen, aus Glasflaschen trinken, kein Plastikbesteck verwenden, Recup-Becher (=Pfandbecher) benutzen oder Früchte selber pflücken (z.B. auf dem Erdbeerfeld).“ Lilian, Laura und Sophia (13)

„Meine Mutter achtet schon sehr lange auf ihr Kaufverhalten und meidet Plastik. Wir haben seit Jahren keine Plastikstrohhalme mehr zu Hause, sondern stattdessen welche aus Bambus oder Metall“, ergänzt Lilly (15) die Liste. Auch Stoffbeutel als unverzichtbare Einkaufbegleiter werden immer wieder empfohlen.
Vitus (13) macht sich vor allem Sorgen um die Weltmeere.

Für mich haben die Ozeane eine wichtige Bedeutung, da es mir sehr am Herzen liegt, was mit den Lebewesen und Pflanzen passiert. In den Ozeanen befinden sich Unmengen von Plastik, die sich häufig in riesigen Strudeln befinden.“ Vitus (13)

Als Lösung schlägt Alexander (13) kurz und knapp vor: „Investieren in die Entwicklung von mobilen Maschinen zur Beseitigung von Plastikmüll in verschiedenen Ländern.“

 

Es geht auch ohne Eltern-Taxi

Außerdem steht das Thema Verkehr, CO2-Belastung und Fortbewegung bei den Jugendlichen auf der Agenda. „Ich wünsche mir, dass alle Leute auf der Erde Elektro-Autos fahren“ lautet die klare Ansage von Tuana (13). Um den CO2-Ausstoß zu verringern sind die meisten der Schülerinnen und Schüler bereit, auf das Eltern-Taxi zu verzichten:

Ich möchte mehr mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, da ich oft noch mit dem Auto herumgefahren werde, obwohl ich Fahrrad fahren sehr gern mag." Yves (13)

Wenn es gar keine Alternative zum Auto gibt, kennt Mia (13) die Lösung: „Ich spiele Handball und oft sind die Spiele weiter weg. Damit wir nicht so viel CO2 verbrauchen, schlage ich vor, dass wir Fahrgemeinschaften bilden.“ Während Arthur (15) noch seine Mutter davon überzeugen will, mit dem Fahrrad statt dem Auto zur Arbeit zu fahren, hat Franziskas (13) Familie bereits eine sehr nachahmenswerte Lösung entwickelt:

Meine Vorbilder in Sachen Umweltschutz sind meine Eltern. Sie machen jedes Jahr einen Wettbewerb, wer am Ende mehr Kilometer mit dem Fahrrad gefahren ist.“ Franziska (13)

Keine Kinderarbeit

Auch beim wichtigen Thema Bekleidung zeigen die Schüler*innen Verantwortung. Viele wollen mehr Second-Hand-Klamotten kaufen. Tomislav (15) will zusätzlich auf die Arbeitsbedingungen der Näherinnen achten: „Ich möchte beim Einkauf von Kleidern schauen: Wie wurden sie hergestellt? Haben Kinder auch gearbeitet? Ich hoffe, dass viele Menschen das auch machen und die Welt besser wird.“


Wenn‘s ums Essen geht, ist der gute Wille zu spüren: „Ich will anfangen, mich gesünder zu ernähren, also selten Coca Cola trinken, auf Energy-Drinks verzichten und einmal am Tag einen großen Teller Salat essen,“ nimmt sich Wolf Alexander (14) vor. Andere Jugendliche wollen weniger Fleisch essen und sorgen sich um das Tierwohl: 

Viele Tiere werden schlecht gehalten (Massentierhaltung) und schlecht behandelt, wovon wir oft nichts mitbekommen. Deswegen ist es wichtig, das zu ändern. Wir sollten seltener und hochwertiges Fleisch essen.“  Fenya (14)

Emily (15) und Alina (15) sind bereit, sich für ihre Ziele einzusetzen und selbst etwas zu unternehmen. Alina will als Klassensprecherin in allen Klassen Vorträge zum Thema Klimaschutz halten: „ ...denn es wird viel zu wenig darüber geredet“ und Emily wünscht sich vor allem mehr Toleranz für die Klima-Demos der Schüler*innen der Fridays-for-Future-Bewegung, die bis vor zwei Monaten noch jeden Freitag stattfanden:

Viele sind von den Klima-Demos genervt. Aber mir ist Im Moment am wichtigsten, dass man den Menschen das Thema Klimawandel nahebringt." Emily (15)

Das Schlusswort gehört Jakob (13) und Jenny (15), die mit sehr unterschiedlichen Worten einen ähnlichen Wunsch äußern – unterstützen wir unsere Kinder dabei! Jakob:

Mein Vorbild ist der Dachs, da er vor und in seinem Bau aufräumt und weil er ein schönes Tier ist. Ich werde meinen Müll nicht in die Umwelt werfen, weil ich es so machen will wie der Dachs.“ Jacob (13)

Für mich ist im Moment sehr wichtig, die Umwelt zu schützen und die Erde so zurückzulassen, wie auch ich sie aufgefunden habe.“ Jenny (15)

 

Was sagen Vitus, Fenya, Meliha und Evelyn-Marie? 

Und hier geht es zu einer kleinen Auswahl der tollen Texte unserer 50 Nachwuchsjournalist*innen. Wir bitten um Verständnis dafür, dass wir nicht alles veröffentlichen können. Unsere Redakteurin Cynthia Matuszewski hat ihren Autor*innen bereits beim Schreiben versprochen, dass allein ihre Gedanken zählen und sie nicht auf die Rechtschreibung achten müssen. Denn es standen nur etwa 20 Minuten Schreib-Zeit zur Verfügung. Unsere Redaktion hat die wenigen kleinen Rechtschreibfehler geglättet und für die bessere Lesbarkeit ab und zu ein Komma hinzugefügt, die Texte aber ansonsten unverändert gelassen. Viel Vergnügen beim Lesen. 

 

Vitus (13): „Plastik zerstört Lebensraum in Ozeanen“

Für mich haben die Ozeane eine wichtige Bedeutung, da es mir sehr am Herzen liegt, was mit den Lebewesen und Pflanzen passiert, da mein Traumberuf sehr damit verbunden ist. In den Ozeanen befinden sich Unmengen an Plastik, die sich häufig in riesigen Strudeln befinden. Einer dieser Plastikfelder befindet sich zwischen Kalifornien und Hawaii und erstreckt sich über tausende von Kilometern durch den Pazifischen Ozean. Den größten Plastikanteil hat der Indische Ozean (Indik), mit dutzenden tausend Tonnen, obwohl er überhaupt nicht der größte Ozean ist. Das liegt vor allem daran, dass der Indik ein sehr wichtiger Handelsweg ist. In dem Indischen Ozean befindet sich ein Großteil der Korallenriffe, wie die Malediven. Der Müll kann sich durch das Rote Meer einen Weg bis zu dem Mittelmeer durch den Suezkanal bahnen. Aber auch der Atlantik und der Pazifik haben einen viel zu großen Plastikanteil. Das schlimmste Plastik ist das Mikroplastik. Es gelangt in den Körper der Tiere, zum Beispiel, wenn es Fische mitfressen. Wenn wir dann wiederum den Fisch essen, dann gelangt das Mikroplastik in unseren Körper. Das ist dann ein Kreislauf, der schwer zu unterbrechen ist und mit dem wir den Lebensraum der Tiere und Pflanzen zerstören.

 

Fenya (14): “Weniger Fleisch, mehr Tierwohl“

Viele Tiere werden schlecht gehalten (Massentierhaltung) und schlecht behandelt wovon wir oft nichts mitbekommen. Deswegen ist es wichtig zu ändern - das wir seltener und hochwertigeres Fleisch essen. Es ist gut sich zu informieren, von wo das Fleisch kommt und wie es (das Tier) gehalten wurde. Es ist wichtig, dass das Fleisch regional ist und natürlich ist es am besten, wenn das Tier nach dem Schlachten ganz verwertet wird. Denn hauptsächlich essen wir nur das Beste und der Rest wird nach Asien verfrachtet und dadurch haben viele in Asien keine Arbeit mehr.

 

Evelyn-Marie (15): „Meine Großmutter ist echt bewunderswert“

Mein Vorbild zum Thema Umweltschutz ist meine Großmutter. Diese Frau ist echt bewundernswert, man kann so viel von ihr lernen. Wie auch beim Thema Umweltschutz bzw. nachhaltiger zu leben. Auch wenn ihr nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, versucht sie es trotzdem auch wenn das relativ schwer ist.
Naja, Bio kostet Geld und unverpackt Läden sind teurer als normale Supermärkte.
Aber trotz solcher Dinge versucht sie so wenig Plastik und Müll zu produzieren. Denn da sie selbst weiß wie schön und einzigartig die Natur doch ist von ihrer Kindheit von der sie mir vieles schon erzählt hat.
Ich bewunder meine Oma dafür, dass sie trotz solcher Einschränkungen immer und immer versucht doch etwas zu bewegen auch wenn das nur eine von vielen Menschen ist, aber trotzdem ist das schon mal ein Schritt weiter.

 

Alexander (13): „Vorschläge für eine nachhaltigere Welt“

  • Investieren in die Entwicklung von mobilen Maschinen zur Beseitigung von Plastikmüll in verschiedenen Ländern
  • Keine Rodung von Regenwalder
  • Widerverwertung von Plastik
  • Entwicklung von alternativen Antrieben für Autos
  • Bau größerer Grünflächen in Städten
  • Errichtung von Fahrradwegen

 

Franziska (13): „Meine Eltern radeln und garteln"

Meine Vorbilder in Sachen Umweltschutz sind meine Eltern. Sie machen jedes Jahr einen Wettbewerb, wer am Ende mehr Kilometer mit dem Fahrrad gefahren ist. Sie bauen in ihren Gewächshäusern alles an was geht. Im Sommer machen wir mit unseren Tomaten Ketchup und Tomatensoße, im Herbst saften wir Äpfel und machen Apfel- und Birnenmuß. Im Garten wachsen außerdem auch Pflanzen wie Kiwi und Physalis.

 

Angelina (17): „Fürs Klima aufs Autofahren verzichten“

Mein Vorsatz für das neue Jahr ist es, mehr mit öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren oder auch mit dem Fahrrad. Ich werde nicht mehr jedes Mal meine Eltern oder meine Schwester fragen, ob sie mich fahren können.
Da es nicht gut für das Klima ist, wenn man immer mit dem Auto rumgefahren wird, deshalb möchte ich mehr mit öffentlichen Verkehrsmittel oder mit Fahrrad oder mit den neuen E-Rollen fahren.

 

Zena (14): „Alle können etwas Gutes für die Welt tun“

Für das neue Jahr wäre es besser, wenn alle ein bisschen mehr über das Klima nachdenken, z. B. weniger Plastik kaufen, Müll trennen, Wasser sparen, weniger Fleisch kaufen. Denn wenn alle etwas Gutes für die Welt machen, kann sich diese Welt bessern. Es sollten auch nicht mehr viele Tiere oder Pflanzen getötet werden, weil Tiere genauso Lebewesen sind wie wir. Wir wollen nämlich auch nicht getötet werden. =) #savetheworld

 

Jenny (15): „Kleine Schritte in die richtige Richtung“

Mir ist im Moment sehr wichtig die Umwelt zu schützen und die Erde so zurückzulassen, wie auch ich sie aufgefunden habe. (...) Ich möchte ebenfalls, dass meine zukünftigen Kinder die Welt so auffinden wie ich. Ich möchte, dass sie genauso die schönen Wälder sehen können, die schöne Landschaften… Vielleicht kann ich nichts Großes bewirken, aber jeder kleine Schritt, selbst etwas nachhaltiger zu leben, z.B. Recycling Papier und weniger Plastik verwenden oder mit den öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren. Jeder Gedanke nachhaltiger zu leben oder es wirklich umzusetzen, ist bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Für mich persönlich ist es wichtig, selber (einen) Beitrag zu leisten und ebenfalls zukunftsorientierter zu leben. Für mich, für die Umwelt, für meine Mitmenschen und für meine Kinder. =)

 

Meliha (15): „Wir sind alle gleich“

Es ist erstaunlich dass wir im 5-stärksten Industrieland leben und trotzdem Mensch hier nicht akzeptiert werden, obwohl wir die Möglichkeiten haben, Menschen aus bedürftigen Ländern oder Kriegsländern aufzunehmen, gibt es dennoch Menschen, die sie nicht akzeptieren generell in Deutschland. Ich möchte niemanden damit ansprechen, aber jeder Mensch hat einen Wert, nur das wir denken dieser Wert ist unterschiedlich groß. NEIN wir sind alle dasselbe Geschöpf, haben alle dieselben RECHTE, PFLICHTEN und WERTE. Egal ob arm oder reich, oder berühmt oder nicht, arbeitslos oder beschäftigt, Immigrationshintergrund oder nicht, trotz all dieser Punkte gibt es uns kein Recht, jemanden zu diskriminieren als „weniger Wert“ abzustempeln.
Nehmen wir an, wir haben 50€. Wir wissen seinen Wert. Ist er in einen Louis-Vuitton-Geldbeutel oder liegt er zerknüllt auf der Straße? Er hat denselben Wert.
Und so ist es mit uns, wir müssen lernen uns selbst zu lieben aber wir sind niemals im Leben mehr oder weniger Wert als andere Menschen auf der Welt.
Wir sind alle gleich!!!

Umweltschutz, Schule, Heldinnentag, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Umweltschutz, Schule, Heldinnentag, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Umweltschutz, Schule, Heldinnentag, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski
Umweltschutz, Schule, Heldinnentag, Augsburg, Foto: Cynthia Matuszewski

Über die Autorin

Cynthia Matuszewski

Cynthia Matuszewski ist Journalistin und Fotografin. Sie ist ein Fan von konstruktivem Journalismus. Der fragt nicht nur: „Was ist das Problem?“, sondern auch „Gibt es Lösungen oder Teillösungen – und wenn ja, welche?“ und „Sind diese Ideen auch alltagstauglich?“. Deshalb ist sie seit 2013 begeisterte Chefredeakteurin vom Lifeguide Augsburg. Denn hier kann sie von Menschen und Projekten erzählen, die unsere Welt verändern wollen – und zwar so, dass sie gerechter, umweltfreundlicher und lebenswerter wird. Von diesen Mutmacher*innen gibt es viele – und zwar direkt vor unserer Haustür, sagt Cynthia. Geprägt hat sie ihre heitere Kindheit in Köln und ihre Zeit im zweigeteilten Berlin – wo sie eine Lehre zur Fotografin absolvierte und mit Fotoaufträgen ihr Studium an der Freien Universität Berlin finanzierte. Sie hat sowohl für Printmedien und Hörfunk gearbeitet, als auch als PR-Referentin. Sie engagiert sich für Frauenrechte und glaubt nach wie vor an die Kraft der Sprache. Deshalb befürwortet sie auch das holprige, für notwendige Veränderungen aber in ihren Augen unentbehrliche, Gender-Sternchen*. Seit 2019 ist sie – zusammen mit den anderen Macher*innen des Lifeguide – stolze Trägerin des Augsburger Zukunftspreises.

Neuen Kommentar schreiben