„Die Kinder im Lager leiden am meisten“

Lasst uns die minderjährigen Flüchtlinge aus den überfüllten griechischen Lagern holen!

"Wir dürfen nicht schweigend zusehen!", sagt die Augsburger Ärztin Dr. Maria Möller. Sie war 2019 neun Wochen im medizinischen Einsatz auf der griechischen Insel Lesbos. Ihr Bericht und ihr Plädoyer für Hilfe und Menschlichkeit:

Demokratie lebt von der Einmischung, so unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seiner Weihnachtsansprache 2019.

Im Jahr 2019 war ich insgesamt neun Wochen im medizinischen Einsatz mit den Medical Volunteers International e.V. auf Lesbos,  nahe dem großen Flüchtlingslager Moria. Im Sommer hatte sich die Lage etwas entspannt, es waren „nur“ etwa 8.000 Menschen im Lager Moria, das für rund 2.000 Menschen ausgerichtet ist und man hörte kaum mehr von den schlechten Bedingungen der dort lebenden Menschen.
Jetzt im November 2019 war die Arbeit dort sehr schwer geworden. Die Lage hat sich extrem zugespitzt, täglich kommen ca. 400 neue Flüchtlinge auf Lesbos an und die Gesamtzahl hat sich mehr als verdoppelt. Derzeit leben 21.322 Menschen auf der Insel, davon im Lager Moria ca. 18.500.

Die Situation verschärft sich auch auf allen anderen griechischen Inseln. Laut der unabhängigen norwegischen Nichtregierungsorganisation "Aegean boat report" kommen pro Woche 945 Flüchtlinge auf den ägäischen Inseln an. In der ersten Januarwoche 2020 leben in den Camps auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos  insgesamt 42.000 Menschen, 14.700 Kinder und 2.200 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMFs). Auf das Festland verlegt wurden gerade mal 938 und auf ein Interview zur Klärung des Flüchtlingsstatus warten die Menschen länger als ein Jahr. 

So viele Menschen auf einem Raum unter katastrophalen Lebensbedingungen! Hass, Streit, Kämpfe, Misstrauen, Diebstahl, Vergewaltigung, Selbstmorde... Besonders Schutzbedürftige wie alleinstehende und/oder missbrauchte Frauen und vor allem auch unbegleitete Minderjährige bekommen keine Schutzräume mehr.

In kleinen wasserdurchlässigen Zelten müssen sie dichtgedrängt und unter miserablen hygienischen Bedingungen, ohne warme Kleidung und ausreichend Decken in einem Olivenhain leben. Meine Kontaktpersonen berichten, dass es jetzt im Januar 2020 auf Lesbos mit 4 °C schrecklich kalt ist, es regnet, die Krätze breitet sich aus und Ratten vermehren sich.

Die Initiative des Grünen-Chefs Robert Habeck – zeitnah und unbürokratisch unbegleitete Minderjährige in Deutschland aufzunehmen - stößt zwar bei einzelnen Politiker*innen und einzelnen Bundesländern auf Zustimmung – so würde Niedersachsen minderjährige Flüchtlinge aufnehmen, wird aber derzeit von der Bundesregierung abgelehnt. Laut Ministeriumssprecher Steve Alter bestehe "keine Lebensgefahr für die Jugendlichen".

Meine Erfahrung zeigt, dass zwar keine unmittelbare Lebensgefahr, aber eine Gefahr für das Leben dieser jungen Menschen besteht.

In Deutschland wurden sehr gute Strukturen aufgebaut für die unbegleiteten Minderjährigen - UMFs. Die Stellen werden derzeit wieder abgebaut, Einrichtungen geschlossen. Warum? So viele minderjährige Flüchtlinge brauchen dringend unsere Unterstützung! Wir müssen uns einmischen! Bitte helft mit! Es ist eine humanitäre Aufgabe!

Augsburg, 8.1.2020

Dr. med. Maria Möller, praktische Ärztin
Flüchtlingsmedizin

Hier eine Petiton zum Unterschreiben:
https://weact.campact.de/petitions/1-000-unbegleitete-minderjahrige-fluc...

Hier eine weitere Kampagnie:
https://b-umf.de/p/call-to-action-kampagne-wirhabenplatz/

SOS Lesbos: Hilfsgüter für Flüchtlinge nach Lesbos schicken

Spendenaktion auf Schloss Blumenthal

 

Das Gemälde, das unseren Artikel bebildert, stammt von Razieh, einer Flüchtlingsfrau und wurde von Maria Möller bei einer Ausstellung des HopeProjects auf Lesbos fotografiert.

 

Folgende Lifeguide-Artikel könnten Sie auch interessieren:

Flucht, Flüchtlinge, Boat-People, Foto: geralt, Pixabay
Flucht, Flüchtlinge, Boat-People, Gemälde: Razieh, Reproduktion: Maria Möller

Über den Autor

Lifeguide Augsburg

Nachhaltig leben in der Region Augsburg

Kategorie(n): 

Downloads zum Artikel: 

Neuen Kommentar schreiben